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  1. #1
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Albert und das Schicksal der Welt

    Hallo Gemeinde,

    ich habe lange nachgedacht und bisher immer davor zurückgeschreckt, euch eine Geschichte zu zeigen, die ich vor ca. 2 Jahren mal geschrieben habe. Aber in letzter Zeit spiele ich immer häufiger mit dem Gedanke, die Geschichte hier zu veröffentlichen. Trotz der bestehenden Gefahr, dass es niemanden interessiert oder dumme Reaktionen darauf folgen. Naja ... zumindest auf meine Gedichte und Gedankentexte kam bisher keine einzige dumme Reaktion, höchstens freundliche Reaktionen und das hat mir Mut gemacht.
    Ich hatte mir zwar auch überlegt, diese Geschichte mal an Verlage zu schicken und zu sehen, was diese davon halten, aber einerseits ist sie zu kurz (29 Seiten), um ein ordentliches Buch daraus zu machen und anderseits würde sich das Werk aller Voraussicht nach nur sehr schlecht verkaufen. Daher veröffentliche ich es hier kostenlos. Am Montag wird der erste Teil der Geschichte folgen. Ich muss sie erstmal noch sinnvoll in mehrere Teile zerlegen, die ich dann nach und nach in diesen Thread hier reinpacke. Heute gibt es zunächst eine kleine Beschreibung zu der Geschichte, sodass alle, die hier eventuell mitlesen werden, wissen, was auf sie zukommt.

    Die Geschichte ist sehr fantasiebetont und handelt von einem jungen Mann namens Albert (zur Überraschung aller weist er genau wie ich ein misanthropisches Denkmuster auf), welcher durch mehrere aufeinander folgende Zufälle auf eine kleine Reise geschickt wird, an dessen Ende die Frage steht, ob die Menschheit ausgelöscht oder vor ihrem Untergang gerettet werden soll. Und ausgerechnet Albert wird der jenige sein, der diese Entscheidung treffen muss. Alles weitere werdet ihr erfahren, sobald ihr die Geschichte lest. Behaltet einfach diesen Thread im Auge, falls ihr Interesse habt.

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    Albert und das Schicksal der Welt

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  3. #2
    Aysenhertz Aysenhertz ist offline

    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Moin. Schon mal daran gedacht, ein eigenes Blog zu erstellen? Darin könntest du beispielsweise deine eigenen Storys posten. Wenn du dein Blog dann noch mit dem Blog-Zug verlinkst, bekommst du zusätzliche Leser.

  4. #3
    oso79de oso79de ist offline

    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    UNBEDINGT posten, denn von solchen Leuten wie dir lebt das Forum! Die Idee mit dem Blog finde ich übrigens auch gut, wie Aysenhertz schon schreibt, bekommst du vielleicht noch zusätzliche Leser. Und wieso willst du es nicht versuchen, die Geschichte mal an Verlage zu schicken? 29 Seiten ist doch schon ganz ordentlich und für eine Kurzgeschichte sicherlich ausreichend. Man muss seine Träume auch einfach mal verwirklichen

  5. #4
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Zitat oso79de Beitrag anzeigen
    UNBEDINGT posten, denn von solchen Leuten wie dir lebt das Forum! Die Idee mit dem Blog finde ich übrigens auch gut, wie Aysenhertz schon schreibt, bekommst du vielleicht noch zusätzliche Leser. Und wieso willst du es nicht versuchen, die Geschichte mal an Verlage zu schicken? 29 Seiten ist doch schon ganz ordentlich und für eine Kurzgeschichte sicherlich ausreichend. Man muss seine Träume auch einfach mal verwirklichen
    Mal schauen, was die Zukunft bringt. Möglicherweise werde ich eines Tages versuchen, ein Buch zu veröffentlichen, in welchem es ebenfalls um eine Art Fantasiegeschichte geht, aber das liegt noch in sehr weiter Ferne. Albert und das Schicksal der Welt werde ich kostenlos und exklusiv für forumla veröffentlichen. Die Arbeit, ein Blog anzulegen, mache ich mir wegen dieser einen Geschichte nicht erst, trotzdem danke ich Aysenhertz für den gut gemeinten Ratschlag.
    Falls ich je ein Buch rausbringe, wird die Geschichte, die ich hier erzähle, planmäßig als eine Art Bonusmaterial ebenfalls in jenem Buch auftauchen.^^

    Morgen geht's los.

  6. #5
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 1


    In einem fernen Teil des Universums, weit von der Erde entfernt, lebten seit langer Zeit Menschen auf einem Planet, der damals entdeckt wurde, als es beinahe schon zu spät war. Nach vielen Jahren der Umweltzerstörung durch die Menschen hatte sich eine neue Eiszeit auf der Erde angekündigt. Die Aussicht auf einen baldigen Tod im ewigen Eis entsetzte alle Menschen weltweit. Ein jedes Land gab dem anderen die Schuld dafür, dass es soweit gekommen war. Und so erklärten sich die Länder gegenseitig den Krieg und die Menschheit stand davor, sich in einem letzen Akt der totalen Gewalt endgültig selbst zu vernichten. Während alle anderen Länder damit beschäftigt waren, gegnerische Städte dem Erdboden gleichzumachen und sich blutige Gefechte mit feindlichen Truppen zu liefern, entdeckte ein deutscher Astronom bei seinen Forschungsarbeiten einen Planet, welcher der Erde zum Verwechseln ähnlich sah. Die Politiker des Landes beschlossen daraufhin, all ihre zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um Transportmittel zu mobilisieren, mit welchen sie sich selbst und die hochrangigsten Fachkräfte aus jeder nur erdenklichen Branche auf den neuen Planet umsiedeln konnten. Von den 160 Millionen Menschen, die zu dieser Zeit in Deutschland lebten, wurden zweitausend Menschen ausgewählt und zu dem neuen Planet gebracht. Dank der fortschrittlichen Technologie dauerte der Flug nur acht Monate. Während des Flugs wurde darüber diskutiert, wie man das Leben auf dem neuen Planet gestalten würde. Schließlich hatten die Menschen hier die wahrscheinlich einmalige Chance auf einen Neuanfang, bei welchem sie die Fehler der Vergangenheit vermeiden konnten. Jedoch argumentierte die Mehrheit, dass sich die Menschheit niemals ändern würde und so kam es, dass die Menschen dieses Vorhaben noch vor der Ankunft auf dem neuen Planet aufgaben. Statt sich darum zu bemühen, diesmal vernünftiger mit ihrer Umwelt und miteinander umzugehen, wollten sie viel lieber ein ähnliches Leben wiederaufbauen, wie sie es von der Erde kannten. Auf dem neuen Planet angekommen, machten sich die Menschen daran, die Gegend zu erkunden und ihre Zivilisation aufzubauen.

    Einhundert Jahre nach der Landung gab es bereits 5 Städte auf dem neuen Planet, welchem die Menschen trotz anfänglicher Kritik den Name „Renitium“ gegeben hatten. Probleme gab es in Hülle und Fülle, doch zumindest war eine gewisse Form der Zusammenarbeit zwischen den 5 Städten bemerkbar. Die Bevölkerungsgröße von Renitium umfasste 49.984 Menschen. In Königsberg, der größten Stadt des Planeten, lebte ein zwanzig Jahre junger Mann namens Albert Reinken. Er war ein introvertierter Mensch. Ein Einzelgänger ohne nennenswerte Freunde und mit einer recht negativen Meinung über die Menschheit, welcher seine Freizeit am liebsten damit verbrachte, Gedichte zu schreiben, Bücher zu lesen oder Videospiele zu spielen. Seit Albert seine Ausbildung als Fachkraft für Datenpflege abgeschlossen hatte, war es ihm nicht möglich, einen Arbeitsplatz zu finden. Er wohnte zu Hause bei seiner Familie. Weder seine Mutter noch seinen Vater mochte er besonders. Seine zwei kleinen Geschwister hingegen hatte er gern und kümmerte sich um sie, wann immer es nötig war. Mit seiner Mutter kam Albert noch nie zurecht, da die beiden lebende Gegensätze waren. Während Albert ein Mensch war, der am liebsten seine Ruhe hat und vor sich hin philosophiert, war seine Mutter sehr lebhaft und gesprächig. Nach einem mehr oder weniger harten Arbeitstag in ihrem langweiligen Büro gab es für sie nichts Schöneres, als sich mit einer ihrer vielen Freundinnen zu treffen und shoppen zu gehen oder feierlich Alkohol zu konsumieren. Nur Albert's Vater konnte von allen Familienmitgliedern die Liebe zum Alkohol noch überbieten. Er arbeitete in einem Stahlwerk und kam oft spät nach Hause. Sobald er da war, trank er zunächst drei Flaschen Bier zur Entspannung und schaute sich im Fernsehen Sportsendungen an. Von seinem Vater wurde Albert nie anerkannt, da Albert kein harter Kerl mit hübscher Freundin war, auf den man stolz sein konnte.

    Als Albert eines Mittags an einem neuen Gedicht schrieb, wurde sein Schreibfluss von einem Geräusch an der Haustür unterbrochen. Sein kleiner Bruder kam gerade nach Hause und begrüßte ihn gleich, nachdem er seinen Ranzen abgelegt hatte: „Hallo Albert.“
    Albert reagierte: „Hallo Leon. Wie war es heute in der Schule?“
    Leon antwortete: „Ging schon. Kannst du mir bei meinen Mathehausaufgaben helfen? Ich hab' das wieder nicht kapiert.“
    Albert speicherte die ersten Verse ab, die er in seinen Computer getippt hatte, schaltete ihn aus und setzte sich mit seinem kleinen Bruder in dessen Zimmer, um ihm bei den Hausaufgaben zu helfen. Er half seinen beiden Geschwistern immer, wenn sie Probleme mit den Hausaufgaben hatten und hörte ihnen aufmerksam zu, wenn sie ihm erzählen wollten, was sie bedrückt. Weder Albert's Mutter noch Albert's Vater kümmerten sich besonders um die beiden Kinder. Wenn Albert's Vater nach Hause kam, waren Fernsehen und Bier meist das Einzige, was seine Aufmerksamkeit erregen konnte. Die Mutter von Albert widmete ihren Kindern gelegentlich Aufmerksamkeit, ganz besonders dann, wenn sie mit ihnen Anziehsachen kaufen gehen wollte. Doch viel wichtiger und angenehmer schien sie es zu finden, stundenlang mit ihren Freundinnen zu telefonieren und über alle Belanglosigkeiten des täglichen Lebens zu reden. Kochen war auch eine ihrer Leidenschaften. Wenn Sie ein neues Rezept in einer angesagten Zeitschrift fand, musste sie es immer sofort ausprobieren. Und wenn die Familie nicht alles aufessen konnte, was sie zubereitet hatte, wurde sie sehr schnell launisch.

    Nachdem sich Albert und sein Bruder eine halbe Stunde lang erfolgreich durch die Hausaufgabe gekämpft hatten, ging sein kleiner Bruder nach draußen, um sich mit einem Freund zu treffen. Albert überkam ein leichtes Hungergefühl. Er ging zum Kühlschrank, um sich einen kleinen Snack zu holen. Doch als er die Kühlschranktür öffnete, stellte er fest, dass außer einer Packung Milch und einer angefangenen Packung Butter nichts mehr da war. In der Brotschachtel fand er nur eine drei Tage alte Semmel. Sie war schon viel zu hart, um sie noch zu genießen. Albert nahm etwas Geld und ging Essen für den Abend einkaufen. Während er bei strahlendem Sonnenschein und warmer Luft durch die Straßen lief, überkamen ihn die üblichen Gedanken: „Überall laufen Menschen durch die Gegend. Wer weiß, was die schon für verachtenswerte Dinge in ihrem Leben angestellt haben. Alle laufen sie in Gruppen. Als würden sie allein überhaupt nichts darstellen. Und natürlich muss die Jugend immer nach der neusten Mode gekleidet sein. Bestimmt geht's heute Abend wieder in irgendeinen dämlichen Club und früh halb zwei völlig blau zurück nach Hause. Ich hasse diesen Anblick. Und ich will gar nicht wissen, wie diese Menschen so sind. Die meisten von ihnen würden mir sowieso nur Lügen erzählen und sich verstellen. Und am Ende reden sie genau so dummes Zeug, wie alle anderen. Oder zeigen das Verhalten, welches sie selbst vorher verurteilt haben.“
    Albert war den Menschen schon lange nicht mehr wohl gesonnen. Am liebsten wollte er leben, ohne sich mit ihnen abgeben zu müssen. Er verabscheute primitives Verhalten. Was andere als Spaß betrachteten, bezeichnete er als armselig und widerlich. Er mochte die Menschen nicht besonders, weil er schon oft gesehen hatte, wie sie gewalttätig wurden oder sich über andere lustig machten. Wie sie sich gegenseitig hintergangen hatten und sich scheinheilig anlächelten, obwohl sie einander nicht ausstehen konnten. Er wünschte sich oft, dass die Menschen damit einfach aufhören. Dass sie sich nicht mehr gegenseitig verletzen, egal, auf welche Weise. Wann immer er Menschen auf den Straßen begegnete, denen er schon bei ihrem bloßen Anblick ansah, dass sie gewaltbereit und dumm waren, überkam ihn Hass.
    So lief Albert also über die Straßen, auf dem Weg zum Supermarkt und versuchte, sich nicht so sehr auf die anderen zu konzentrieren. Während Albert Schritt für Schritt voran ging, bemerkte er plötzlich einen dürren jungen Mann, der von zwei kräftigen Jugendlichen belästigt wurde. Sie schubsten ihn amüsiert herum und forderten ihn auf, ihnen all sein Geld zu geben. Alle Passanten gingen abgewendet daran vorbei und taten so, als würden sie es nicht bemerken. Albert fiel beim genaueren Hinsehen auf, dass es sich hier um eine Person handelte, die eindeutig Hilfe brauchte. Er nährte sich den beiden Jugendlichen und sagte mit leicht aggressiver Stimme: „Hey! Was macht ihr da?! Lasst ihn gefälligst in Ruhe!“
    Einer der beiden wendete sich Albert zu und sagte mit einem arroganten Lächeln im Gesicht: „Wie bitte? Was willst du?!“
    In Albert kam der pure Hass auf, während er sagte: „Das habe ich doch gerade gesagt! Aber ich wiederhole es nochmal, für den Fall, dass du taub bist: Lasst diesen Typ in Ruhe!“
    Der Jugendliche wurde ebenfalls leicht aggressiv und reagierte: „Halt einfach dein Maul und verpiss dich!“
    Albert wurde langsam klar, dass er hier mit vernünftigen Worten wohl nicht weit kommen würde und so drohte er: „Vergiss es! Entweder hört ihr beide jetzt auf, diesen Typ zu belästigen oder ich tue euch richtig üble Dinge an!“
    Der Jugendliche kam ihm langsam näher und sagte: „DU willst uns was antun?!“
    Albert reagierte: „Das werde ich, wenn ihr nicht verschwindet!“
    Der Jugendliche deutete auf seine linke Backe und meinte:
    „Na los! Trau' dich! Schlag zu!“
    Er lachte überheblich, da er sicher war, dass ihm nichts passieren würde.
    Albert schlug ihn mit großer Wucht gezielt in sein Gesicht, woraufhin er blutend auf den Fußweg fiel und kaum noch ansprechbar war.
    „Ich hab' dir doch gesagt, du sollst verschwinden!“, sagte Albert mit lauter, wütender Stimme und schämte sich insgeheim für das, was er gerade getan hatte. Der andere Jugendliche schaute Albert geschockt an. Albert machte ihm Angst: „Was denn?! Willst du das gleiche Schicksal erleiden, wie dein dummer Freund? Wenn nicht, dann verschwinde endlich!“
    Der Jugendliche ging mit schnellen Schritten seines Weges, ohne ein Wort zu sagen.
    „Danke für die Hilfe!“, sagte der junge Mann. Albert reagierte: „Nicht der Rede wert!“ und setzte seinen Weg zum Supermarkt fort. Der junge Mann lief mit ihm und sagte: „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand mutig genug ist, mich vor diesen Schlägern zu retten. Mein Name ist übrigens Maik. “
    Albert reagierte: „Ich auch nicht. Aber andererseits hätte es sich für mich richtig mies angefühlt, einfach weg zu schauen und an dir vorbei zu gehen. Warum haben dich diese zwei Idioten belästigt?“
    Maik erklärte: „Ach, die gehen in die gleiche Berufsschule wie ich und machen sich einen Spaß daraus, mich herumzuschubsen und mir mein Essensgeld wegzunehmen. Und wenn sie ganz besonders schlechte Laune haben, schlagen sie auch mal zu.“
    Albert fragte: „Warum holst du dir nicht irgendwo Hilfe?“
    Maik antwortete: „Weil jeder Angst vor denen hat. Außerdem können mich die Leute an meiner Schule nicht leiden. Sie halten mich alle für komisch.“
    Albert fragte weiter: „Warum halten sie dich für komisch und was sagen die Lehrer dazu?“
    Maik sagte: „Den Lehrern ist das egal. Die gehen ihren Unterrichtsstoff durch und achten kein bisschen darauf, was unter den Schülern so passiert. Und ... alle halten mich für komisch, weil ich etwas weiß, was sie lächerlich finden.“
    Albert wurde immer neugieriger: „Und was ist das?“
    Maik antwortete: „Wir sind nicht allein.“
    Albert fragte verwirrt: „Was?“ und Maik erklärte mit leisem Ton: „Du weißt schon. Wir sind nicht die einzigen Lebewesen im Universum. Es gibt auch noch andere. Außerirdische! Und sie werden zu uns kommen. Sie waren sogar schon da.“
    Albert sagte skeptisch: „Woher nimmst du denn diesen Quatsch? Ich habe nicht vor, mich ebenfalls über dich lustig zu machen, aber du bist nicht der Erste, der sowas behauptet und Beweise gab es bisher nie wirklich.“
    Maik meinte flüsternd: „Aber ich kann es mit einem Foto beweisen! Ich habe ein Foto von einem Ufo!“
    Albert reagierte misstrauisch: "Ja ja, das ist garantiert eine Fälschung."

