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  1. #1
    Raul Endymion Raul Endymion ist offline

    Die Glasbücher der Traumfresser - Gordon Dahlquist



    Die Glasbücher der Traumfresser von Gordon Dahlquist

    Klappentext:
    Verpassen Sie keinesfalls den letzten Zug nach Harschmort Manor! Eine sitzen gelassene junge Lady, ein professioneller Killer und der Leibarzt eines mecklenburgischen Prinzen ziehen in einer rasanten Tour de Force durch das viktorianische England. In einem bizarren Herrenhaus entdecken sie erotische und haarsträubende Geheimnisse und riskieren ihr Leben, ihre Ehre und ihre Tugend, um die Welt vor den Gefahren einer alchemistischen Maschine und einer teuflischen Verschwörung zu retten.


    Erscheinung:
    Was natürlich sofort ins Auge sticht, ist die Aufmachung dieses Romans. Jedes Kapitel ist in einem eigenen "Heftchen" untergebracht, die sich alle in einem Schuber befinden. Mit 24 auf 15 cm auch in einem für heutige Verhältnisse recht unüblichen Format. Auch das Cover-Artwork und das verwendete Umschlagspapier erinnern stark Groschenhefte und Schundromane des frühen 19. Jahrhunderts. Von diesem Standpunkt aus gesehen macht das im Bücherregal natürlich schon mal Einiges her, und rechtfertigt daher auch den höheren Verkaufspreis von ~24€.
    (Seit Mitte 2009 jetzt auch als Taschenbuchausgabe erhältlich)


    Der Autor:
    Gordon Dahlquist ist eigentlich Theater-Autor. Mit "Die Glasbücher der Traumfresser" hat er seinen ersten
    Ausflug in das Reich der Romanschreiber hinter sich gebracht. In den USA war das Werk sehr erfolgreich und Dahlquist hat schon einen Vertrag für einen Nachfolger in der Tasche und die Verfilmungsrechte sollen auch schon an ein großes Hollywood Studio verkauft worden sein.


    Inhalt:
    Eines Morgens erhält Miss Temple einen Brief ihres Verlobten, in dem dieser ihre Verlobung sofort für Nichtig erklärt. Doch Miss Temple, mit einem aufbrausendem Temperament gesegnet, kann so eine Unverschämtheit nicht einfach auf sich sitzen lassen und spioniert ihrem Ex-Verlobten Mr. Bascombe hinterher um herauszufinden warum er die Verlobung aufgekündigt hat. Die verfolgung führt sie zu einem ominösen Maskenball in einem abgelegenen Herrenhaus in dem seltsame Dinge geschehen.
    An diesem Ort befinden sich jedoch noch weitere "uneingeladene" Personen.
    Zum Beispiel Kardinal Chang, seines Zeichens abgebrühter Profikiller mit einem Augenleiden und einem Hang zu Gedichten. Er muss im Lauf des Abends überrascht feststellen, dass ihm bei der "Erfüllung" seines Auftrags, anscheinend jemand zuvorgekommen ist.
    Der dritte ungebetene Gast an diesem Abend ist Doktor Adelbar Svenson, seines Zeichens Stabsarzt des mecklenburgischen Prinzen und zukünftigen Thronfolgers. Der Prinz betreibt jedoch ein recht lotterhaftes Leben und gibt sich gerne verschiedensten "Ausschweifungen" hin, vor denen ihn Dr. Svenson eigentlich bewahren sollte. An diesem Abend deutet alles daraufhin, dass sich der Prinz auch auf diesem Maskenball befindet.

    Alle drei Charaktere werden an diesem Abend Zeuge einer ausschweifenden Feier in deren Zusammenhang, erotische Begegnungen, seltsame Maschinen und alchemistische Vorgänge, willenlose Menschen, unheimliche Bücher aus blauem Glas und eine groß angelegte Intrige nur den Auftakt zu etwas viel Größerem bilden. Ehe sie es sich versehen werden die drei zufälligen Zeugen zu Gejagten und schließen in ihrer scheinbar auswegslosen Situation ein Bündnis um einerseits hinter das Geheimnis dieser Verschwörung zu kommen und andererseits natürlich ihr Leben zu retten.


    Das Buch:
    Ja wie fängt man an mit der Beschreibung eines Buchs das so einerseits sich an vielen Bekannten Motiven orientiert, aber doch so anders ist?
    Vor allem baut der Roman auf seine 3 Hauptcharaktere (Temple, Chang, Svenson), die von ihrem verhalten und ihrer Art her kaum unterschiedlicher sein könnten, nun aber gezwungenermaßen zusammenarbeiten müssen und sich dabei doch erstaunlich gut ergänzen. Dabei sind alle 3 keine wirklichen Identifikationsfiguren, aber durch ihr jeweiligen Eigenarten doch recht interessant und auf eine etwas überspitzte Art auch authentisch.
    Der Leser ist dabei den Charakteren nie in irgendeiner Weise voraus. Alle weiteren Enthüllungen der Geschichte erlebt man sozusagen hautnah mit den Charakteren mit, selbst wenn sich die Ereignisse überschneiden.
    Auch diesen "Kunstgriff" setzt Dahlquist recht geschickt ein. Mehrfach ist jedem Charakter (Temple, Chang, Svenson) ein ganzes Kapitel/Büchlein gewidmet. So werden diverse Situationen aus den drei unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt und man landet immer mal kurz in einer schon "bekannten" Szene, wenn sich die Charaktere kurz wieder über den Weg laufen, geht dann aber auch sofort wieder mit der jeweiligen Person "weiter".
    Dadurch entsteht die Situation aus mehreren Perspektiven mitzuerleben, wie es zu manchen Situationen kommt, bzw. wie es danach weitergeht.

