Wenn ich mir so ansehe, was wieder mal der Großteil hier von sich gibt, könnte ich wieder mein gerade verspeistes Mittagessen von mir geben...
Vorab, ich finde die Taten von Wulff sprechen für sich selbst und zeugen nicht gerade für ein Vorbild, was jemand in seinem Amt sein müsste. Trotzdem finde ich es fraglich, ob ein Rücktritt (in diesen Tagen - Schuldenkrise, potentieller Untergang der EU, Währungskrise, etc.) erfolgen hätte sollen. Gerade jetzt brauchen wir Stabilität, Europa blickt auf Deutschland - versteht mich nicht falsch, Europa blickt nicht auf ein paar User im Forum und es geht denen einen Dreck an, was ihr oder ich denke. Aber das politische Geschehen schon. Deutschland ist sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene ein Vorbild. Wer war der Motor Europas nach der Finanzkrise 2008? Wer führt gerade Europa aus seiner tiefsten Krise seit dem 2. WK an?
Wie das alles mit Wulff zusammenhängt? Ich glaube einfach, dass man die ganze Diskussion nicht zZ gebraucht hätte. Die Kanzlerin, die meiner Meinung nach zu den stärksten Figuren in Europa, ja auch in der Welt zählt, befindet sich mit Schäuble ziemlich allein im momentanen Fiasko. Die Amerikaner haben ja schon gesagt "No bailout for EU" (Keine Hilfen an EU), die Chinesen verlangen fast unerfüllbare Bedingungen für ihre Gelder und was machen wir? Wir streiten wegen Banalitäten. Ja meint ihr, dass die Geschichte mit dem Bundespräsidenten bereits fertig wäre? Wer wíll dies noch werden? Nach 2 zurückgetretenen BP wird man den Abschied des 3. schon mit der Stoppuhr abwarten. Ein BP der kein Vertrauen beim Volk genießt, können nicht mehr regieren heißt es. Ja was für ein Vertrauen kann sich der/die neue Bundespräsident/in denn erwarten, nachdem 2 seiner/ihrer Vorgänger aus dem Amt gejagt wurden. Ich finde, dass es im Einzelfall und unter anderen Umständen berechtigt wäre, aber so...
In meinen Augen hat sich eine Person, die hart arbeitet (und mit hart meine ich über 50h die Woche!!!) Sonderrechte zu haben. Da beklagen sich Berufsgruppen, die keine größere Verantwortung weder Leistung erbringen, mindestens die gleichen Sonderrechte wie der Bundespräsident zu haben?! Geht's noch? Weiß jemand von euch, was es heißt, solch große Verantwortung zu haben? Hat irgendjemand von euch schon mehr als40h die Woche gearbeitet? Bock auf tägliche Überstunden? In Deutschland schreit man schon, wenn man Überstunden und Flexibilität in den Mund nimmt...bzw. sind es immer dieselben Menschen.
Und dabei beziehe ich mich nicht (nur) auf Wulff. Diese Diskussion geht weit tiefer. Es ist doch nicht die Empörung, die aus vielen kommt, dass sich der BP einen Gratistrip nach Florida geleistet hat oder irgendwelche Sonderrechte bei Hotelbesuchen bekommen hat. Nein, es ist der Neid, der die menschliche Spezies seit Jahrhunderten begleitet. Neid, dass man nicht so viel geschafft hat und statt in Florida mit einer wunderschönen Frau, verbringen diese Menschen einen Urlaub vor dem Grill im Garten - alleine oder mit jemanden, bei welchem das Alleinsein als die bessere Wahl sich herausstellen würde.
Nochmal, das hier ist keine Generalisierung. Natürlich ist ein Großteil der "Protestler" über das Verhalten ihres BP empört. Aber dass diese Menschen so blind sind, dass sie nur die Fehler/Risiken, nicht aber die potentiellen Konsequenzen des Rücktrittes einsehen und eventuelle Taten/Vorteile, hat sich ja schon in der Kernenergiediskussion in Deutschland herausgewurzelt. Da wurden ja über Nacht Regierungswechsel, Atomanlagen abgeschalten, verkehrte bzw. unrealisierbare Versprechungen, etc. gegeben.
Ein gewisser User hier hat noch potentielle Nachfolger angegeben. Aber statt auf deren Qualifikationen und was sie für einen Mehrwert erbringen würden, einzugehen, wurden nur Zeitungsartikel, die über die "Fehler" der besagten Kandidaten berichten, gesprochen. Ja was erwartet ihr euch? Einen Heiligen im Bundespräsidialamt? Womöglich wäre das auch zu wenig für einige hier, da man immer was findet, wenn man lange genug sucht.
Einige hier scheinen im Märchenland zu leben. Ja was meint ihr, wie man sich Toppositionen verdient? Mit Ehrlichkeit, Naivität und Offenheit? Guten Morgen Deutschland!!! Wohl kaum! Alles geht über Beziehungen. Wenn ihr mal eine Topposition anstrebt, könnt ihr für diese Position auch überqualifiziert sein, aber jemand, der die besseren Beziehungen als ihr habt, wird die Position bekommen. Das ist nun mal so. Und deswegen hat auch jeder intelligente Mensch, der es zu etwas bringen will, Beziehungen. Das hat nichts mit Boshaftigkeit noch mit falschen Weltvorstellungen zu tun - diese Leute haben kapiert, wie die Welt läuft. Wulff hat sich von denen was zahlen lassen - ich finde dies auch nicht entzückend. Aber weswegen in D alles aufgestampft wird. Da haben Italiener & Co. ganz andere Geschichten zu erzählen. Wahrscheinlich würden dieselben Leute auch Helmut Schmidt mit Steinen bewerfen und Konrad Adenauer (möge er in Frieden ruhen) als Diktator aus dem Land jagen. Versteht ihr nicht, dass es nicht um Einzeltaten, sondern um das Gesamtkonzept geht. Wäre es eine Einzelentscheidung - also ohne dass Wulffs Vorgänger auch zurückgetreten wäre, es keine Schuldenkrise in Europa gäbe, wir nicht vor dem Zerfall der Union stehen würden - ja, dann würde ich die Rücktrittsforderungen (und Rücktritt) auch gutheißen. Aber so? Was erwartet man sich vom Nachfolger? Soll er über dem Wasser gehen können?
Ich kann mir schon denken, was es jetzt an Empörungsposts hageln wird. Ich denke nicht, dass ich auf diese eingehen werde, da ich eingesehen habe, dass es mit Idealisten und Träumern gar nichts zu diskutieren gibt. Vllt. soll dieser Post eher als Anregung denken. Ich möchte keinen falschen Eindruck vermitteln - ich werbe weder um Mitleid noch Unterstützung für Wulff - aber diese Extremitäten, vom kalten Wasser ins nächste hüpfen, ohne sich über die Konsequenzen der Tat bewusst zu werden, können auf Dauer nicht gut gehen.