    Mittlerweile waren die beiden beim Supermarkt angekommen. Albert nahm sich einen Einkaufswagen und suchte nach Brot, Margarine und Wurst für das Abendessen. Auch ein paar Süßigkeiten für sich und seine Geschwister wollte er kaufen. Maik war die ganze Zeit an seiner Seite. Er flüsterte ihm zu: „Ich habe das noch niemandem erzählt. Ich habe das Foto doch selbst gemacht, als ich zwei Uhr morgens in den Bergen unterwegs war!“
    Albert fragte: „Ach ja? Und was machst du morgens zwei Uhr in den Bergen?“
    Maik erklärte: „Ich hatte mit meiner Klasse an dem Tag einen Ausflug. Wir sollten Pflanzenarten aus den Bergen fotografieren und sammeln, um sie dann im Unterricht durchzusprechen. Ich hatte eine seltene Pflanze entdeckt und musste die Gruppe voraus gehen lassen, um sie zu fotografieren und zu pflücken. Plötzlich kamen drei Mitschüler und haben mich an einen schmalen Fels gefesselt. Sie sagten: „So und hier bleibst du jetzt erstmal. Vielleicht wirst du ja von deinen Freunden besucht.“. Dann haben sie sich spöttisch darüber kaputt gelacht und mich einfach zurück gelassen.“
    Albert fragte geschockt: „Ist das dein Ernst?“
    Maik sprach weiter: „Ja. Sie haben der Lehrerin erzählt, ich sei alleine zurück nach Hause gegangen, weil ich keinen Bock mehr hatte. Am Anfang habe ich darauf gewartet, dass sie zurück kommen und mich losbinden, aber sie kamen nicht.“
    Albert unterbrach ihn: „Mir will nicht in den Kopf, wie gesunde Menschen so etwas tun können.“
    Maik ging darauf ein: „Naja, sie fanden den gesamten Ausflug totlangweilig und haben sich bereits morgens betrunken. Als sie mich fesselten, waren sie so blau, dass sie wohl nicht wussten, was sie taten.“
    Albert schwieg hasserfüllt, während Maik weiter erzählte: „Am Abend habe ich es dann geschafft, mich zu befreien und bin orientierungslos durch die Berge geirrt. Aber ich wurde schnell müde. Ich habe mich dann einfach hingesetzt und bin eingeschlafen.“
    Nach diesen Worten hörte Maik auf, zu reden.
    Albert meinte: „Das ist schrecklich, was da passiert ist. Hast du das denn nicht irgendeinem Lehrer deines Vertrauens erzählt?“
    Maik reagierte: „Ich will keine Petze sein. Dann hacken sie nur noch mehr auf mir herum.“
    Albert kommentierte: „Ich glaube nicht, dass du mit dieser Einstellung je Ruhe haben wirst. Sie hacken doch auch auf dir herum, wenn sie dich nicht für eine Petze halten, also ergibt diese Ausrede keinen Sinn. Und was ist mit dem Ufo? Ich dachte, du hast eins gesehen.“
    Maik flüsterte: „Nicht so laut! Wir müssen später darüber reden.“ und sagte mit lautem, klar verständlichem Ton: „Nein, habe ich nicht. Da hast du wohl etwas missverstanden. Egal. Hast du nicht Lust, nachher mit zu mir zu kommen?“
    Albert sagte etwas verwirrt: „Ja ... meinetwegen.“

  7. #6
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 2


    Mittlerweile hatte Albert alles, was er kaufen wollte und begab sich zur Kasse, um zu bezahlen. Er packte das Eingekaufte in einen Beutel und machte sich auf den Weg zurück nach Hause.
    Dort angekommen, erwartete ihn sein Vater im leicht angetrunkenen Zustand. Albert fragte ihn: "Was machst du denn jetzt schon hier?"
    Er antwortete: "Überstunden abfeiern. Wer ist denn das?"
    Albert stellte seinen neuen Freund vor: „Das ist Maik. Er ist ein Freund von mir ... oder so ähnlich.“
    Sein Vater reagierte mit spöttischem Ton: „Mein Gott, der ist ja noch schwächlicher als du!“
    Albert sagte mit ironischem Ton: „Ja und es kommt noch schlimmer. Er arbeitet in keinem Stahlwerk und kippt sich auch nicht jeden Tag mindestens drei Flaschen Bier hinter die Birne!“
    „Weichei!“, sagte sein Vater und fügte hinzu: „Da haben sich ja die Richtigen gefunden.“
    Albert kommentierte: „Mit Sicherheit. Ich werde mit ihm ein bisschen raus gehen. Hier sind übrigens ein paar Sachen für das Abendessen.“
    Albert stellte seine Einkäufe ab und machte sich mit Maik auf den Weg zu dessen Wohnung. Maik fragte auf dem Weg: „Sag mal, wie heißt du eigentlich?“
    Albert reagierte: „Mein Name ist Albert.“
    Mai stellte eine weitere Frage: „Ist dein Vater immer so?“
    Albert erklärte: „Ja und es wird schlimmer, wenn er getrunken hat. Dummerweise tut er genau das täglich.“
    Maik fragte weiter: „Und was sagt deine Mutter dazu?“
    Albert reagierte: „Ach, die bleibt da ganz gelassen, geht mit ihren Freundinnen shoppen oder geht hinter seinem Rücken mit anderen Typen fremd. Vielleicht betrinkt er sich ja deshalb. Obwohl ich eher glaube, er würde ihr etwas antun, wenn er über alles bescheid wüsste.“
    Maik schwieg daraufhin, während die beiden weiter voran schritten. Vor der Haustür eines Wohnblocks angekommen, öffnete Maik und meinte: „Meine Wohnung ist im dritten Stock.“
    Albert und Maik stiegen die Treppen nach oben. Dann schloss Maik die Wohnungstür auf und führte Albert ins Wohnzimmer. Er durchwühlte eifrig seine Schubladen und hatte schnell ein Bild gefunden, welches er Albert vor die Augen hielt. Auf dem Bild war es Nacht. Es war ein großes, rundes, graues Objekt zu sehen. Eine Art Luke schien geöffnet zu sein. Aus ihr kam ein sehr helles Licht.
    Das Objekt stand auf steinernem Boden, rund herum waren überall Gebirgsketten zu sehen. Albert betrachtete das Bild und je länger er es ansah, desto mehr fühlte er sich unwohl dabei. Dann sagte er: „Tja ... das sieht nicht wie eine Fälschung aus. Und es scheint wirklich ein Ufo zu sein...“
    Maik kommentierte: „Sage ich doch! Und da kamen Aliens raus! Sie waren vermutlich etwas weniger als zwei Meter groß, hatten dunkle, lilafarbene Haut und komplett schwarze Augen! Ansonsten sahen sie uns Menschen sehr ähnlich. Und sie trugen seltsame Kleidung.“
    „Warum hast du sie nicht fotografiert?“, fragte Albert.
    Maik rechtfertigte sich: „Weil ich Angst hatte! Sie schienen irgendwas zu suchen. Aber sie haben es wohl nicht gefunden und sind nach ungefähr zehn Minuten wieder weg geflogen.“
    Albert sagte fassungslos: „Das ist einfach unglaublich! Kennst du die Stelle noch, an der sie gelandet waren? Und warum gehst du mit dem Bild nicht an die Öffentlichkeit?“
    Maik antwortete: „Weil die Regierung mich dann töten wird. Wenn sie mitkriegen, dass ich Beweise für außerirdisches Leben habe, dann stelle ich ein Risiko dar. Du weißt doch, wie das ist.“
    Albert kommentierte: „Also Erfahrung habe ich damit noch keine. Und vor wie vielen Tagen hast du das Foto gemacht?“
    Maik antwortete: „Vor fünf Tagen.“
    Albert meinte: „Es wäre wirklich mal interessant, ob sich dort noch etwas Anderes finden lässt.“
    Maik reagierte: „Ich will da lieber nicht nochmal hin. Was ist, wenn sie wieder dort sind? Oder wenn die Leute von der Regierung dort sind? Die werden uns ganz sicher umbringen, wenn sie uns dort sehen.“
    Albert sagte mit aufbauendem Tonfall: „Das glaube ich nicht. Die Aliens sind schon längst weg und wenn die Regierung davon weiß, dann braucht sie bestimmt nicht fünf Tage, um sich dort umzusehen. Was ist denn dabei, wenn wir mal ein bisschen durch die Berge wandern? Das wäre mal ein richtiges Abenteuer. Und du könntest dadurch vielleicht mehr über die Außerirdischen lernen.“
    Nach kurzem Schweigen ließ sich Maik überzeugen: „Okay. Dann gehen wir morgen, wenn ich den Unterricht hinter mir habe, in die Berge und wandern. Hol' mich am besten 15 Uhr hier ab.“
    Albert reagierte: „Gut, das werde ich machen. Ich muss nun auch wieder nach Hause. Bis morgen dann.“

    Mit den Gedanken fest bei den Aliens hängend, machte sich Albert in der Abenddämmerung zurück auf den Weg nach Hause. Bisher glaubte er immer, es sei völlig unmöglich, dass es außer den Menschen auf Renitium noch anderes Leben im Universum geben könnte. Doch seit er das Foto sah, das Maik gemacht hatte, war er sich seiner Sache gar nicht mehr so sicher. Er fragte sich, wie die Außerirdischen wohl sind. Ob es auf ihrem Heimatplanet auch die gleichen Probleme gibt, wie hier auf Renitium. Ob sie ebenfalls in einer Gesellschaft leben, in der die Schwachen untergehen und so viele Wesen Leid erfahren. Und Albert konnte es kaum erwarten, mehr über die Außerirdischen zu erfahren, in der Hoffnung, eine Antwort auf diese Fragen zu erhalten. Ganz in Gedanken versunken, lief er unbemerkt an der Haustür seines Hauses vorbei und erschrack, als er merkte, dass er zu weit gelaufen war. Er ging zurück und begab sich in das Haus. Sein Vater saß, wie gewohnt, in seinem Sessel, mit den Beinen auf dem Tisch und war mittlerweile schon beim vierten Feierabendbier angelangt. Im Fernsehen lief eine Sendung, in der ein paar Leute zusammen Poker spielten. Albert's Vater starrte unkonzentriert auf den Bildschirm und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Bierflasche. Die Mutter von Albert war gerade wieder dabei, eine Suppe zu kochen, die sie in einem ihrer angesagten Lifestyle-Magazine gefunden hatte. Während sie kochte, hörte man sie lautstark mit einer Freundin telefonieren. Sie lästerte mit ihr über eine ihrer vielen anderen Freundinnen. Albert begrüßte seine Mutter nicht, da sie ihre Umwelt scheinbar nicht wahrnahm, wenn sie mit ihren Freundinnen telefonierte. Er begab sich geradewegs in sein Zimmer, legte sich auf sein Bett und entspannte bei etwas Musik. Seine Gedanken schweiften in dieser Zeit immer ab und landeten bei verrückten Fantasien oder tiefsinnigen Fragen.
    Eine Stunde später vernahm Albert einen Schrei: „ESSEN!“
    Seine Mutter hatte wiedereinmal mit aller Kraft ihrer Stimme darauf aufmerksam gemacht, dass das Abendessen fertig war. Albert stand auf und ging nach unten. Er setzte sich an den Esstisch. Sein Vater und seine Geschwister waren schon da.
    Die Mutter sagte in die Runde: „Ich hoffe, euch schmeckt diese sogenannte Thaisuppe, die ich zubereitet habe. Die habe ich in der "Lifestyle-Fashion" entdeckt und musste sie einfach ausprobieren. Guten Appetit!“
    Alle kosteten die Suppe und verzogen schon nach dem ersten Löffel ihr Gesicht.
    „Iiiih! Die ist viel zu bitter!“, sagte Albert's kleine Schwester.
    „Genau!“, sagte der kleine Bruder von Albert bekräftigend.
    Albert's Mutter bekam einen ihrer, in dieser Situation nicht unüblichen, Wutanfälle und schrie: „Verdammt, ihr elenden Bälger! Nie ist euch irgendwas gut genug! Ihr habt andauernd nur zu meckern und seid nie zufrieden!“
    Albert unterbrach sie: „Vielleicht wären wir zufrieden, wenn du mal etwas Einfaches zubereiten würdest, was du nicht aus irgendeiner seltsamen Lifestyle-Zeitschrift hast.“
    Seine Mutter schrie ihn an: „Ach halt einfach deine Klappe, Albert! Wenn euch nicht ansteht, was ich koche, dann kocht euren Mist doch alleine!“
    Daraufhin nahm sie ihr Handy und zog sich zurück, um eine ihrer Freundinnen anzurufen und sich über die eben erlebte Situation auszulassen.
    „Dumme Ziege!“ murmelte der Vater von Albert und stand vom Tisch auf, um wieder Richtung Sofa zu schlendern und sich weiter seine spannende Pokersendung anzusehen. Albert und seine beiden kleinen Geschwister saßen entgeistert vor der viel zu bitteren Thaisuppe.
    Albert fragte die beiden: „Habt ihr noch Hunger?“
    „Ja.“, sagten beide leise.
    Albert redete weiter: „Ich habe heute etwas zum Essen gekauft. Ein bisschen Brot, verschiedene Wurstsorten und Margarine. Außerdem habe ich auch ein paar Süßigkeiten für uns mitgebracht. Ich schaue mal nach, ob es unsere Eltern auf die Reihe gekriegt haben, alles wegzuräumen.“
    Nach einem kurzen Blick in die Brotschachtel fand Albert schnell das Brot, das er am Nachmittag gekauft hatte. Er legte es auf den Tisch und ging zum Kühlschrank, um nach dem Rest zu suchen. Als er ihn öffnete, sagte er: „Welch ein Wunder! Sie haben tatsächlich die Wurst und die Margarine in den Kühlschrank geräumt. Aber Moment mal! Wo sind die Süßigkeiten?!“
    Leon, Albert's kleiner Bruder, antwortete: „Also wir haben sie nicht genommen. Stimmt's Sarah?“
    Und die kleine Schwester von Albert reagierte: „Nein, wirklich nicht.“
    Albert legte die Wurst und die Margarine auf den Tisch und sagte: „Na gut, macht euch erstmal eine leckere Scheibe Brot, ich frage unsere Eltern danach.“
    Während die beiden Kinder sich ein Brot schmierten, ging Albert zu seinem Vater und fragte ihn: „Hey sag mal, hast du die Süßigkeiten gesehen, die ich heute mitgebracht habe?“
    Er antwortete, während er weiter auf den Fernseher starrte: „Ja.“
    Albert fragte weiter: „Gut. Und wo sind sie?“
    Sein Vater sagte: „In meinem Bauch.“
    Albert sagte entsetzt und leicht wütend: „Was?! Die hatte ich für mich und die Kleinen gekauft, nicht für dich!“
    Albert's Vater lachte kurz und reagierte: „Für dich und deine Geschwister kaufst du ein, aber für mich nicht, was? Ich habe mir nur genommen, was mir zusteht.“
    Mit wütender Stimme meckerte Albert: „Dir steht überhaupt nichts von dem zu, was ich gekauft habe, so lange ich das nicht sage! Außerdem trinkst du mehr als genug Bier, das ersetzt die Süßigkeiten.“
    Sein Vater kommentierte: „Bier schmeckt aber nicht süß.“
    Albert fragte ihn: „Und warum trinkst du es dann?“
    Er antwortete: „Weil es schmeckt und entspannt. Aber das verstehst du nicht. Hast ja schließlich Angst vor Alkohol.“
    Albert reagierte ironisch: „Stimmt! Ich hab wirklich sehr große Angst davor, mich auf eine derart erbärmliche und nebenbei schädliche Art zu entspannen. Hoffentlich lerne ich eines Tages, was Alkohol doch für ein klasse Weggefährte ist. Spätestens dann, wenn du deine Leber einbüßt, weil sie deinen Körper nicht mehr entgiften kann.“
    Sein Vater sagte genervt: „Jetzt kommst du wieder mit deinem Wissenschaftszeug daher. Kein Wunder, dass du keine Freunde hast. Klugscheißer kann niemand leiden!“
    Albert sagte: „Wie du meinst. Ich verlange von dir, dass du mir das Geld für die Süßigkeiten wieder gibst! Hier ist der Kassenzettel. Aber da ich dich ja kenne, werde ich dir lieber vorher schon ausrechnen, was du mir schuldest.“
    Sein Vater richtete sich auf, starrte ihn böse an und sagte mit aggressiver Stimme: „Wenn du nochmal so mit mir redest, setzt es was! Du kommst dir wohl toll vor mit deinen ironischen Sprüchen, aber du bist nur ein elender Wicht! Und wenn du mir keinen Respekt erweist, werd' ich dir welchen einbläuen!“
    Hasserfüllt schwieg Albert vor sich hin, wendete sich ab und ging zurück an den Esstisch, um sich ebenfalls eine Scheibe Brot zu schmieren. Sein Vater schaute ihm kurz hinterher, machte es sich dann aber wieder in seinem Sessel gemütlich und starrte weiter geistlos auf den Fernseher. Leon und Sarah hatten das ganze Gespräch beobachtet und schwiegen in sich hinein.
    Nachdem Albert und seine beiden Geschwister satt waren, räumten sie gemeinsam den Tisch ab und Albert begab sich in sein Zimmer, um weiter Musik zu hören und anschließend schlafen zu gehen.