    Der Leser muss dabei jedoch recht aufmerksam sein, da die ungeheure Vielzahl an Ereignissen und Personen mit denen man hier wahrlich bombardiert wird, ein schwer überschaubares Maß erreichen. Vor allem die Hintergründe wer jetzt hier mit wem zusammen gegen wen intregiert und warum sich das auf einmal wieder ändert ist schon ziemlich harter Tobak und es wird fast schon etwas mühselig dabei den Überblick zu behalten. Etwas weniger wäre hier ganz sicher mehr gewesen.
    Genau wie auch die Länge des Gesamtwerkes. Vor lauter Verschwörungen und Paktierereien geht dem Buch zwischendurch immer mal ein wenig die Luft aus, bis endlich wieder Fahrt aufgenommen wird. Meiner Meinung anch hätte da etwas Straffung gut getan. Das war einfach ein wenig zu viel des Guten

    Vom Erzählstil und auch von der Sprache her versucht der Autor sich an der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts zu orientieren. Das gelingt (in der dt. Übersetzung) ganz ordentlich, ist aber für das gewohnte Lesebild zuerst etwas schwierig. Wenn man sich darauf einlässt klappt es aber recht problemlos und gibt dem Ganzen auch ein entsprechendes und stimmiges Flair.

    Im Fantasy-Bereich, wo ich das Buch jetzt einordnen würde ist es auf jeden Fall mal etwas anderes.
    Eine seltsame Verschwörung in viktorianischen Zeiten, kombiniert mit seltsamen Maschinen, Träumen, einer ordentlichen Prise diverser Schlüpfrigkeiten und Männerphantasien, vielen originellen Ideen, sowie einem Touch von Jules Verne und Arthur Conan Doyle.
    Es ist jedoch kein absoluter Hammer den ich jedem empfehlen würde. Dafür ist es einerseits zu speziell und zwischendurch einfach zu lang ausgewalzt und dadurch wird der Lesefluss gebremst. Deswegen kommt hier und da doch immer mal wieder Langeweile mit durch. Da fehlt einfach ein wenig der Pfiff


    In gewisser Weise kann ich es daher mit Das dritte Testament von Daniele Nadir vergleichen.
    (Dazu folgt in naher Zukunft auch noch was. )
    Es passt nicht so richtig in eine spezielle Schublade und ist daher auch nicht unbedingt für jeden zu empfehlen. Vor allem da es auch einige Längen hat und etwas vor sich hintrödelt.
    Auf der anderen Seite hat man wieder einen originellen Roman in der Hand der die ausgetretenen Pfade verlässt und mal etwas Neues probiert.

    Persönlich lag mir doch Nadirs Höllenepos etwas mehr als die Glasbücher.
    Schlecht sind sie trotzdem nicht, aber halt ein wenig speziell.


    Fazit:
    Interessanter Lesestoff, mit ein paar Schwächen, für denjenigen der auch gerne mal etwas Abseits der ausgetretene Lesepfade wandeln möchte.

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    Die Glasbücher der Traumfresser - Gordon Dahlquist

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  3. #2
    Bibimaus Bibimaus ist offline
    Avatar von Bibimaus

    AW: Die Glasbücher der Traumfresser - Gordon Dahlquist

    Klingt auf jeden Fall nicht schlecht. Aber du sprichst ja mehrmals davon, dass es ziemlich lang und deshalb stellenweise vielleicht auch ein wenig langatmig ist. Wie lang sind die Bücher/das Buch denn eigentlich insgesamt? Also, wieviele Seiten?

    Ich finde übrigends das Format auch sehr aufregend - ist mal was ganz anderes. Mal sehen, vielleicht schaff ich mir die Glasbücher bei Zeiten auch mal an. Da ich sehr viel und gerne Fantasy lese, bin ich lange und auch langatmige Bücher ja schon zum Teil gewöhnt. Vorallem, weil es die meisten ja nur in Zyklen, sprich Triologien, etc. gibt.

  4. #3
    Raul Endymion Raul Endymion ist offline

    AW: Die Glasbücher der Traumfresser - Gordon Dahlquist

    Insgesamt dürfte es sich so um etwa 900 Seiten handeln.
    Aber wie schon erwähnt empfand ich es teilweise als "überflüssig" langatmig und nicht langatmig im Sinne von einem breit ausgewalzten Epos.
    Aber originell ist es allemal.

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