    Am nächsten Morgen stand Albert spät auf. Alle anderen waren bereits unterwegs. Seine Eltern bei der Arbeit und seine Geschwister in der Schule. Albert bereitete sich ein Frühstück zu und suchte in der Zeitung nach Arbeit. "Wie immer gibt es nichts, was für mich interessant sein könnte.", dachte er sich, nachdem er alles durchgeschaut hatte. Bis zum Treffen mit Maik, um die Berge zu erkunden, dauerte es noch 3 Stunden. Albert beschloss, sich ein wenig vor den Fernseher zu setzen, um die aufgekommene Langweile zu vertreiben. Später machte er sich schließlich auf den Weg zu Maik's Wohnung. Er lief, erfüllt von Neugier, durch die, von der Sonne auch an diesem Tag wieder schön gefärbten, Gassen der großen Stadt. Vorbei an Cliquen, gemütlichen Rentnern, kleinen Familien und geschäftigen Männern und Frauen, die hektisch ihres Weges gingen. Je mehr überheblich blickende oder scheinheilig lächelnde Personen er bemerkte, desto schlechter wurde seine Laune. Als er endlich vor Maik's Wohnblock ankam, betätigte er die Klingel und wartete darauf, dass Maik nach unten kommt. Zwei Minuten später öffnete sich die Tür und Maik kam mit seinem Rucksack auf dem Rücken raus. Die beiden gingen in Richtung Gebirge. Auf dem Weg fragte Albert: „Sag mal, wie lange glaubst du schon an Aliens?“
    Maik antwortete: „Schon seit vielen Jahren. Ich finde den Gedanke einfach interessant und spannend, dass es noch andere Lebensformen gibt, die uns ähneln. Aber ich werde auch das Gefühl nicht los, dass diese Wesen nicht gerade friedliebend sind.“
    Albert kommentierte: „Also noch etwas, was sie mit den Menschen gemeinsam haben.“
    Maik meinte: „Kann sein. Hast du gar keine Ausrüstung dabei? Etwas zum Fotografieren oder zumindest etwas Essen?“
    Albert reagierte: „Nein, ich dachte mir, das brauche ich nicht. Wir bleiben doch nicht den ganzen Tag dort, oder?“
    Maik sagte: „Lieber nicht. Du warst auch der Jenige, der dort überhaupt hin wollte.“
    Albert kommentierte: „Stimmt. Dann werden wir uns dort mal kurz umschauen und danach gleich wieder nach Hause gehen. Ohne die Aufmerksamkeit von Aliens, Regierungsbeamten oder anderen Bedrohungen zu erregen.“
    „Na das hoffe ich...“, murmelte Maik vor sich hin.
    Die beiden schritten weiter voran Richtung Gebirge, als Albert plötzlich von einem entgegenkommenden Mann angesprochen wurde: „Verzeihung! Darf ich mich kurz mit dir unterhalten?“
    Albert reagierte: „Na gut, aber nicht zu lange.“
    Der Mann redete weiter: „Keine Sorge, ich halte dich nicht lange auf. Aber als ich dich sah, musste ich dich einfach ansprechen. Du hast so eine freundliche Außenwirkung.“
    Albert sagte skeptisch: „Ach wirklich? Die meisten Leute würden für meine Außenwirkung wohl eher ein anderes Wort, als freundlich, gebrauchen.“
    Der Mann sagte: „Nun, man merkt dir an, dass du unzufrieden bist und eine Menge Hass in dir steckt, aber offensichtlich kannst du trotzdem freundlich sein.“
    Albert kommentierte: „Schon möglich. Und was geht dich mein Hass an?“
    Der Mann erklärte: „Ich bin der festen Überzeugung, dass kein Mensch ein Leben voller Hass führen muss und ich kenne den Grund, warum du so hasserfüllt bist, mein Freund.“
    Albert fragte: „Und welcher Grund wäre das?“
    Der Mann erklärte weiter: „Menschen sind nur dann hasserfüllt, wenn sie den Weg zu Gott noch nicht gefunden haben.“
    Albert sagte ironisch: „Ja, ich muss wohl irgendwo falsch abgebogen sein...“
    Der Mann sprach: „Aber ich kann dir helfen, den Weg zu Gott zu finden, mein lieber Freund.“
    Albert kommentierte: „Also im Moment interessiere ich mich mehr für den kürzesten Weg zu den Bergen.“
    Der Mann sagte: „Oh, du willst in die Berge reisen? Das ist ein tolles Vorhaben, aber du willst doch bestimmt nicht ohne Gottes Segen dorthin gehen, oder? Ich werde dir gern dabei behilflich sein, Gottes Segen zu erlangen.“
    Albert wurde langsam ungeduldig, als er sagte: „Na dann hilf' mir mal.“
    Der Mann erklärte: „Es gibt da einen Mann, den ich dir vorstellen möchte. Ein Mann, der dich dein Leben lang begleiten wird, wenn du das zulässt.“
    Albert reagierte: „Danke, aber Maik reicht mir bereits.“
    Der Mann leistete weitere Überzeugungsarbeit: „Aber ich rede hier von jemand ganz Besonderem. Sein Name ist Aniel. Und er will dich zum Licht führen.“
    Albert kommentierte: „Wie ich schonmal sagte, will ich lieber zu den Bergen. Aber egal. Wo ist denn dieser Aniel?“
    Der Mann erklärte: „Er ist hier. Er ist jetzt direkt in unserer Nähe. Und er möchte in dein Herz gelassen werden.“
    Albert unterbrach ihn: „Was? Wo ist er? Ich kann ihn nirgends sehen. Maik, kannst du Aniel sehen?“
    Maik sagte: „Nein, ich sehe hier niemanden außer uns.“
    Albert kommentierte: „Dieser Aniel-Typ muss aber ganz schön klein sein. Oh! Vielleicht ist er ja irgendwo auf dem Boden? Maik, pass' bloß auf, dass du nicht auf ihn drauf trittst!“
    „Ich kann ihn nicht erkennen!“ rief Maik aufgeregt und starrte mit suchendem Blick auf den Boden.
    Der Mann unternahm einen weiteren Erklärungsversuch: „Nicht doch! Man kann Aniel nicht sehen. Aber er ist hier. Er ist überall. Denn er ist der Sohn Gottes. Und er will in dein Herz gelangen. Willst du Aniel in dein Herz lassen, mein Freund? Willst du ihn als deinen Herr und Erlöser annehmen?“
    Albert sagte leicht verwirrt: „Also... du sagst, es gibt einen Mann namens Aniel, der unsichtbar ist, überall gleichzeitig sein kann und in die Herzen der Menschen rein passt?“
    „Ja.“, sagte der Mann und wollte etwas hinzufügen, als Albert ihn unterbrach: „Und er ist jetzt hier bei uns?“
    Der Mann sagte: „Das stimmt. Und er wartet nur darauf, von dir als dein Retter angenommen zu werden.“
    Albert gab dem fremden Mann einen Ratschlag: „Nichts für ungut, aber du solltest wirklich dringend deinen Geisteszustand überprüfen lassen. Ich glaube, du leidest an einer ernstzunehmenden psychischen Krankheit.“
    Der Mann reagierte: „Mein Freund, ich glaube, du verstehst das alles nicht ganz.“
    Albert ging darauf ein: „Das stimmt. Ich verstehe es nicht und das ist auch unmöglich, da ich kein qualifizierter Arzt bin, der sich mit dieser Krankheit auskennt. Gib mal im Internet den Suchbegriff "Schizophrenie" ein und such dir eine Anlaufstelle, in der dir geholfen werden kann. Ich muss jetzt gehen. Viel Glück!“
    Albert und Maik wendeten sich von dem Mann ab, welcher nicht so recht wusste, wie er reagieren sollte. Sie gingen weiter und kamen nach zehn Minuten schließlich bei dem Gebirge an.

  8. #7
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 3


    Ein Wanderweg führte tiefer in das Gebirge hinein und die beiden liefen ihn aufmerksam entlang. Maik versuchte, die Stelle wieder zu finden, an der er das Ufo gesehen hatte. Doch die Berge erschienen ihm so fremd, als würde er sie das erste Mal durchqueren. Nach einem zwanzig Minuten langem Marsch durch die Berge fragte Albert: „Maik, hast du wenigstens ansatzweise eine Ahnung, wo wir hin müssen?“
    Maik schaute nach vorn und bemerkte einen alten Wanderer, der ihm entgegen kam, als er sagte: „Nein, irgendwie nicht. Aber da kommt jemand. Vielleicht sollten wir ihn nach dem Weg fragen.“
    Albert fragte skeptisch: „Ist das dein Ernst? Du willst einen fremden Mann danach fragen, ob er den Weg zu der Stelle kennt, an dem vor sechs Tagen ein Ufo gelandet ist?“
    Maik meinte: „Wir können ihn zumindest fragen, wohin dieser Weg führt. ... Was ist mit ihm? Ist er ... verletzt?“
    Tatsächlich war der alte Wanderer blutüberströmt und konnte nur sehr langsam voran gehen. Albert ging auf ihn zu und fragte: "Was ist denn mit Ihnen passiert?"
    Der alte Mann fiel auf die Knie, stützte sich mit den Händen ab und sagte: "Sie haben mich! Ich kann nicht mehr. Hier... nehmt das!"
    Er hielt den beiden einen kleinen Zettel hin, auf dem eine Adresse stand.
    Albert fragte: „Was sollen wir denn damit?“
    Der alte Wanderer erklärte mit letzten Kräften: „Geht zu diesem Mann .... Karl-Heinz-Peter-Wolfgang Schmidt ... er kann euch alles erklären ... ihr müsst unbedingt den Weltdiamant finden, bevor die es tun!“
    Dann erlag der arme alte Wanderer seinen Verletzungen.
    Albert fragte noch: „Wen von denen sollen wir finden? Karl oder Wolfgang? Und was ist ein Weltdiamant?“, doch er erhielt keine Antwort.
    „Was machen wir jetzt?“, fragte Maik verunsichert.
    Ohne lange nachzudenken, sagte Albert zu ihm:
    „Nun, da ein sterbender Mann aus der Richtung kommt, in die wir unterwegs sind, halte ich es irgendwie für eine gute Idee, sofort umzukehren und zurück in die Stadt zu gehen. Und zwar schnell!“
    „Das ist eine sehr gute Idee!“, sagte Maik mit ängstlichem Gesichtsausdruck.
    So schnell sie ihre Beine tragen konnten, liefen die beiden Abenteurer zurück in die Stadt, weg von den Bergen.
    Maik bekam es immer mehr mit der Angst zu tun und sagte: „Das ist unglaublich. Der Mann kam aus der Richtung, in die wir gelaufen sind. Wären wir ihm nicht begegnet und weiter gelaufen, dann wären wir jetzt tot! Irgendwas Gefährliches gibt es da in den Bergen und ich werde dort nie wieder hingehen!“
    Albert versuchte, ihn zu beruhigen: „Reiß' dich zusammen! Vielleicht ist er nur ungünstig gestolpert und konnte keine Hilfe mehr finden.“
    Maik sagte völlig außer sich vor Angst: „Hast du ihm nicht zugehört?! Er sagte „Sie haben mich!“. Er wurde also verfolgt. Vielleicht sogar, weil er diesen Zettel mit der Adresse hatte. Und jetzt besitzt du ihn. Wirf ihn weg! Schnell!“
    Albert überlegte kurz und sagte zu Maik: „Ich will ihn aber lieber behalten. Und ich werde dorthin gehen, um mich mit Karl zu unterhalten. Oder Heinz. Oder mit allen. Wenn du zu viel Angst hast, um mich auf dieser Reise zu begleiten, dann geh' eben nach Hause.“
    Maik reagierte: „Genau das mache ich auch. Ich will nicht sterben. Und wenn du das auch nicht willst, dann rate ich dir, nicht zu diesen Leuten zu gehen, die bei dieser Adresse wohnen.“
    „Werde ich aber!“, sagte Albert entschlossen. Maik wendete sich ab und ging nach Hause.

    Und so war Albert schließlich auf sich allein gestellt. Die Adresse auf dem Papier befand sich in einer anderen Stadt auf dem Planet, die den Namen Silberstadt trug. Mit einem Zug würde eine Fahrt in diese Stadt nur eine dreiviertel Stunde dauern, also machte sich Albert auf den Weg zum nächstgelegenen Bahnhof, um nach Silberstadt zu reisen. Die Abenddämmerung setzte langsam ein, als Albert den, von Menschen überfüllten, Bahnhof erreichte. Die meisten von ihnen hielten eine Zigarette in der Hand und rauchten, um sich die Zeit zu vertreiben. Wieder schweiften die Gedanken von Albert ab: „Elende Idioten! Stehen mit ihrer Kippe in der Hand da und ruinieren ihre Lunge. Und natürlich werden sie nicht einfach damit aufhören. Nein, denn das ist ja ganz normal. Und alle Nichtraucher werden in Mitleidenschaft gezogen. Warum zünden die Raucher nicht gleich ihre Geldscheine an und inhalieren den Rauch? Das wäre vielleicht sogar gesünder und hätte den gleichen Ablenkungseffekt. Die meisten haben sowieso aus Gruppenzwang heraus angefangen. Und manche von ihnen machen deshalb weiter. Einfach erbärmlich! Aber es geht immer so weiter. Die Großen machen etwas Schlechtes vor und die Kleinen machen's nach.“
    Endlich kam der Zug und Albert stieg ein, um seinem freiwillig gewählten Abenteuer nachzugehen und die geheimnisvolle Person zu suchen, welche hoffentlich Antworten auf die Fragen liefern würde, die Albert stellen wollte. Albert's Gedanken landeten bei Maik. Ohne Maik würde Albert nun nicht in diesem Zug sitzen. Er erinnerte sich daran, wie ängstlich Maik wurde, als die beiden diesem sterbenden Wanderer begegnet waren. Vielleicht übertrieb Maik es ja mit seiner Angst. Vielleicht befand sich Albert aber auch tatsächlich in Gefahr. Doch er war fest entschlossen, seine Reise fortzusetzen. Und wenn er das Rätsel des verstorbenen Wanderers gelöst hat, so dachte er sich, würde er dem ängstlichen Maik alles erzählen.
    Die Zugfahrt kam Albert wie eine halbe Ewigkeit vor. Er lehnte sich gelangweilt an das Zugfenster und schaute auf die Landschaft. Auf fruchtbare Felder, große Waldflächen und den einen oder anderen Fluss. Nach vielen Minuten, die Albert wie Stunden vorkamen, erreichte der Zug endlich Silberstadt. Albert stand auf und stieg aus dem Zug. Da war er nun. Mitten in einer fremden Stadt, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Er fragte einige Passanten danach, wie er zu der gesuchten Adresse gelangen könnte. Doch die Wegbeschreibungen der Leute halfen ihm nicht besonders. Dann entdeckte er einen großen Stadtplan, der an der Wand des Bahnhofsgebäudes aufgehängt und eingerahmt war. Nach einigen Minuten des Suchens stellte Albert fest, dass sich die gesuchte Adresse am anderen Ende der Stadt befand. Doch die große Entfernung ließ ihn nicht zurückschrecken. Silberstadt unterschied sich nur gering von Albert's Heimatstadt Königsberg. Er lief durch die Straßen bei eintretender Dunkelheit und fragte nach einer halben Stunde des Wanderns und Suchens einen Passant nach dem Weg. Wie sich herausstellte, hatte Albert sein Ziel fast erreicht. Er musste nur noch 2 Kreuzungen überqueren, bevor er sein Ziel endlich fand. Nach einer erschöpfenden Suche hatte es Albert schließlich geschafft.
    „Zigeunergasse 2, genau die gleiche Adresse, wie auf dem Zettel“, dachte er sich, als er vor einem kleinen Haus stand und die Klingel betätigte. Ein alter Mann machte die Tür einen Spalt weit auf und fragte mit misstrauischem Blick: „Wer sind Sie? Was haben Sie hier zu suchen?“
    Albert sagte: „Ich bin auf der Suche nach Karl, Heinz, Peter und Wolfgang. Sind die zufällig hier? Ich muss ihnen unbedingt ein paar Fragen stellen.“
    Der alte Mann antwortete: „Ich wohne hier allein. Es gibt hier keine anderen Männer, die mit mir zusammen wohnen.“
    Albert sagte entgeistert: „Na toll. Da reise ich den weiten Weg aus Königsberg hierher und dann stellt sich heraus, dass dieser sterbende Wanderer gar keine Ahnung hatte, wovon er eigentlich redet. Das war des letzte Mal, dass ich einem sterbenden alten Mann vertraut habe!“
    Der alte Mann wurde hellhörig: „Ein sterbender alter Wanderer? Was meinen Sie damit?“
    Albert zeigte dem alten Mann den Zettel und sagte: „Ich war auf einem Ausflug in den Bergen und dort kam mir ein Mann entgegen, der dem Tod nahe war. Er gab mir dieses Stück Papier und redete von irgendeinem Edelstein oder sowas. Dann ist er gestorben.“
    Der alte Mann sagte geschockt: „Mein Gott! Das ist der Zettel, den ich Paul mitgegeben habe! Soll das etwa heißen, dass Paul ... tot ist?“
    Albert reagierte: „Keine Ahnung, der Wanderer wollte mir nicht verraten, wie er heißt. Wobei ich auch vergessen habe, ihn danach zu fragen. Wie heißen Sie überhaupt?“
    Der alte Mann sagte: „Mein vollständiger Name ist Karl-Heinz-Peter-Wolfgang Schmidt. Und dieser sterbende Wanderer, von dem Sie reden, war mein Freund Paul. Ich hab ihn in die Berge geschickt, um etwas zu suchen und zu mir zu bringen. Scheinbar gibt es jemanden, dem das nicht gefallen hat. Übrigens: Darf ich fragen, wen ich vor mir habe?“
    Albert erklärte: „Mein Name ist Albert Reinken und ich wurde von Paul darum gebeten, hierher zu kommen und einen Weltdiamant zu finden. Was auch immer das sein mag.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang sagte:“"Na dann komm rein, junger Mann. Ich werde dir erzählen, was ich weiß. Möchtest du etwas Tee?“
    „Klar.“, sagte Albert und setzte sich auf des Sofa im Wohnzimmer des Hauses.

    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang begann, zu erzählen, während er Tee servierte: „Ich weiß, das wird dir bestimmt unglaubwürdig vorkommen, aber vor ein paar Tagen sind Aliens hier auf Renitium gelandet.“
    Albert kommentierte: „Ja, ich weiß. Ich habe sogar ein Foto ihres Raumschiffs gesehen.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang erzählte weiter: „Erstaunlich. Nun, diese Außerirdischen waren hier, weil sie auf der Suche nach etwas sind. Und da ich sie in einer Vision gesehen habe, lange vor ihrer Ankunft, weiß ich auch, was es ist.“
    Albert unterbrach ihn: „Visionen? Wirklich? Das ist langsam nicht mehr lustig. Erst treffe ich einen Alienjäger und dann einen Hellseher. Also irgendwas mache ich falsch.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang ging darauf ein: „Spar' dir deine ironischen Sprüche! Manchmal nimmt das Leben einen seltsamen Verlauf. Das dürfte nichts Neues sein, selbst für einen Jungspund wie dich. Und nun höre mir bitte zu! Die Aliens haben in den Bergen eine kleine Höhle freigelegt, die durch viele Felsbrocken zugeschüttet war. Allerdings ist die Höhle nur eine Sackgasse, an deren Ende sich ein Bild befindet. Es zeigt eine Kugel, die an einen Planet erinnert und in der Mitte ist ein Diamant gezeichnet worden. Die Aliens suchten nach genau diesem Diamant, als sie in den Bergen landeten. Sie fanden ihn nicht, aber sie sind sich sicher, dass er irgendwo hier auf Renitium ist. Er muss ihnen sehr wichtig sein. Aufgrund der Zeichnung habe ich beschlossen, diesen Edelstein "Weltdiamant" zu nennen. Ich habe meinem Freund Paul davon erzählt und er ging los, um die kleine Höhle näher zu untersuchen und vielleicht etwas Neues herauszufinden.“
    Dann schwieg Karl-Heinz-Peter-Wolfgang und Albert ergriff das Wort:
    „Also, ich fasse das alles nochmal zusammen: Du hast einen Traum gehabt, in dem Aliens auf unserem Planet gelandet sind und eine Zeichnung entdeckt haben, welche du in deinem Traum ebenfalls sahst. Und laut deinem Traum war es eine Kugel mit einem Diamant drin.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang äußerte sich: „Das ist richtig, aber...“
    Albert unterbrach ihn: „Und dieser Traum ist für dich ein ausreichender Anlass, zu behaupten, dass es sich hier um einen besonderen Edelstein handelt, den die Aliens unbedingt haben wollen? Es war nur ein Traum.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang erzählte: „Nein, es war kein einfacher Traum. Es war eine Vision und es war nicht meine erste. Ich habe den Tag genau vorhergesehen, an dem ich meine Arbeit verlor und wusste schon vorher ,was mein Chef zu mir sagen würde. Es ist alles genau so passiert, wie es in meiner Vision war. Ein anderes Mal habe ich mich selbst am Sarg meiner Frau stehen und trauern sehen. Ich sagte bestimmte Worte, als ich dort stand. Zwei Monate später ist meine Frau gestorben und ich stand bei der Trauerfeier an genau dem gleichen Sarg und habe genau die gleichen Worte gesagt. Erst hinterher erinnerte ich mich daran, dass ich diese Worte schon zum zweiten Mal hörte. Das Schicksal lässt sich nicht ändern. Und ich sehe es manchmal voraus.“
    Albert blieb skeptisch und sagte: „Tja, das klingt zunächst alles sehr mysteriös, aber es kann auch logische Erklärungen dafür geben. Schließlich träumen wir alle manchmal seltsame Dinge. Dass du den Tag wusstest, an dem du deinen Job verlierst, hättest du auch anders mitkriegen können. Man merkt als Mitarbeiter doch, ob es dem Unternehmen gut geht oder nicht. Und was dein Chef so von sich gibt, konntest du bestimmt auch leicht voraus berechnen, da du ihn schon lange gekannt hast und wusstest, wie er sich ausdrückt. Was die Sache mit deiner Frau angeht: Es tut mir wirklich sehr Lied, dass du sie verloren hast. Aber es kann ja sein, dass du dir ständig Sorgen darum gemacht hast, sie zu verlieren. Dass du dir immer wieder, unfreiwillig aus Angst um sie, Situationen ausgemalt hast, in denen sie starb oder schon tot war und irgendwann traf wirklich mal eine solche Situation ein. Das wäre dann aber eher Zufall.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang sagte entmutigt: „Warum musst du nur so skeptisch sein? Ich lüge dich nicht an. Ich habe immer optimistisch in die Zukunft geschaut und nie darüber nachgedacht, wie lange mir meine Frau noch erhalten bleibt. Selbst, als ich diese Vision hatte, sagte ich mir, dass es Unsinn ist und ich sie gewiss nicht in ein paar Monaten verliere. Doch dann ist es tatsächlich geschehen.“
    Albert wurde nachdenklich. Dann sagte er: „Na gut, gehen wir davon aus, du hast wirklich Visionen, die sich bewahrheiten. Warum versuchst du nicht, die Ereignisse zu verhindern, die du vorhersiehst?“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang antwortete: „Weil das nicht geht! Man kann das Schicksal nicht verändern. Du deines nicht und ich meines nicht.“
    Albert fragte halb ernst: „Ach ja? Und was ist mein Schicksal?“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang reagierte: „Das weiß ich nicht. Du bist noch nie in einer meiner Visionen vorgekommen. Aber ich kann dir dank einer Vision sagen, was übermorgen auf der Titelseite der Zeitung „Planet Renitium“ steht.“
    Albert wurde neugierig: „Und das wäre?“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang erzählte: „Der Titel wird sein: „Achtjähriges Mädchen zu Tode gefahren“. Und in dem Text wird stehen, dass ein Mädchen namens Sabrina aus Königsberg mittags von einem betrunkenen Autofahrer überfahren wurde. Dank einem aufmerksamen Augenzeuge konnte die Polizei das Auto des Fahrers schnell finden und ihn festnehmen.“
    Albert fragte genauer nach: „Und weißt du auch die Straße, bei der das passieren wird?“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang sagte: „In dem Bericht stand etwas von der Gaststätte „Morgengrauen“. Welche Straße das ist, wurde nicht erwähnt.“
    Albert reagierte: „Das reicht mir bereits. Ich werde dir beweisen, dass sich das Schicksal doch ändern lässt. Ich werde morgen dort sein und alle Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie ihre Kinder extrem vorsichtig über die Straße bringen sollen.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang meinte: „Das wird wenig helfen. Du kannst das Schicksal nicht aufhalten. Aber wenn du es versuchen willst, nur zu. Ich habe übrigens noch eine andere Bitte an dich. Könntest du bitte in den Bergen nach Hinweisen suchen? Wir müssen wissen, was dieses Symbol bedeutet und welche Absichten die Aliens verfolgen.“
    Albert sagte entsetzt: „Willst du etwa, dass ich das gleiche Schicksal wie Paul erleide? Ich habe nicht besonders viel Spaß daran, mich absichtlich in Todesgefahr zu begeben.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang reagierte: „Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass noch andere Leute hinter dem Weltdiamant her sind, die nichts Gutes damit vorhaben. Du musst ihn als Erster finden.“
    Albert meckerte: „Aber sicher. Und wenn ich ihn dann habe, muss ich wahrscheinlich auch noch alle Feinde zurückschlagen, die ihn sich unter den Nagel reißen wollen. Ich hasse Gewalt! Und Lebensgefahr mag ich auch nicht besonders.“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang sagte: „Nun, wie ich sehe, hatte Paul großes Pech, ausgerechnet an einen Feigling wie dich zu geraten, als er im Sterben lag.“
    Albert sagte mit unterschwelliger Wut: „Ach so ist das? Ich werde von dir als Feigling bezeichnet, weil ich Gewalt verachte und mich nicht unnötig in Gefahr begeben will?!“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang ging darauf ein: „Ja. Und sag' bloß nicht, du hättest selbst noch nie Gewalt angewendet. Das wäre eine unglaubliche Lüge.“
    Albert erklärte: „Das habe ich auch nie behauptet. Ich war leider schon dazu gezwungen, aber ich fand es jedes Mal schrecklich. Und ich will Gewalt vermeiden, wann immer es geht, also werde ich ganz sicher keinen Gegenstand suchen, für den andere morden würden.“
    Diese Aussage gefiel Karl-Heinz-Peter-Wolfgang überhaupt nicht. Mit einem abweisendem Tonfall sagte er zu Albert: „Was willst du dann noch hier?! Verschwinde aus meinem Haus!“
    Albert stand auf und machte sich auf den sehr weiten Heimweg.

  9. #8
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 4


    Mittlerweile war es schon sehr dunkel. Eine öffentliche Uhr zeigte die aktuelle Zeit: 22:15 Uhr. Albert ging in Richtung Bahnhof und dachte über die Dinge nach, die Karl-Heinz-Peter-Wolfgang zu ihm gesagt hatte. Als er an einem kleinen Park vorbei ging, vernahm er einen eindeutigen Schrei: „Hilfe!“, schrie eine junge Frauenstimme aus dem Park. Albert ging, ohne nachzudenken, in den Park und suchte nach der Frau. Schonwieder war ein lauter, angsterfüllter Schrei zu hören: „Lassen Sie mich!“. Eine Männerstimme sagte kurz darauf: „Nun stell dich nicht so an!“. Durch die starke Dunkelheit war Albert kaum in der Lage, etwas zu sehen, während er Schritt für Schritt vorwärts ging, doch bald schon ertönte ein weiterer Angstschrei, der aus dem Gebüsch neben Albert kam. Albert erkannte die Umrisse von einer Person, die auf einer anderen lag. Er packte die oben liegende Person und zog sie sich zur Brust.
    „Hey, was soll der Scheiß?!“, fragte der Mann, den sich Albert vorgenommen hatte.
    Hasserfüllt sagte Albert mit aggressiver Stimme: „Ich werde jetzt dafür sorgen, dass du mindestens genau so viel Schmerz spürst, wie dein Opfer, du perverser Mistkerl!“
    Albert versetzte ihm einen Schlag nach dem anderen und obwohl der Vergewaltiger größer und kräftiger war, hatte er kaum eine Chance, sich zu wehren. Er ließ sich auf den Boden fallen und flehte Albert an, aufzuhören. Albert trat jedoch nur ein weiteres Mal auf ihn ein. Er hatte sich kaum noch unter Kontrolle. Erst, als der Vergewaltiger keine Geräusche mehr von sich gab, ließ Albert von ihm ab und wendete sich der Frau zu, welche weinend am Gebüsch saß. Albert hockte sich zu ihr und sagte: „Sind Sie okay? Es ist vorbei. Dieser Mistkerl ist erledigt.“
    Sie zitterte am ganzen Körper. Nur zu einem kurzen „Danke.“ als Antwort konnte sie sich überwinden. Albert schlug vor: „Hören Sie, Sie können doch nicht die ganze Zeit hier sitzen bleiben. Kommen Sie, ich bringe Sie nach Hause. Keine Sorge, ich werde Sie auf dem Weg beschützen. Ihnen kann nichts mehr passieren.“
    Noch immer war die Frau von dem gerade Erlebten völlig überwältigt. Albert setzte sich neben sie und schwieg, während die Frau versuchte, nicht mehr so sehr zu weinen. Dann bat Albert die Frau ein weiteres Mal: „Kommen Sie! Lassen Sie uns gehen.“
    Sie stand langsam auf und die beiden liefen aus dem dunklen, schlecht beleuchteten Park. Verängstigt und kaum ansprechbar ging die Frau nach Hause, während Albert ihr die ganze Zeit folgte, um sie zu beschützen. Albert traute sich nicht, danach zu fragen, was passiert war. Er hatte Angst, sie damit wieder zum Weinen zu bringen. Bald kamen die beiden vor der Wohnung der Frau an. Sie war langsam wieder zu sich gekommen und sagte zu Albert: „Hier wohne ich. Danke, dass du mir geholfen hast. Ich weiß nicht, was ohne dich gewesen wäre. Wie heißt du?“
    Albert antwortete: „Mein Name ist Albert. Und ich bin froh, dass ich helfen konnte. Ich wünsche dir viel Glück und vor allem, dass dir so etwas nie wieder passiert. Leb' wohl.“
    Und so machte sich Albert wieder auf den Weg zum Bahnhof, um zurück nach Hause zu kommen. Die junge Frau schaute ihm noch eine kurze Weile hinterher und ging dann in ihr Haus, wo sie von ihrer Mutter bereits erwartet wurde.
    Während Albert mit jedem Schritt dem Bahnhof näher kam, an welchem er den nächsten Zug nach Königsberg nehmen würde, versank er wieder in Gedanken: „Zum Glück habe ich diesmal aufgepasst. Ich habe eine Frau retten können, die beinahe vergewaltigt wurde. Ich will gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte ich es nicht bemerkt oder wäre einfach weg gelaufen. Verdammte Menschen! Schon unzählige Male ist so etwas passiert. Und es wird wieder passieren. Ich verachte alle diese abartigen Geschöpfe, die sich an anderen Menschen vergehen. Sie haben keine Ahnung, welche schrecklichen Schäden sie bei ihren Opfern verursachen und meistens ist es ihnen auch noch egal. Und es wird immer wieder passieren, so lange es die Menschen gibt. Es kotzt mich einfach an. Normalerweise bin ich nicht zur Stelle, um solchen grausamen Taten entgegen zu wirken. Wenigstens diesmal war das anders.“
    Endlich war er an dem Bahnhof angekommen und wartete geduldig auf den nächsten Zug, welcher immerhin in 15 Minuten ankommen sollte. Während er allein in der Dunkelheit auf dem Bahnsteig stand, wurde Albert angesprochen: „Psst! Hey! Brauchst du was?“
    Albert reagierte: „Wie bitte?“
    Der Mann fragte aufdringlich: „Brauchst du Koks? Ich kann dir welches verkaufen. Top-Qualität!“
    Albert sagte mit aggressiver Stimme: „Nein! Verschwinde!“
    Der Dealer versuchte es weiter: „Ach komm! Warum denn nicht?“
    Albert schnauzte ihn an: „Weil ich keine Drogen nehme und jetzt hau endlich ab!“
    Der Dealer ließ nicht locker und fragte: „Warum denn nicht? So schlimm ist das gar nicht. Du wirst dich dadurch viel besser fühlen.“
    Albert kommentierte: „Besser fühle ich mich erst, wenn du weg bist. Also verschwinde! Wenn du mich weiter belästigt, rufe ich die Polizei!“
    Daraufhin meinte der Dealer: „Ist ja gut, dann eben nicht.“ und ging weg.
    Genervt stand Albert auf dem Bahnsteig und hoffte darauf, dass der Zug endlich auftaucht. Als dieser nach zehn Minuten endlich angefahren kam, stieg Albert schnell ein und setzte sich auf den nächstbesten Platz. Mittlerweile war es fast 23:00 Uhr. Außer Albert saßen nur noch zwei andere Menschen in dem Zug. Es war eine Mutter mit ihrem kleinen Jungen, welcher sehr müde zu sein schien. Ständig wurde er von seiner Mutter wach gerüttelt und sie schimpfte ihn aus: „Was habe ich gesagt?! Geschlafen wird erst, wenn wir zu Hause sind! Bleib' gefälligst wach!“
    Albert beobachtete die beiden aus dem Augenwinkel heraus und dachte sich: "Tolle Mutter ... hat scheinbar von Einfühlungsvermögen noch nicht viel gehört. Ist doch klar, dass ein Kind um die Zeit seine Augen kaum noch offen halten kann. Warum ist sie überhaupt so spät noch mit ihm unterwegs?“
    Seine Frage erübrigte sich, als er den Junge sagen hörte: „Mama, ich möchte nicht mehr zu Petra gehen.“
    Seine Mutter reagierte: „Das hast du nicht zu entscheiden! Außerdem ist es bei Petra doch schön.“
    Der Junge jammerte: „Nein, da ist es langweilig und wir fahren immer so spät nach Hause.“
    Seine Mutter sagte zu ihm: „Hör auf, zu jammern! Wir sind doch bald zu Hause.“
    Und wieder konnte Albert seine Gedanken nicht zurück halten: „Aha. Der tollen Mutter ist Zeit mit ihrer Freundin also wichtiger, als das Wohlergehen ihres Kindes. Wiedermal ein Klasse Beispiel für elterliche Ignoranz. Warum gibt es nur so viele unfähige Eltern auf der Welt? Ich darf gar nicht darüber nachdenken, wie viele Probleme allein deshalb entstehen...“
    Albert versuchte, sich von diesem ständig präsenten Problem abzulenken, indem er darüber nachdachte, was er zu Maik sagen würde, wenn er ihm von seinem Ausflug erzählt. Albert kam zu dem Gedanke, dass er wirklich hätte zu Hause bleiben sollen. Nicht aufgrund der angeblichen Gefahr, sondern weil diese lange Reise für ihn nichts anderes als anstrengend war und er außer einem Gerücht über einen seltsamen Edelstein nichts Besonderes in Erfahrung bringen konnte. "Vielleicht ist der Edelstein ja wertvoll.", dachte sich Albert. Doch dieser Gedanke gab ihm keinen Anreiz, weiter danach zu suchen. Albert war kein gieriger Mensch. Während er in dem Zug nach Königsberg saß und selbst immer müder wurde, war das Einzige, was er wollte, sein kuscheliges Bett, in dem er sich ausruhen konnte.
    Ein paar Minuten später kam der Zug auch schon im Königsberger Bahnhof an und Albert stieg mit der stetig wachsenden Sehnsucht nach Schlaf aus, um seinen Weg nach Hause zu Fuß fortzusetzen. Als er nach ein paar Minuten des Laufens sein Zuhause erreicht hatte und die Tür öffnete, erkannte er schon von der Tür aus seinen Vater, wie er unkonzentriert in den Fernseher starrte. Albert ging an ihm vorbei, ohne dass dieser ihn bemerkte. Die Mutter von Albert saß in der Nähe und studierte eine Zeitschrift, legte diese aber gerade ab, um schlafen zu gehen. Leon und Sarah waren schon längst schlafen gegangen. Die Mutter von Albert fragte ihn mit flüsternder Stimme: „Albert, wo kommst du denn jetzt her? Deine Geschwister haben dich vermisst.“
    Albert reagierte mit ebenfalls leiser Stimme: „Aha, und du demzufolge nicht. Ich war mit Maik kurz in den Bergen und anschließend bei Karl-Heinz-Peter-Wolfgang.“
    Seine Mutter fragte weiter: „Und was sind das für Leute?“
    Albert erklärte: „Maik ist ein ängstlicher junger Mann, der Aliens jagt. Naja, mehr oder weniger. Und dieser Karl-Heinz Typ ist ein alter Mann, der Visionen von der Zukunft hat und mich nebenbei dazu überreden wollte, mich in Lebensgefahr zu begeben.“
    Seine Mutter fragte verwirrt: „Was redest du das für komische Sachen? Hast du etwa Drogen genommen?“
    Albert hatte keine Lust, auf diese peinliche Frage seiner Mutter einzugehen und hielt sich kurz: „Nein. Aber ich bin müde. Gute Nacht.“
    Er ging erschöpft in sein Zimmer, schlüpfte in seinen Schlafanzug und legte sich schlafen.

    Als Albert am nächsten Tag aufwachte, hatte er von der ersten Sekunde an nur ein Ziel im Kopf: Das Schicksal bekämpfen. Nach einem kurzen Frühstück und der täglichen Körperhygiene setzte sich Albert an seinen Computer, um im Internet den Weg zur Gaststätte „Morgengrauen“ zu finden. Es dauerte keine Minute, bis Albert die Gaststätte gefunden hatte. Er merkte sich den günstigsten Weg dorthin und ging sofort los. Es war 11:00 Uhr, als sich Albert mit schnellen Schritten zu der besagten Gaststätte begab. Albert wollte einfach nicht glauben, dass niemand das Schicksal aufhalten kann, wenn er es bereits vorher kennt. Und so schritt er, überzeugt davon, an diesem Tag das Leben eines Kindes zu retten, eifrig voran, bis er schließlich die Gaststätte „Morgengrauen“ erreicht hatte. Um ganz sicher zu sein, dass in seiner Nähe niemand einen Autounfall erleiden konnte, ging Albert auf alle Menschen zu, die in seiner Nähe waren und sagte zu ihnen: „Hey! Passen Sie bitte gut auf, wenn Sie über die Straße gehen! Hier fahren viele Autos entlang.“
    Alle Passanten, denen Albert diesen Hinweis gab, waren sehr verwundert darüber, wie er sich verhielt. Sie schauten ihn mit schiefen Blicken an und tuschelten über sein Verhalten. Doch Albert ließ sich davon nicht entmutigen. Nach einer vollen Stunde, in der Albert nach Leuten Ausschau hielt und sie vor der Gefahr eines Autounfalls warnte, wurde er langsam etwas missmutig. Trotz seiner immer geringer werdenden Motivation gab Albert aber nicht auf. Plötzlich wurde er von einer Frau angesprochen, die gerade aus der Gaststätte „Morgengrauen“ kam: „Entschuldigen Sie! Darf ich fragen, was Sie hier machen? Sie sind ja schon eine ganze Weile hier.“ Albert antwortete ihr: "Nunja, ich mache die Leute auf die Gefahr von Autounfällen aufmerksam, weil...“
    Und während Albert abgelenkt mit der Frau sprach, entging ihm die junge Tochter der Frau, die keine Lust hatte, auf ihre Mutter zu warten und unachtsam über die Straßen rannte. In ihrer Unachtsamkeit fiel ihr das Auto nicht auf, das sich mit überhöhter Geschwindigkeit nährte. Schließlich passierte das Unvermeidliche: Ohne ein merkliches Ausweichmanöver zu unternehmen, raste der Fahrer einfach weiter geradeaus und überfuhr das kleine Mädchen.
    „SABRINA!“ schrie die Frau, die sich eben noch mit Albert unterhalten hatte und brach in Tränen aus. Albert schaute dem Fahrzeug hinterher und merkte sich das Nummernschild. Er sagte es sich immer wieder in Gedanken auf, aus Angst, es im entscheidenden Moment zu vergessen. Ein Mann, der das Ganze beobachtet hatte, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und schaute fassungslos auf die Leiche des kleinen Mädchens, neben welcher die Mutter weinend kniete. Albert bat ihn, einen Notarzt und die Polizei zu verständigen. Wenige Minuten später kamen diese auch schon. Die Ärzte konnten nur noch den Tod des Mädchens feststellen. Albert wurde, wie auch alle anderen Passanten, von der Polizei zu dem Vorfall befragt und sagte einem Polizist die Buchstaben- und Zahlenkombination, die er sich von dem Nummernschild des flüchtenden Fahrzeugs gemerkt hatte. Nachdem ihm die üblichen Fragen gestellt wurden, bat der Polizist ihn, den Unfallort zu verlassen. Ein wenig verstört machte sich Albert auf den Weg nach Hause, denn ihm wurde immer mehr bewusst, dass das von Karl-Heinz-Peter-Wolfgang vorhergesagte Ereignis wirklich genau so eingetroffen war. Und wahrscheinlich würde morgen auch genau der gleiche Artikel in der Zeitung stehen. Auf dem Weg nach Hause bekam Albert Hunger und beschloss kurzerhand, sich in einem nahegelegenen Fastfoodrestaurant ein Mittagessen zu besorgen. Dort angekommen, stellte er sich an und wartete darauf, seine Bestellung abgeben zu dürfen. Noch zwei andere Kunden waren vor ihm und alle anderen Kassen waren gerade geschlossen. Zum Glück wussten beide genau, was sie wollten. Albert musste gar nicht lange warten, bis er sich etwas zum Essen bestellen konnte und sich schließlich einen Sitzplatz in dem Restaurant suchte. Während er an seinem Tisch saß, fiel ihm eine Gruppe sehr junger Frauen auf. Sie schauten ständig in seine Richtung und lachten spöttisch. Albert schaute jedoch nicht zurück. Aber er ärgerte sich über dieses kindische Verhalten und dachte: "Primitive Zicken! Die glauben doch wohl nicht allen Ernstes, dass sie mit ihrem entwürdigenden Gelächter meine Aufmerksamkeit erregen können. Wie kaputt muss man sein, um sich so gegenüber anderen Leuten zu verhalten?“
    Albert versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken, denn jeder Gedanke daran machte ihn wütend. Nachdem er aufgegessen hatte, begab er sich wieder auf den Heimweg. Als er zu Hause ankam, war noch niemand da. Doch bereits nach zehn Minuten kamen seine beiden Geschwister von der Schule und fragten ihn nach einer kurzen Begrüßung: „Albert, wo warst du gestern? Wir dachten, dir ist was passiert.“
    Albert erklärte: „Ja mir ist auch etwas passiert, aber es war nicht schlimm. Ich habe von einem interessanten Mann erfahren, der in die Zukunft blicken kann und habe ihn mal besucht, um mich ein bisschen mit ihm zu unterhalten.“
    „Wow.“, sagten Leon und Sarah gleichzeitig begeistert. Leon fragte: „Kannst du ihn fragen, ob ich mal reich sein werde?“
    Sarah ergriff das Wort: „Nein, frag' ihn lieber, ob ich mal meinen eigenen Ponyhof haben werde!“
    Albert musste schmunzeln und antwortete: „Tut mir Leid, aber der Mann kann nicht alle Fragen beantworten. Und ich glaube auch, dass ich ihn nicht nochmal besuchen werde.“
    „Warum nicht?“, fragte Leon enttäuscht.
    Albert reagierte: „Ach, ich glaube, man sollte sich lieber nicht zu viel mit ihm unterhalten. Er ist ein bisschen komisch. Wie war es denn heute in der Schule?“
    Leon antwortete: „Langweilig. Wollen wir zusammen spielen?“
    Albert sagte: „Können wir machen. Sarah, wie war denn dein Tag?“
    Sarah antwortete: „Meine Lehrerin hat mich ausgeschimpft, weil ich im Unterricht immer so viel mit Lena rede.“
    Albert fragte: „Und was sagst du dazu?“
    Sarah reagierte: „Naja, ich rede immer ganz leise mit Lena und außerdem macht der Unterricht keinen Spaß.“
    Albert meinte: „Das glaube ich dir, aber wenn du nicht aufpasst, kannst du auch nichts Neues lernen. Also versuche einfach, nicht mehr so viel mit Lena zu reden, okay?“
    „Okay.“, sagte Sarah leicht betrübt und ging in ihr Zimmer.
    Albert und sein kleiner Bruder Leon gingen gemeinsam in dessen Zimmer und spielten ein paar Videospiele, bis Leon keine Lust mehr dazu hatte. Danach zog sich Albert in sein Zimmer zurück, um sich seiner Lieblingsmusik hinzugeben und seine Gedanken schweifen zu lassen. Mittlerweile war es schon spät nachmittags und Albert fragte sich, was Maik wohl zu all den Dingen sagen würde, die er in Erfahrung gebracht hatte. Die aufgekommene Frage motivierte Albert schließlich dazu, sich aufzurichten und Maik einen Besuch abzustatten. Um diese Uhrzeit musste er schon seit mindestens einer Stunde wieder zu Hause sein, also lief Albert los und überlegte, wo er anfangen sollte, zu erzählen, als er über die von grauen Wolken getrübten Straßen lief. Vor der richtigen Haustür des Wohnblocks angekommen, betätigte Albert die Klingel in der Hoffnung, dass Maik ihn ins Treppenhaus lässt. Doch es kam keine Antwort. Albert klingelte ein zweites Mal und wartete drei Minuten auf eine Antwort. Dann wurde die Tür von einem anderen Hausbewohner geöffnet. Albert grüßte ihn, er grüßte zurück und ging seines Weges. Obwohl Albert glaubte, dass er Maik nicht antreffen würde, ging er die Treppen hoch in den dritten Stock, um zumindest einmal anzuklopfen. Als Albert anklopfte, gab die Tür nach. Albert wunderte sich darüber, dass die Wohnungstür offensichtlich nicht abgeschlossen war und trat ein. „Maik?“, rief er klar verständlich, erhielt aber keine Antwort. Rechts von Albert befand sich das Wohnzimmer und eine eingebaute Küche, links das Bad und ein Schlafzimmer. Albert ging erst in das Schlafzimmer, dann in das Wohnzimmer, fand Maik jedoch nicht. Albert fiel auf, dass der Computer von Maik nicht mehr da war. Nur der Schreibtisch, auf dem er stand und Maik's Drehstuhl waren noch da. Rechts neben dem Stuhl lag der Rucksack von Maik. Langsam machte sich Albert Gedanken: „Wo ist Maik? Und warum ist sein Computer weg, aber sein Rucksack noch hier? Er hat bisher immer seinen Rucksack dabei gehabt. Es hat doch hoffentlich nichts mit diesem Bild zu tun, das er gemacht hat. Vielleicht ist das hier noch irgendwo.“
    Albert schaute in der Schublade nach, in der Maik das Bild versteckt hatte. Obwohl er alles genau durchschaute, fand er das Bild aber nicht. Albert durchstöberte den Rucksack und die Schränke in der Nähe nach dem Bild, doch auch dort ließ es sich nicht finden. Langsam wurde Albert ratlos und machte sich Sorgen darum, dass Maik etwas passiert sein könnte. Albert verließ die Wohnung und begab sich nach Hause, um in Ruhe über alles nachzudenken. Und je mehr er über alles nachdachte, desto mehr entwickelte sich in ihm der Wunsch, Karl-Heinz-Peter-Wolfgang wieder zu treffen und ihn um Rat zu fragen. Albert nahm sich vor, am nächsten Morgen besonders zeitig aufzustehen und nochmal nachzuschauen, ob Maik vielleicht doch wieder zu Hause ist und es eine vernünftige Erklärung für alles geben könnte. Und sollte Maik immernoch verschwunden sein, so würde Albert den alten Mann namens Karl-Heinz-Peter-Wolfgang erneut aufsuchen, in der Hoffnung, dass dieser ihm irgendwelche hilfreichen Dinge erzählen könnte. „Vielleicht hatte er ja eine Vision über Maik“, dachte sich Albert. Gleich nach dem Abendessen ging er ins Bett, um möglichst zeitig einzuschlafen und früh fit zu sein.

  10. #9
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 5


    Am nächsten Morgen war Albert der Erste aus der Familie, der aufstand und deckte für alle den Frühstückstisch. Seine Eltern standen als nächstes auf und seine Mutter fragte ihn verwundert: „Albert? Warum bist du schon so früh wach?“
    Albert antwortete gelassen: „Ich will heute einen kleinen Ausflug nach Silberstadt machen und dachte mir, es ist gut, wenn ich besonders früh losgehe.“
    Seine Mutter fragte weiter: „Und was willst du in Silberstadt?“
    „Hoffentlich endlich mal Arbeit finden!“, rief sein Vater dazwischen, der mit der Tageszeitung „Planet Renitium“ in der Hand ankam und sich mit an den Esstisch setzte.
    Albert reagierte: „Nein, es geht leider nicht um Arbeit. Ich will mich nur mit jemandem treffen. Aber da du die Zeitung mitgebracht hast, kannst du sie mir gleich mal geben, vielleicht ist ein Job für mich dabei.“
    „Warte gefälligst, bis ich fertig gelesen hab!“, motzte ihn sein Vater voll und fügte hinzu: „Was, da wurde schonwieder ein Kind überfahren?“
    Albert stand auf und schaute seinem Vater über die Schulter. Direkt auf der ersten Seite las er einen Artikel mit dem Titel „Achtjähriges Mädchen zu Tode gefahren“ und schwieg schockiert in sich hinein. Seine Mutter kommentierte: „Wirklich? Sag bloß, der Fahrer war auch noch betrunken.“
    Albert's Vater reagierte: „Ja, so steht's hier. Und irgendjemand hat sich das Nummernschild gemerkt. Jetzt sitzt der Kerl in Untersuchungshaft.“
    „Hoffentlich wandert er in den Knast!“, sagte seine Mutter mit niederträchtiger Stimme.
    Albert aß schnell auf und entfernte sich vom Tisch. Nachdem er sich geduscht hatte, steckte er etwas Geld ein und verließ das Haus. Zuerst machte er sich erneut auf den Weg zu Maik, in der Hoffnung, ihn vor Schulbeginn zu Hause anzutreffen. Gleich, nachdem er vor der Haustür ankam, öffnete ein Junge mit einem Ranzen auf dem Rücken die Tür und Albert begab sich zu Maik's Wohnung. Er bemerkte sofort, dass die Tür immernoch offen war. Jetzt war er sich endgültig sicher: Das konnte kein Zufall sein. Hier stimmte irgendwas nicht. So schnell er konnte, machte sich Albert auf den Weg zum Bahnhof, um nach Silberstadt zu fahren. Auch dieses Mal war der Bahnhof wieder überfüllt. Unzählige Menschen warteten auf den Zug, um zu ihrer Arbeitsstelle fahren zu können. Und als ob es anders unmöglich wäre, hielten auch dieses Mal wieder viele Leute ihre geliebten Zigaretten in der Hand und überbrückten die Wartezeit mit dem Einatmen giftigen Rauches. Albert setzte sich abseits von der Menge auf eine Bank und wartete auf den Zug. Als der Zug ankam, strömten die Mengen hinein und ergattern die begehrten Sitzplätze. Albert stellte sich in die Nähe der Zugtüren, um so schnell wie möglich wieder aus dem überfüllten Zug kommen zu können. Nach einer fünfundvierzig Minuten langen Fahrt in einem stickigen Zug kam Albert in Silberstadt an und stieg aus, um seinen Weg zu Karl-Heinz-Peter-Wolfgang fortzusetzen. Während er weiter voran schritt, hingen seine Gedanken die ganze Zeit bei Maik: „Was könnte ihm passiert sein? Er hat mal gemeint, dass die "Regierung" ihn verfolgen würde, weil er ein Beweisfoto hat. Aber unsere sogenannte Regierung besteht ja nur aus drei Stadtältesten, die Königsberg leiten und unsere Stadt gegenüber den anderen Städten vertreten. Die haben doch gar keine Zeit, um Alienjäger zu entführen. Oder vielleicht doch? Dieser seltsame Wanderer, der vor unseren Augen starb, wurde anscheinend auch verfolgt. Vielleicht waren es sogar seine Verfolger, die ihn tödlich verletzt haben. Ich hoffe, dass dieser Karl-Heinz Typ inzwischen etwas rausgefunden hat und mir Antworten auf diese Fragen liefern kann. Wenn Maik etwas passiert ist, sollte ich wohl lieber versuchen, ihn zu retten. Schließlich war ich es, der ihm vorgeschlagen hat, seine Entdeckung zu veröffentlichen und in den Bergen nach Spuren zu suchen. Aber angeblich wollte er nichts veröffentlichen. Vielleicht hat er es sich dann doch noch anders überlegt.“
    Die ganze Zeit versuchte Albert, vernünftige Erklärungen für die jüngsten Ereignisse zu finden, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Schließlich erreichte er die Zigeunergasse und suchte nach der Hausnummer zwei, um Karl-Heinz-Peter-Wolfgang einen Besuch abzustatten. Er klingelte, doch niemand kam zur Tür. Auch nach einem zweiten Klingeln reagierte niemand. „Offensichtlich ist er nicht zu Hause.“, dachte Albert und ärgerte sich darüber. Aus dem Haus nebenan kam ein anderer älterer Herr und fragte Albert freundlich: „Guten Tag, junger Mann. Kann man Ihnen helfen?“
    Albert reagierte: „Ja. Ich bin auf der Suche nach Karl-Heinz-Peter-Wolfgang Schmidt. Wissen Sie, wo er ist oder wann er wiederkommt?“
    Der ältere Herr begann, leicht zu zittern und sagte: „Hier gibt es niemanden, der so heißt.“
    Albert fragte: „Sind Sie sicher?“
    Der ältere Herr meinte: „Ja. Und jetzt gehen Sie bitte!“
    Albert blieb hartnäckig: „Aber ich habe ihn doch erst vorgestern Abend besucht. Ich bin mir sicher, dass er hier wohnt.“
    Der ältere Herr reagierte gereizt: „Ruhe jetzt! Dieses Haus steht seit zwei Jahren leer. Hier hat schon lange niemand mehr gewohnt. Und jetzt verschwinden Sie endlich!“
    Albert kommentierte: „Ist ja gut! Ich will doch nicht, dass Sie aufgrund meiner Anwesenheit einen Herzinfakt erleiden. Beruhigen Sie sich! Ich werde jetzt gehen.“
    Albert ärgerte sich darüber, den ganzen Weg scheinbar für umsonst gegangen zu sein. Doch er gab noch nicht auf und setzte ich auf eine Bank in der Nähe, um das Haus von Karl-Heinz-Peter-Wolfgang im Auge zu behalten. Möglicherweise würde er bald nach Hause kommen. Während Albert auf der Bank saß, dachte er über die gerade erlebte Situation nach: „Was sollte das alles eigentlich? Dieser Typ will mir einreden, dass dort schon zwei Jahre niemand mehr wohnt? Das klingt sehr nach einer Lüge. Und anscheinend hat er vor irgendwas Angst. Seltsam.“
    Je länger Albert auf der Bank war, desto öfter fiel ihm ein geparktes Auto auf, in dem zwei Männer in schwarzen Anzügen saßen, die ihn beobachteten. Und mit jeder Minute fühlte sich Albert unwohler auf seiner Bank, bis er schließlich aufstand und sich auf den Weg zum Bahnhof machte. Er drehte sich ein paar mal um und hielt Ausschau nach dem Auto mit den mysteriösen Männern darin. Glücklicherweise schienen sie Albert doch nicht zu folgen, denn wann immer er sich umdrehte, war dort nichts Verdächtiges zu sehen.
    Als Albert auf dem Weg zum Bahnhof von Silberstadt zu einer Brücke kam, die den einzigen Fluss der Stadt überbrückte, sah er eine Frau, die an der Brüstung stand und mit sehr traurigem Blick runter auf den flachen Fluss schaute. Sie tat Albert Leid und obwohl er im Moment andere Dinge im Kopf hatte, überwand er sich dazu, die Frau anzusprechen: „Hey ... Sie wirken so traurig und verloren. Ist was Schlimmes passiert?“
    Die Frau antwortete: „Das kann dir doch egal sein.“
    Albert reagierte: „Im Grunde schon. Aber ... du hast doch keine Dummheiten vor oder?“
    „Das geht dich nichts an!“, sagte sie abweisend.
    Albert wurde ein wenig aufdringlicher: „Doch, das denke ich schon. Denn falls du vorhast, hier runter zu springen, könnte das eine große Dummheit sein. Es gibt für viele Probleme eine Lösung und manche Gründe reichen noch lange nicht als Rechtfertigung für so eine Entscheidung.“
    „Und wenn schon...“, murmelte die Frau vor sich hin.
    Albert redete weiter: „Ich lege dir jedenfalls ans Herz, dass du dich nicht wegen irgendeiner Lappalie von einer Brücke stürzen solltest.“
    Mit wütender Stimme sagte die Frau zu ihm: „Ist es etwa eine Lappalie, von allen Menschen gehasst zu werden?“
    Albert fragte nach: „Von allen Menschen gehasst? Was soll das denn heißen?“
    Die Frau sagte: „Es soll heißen, dass mich alle hassen! Meine Eltern, mein Mann, mein Sohn...“
    Albert ging darauf ein: „Und was tun all diese Leute? Wodurch zeigen Sie ihren Hass?“
    Die Frau schüttete Albert ihr Herz aus: „Meine Eltern bezeichnen mich ständig als nutzlose Versagerin und sagen, sie schämen sich dafür, dass ich ihre Tochter bin. Mein Mann schlägt mich jeden Tag, wenn ich nicht mache, was er will und er hetzt sogar unseren dreizehnjährigen Sohn gegen mich auf!“
    Die Frau zog ihren rechten Ärmel nach oben und zeigte Albert einen blauen Fleck, als sie sagte: „Siehst du das?! Den hat er mir verpasst, weil ich das Mittagessen zu spät fertig hatte! Und wenn ich nach Hause gehe, erwartet mich eine Tracht Prügel, weil ich nicht gesagt habe, wo ich hingehe! Ich kann nicht mehr! Ich halte das alles nicht mehr aus!“
    Mit Tränen in den Augen stürzte sich die Frau von der Brücke, bevor Albert sie festhalten konnte. Der Aufprall auf den harten Steinen in dem flachen Fluss erzeugte ein schreckliches Geräusch. Albert schaute eine ganze Minute lang geschockt nach unten. Dann verschwand er von der Brücke und lief bedrückt in Richtung Bahnhof.

    Tausend Gedanken schossen Albert auf dem Weg durch seinen Kopf: „Warum konnte ich das nicht verhindern? Ich hätte schneller reagieren müssen. Jetzt ist sie tot und ich stand direkt daneben, als es passierte. Ihr Leben muss wirklich die reinste Qual gewesen sein. Täglich von ihrem Ehemann geschlagen zu werden ... das ist auch grausam. Warum hat ihr niemand geholfen? Warum hat keiner etwas gemerkt? Haben sie denn wirklich alle so sehr gehasst? Verdammte Menschen! Ich will gar nicht wissen, in wie vielen Familien etwas Ähnliches passiert. Was in einer Familie hinter verschlossenen Türen passiert, wissen eben nur die Mitglieder selbst. Wie können Menschen nur so abartig sein, dass sie Familienmitglieder misshandeln?“
    Albert's Gedanken machten ihm zu schaffen, sie brachten ihn schon fast zum Weinen. Als er endlich den Bahnhof erreichte, kam glücklicherweise bereits nach 2 Minuten ein Zug. Im Zug schweiften die Gedanken von Albert ab. Er dachte über Maik und Karl-Heinz-Peter-Wolfgang nach: „Was ist wohl aus den beiden geworden? Ich wüsste zu gerne, was mit Maik passiert ist. Und dieser Karl-Heinz Typ scheint auch verschwunden zu sein. Ich weiß nicht, wo ich noch fragen soll. Wenn ich wirklich herausfinden will, was es mit all dem auf sich hat, kann ich wohl nur das tun, was mir Karl-Heinz-Peter-Wolfgang vorgeschlagen hat. Ich muss an die Stelle in den Bergen gelangen, an der die Aliens gelandet sind und dort nach Hinweisen suchen. Und nach dem Weltdiamant. Zumindest hat sich Karl-Heinz-Peter-Wolfgang bei unserem letzten Treffen gewünscht, dass ich ihn besitze, bevor ihn irgendwelche anderen Typen holen. Hoffentlich meint er damit nicht bei beiden Männer, die mich beobachtet haben.“
    Nachdem Albert seine Heimatstadt Königsberg erreicht hatte, kaufte er sich an einem Imbiss etwas Essbares und entschied sich schließlich dafür, das zu tun, was ihm noch vor einem Tag kein Mensch der Welt hätte einreden können: Albert ging zu den Bergen, in denen es möglicherweise von Aliens oder Mitgliedern einer mysteriösen Organisation nur so wimmeln könnte, um dort den Platz zu finden, an dem vor mehreren Tagen ein Ufo landete und nach Hinweisen darauf zu suchen, was mit Maik oder Karl-Heinz-Peter-Wolfgang passiert sein könnte.
    Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel und Albert ging noch schnell in den Supermarkt, um sich eine Flasche Mineralwasser zu kaufen. Er nahm die erste Flasche, die er fand, bezahlte an der Kasse und setzte seinen Weg fort. Nach ein paar Minuten erreichte er schließlich das Gebirge und lief den erstbesten Wanderweg entlang. Mit einer vollen Wasserfalsche in der Hand und jeder Menge Sorgen im Kopf, wagte er sich immer tiefer in das Gebirge, während er das unangenehme Gefühl nicht los wurde, beobachtet zu werden. Der Wanderweg führte ihn nach einer zwanzigminütigen Reise schließlich zu einem großen Steintal, in dem er einen Höhleneingang entdeckte. Albert kletterte an ein paar Felsen nach unten und schaute sich in der Gegend um, auf der Suche nach irgendwelchen Spuren, die auf die Landung eines Flugobjektes hindeuteten und nach seltsamen Gegenständen, die nicht in die Gegend passten. Nachdem er nichts fand, wagte sich Albert in die Höhle, welche seltsamerweise mit Fackeln beleuchtet war. Nach einer Rechtskurve und einem dreißig Meter langem Gang endete die Höhle jedoch in einer Sackgasse. An der Wand entdeckte Albert die Zeichnung, von welcher Karl-Heinz-Peter-Wolfgang einst gesprochen hatte. Eine Art Diamant war in einen Kreis gemeißelt, welcher in der oberen linken Hälfte eine dunkle Stelle hatte und dadurch irgendwie an einen Planet erinnerte.
    Beim genauen Hinsehen stellte Albert nur fest, dass das steinerne Diamantensymbol minimal aus dem Kreis heraus ragte. Albert ließ seinen Blick konzentriert durch die Höhle schweifen, doch so sehr er sich auch umsah: Ihm fielen keine bemerkenswerten Dinge auf, die eine seiner vielen Fragen beantworten konnten. Albert sah ein, dass seine mysteriöse Suche nach Edelsteinen, verschwundenen Kameraden oder Alienartefakten an dieser Stelle ihr Ende fand. Entgeistert lehnte er sich mit dem Rücken an die Wand mit dem geheimnisvollen Bild, dachte sich "Was mache ich jetzt nur?" und drückte dabei versehentlich das steinerne Diamantensymbol nach innen, woraufhin sich die Steinwand öffnete und Albert einen Raum erblickte, der ähnlich wie eine Vorratskammer eingeräumt war. Unzählige Kisten mit seltsamen Aufschriften standen an der Wand. Als er die Kammer betrat, sah er rechts von sich die Leiche eines seltsamen Wesens mit lilaner Haut und schwarzen Augen liegen. Sprachlos starrte Albert auf die außerirdische Leiche und versuchte, zu verstehen, was er gerade sah.
    „Keine Bewegung!“, schrie plötzlich eine Stimme im Hintergrund und fügte hinzu: „Hände in den Nacken, sofort!“
    Albert drehte sich um und sah vier Männer in schwarzen Anzügen, die ihre Waffen auf ihn richteten. Albert nahm die Hände nach oben und schaute die Männer fragend an, als einer von ihnen sagte: „Gute Arbeit, Albert! Dank dir haben wir endlich herausgefunden, was es mit dieser Zeichnung in der Felswand auf sich hat. Eigentlich hätten wir auch selbst darauf kommen können, dass es sich um einen Schalter handelt, aber wir sind eben nicht so scharfsinnig, wie du.“
    Albert fragte: „Wer seid ihr überhaupt und was macht ihr hier?“
    Der Mann antwortete, während einer seiner Kollegen eine Flüssigkeit auf ein Tuch tropfte und damit auf Albert zuging: „Das brauchst du nicht zu wissen. Du musst nur wissen, dass es schlau wäre, stillzuhalten, wenn du hier nicht sterben willst.“
    Im nächsten Moment bekam Albert das Tuch vor die Nase gehalten. Ihm wurde immer mehr schwarz vor Augen, bis er schließlich umfiel und sein Bewusstsein verlor.

    Als Albert langsam wieder zu sich kam, lag er mitten auf dem Boden in einem komplett weißen Raum, in dem ein weißer Tisch und zwei weiße Stühle standen. Eine helle Neonleuchte strahlte von der Decke herab und nur eine einzige Tür ermöglichte den Weg nach draußen. Albert stand auf und versuchte, die Tür zu öffnen, doch sie war zugesperrt. Und so setzte sich Albert entmutigt auf den Stuhl, von dem aus er die Tür im Auge behalten konnte und überlegte, was er nun tun soll. Nach ein paar Minuten öffnete sich die Tür und zwei muskulöse Männer in schwarzen Anzügen betraten den Raum. Nach ihnen folgten Karl-Heinz-Peter-Wolfgang und ein anderer alter Mann mit Brille in einfachen Klamotten. Albert sagte entsetzt zu Karl-Heinz-Peter-Wolfgang: „Hey! Dich kenne ich doch! Was machst du hier?! Was hat das alles zu bedeuten?!“
    Er antwortete: „Albert, das ist eine Sicherheitsmaßnahme. Ich hatte eine Vision von dir und in dieser ...“
    Er wurde von dem anderen alten Mann unterbrochen: „Ist schon gut, Herr Schmidt! Wie ich sehe, erkennen Sie den jungen Mann wieder, also ist er zweifellos der Jenige, den wir suchen. Gehen Sie jetzt!“
    Karl-Heinz-Peter-Wolfgang schaute Albert kurz an. Sein Blick wirkte so, als ob er sich entschuldigen und Albert um etwas bitten wollte, doch dann ging Karl-Heinz-Peter-Wolfgang seines Weges und schloss die Tür hinter sich.
    Der alte Mann mit Brille setzte sich zu Albert an den Tisch und sagte: „Du bist also Albert Reinken.“
    Gereizt von den ungewissen Umständen, reagierte Albert mit unterschwellig aggressiver Stimme: „Ganz offensichtlich schon und wer sind Sie?!“
    Der Mann reagierte: „Unwichtig! Soetwas braucht dich nicht zu kümmern. Sag mir, was du über den Weltdiamant weißt!“
    Albert sagte: „Fragen sie doch den Karl-Heinz Typ! Ich habe keine Ahnung von dem Ding.“
    Der Mann drückte sich klarer aus: „Ich will aber dein Wissen überprüfen und nicht das von Karl-Heinz-Peter-Wolfgang. Also! Was weißt du?“
    Albert sagte mit genervter Stimme: „Tja, ich habe gehört, deine Artgenossen wollen ihn angeblich unbedingt finden oder sowas.“
    Der Mann fragte: „Meine Artgenossen?“
    Und Albert erklärte: „Genau. Der Karl-Heinz Typ hat zu mir gesagt, dass Außerirdische auf der Jagd nach dem Stein sind und er ihnen wichtig ist.“
    Der Mann sagte verärgert: „Ich schlage vor, du unterlässt sofort deine beleidigenden Sprüche!“
    Albert spürte immer mehr Hass in sich aufsteigen und reagierte: „Oder was?! Steckst du mich sonst in einen komplett pinken Raum? Ich habe keine Angst vor dir, Herr Unwichtig!“
    Der Mann meinte: „Das solltest du aber, denn ich kann meine beiden Freunde jederzeit anweisen, dir Manieren beizubringen! Also beruhige dich wieder und beantworte meine Fragen! Was ist an dem Weltdiamant so besonders?“
    Albert antwortete: "Keine Ahnung! Ich weiß nur, dass er angeblich irgendwo in den Bergen sein soll und ihn Aliens unbedingt finden wollen, aber ihn nicht gefunden haben. Ende. Frag' Karl-Heinz-Peter-Wolfgang danach!“
    Der Mann redete weiter: „Okay. Themawechsel. Ich will von dir wissen, wie du über die Menschheit denkst.“
    Albert reagierte skeptisch: „Wie bitte?! Das kann dir doch egal sein!“
    Der Mann wurde hartnäckiger: „Nein, kann es nicht! Ich muss es wissen, also sag' es mir einfach! Bist du ein Freund der Menschen oder magst du sie nicht?“
    Albert meckerte: „Verdammt! Ich habe doch gerade gesagt, dass es dir egal sein kann! Du würdest nicht ein Wort kapieren, also frag' micht nicht andauernd!“
    Der Mann vermutete: „Klingt so, als seist du der Menschheit nicht besonders zugeneigt.“
    Albert kommentierte: „Wow, bist du da ganz alleine drauf gekommen?“
    Der Mann hakte weiter nach: „Bedeutet das, dass du die Menschen hasst?“
    Albert reagierte: „Ganz offensichtlich schon und jetzt geh' mir nicht weiter auf die Nerven!“
    Der Mann fragte: „Und warum hasst du sie?“
    Albert antwortete: „Warum?! Du fragst mich ernsthaft, warum?! Tja es hängt ganz bestimmt nicht damit zusammen, dass sie in meinen Augen ein primitiver, dummer, abartiger Haufen sind. Jämmerliche Wesen, die sich entweder selbst oder gegenseitig kaputt spielen und zu verblödet sind, um das überhaupt ansatzweise zu realisieren. Ich habe ihre Grausamkeit oft genug erlebt und am eigenen Leib gespürt, um zu wissen, dass grenzenlose Verachtung das Einzige ist, was sie wirklich verdienen!“
    Der Mann fragte konkret: „Würdest du also die Menschheit vernichten, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?“
    Albert reagierte: „Was? Wie kommst du denn jetzt auf den Quatsch?“
    Der alte Mann sagte: „Ach, ist schon gut. Ich habe genug gehört!“
    Er wendete sich den beiden muskulösen Männern zu und sagte: „Ihr beiden wisst, was ihr zu tun habt. Ich erwarte, dass die Sache in drei Stunden erledigt ist!“
    Schweigend gingen die beiden auf Albert zu. Einer von beiden hielt ihn fest, während der andere ihn abermals mit einer seltsamen Flüssigkeit betäubte, wodurch er schonwieder sein Bewusstsein verlor.

  11. #10
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 6


    Nachdem Albert durch laute Geräusche wieder wach wurde, bemerkte er, dass er im hinteren Teil eines kleinen Flugzeuges war, welches sich gerade in der Luft befand. Links neben sich sah er einen schweren Metallklotz mit einer Kette daran. Die beiden Männer, die ihn betäubt hatten, waren weiter vorne im Flugzeug und einer von ihnen schaute Albert an. Als er merkte, dass Albert wach war, sagte er zu seinem Kollege: „Oh Mist, er ist aufgewacht! Ich habe doch gesagt, wir hätten ihn noch vor dem Start festbinden sollen!“
    Sein Kollege beruhigte ihn: „Ach was, dann machen wir das eben jetzt!“
    Die beiden kamen auf ihn zu. Albert nahm in seiner Not den schweren Metallklotz und warf ihn mit aller Kraft einem der beiden Männer an den Kopf. Dieser fiel bewusstlos um. Sein Kollege ging mit einem angefeuchteten Tuch weiter auf Albert zu und sagte: "Welch ein Pech, dass da nicht noch ein Klotz ist, nicht wahr, Junge? Du kannst deinem Tod nicht entkommen!“
    Während der Mann das feuchte Tuch in Albert's Richtung hielt und auf ihn zu lief, packte sich Albert blitzschnell den Arm, in dem der Mann das Tuch hielt, zog ihn an sich vorbei und hielt das Tuch gegen das Gesicht des Mannes. Als dieser unfreiwillig daran gerochen hatte, fiel ihm das Tuch aus der Hand und er taumelte benommen durch das Flugzeug. Nach wenigen Schritten fiel er hin. Albert stellte sich neben ihn und fragte den benebelten Mann: „Wo bin ich hier?“
    Lammfromm und nicht ganz zurechnungsfähig antwortete er ihm: „Irgendwo über dem Ozean. Wir sollen dich an den Metallklotz binden und dich in den Ozean werfen.“
    Albert fragte weiter: „Warum sollt ihr das machen?“
    Er sagte: „Na warum wohl? Wir werden dafür bezahlt. Richtig gut sogar. Der Boss sagt, du musst unbedingt sterben. ... Oh Mann ... ich ... kann nicht aufstehen. Kannst du dich bitte ... an den Klotz da fesseln?“
    Albert reagierte: „Was sagst du? Ich soll dich an den Klotz da fesseln? Aber gerne doch.“
    Der Mann widersprach: „Nein ... nicht so ... der Klotz ... ist nicht für mich.“
    Albert sagte: „Also irgendwie verstehe ich nicht ganz, was du mir sagen willst. Ich lasse den Klotz einfach liegen und frage den Pilot mal, ob er uns nach Hause fliegt, okay?“
    Der Mann reagierte: „Nnnnein ... nicht nach Hause ... zum Ozean ...“ und legte sich der Länge nach auf den Boden.
    Albert musste an Maik denken und fragte den kaum noch ansprechbaren Mann: „Hast du eine Ahnung, was mit dem jungen Mann passiert ist, der ein Ufobild veröffentlichen wollte? Sein Name ist Maik.“
    Der Mann antwortete: „Ufo-Maik? ... Tot. Wegen ... Sicherheit ... Risiko...“
    „Verdammt!“, fluchte Albert. Er nahm das Tuch mit der Betäubungsflüssigkeit darauf, hielt es dem beinahe bewusstlosen Mann vor die Nase und sagte: „Du wirkst sehr durcheinander. Schlaf lieber ein bisschen!“
    Daraufhin ging Albert, das Tuch hinter seinem Rücken in der Hand haltend, zu dem Pilot und fragte:
    „Entschuldigen Sie! Können Sie dieses Flugzeug bitte wieder zurück nach Königsberg bringen?“
    Ohne sich umzudrehen, sagte der Pilot: „Was machst du denn hier?! Wo sind die anderen beiden?“
    Albert erklärte: „Die waren unfreundlich zu mir. Da musste ich sie leider betäuben.“
    Der Pilot sagte: „Na toll! Ich werde mich wohl höchst selbst um dich kümmern müssen!“ und wollte aufstehen. In diesem Moment betäubte Albert ihn ebenfalls mit dem Chloroform auf dem Tuch. Der Pilot sank in sich zusammen und Albert setzte sich auf dessen Platz, um das Flugzeug selbst nach Königsberg zu bringen. Allerdings wurde ihm in genau diesem Augenblick bewusst, dass er kein Pilot war und mit den vielen Schaltern und Hebeln nicht das Geringste anzufangen wusste. Ohne es zu wollen, steuerte Albert das geheimnisvolle Flugzeug, mit drei bewusstlosen Männern an Bord, nach unten. Außer Wasser war jedoch nichts in Sicht, denn das Flugzeug befand sich schon längst über dem Ozean. Kurz, bevor das Flugzeug im Wasser landete, sprang Albert nach draußen, landete im Wasser und schaute dem Flugzeug beim Versinken zu. Der beruhigende Moment wurde jedoch durch die Tatsache getrübt, dass Albert nun ganz allein mitten im Ozean umherschwamm und keine Ahnung hatte, wo er überhaupt war. Aber er hatte Glück: Am Horizont konnte er Festland erkennen und so schwamm er darauf zu. Schließlich erreichte er das Ufer und ruhte sich zunächst an dem Strand aus. Die Sonne schien auch heute wieder sehr stark und es war unglaublich warm. Schon nach einer halben Stunde waren die Sachen von Albert fast trocken. Albert stand auf, um die Gegend zu erkunden. Umgeben von reiner Natur, bestehend aus vielen veschiedenen Blumenarten, Gebüsch und ein paar Bäumen, suchte Albert am Horizont nach der nächstgelegenen Stadt. Bald schon gab er seine vergebliche Suche auf, denn es ließ sich kein einziges Gebäude erspähen. Und so wanderte Albert auf dem neuen Kontinent entlang, ohne eine Aussicht auf ein gemütliches Bett oder etwas Leckeres zum Essen. Keine Menschenseele war in seiner Nähe anzutreffen. Und obwohl Albert das im Grunde gar nicht mal so schlecht fand, war ihm bewusst, dass er auf diesem elenden Kontinent sterben würde, wenn er nicht bald einen Weg finden könnte, sich etwas Essbares zu besorgen. Albert war noch nie mit der Natur verbunden und hatte bisher nicht daran gedacht, das zu verändern. Nach einer Stunde des Umherirrens stieß Albert plötzlich auf ein Zeltlager. Ein Gefühl der Erleichterung überkam ihn. Allerdings schien sich gerade niemand in dem Lager aufzuhalten. Nur ein paar Lebensmittel und Matratzen in den Zelten waren auffindbar. Außerdem stand ein großer Helikopter in der Nähe. Albert setzte sich neben eines der Zelte und wartete geduldig darauf, dass die Bewohner zurück kommen. Nach einiger Zeit kam eine Gruppe, bestehend aus vier Männern, von einer Wanderung zurück zu dem Lager. Alle schauten Albert fragend an, als dieser sagte: „Guten Tag. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, euch zu sehen. Mein Name ist Albert Reinken und ich hatte einen Flugzeugunfall. Das Flugzeug ist auf den Grund des Ozeans gesunken und nun sitze ich hier fest. Könnt ihr mich bitte mitnehmen, wenn ihr wieder zurück zu den Städten reist?“
    Einer der Männer reagierte: „Nun... das dürfte schon möglich sein, allerdings können wir noch lange nicht weg. Wir sind Archäologen und wollen herausfinden, wie das Leben auf diesem Planet vor unserer Zeit aussah. Und ... wir sind auch auf der Suche nach Schätzen, aber das nur nebenbei. Ich meine ... man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder? Wir haben vorhin mitten im Grasland eine Höhle entdeckt und wollen sie später erforschen.“
    Albert bot an: „Da kann ich doch mitkommen. Ich trage meinetwegen auch all eure Ausrüstung. Hauptsache, ihr bringt mich wieder zurück nach Königsberg. Das ist alles, woran ich Interesse habe.“
    Der Mann meinte: „Na dann machen wir es so. Übrigens wollten wir gerade etwas essen. Du kannst gerne etwas abhaben, wenn du möchtest. Mein Name ist Dennis. Und das sind Dieter, Detlef und Dave.“
    Nachdem Albert nun die Namen der vier Männer kannte, die ihn vor einem sicheren und sehr qualvollen Tod in der Wildnis bewahrten, setzte er sich zu ihnen in die Runde und versuchte, sich das trockene Gebäck schmecken zu lassen. Nach ihrer kleinen Stärkung machten sich Albert und seine vier neuen Freunde auf den Weg zurück zu der Höhle. Dennis, Dieter, Detlef und Dave eilten voraus, während Albert, bepackt mit der Wanderausrüstung der vier, hinterher stolperte, so schnell er konnte.
    Allzu weit war der Weg nicht. Schon bald standen die fünf tapferen Entdecker vor dem Höhleneingang, doch keiner von ihnen traute sich hinein.
    Dennis sagte: „Detlef, willst du nicht voran gehen?“
    Detlef reagierte: „Was? Ich bin nur ein Pilot, aber kein Abenteurer. Ich gehe bestimmt nicht als Erster.“
    Dennis versuchte, jemand anderen zu überzeugen: „Na schön. Dieter, du gehst zuerst.“
    Dieter protestierte: „Ich? Ich kann nicht als Erster gehen. Ich sehe nicht so gut, also muss ich hinter euch bleiben, um den Weg überhaupt zu finden.“
    Dennis versuchte es weiter: „Dave, wie wär's mit dir?“
    Dave reagierte ebenfalls verneinend: „Nein, das geht nicht. Ich muss hinten aufpassen, dass uns niemand folgt. Warum gehst du nicht als Erster?“
    Dennis argumentierte: „Na weil ich der Anführer bin.“
    Dave fragte: „Und?“
    Dennis erklärte: „Und wenn ihr euren Anführer verliert, dann findet ihr vielleicht den Weg zum Zeltlager nicht mehr oder habt Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Also muss dafür gesorgt werden, dass dem Anführer nichts zustößt. Und das erreicht man zum Beispiel, indem man ihn nicht als Ersten in eine Höhle schickt. Albert! Du gehst voraus!“
    Albert rechtfertigte sich: „Nein, das geht nicht. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Höhlen gemacht.“
    Dennis ging darauf ein: „Was denn für Erfahrungen?“
    Albert antwortete nachdenklich: „In der letzten Höhle, die ich untersucht habe, fand ich ... ach, vergesst es. Ich gehe schon. Ich werde als Erster die Höhle betreten. Aber dafür muss jeder seine Ausrüstung von nun an wieder selbst tragen!“
    Die anderen zeigten sich einverstanden und nahmen ihre Rucksäcke zurück.

    Albert ging in die Höhle und die vier Archäologen folgten ihm dicht auf. Dennis fragte, während die Gruppe vorsichtig durch die Gewölbe der Steinhöhle ging: „Albert, was war das denn, was du in der Höhle gefunden hast?“
    Albert wich aus: „So ein ekelhaftes Ding. Keine Ahnung, was genau es war. Aber es sah schrecklich aus.“
    „Wie sah es aus?“, fragte Dennis neugierig.
    Albert antwortete: „Hm es war lila. Vielleicht ein seltenes Tier, das in der Höhle starb oder so. Ich bin dann einfach aus der Höhle verschwunden.“
    Dennis kommentierte: „Na dieses Tier hätte ich gerne mal gesehen. Obwohl ich eklige Tiere auch nicht mag.“
    Nach einiger Zeit erkannte Albert hinter einer der vielen Kurven, die den Höhlengang prägten, an der Wand ein minimal hellblaues Licht. Er sagte zu seinen vier Gefolgen: „Schaut mal da! An der Wand dort ist ein Lichtschein zu sehen. Seltsame Farbe.“
    Detlef reagierte: „Ja, das ist wirklich seltsam. Hey, ich habe da eine gute Idee: Lasst uns einfach wieder raus gehen.“
    Albert kommentierte: „Auf keinen Fall! Wenn du vor allem zurückschreckst, was du nicht kennst, hättest du nicht Entdecker werden dürfen. Wir schauen uns das an!“
    Detlef merkte an: „Ich bin auch kein Entdecker, sondern Helikopterpilot!“
    Albert lief die Biegung entlang und fand einen großen Hohlraum vor. In der Mitte war ein Fels, auf dem ein hellblauer Diamant steckte. Sein helles Funkeln beleuchtete den gesamten Hohlraum mit einem leicht hellblauen Schimmer. Albert nahm den Diamant aus dem Fels und sah ihn sich näher an. Die Reinheit des Diamanten faszinierte Albert und seine vier Freunde.
    „Wow, das ist ein wunderschönes Exemplar. Steck' ihn mir schnell in den Rucksack!“, sagte Dennis.
    „Meinentwegen...“, murmelte Albert und öffnete den Rucksack von Dennis, um den Diamant darin zu verstauen. Albert war bewusst, dass dies der Weltdiamant sein musste, nach dem seine Entführer und die Aliens auf der Suche waren und er war froh darüber, dieses seltsame Ding nicht bei sich tragen zu müssen.
    Dennis sagte zu der Gruppe: „Wir haben zwar keine Fossilien gefunden, aber dafür einen wunderschönen Edelstein. Lasst ihn uns schnell in unsere Heimatstadt bringen und ihn unserem Museum zur Verfügung stellen. Wenn die Stadtältesten von unserem Fund erfahren, werden sie begeistert sein. Vielleicht erhalten wir sogar eine Belohnung dafür.“
    Albert kommentierte ironisch: „Ja ... ich kann mir schon bildhaft vorstellen, wie euch diese Leute belohnen werden...“
    Dennis sagte etwas entsetzt: „Was soll das denn heißen? Die Stadtältesten von Rittersheim sind sehr vorbildliche und gutmütige Leute.“
    Albert fragte überrascht: „Ach, ihr kommt gar nicht aus Königsberg?“
    Dennis antwortete: „Nein. Das haben wir aber auch nie behauptet. Du solltest nicht davon ausgehen, dass alle Menschen aus Königsberg stammen, die du triffst.“
    Albert entschuldigte sich: „Stimmt, da habe ich wohl vorschnell geurteilt. Tut mir Leid.“
    „Ist nicht weiter schlimm.“, versicherte ihm Dennis.
    Höchst ungeduldig sagte Albert: „Naja, ihr habt nun einen Fund, der sich sehen lassen kann. Können wir also bitte so schnell wie möglich nach Hause fliegen? Es reicht, wenn ihr mich mit nach Rittersheim nehmt. Ich finde den Weg nach Königsberg schon irgendwie.“
    Die Gruppe machte sich auf den Weg zurück zum Zeltlager, um alles zusammenzupacken und mit dem Helikopter wieder zurück nach Rittersheim zu fliegen. Als sie ankamen, legten sie ihre Rücksäcke ab und begannen, die Zelte auseinanderzunehmen. Während die anderen vier beschäftigt waren, ließ Dave jedoch alles aus den Händen fallen, schnappte sich den Rucksack von Dennis und rannte weg, so schnell er konnte.
    „Verdammt! Er will den Diamant stehlen. Hinterher!“, schrie Dennis und rannte zusammen mit Detlef und Dieter hinter Dave her, um den Diamant aus den Fängen des hinterhältigen Diebes zu befreien. Albert hatte keine Lust, hinterher zu rennen und blieb bei dem Helikopter stehen, um auf die anderen zu warten, die mittlerweile schon fast außer Sichtweite waren. Nach einer viertel Stunde sah er die drei Freunde mit erschöpftem Gesichtsausdruck zurückkommen. Dennis fragte: „Albert, was soll das? Warum hast du Dave nicht auch verfolgt?“
    Albert erklärte: „Naja, ich bin kein besonders guter Sprinter. Aber irgendwie bin ich auch froh, dass wir diesen seltsamen Diamant nun endlich los sind.“
    Dennis fragte leicht entsetzt: „Was?! Warum denn das?“
    Albert erklärte weiter: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei diesem Edelstein um diesen seltsamen Weltdiamant handelt und der bedeutet nichts als Ärger.“
    Dennis unterbrach ihn: „Der Weltdiamant?“
    Albert erzählte weiter: „Ja. Ich weiß selbst kaum etwas darüber. Ich weiß nur, dass es irgendeine Organisation gibt, die ihn unbedingt haben will. Und diese Leute schrecken nichtmal vor Mord zurück, nur um ihn zu bekommen. Da bin ich mir sicher.“
    „Wie kommst du darauf?“, fragte ihn Dennis, während Detlef und Dieter gespannt den Erzählungen von Albert lauschten.
    Albert sagte: „Ihr erinnert euch doch sicher, dass ich hier gestrandet bin, nachdem mein Flugzeug abgestürzt ist. Tja, ursprünglich war ich als eine Art Geisel an Bord des Flugzeugs. Alles fing damit an, dass mein Freund Maik verschwunden ist und ich mich auf die Suche nach ihm machte, weil ich das dumme Gefühl hatte, ihm könnte etwas zugestoßen sein. Wie ich mittlerweile erfahren habe, ist er schon längst tot. Als ich auf der Suche nach ihm in einem Gebirge gelandet bin, wurde ich dort von vier Männern in schwarzen Anzügen überwältigt und wachte in einem weißen Raum wieder auf, dessen Tür verschlossen war. Ich setzte mich auf einen der Stühle, die dort waren und überlegte, was ich nun tun soll. Nach einiger Zeit betraten mehrere Männer den Raum. Einer von ihnen setzte sich mir gegenüber und fing an, mich nach dem Weltdiamant auszufragen. Als er mit seiner Befragung fertig war, wurde ich schonwieder betäubt und fand mich schließlich an Bord des Flugzeugs wieder, mit dem ich hierher kam. Allerdings war nicht geplant, dass ich diesen Flug überlebe. Es waren noch andere Männer in dem Flugzeug, die den Auftrag hatten, mich an einen schweren Metallklotz zu fesseln und mich in den Ozean zu werfen. Glücklicherweise konnte ich sie aber außer Gefecht setzen und so mein Leben retten.“
    Verblüfft reagierte Dennis: „Das ist ja unglaublich. Und woher weißt du von diesem Weltdiamant?“
    Albert schlug vor: „Lasst uns nach Rittersheim fliegen. Ich erzähle euch die Geschichte auf dem Weg. Es ist eine sehr lange Geschichte und ich will nicht eine Sekunde länger in der elenden Wildnis verbringen.“
    Die Männer zeigten sich einverstanden, bauten ihre Zelte weiter ab und machten den Helikopter startklar.

  12. #11
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Teil 7


    So flog Albert also mit den drei restlichen Archäologen über den weiten Ozean, zurück zu der Stadt Rittersheim, während er ihnen auf dem Flug seine Erlebnisse der letzten paar Tage schilderte. Und während die Passanten des Helikopters hin und wieder ihren Blick über das Meer schweifen ließen, entdeckten sie nach einiger Zeit Dave und seinen Komplize auf dem Wasser, wie beide mit einem Schnellboot Richtung Küste fuhren. Allerdings waren die beiden nicht allein. Drei andere Schnellboote nährten sich den beiden und merkwürdige Gestalten in grauen Roben entwendeten ihnen den Rucksack, in dem sich neben ein paar Packungen Keksen und einer Flasche Wasser auch der Weltdiamant befand. Anschließend schubsten sie die beiden Diebe ins Wasser und machten das Schnellboot von Dave zu einem Teil ihrer Flotte.
    „Seht ihr? Ich habe doch gesagt, dass dieser elende Diamant nur Ärger bedeutet.“, sagte Albert, als er und die drei Archäologen aus dem Helikopter heraus beobachteten, wie die merkwürdigen Gestalten davon fuhren.
    Detlef, der Pilot des Helikopters, flog weiter in Richtung Rittersheim und befand sich bereits an der Küste des Festlandes, als er und seine Freunde mit ihren eigenen Augen ein Ufo davon fliegen sahen. Mit gleichbleibender Geschwindigkeit stieg es immer weiter nach oben , bis es kaum noch zu sehen war in Richtung Osten davon flog.
    Erstaunt standen Albert, Dennis und Dieter am Fenster und starrten fast schon hypnotisiert in den Himmel. Dennis sagte: „Wahnsinn! Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Leben je ein Ufo sehen würde.“
    „Ich auch nicht.“, warf Dieter in die Runde.
    Albert kommentierte: „Ich habe so eins schonmal auf einem Foto gesehen, aber wenn es ein paar Meter vor mir in den Himmel steigt, ist es noch unglaublicher.“
    „Ob sich die Außerirdischen den Weltdiamant geschnappt haben?“, äußerte Dennis mit fragender Stimme. Albert reagierte: „Das wäre gut möglich. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Aber ich habe irgendwie kein gutes Gefühl dabei.“
    „Was haben sie bloß mit diesem Stein vor?“, fragte Dieter mit leicht besorgter Stimme und schaute Albert dabei an.
    Albert antwortete: „Sehe ich etwa aus, wie ein Alien? Ich habe keine Ahnung, was als nächstes passieren wird.“
    Dennis äußerte eine Vermutung: „Vielleicht mögen die Aliens ja auch funkelnde Gegenstände und werden den Diamant in ihrem Alienmuseum ausstellen.“
    Albert kommentierte: „Das wäre gut. Daraus würde zumindest niemandem ein Schaden entstehen.“
    Endlich erreichte der Helikopter den Landeplatz auf einem großen Gebäude in Rittersheim und alle stiegen aus. Dennis sagte zu Albert: „Wir sind da. Es war angenehm, mit dir auf Erkundungstour zu gehen. Das sollten wir mal wieder machen.“
    Albert reagierte: „Nein, lieber nicht. Ich habe von jeder Art Abenteuer erstmal genug. Ich will nur noch nach Hause. Wie komme ich zum Bahnhof?“
    Dennis sagte etwas enttäuscht: „Na gut. Aber denk' später nochmal darüber nach! Der Bahnhof ist nur hundert Meter entfernt. Wenn du das Gebäude verlässt, geh nach links und dann immer geradeaus. Du wirst den Bahnhof sicher schnell entdecken.“
    Albert verabschiedete sich: „Gut. Danke für alles! Ihr habt mich mitten in der Wildnis bei euch aufgenommen und mich nach Hause gebracht. Ohne euch wäre ich vermutlich dort gestorben. Ich bin euch zu tiefstem Dank verpflichtet. Passt auf euch auf und lebt wohl.“

    Nachdem Albert nun also seinen, von skrupellosen Mördern geplanten, Tod überwunden und von einem fremden Kontinent den Weg zurück in die Zivilisation gefunden hatte, machte er sich auf den Weg zum Bahnhof, um so schnell wie möglich zurück nach Hause zu gelangen und nachzusehen, wie es seinen beiden Geschwistern ging. Albert fand den Weg zum Bahnhof problemlos und war wieder kurz davor, in Gedanken zu versinken, als er einen merkwürdigen Aushang bemerkte, auf dem ein Bild von ihm abgedruckt war. „Gesucht wegen Mordes“, lautete der Titel. Darunter waren drei kleine Fotos abgedruckt, die den Mord bewiesen, den Albert begangen haben sollte: Es waren Fotografien von der Brücke, an welcher Albert einst eine Frau traf, die so verzweifelt war, dass sie vor seinen Augen in die Tiefe sprang. Auf dem ersten Foto sah man Albert, wie er neben der Frau stand. Auf dem zweiten Foto wurde der genaue Moment eingefangen, an dem sie nach unten fiel. Ihr Körper befand sich mitten in der Luft und Albert schaute ihr hinterher. Auf dem dritten Foto war Albert abgebildet, wie er davon lief. Die Bilderreihe erweckte zweifellos den Eindruck, dass Albert tatsächlich für den Tod der Frau verantwortlich war. Unter den Bildern waren ein kleiner Steckbrief von Albert und eine Geldsumme als Belohnung abgedruckt, doch Albert hatte keine Zeit, sich das genauer anzuschauen, denn der Zug kam gerade an. Albert stieg ein, setzte sich auf einen Sitzplatz in der Nähe des Eingangs und versuchte, nicht aufzufallen. Er dachte sich: „Einfach unfassbar! Es laufen unzählige Mörder frei herum, aber ich bin der Einzige, der öffentlich angeprangert wird. Dabei habe ich ihr überhaupt nichts getan. Sie ist doch selbst gesprungen! Anscheinend wissen die Leute, die mich im Ozean sterben lassen wollten, dass ich noch am Leben bin und wollen mich nun auf diese Weise erwischen. Ich werde mir immer sicherer, dass die Stadtältesten die jenigen sind, die mich entführen ließen und versucht haben, mich zu töten. Nur sie haben genug Macht, um das alles so schnell bewerkstelligen zu können. Was soll ich jetzt machen? So lange ich diese Irren am Hals habe, kann ich nicht mehr unbesorgt über die Straße gehen.“
    Albert saß nachdenklich auf seinem Platz und versuchte, eine Lösung für sein aktuelles Problem zu finden, doch trotz seines kreativen Geistes fiel ihm nichts ein, was er tun konnte, um zu verhindern, dass er früher oder später von den Handlangern der Stadtältesten erwischt werden würde. Als der Zug schließlich Königsberg erreichte, stieg Albert aus, um seinen Weg nach Hause fortzusetzen. Bereits beim Aussteigen aus dem Zug bemerkte ihn eine Frau und schrie: „Hey! Du bist doch der Typ, der wegen Mordes gesucht wird! Dieser Mistkerl, der die arme Frau von der Brücke gestoßen hat. Leute, das ist er!“
    Immer mehr Leute wendeten sich mit bösem Blick Albert zu, während er erklärte: „Ich habe die Frau nicht umgebracht. Sie ist selbst gesprungen!“
    Wütend sagte die Frau, neben der sich eine ganze Meute versammelt hatte: „Das ist ja wohl die lächerlichste Ausrede, die ich je gehört habe! Etwas Besseres fällt dir nicht ein?! Na los, den Mistkerl packen wir uns!“
    Entgeistert schaute Albert in den Himmel und versuchte, mit dem Gedanke klarzukommen, dass er gleich von einem wütenden Mob erschlagen wird, als ihm auffiel, dass ein Ufo am Himmel flog und langsam immer tiefer herab sank.
    „Oh Mein Gott, was ist denn das?!“, schrie Albert, doch die Meute blieb ihm zugewandt und die Frau sagte: „Was für ein billiger Trick! Du willst uns nur ablenken, um zu flüchten, aber das werden wir nicht zulassen!“
    Albert reagierte: „Nein verdammt! Da oben fliegt ein Ufo!“
    Alle Menschen wendeten ihren Blick Richtung Himmel und stellten fest, dass Albert die Wahrheit sagte. Das Ufo befand sich mittlerweile knapp über den Gebäuden der Stadt und visierte den größten Festplatz in der Stadt Königsberg an, welcher sich „Königsplatz“ nannte. Von ihrer Neugier komplett eingenommen, rannten alle Menschen zu dem Platz, um das Ufo näher zu begutachten. Und obwohl Albert lieber vor dem wütenden Mob wegrennen sollte, solange dieser durch das Ufo abgelenkt war, begab auch er sich zum Königsplatz, um herauszufinden, was die Aliens dort vorhatten.

  13. #12
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Albert und das Schicksal der Welt
    Letzter Teil der Geschichte


    Mitten in einer riesigen, ständig wachsenden Menschenmenge schaute Albert, wie auch alle anderen, gespannt auf das landende Ufo, um welches die Menschen einen Kreis gebildet hatten, allerdings mit einem recht großen Sicherheitsabstand zu dem unbekannten Flugobjekt. Die Luke des Raumschiffs öffnete sich und ein Alien mit lilafarbener Haut, schwarzen Augen und einem seltsamen, größtenteils rot gefärbten Anzug, der einer Kutte ähnelte, kam nach draußen. Ein weiteres Ufo landete neben dem bereits Geöffneten, während die Menschen Platz für seine Landung machten und das Alien in der roten Kutte sprach: „Menschen! Wir kommen von einem euch verborgenen Planeten und haben hier auf eurem Planet, den ihr Renitium nennt, eine Mission zu erfüllen. Hoffentlich wundert es euch nicht, dass wir eure Sprache sprechen. Die meisten von uns tun das. Wir beobachten euch schon eine ganze Weile. Und wir sind ursprünglich gekommen, um der Existenz eures Planeten und damit auch eurer Existenz ein Ende zu bereiten!“
    Ein übermütiger Polizist aus der Menschenmenge rief: „Das lasse ich nicht zu!“ und zog seine Waffe. Er schoss auf das Alien, doch die Kugel schien weit vor ihm an der Luft abzuprallen.
    Das Alien redete weiter: „Spart euch diese Tötungsversuche! Wir haben eine Schutzhülle aktiviert, durch die keine Materie dringen kann und ihr könnt uns nichts anhaben!“
    „So eine Frechheit!“, murmelte der Polizist vor sich hin. Die Menge schwieg und bekam langsam Angst, als das Alien erklärte: „Anfangs wollten wir einfach den gesamten Planet mithilfe unserer speziellen Entwicklung auslöschen. Doch wir konnten uns nicht zweifellos entscheiden, ob es akzeptabel ist, dass eine ganze Zivilisation unverhofft durch unsere Hand vernichtet wird. Darum haben wir beschlossen, einem von euch die Entscheidung über euer Schicksal zu überlassen! Wir haben einen Mensch ausgewählt, der diese Entscheidung treffen soll. Albert Reinken! Komm sofort hierher!“
    Albert murmelte vor sich hin: „Oh Mann! Ich hasse es, über das Schicksal der Menschheit entscheiden zu müssen.“ und rief: „Na los, Leute! Geht mir aus dem Weg!“
    Alle Menschen, die vor Albert standen, gingen einen Schritt zurück und er lief nach vorn zu dem Alien. Als er ankam, fragte er: „Wie kann es eigentlich sein, dass ich zu euch kann, obwohl euer Schutzschild aktiv ist?“
    Das Alien sagte mit lauter, klar verständlicher Stimme: „Das Schutzschild wird im Inneren unserer Flugmaschine gesteuert und wurde kurz deaktiviert, als du kamst. Und nun sei still und höre zu! Auf unserem Heimatplanet kommt es jährlich zu Überschwemmungen. Und obwohl wir nach all den Jahren recht gut dagegen gerüstet sind, liegt es in unserem Interesse, diese Überschwemmungen zukünftig zu verhindern. Unsere jüngsten Forschungen haben ergeben, dass dieser Planet hier einen direkten Einfluss auf den steigenden Wasserpegel hat. Also ließen wir etwas entwickeln, um diesen Planet zu zerstören und seinem negativen Einfluss auf unseren Heimatplanet ein Ende zu bereiten.“
    Zwei weitere Aliens kamen aus dem Raumschiff, dessen Luke bereits geöffnet war und schoben ein seltsames Gerät vor sich hin.
    Das Alien erklärte weiter: „Diese Entwicklung entfesselt einer so gewaltige Explosion, dass der gesamte Planet in tausend Teile zerbrochen und alles Leben auf ihm ausgelöscht wird. Allerdings benötigt sie eine sehr große Menge Energie, um eingesetzt werden zu können. Es gibt nur ein Artefakt, das die benötigte Energie bereithält: Der magische Edelstein, dem ihr Menschen den Name "Weltdiamant" gegeben habt! Bringt ihn her!“
    Die Luke des zweiten Ufos öffnete sich, nachdem das Alien diesen Befehl gegeben hatte und heraus kam ein Alien in einer grauen Robe, welches den Weltdiamant in seiner Hand hielt und ihn übergab.
    Das Alien, welches zu der Menge sprach, hielt nun den Weltdiamant in der Hand und erklärte: „Als dieser Diamant auf unserem Planet gefunden wurde, war er sofort dafür vorgesehen, als Energiequelle für unsere Entwicklung zu fungieren. Leider wurde der Diamant jedoch von einem gierigen Wesen aus unserem Volk entwendet. Dieses Wesen stahl ebenfalls den Prototyp unserer einzigen unsichtbaren Flugmaschine und versuchte, sich hier auf eurem Planet zu verstecken.“
    Albert kommentierte: „Tja, ich habe da auch schon Erfahrungen mit einer ziemlich ähnlichen Situation gemacht. Aber falls es euch beruhigt: Dieses Wesen, das euch bestohlen hat, ist bereits tot.“
    Das Alien fragte: „Woher weißt du das?“
    Albert erklärte: „Als ich diese Höhle erforscht habe, bei der ihr auch schon gewesen seid, habe ich versehentlich eine Geheimtür geöffnet und in dem Raum dahinter lag eine außerirdische Leiche. Ich denke mal, das ist der Dieb, sofern ihr nicht noch mehr Aliens auf Renitium abgesetzt habt.“
    Das Alien redete weiter: „Das ist er sicher gewesen. Seit dem Diebstahl sind wir auf der Suche nach ihm und dem Weltdiamant. Viele von uns waren sich sicher, dass dieser Dieb mittlerweile tot ist, aber das brachte uns nicht näher an den Weltdiamant. Zwischenzeitlich haben wir sogar mit dem Gedanke gespielt, die Suche aufzugeben und euren Planet nicht zu zerstören. Doch als wir erfuhren, dass die hiesigen Stadtältesten von der Existenz des Weltdiamantes erfahren hatten und planten, seine Energie zur Herstellung von Kriegsmaschinen zu verwenden, mit denen sie alle anderen Städte unterwerfen wollten, änderten wir unsere Meinung.“
    Albert rief genervt in die Richtung der drei Stadtältesten von Königsberg: „Na wunderbar! Das habt ihr mal wieder toll hingekriegt! Erst versucht ihr, mich zu ermorden, stellt mich dann als Mörder hin, weil es nicht geklappt hat und jetzt kommt auch noch raus, dass ihr Kriegsmaschinen bauen wolltet, um die anderen Städte zu beherrschen?! Ihr seid wirklich totale Vollidioten! Schon seit Jahrzehnten stehen sich die Regierungen der einzelnen Städte friedlich gegenüber. Sie haben eine funktionierende Beziehung aufgebaut. Und diese wunderbare Sache wollt ihr wegen eurem dummen und völlig überflüssigen Größenwahn gefährden?! Ihr macht mich krank!“
    Mit einem gespielten Ausdruck von Reue im Gesicht schauten die drei Stadtältesten auf den Boden.
    Das Alien sprach weiter: „Nun, genug der Erklärungen! Albert! Wir haben dich gewählt, weil du nicht so bist, wie all die anderen Menschen, sondern einen bemerkenswerten Eindruck von den Menschen hast, zu dem du stehst. Also hör' zu! Obwohl Diamanten die Eigenschaft haben, besonders hart und beinahe unzerbrechlich zu sein, ist der Weltdiamant ein äußerst empfindliches Artefakt. Ein kräftiger Aufprall auf dem Boden reicht aus, um ihn zu zerstören, woraufhin seine Energie in alle Richtungen entweichen wird. Wenn du ihn jedoch in unsere Entwicklung legst, wird sie von der Energie des Diamanten genährt und zwanzig Sekunden später wird sie explodieren.
    ... Zerbrich den Weltdiamant, dann wird unsere Entwicklung unbrauchbar und der Planet Renitium wird zusammen mit der Menschheit gerettet. Oder platziere ihn in unserer Entwicklung, dann wird sie detonieren und die Menschheit wird für immer vernichtet. Die Entscheidung liegt bei dir. Und weil du mir so sympathisch bist, biete ich dir an, dich mit auf unseren Heimatplanet zu nehmen, falls du den Planet Renitium zerstörst. Du wirst dann zwar unter einem Haufen seltsamer Wesen leben, mit denen du beinahe nichts gemeinsam hast, aber wenn du ehrlich zu dir selbst bist, musst du zugeben, dass es dir hier auf Renitium auch nicht anders geht. Nicht wahr?“
    Albert antwortete nachdenklich: „Da hast du gar nicht so unrecht.“
    Das Alien redete weiter: „Ich versichere dir, dass du in unserem Volk all die Dinge, die du an den Menschen verachtenswert findest, nur äußerst selten feststellen wirst. Wir ziehen uns jetzt in unsere Flugmaschinen zurück. Ich werde die Luke offen lassen, für den Fall, dass du dich für die Vernichtung von Renitium entscheidest und mit uns kommen willst. Hier! Nimm den Weltdiamant und triff nun deine Entscheidung!“

    Da stand Albert nun. In seiner Hand hielt er den mysteriösen Weltdiamant, nach welchem die Stadtältesten und auch die Aliens so lange gesucht hatten. Und er musste sich nun entscheiden, was er damit anfangen soll. Er könnte Renitium zusammen mit der Menschheit vernichten und als letzter Überlebender seiner Art ein neues Leben auf einem fernen Planet beginnen, auf dem er nie wieder mit dem Anblick anderer Menschen belästigt werden würde. Und die regelmäßigen Überschwemmungen auf dem fernen Planet könnte er ebenfalls mit dieser Entscheidung beenden. Er könnte den Weltdiamant aber auch zerbrechen, um so die Menschheit vor ihrer Vernichtung zu bewahren und bis zum Ende seines Lebens mit ihnen zusammen auf Renitium zu leben. Auf diese Weise würde er ihnen eine, nur bedingt verdiente, zweite Chance auf eine vorbildliche Lebensweise geben.
    Nachdenklich stand Albert da und überlegte. Die Menschenmassen versuchten, ihn von der Rettung der Menschheit zu überzeugen. „Zerstöre den Diamant!“ und viele andere Sätze riefen die Menschen Albert entgegen. Albert versank in Gedanken:
    „Was soll ich jetzt tun? Wenn ich in meinem Leben je von etwas überzeugt wurde, dann davon, dass die Menschen viel zu verblödet sind, um sich je zu bessern. Wenn ich sie vernichten würde, könnte ich all das Leid, das sie anrichten, mit einem Mal beenden. Sie können sich nicht mehr gegenseitig kaputt spielen, wenn sie nicht mehr existieren. Und sie könnten auch mich nie wieder verletzen. Ich bin es so leid, ihnen zuzuschauen, wie sie sich untereinander Schaden zufügen, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Natürlich besteht das Leben nicht nur aus Leid. Die Menschen sind nicht in jedem Augenblick ihres Lebens abartig. Aber dafür in einer erdrückenden Vielzahl der Fälle. Und die Wunden, die dadurch entstehen, sind manchmal unvergänglich. ... Ich höre sie flehen. Sie wollen nicht sterben. Sie wollen weiter leben. Was mache ich nur? Bin ich wirklich so erfüllt von Hass, dass ich es fertig bringe, die Menschheit zu vernichten? Ich versuche immer, besser als sie zu sein. Kein verlogener Mistkerl zu sein. Kein primitiver Trottel. Kein gewalttätiges Monster. Kein gleichgültiger Egoist. Kein triebgesteuerter Widerling. Ich versuche, mich nie über andere lustig zu machen oder andere gar vor der Menge zu entwürdigen. Ich mache niemanden klein und achte darauf, andere nicht zu verletzen. Aber tun die das auch? Wohl kaum. Sie hätten es verdient, dass ich sie vernichte. Aber bin ich dann besser? Verhält sich so ein guter Mensch? Wohl kaum. Was mache ich nur? All das Leid auf Renitium für immer beenden oder die Menschheit vor dem Untergang bewahren?“
    Nach weiteren Sekunden des Schweigens murmelte Albert vor sich hin: „Ach ... ich bin ein Vollidiot...“
    Er streckte seinen Arm aus und warf mit aller Kraft den Weltdiamant auf den harten Steinboden. Der Weltdiamant zerbrach und ein greller Schein entsprang ihm, der alle Anwesenden über mehrere Sekunden blendete. Als der Schein nachließ und alle Menschen wieder richtig sehen konnten, waren die beiden Ufos und das seltsame Gerät der Aliens, in das Albert den Diamant legen sollte, verschwunden.
    Die Menschen begannen, zu applaudieren und zu jubeln. Fröhlichkeit brach unter den Massen aus und sie hoben Albert hoch, um ihn auf ihren Schultern über den Platz zu tragen.
    Albert schrie: „Verdammt, lasst mich sofort runter!“
    Die Menschen setzten ihn ab und verstummten. Albert sagte zu ihnen: „Ich schätze, ihr seid mir dankbar für die Entscheidung, die ich getroffen habe, ohne sie rational erklären zu können. Und ich werde euch jetzt verraten, wie ihr mir eure Dankbarkeit erweisen könnt: Bessert euch! Denkt daran, dass jeder Erwachsene eine ungewollte Vorbildfunktion gegenüber allen jüngeren Menschen hat, besonders, wenn er draußen unterwegs ist. Denkt daran, dass jede Tat, die ihr tut und jedes Wort, das ihr sagt, bei anderen eine Reaktion hervorruft. Egal, ob man ihnen diese ansieht oder nicht. Achtet darauf, dass eure Worte und Taten nicht verletzend für andere sind. Und hört endlich auf, eure verdammten Gesellschaftsdrogen oder gar Schlimmeres zu konsumieren! Helft denen, die in Gefahr sind und ohne euch nicht aus dieser heraus kommen! Vermeidet Gewalt, wo immer ihr seid. Erzählt nicht andauernd Lügen, sondern sagt möglichst immer die Wahrheit! Macht euch nicht über Menschen lustig, die ihr für ungewöhnlich haltet oder die ihre Gefühle zeigen! Haltet eure verdammten Triebe in einem kontrollierten Rahmen! Und wenn ihr euch in Gruppen befindet, verhaltet euch auch gegenüber denen kameradschaftlich, die ihr nicht für "cool", sondern für "komisch" haltet! Versucht einfach, all das zu beachten.
    Dann werdet ihr bessere Menschen und das ist der beste Weg, den es gibt, um mir eure Dankbarkeit zu erweisen. Ich will nicht von euch durch die Gegend getragen und von betrunkenen Spinnern besungen werden. Ich will nicht auf das Titelblatt irgendwelcher angesagten Magazine, die mich als Held präsentieren. Und ich will auch nicht alle Reichtümer dieser Stadt besitzen, weil ich eine solche Entscheidung getroffen habe. Ich habe euch gerade gesagt, was ich mir von euch wünsche, denn genau darauf kommt es mir an. Ich bitte euch: Haltet euch daran! Ich werde jetzt gehen.“

    Und so hatte Albert also die Menschheit gerettet und alle Anwesenden nebenbei dazu motiviert, bessere Menschen zu werden. Als er in den darauf folgenden Tagen über die Straßen ging, merkte Albert, dass die Menschen ihre innere Einstellung geändert hatten und er war stolz darauf, etwas bewirkt zu haben. Auch, wenn er schon bald feststellen musste, dass dieser Effekt nicht von langer Dauer war.

    ENDE

  14. #13
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Es gibt Neuigkeiten bezüglich der Geschichte, die in diesem Thread zu lesen ist:
    Ich habe eine weitere, viel größere Geschichte geschrieben, die auf dem selben Planet passiert, wie die Geschichte "Albert und das Schicksal der Welt". Um es etwas genauer zu sagen: Die Geschichte beginnt genau 1 Jahr, nachdem Albert über das Schicksal der Welt entschieden hat.
    Die neue Geschichte besteht aus mehr als 200 Seiten und muss erst noch gründlich korrekturgelesen werden, bevor sie veröffentlicht werden kann. Aber das sollte innerhalb von maximal vier Wochen erledigt sein und dann werde ich hier mal ein paar Probekapitel veröffentlichen. Bis es soweit ist, veröffentliche ich hier aber schonmal ein kleines Extra: Nämlich die Zeitung, die der Portagonist aus der neuen Geschichte im ersten Kapitel durchliest.
    Wer Lust hat, sich das anzuschauen, kann es gerne tun.
    Zeitung Planet Renitium.pdf

  15. #14
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    AW: Albert und das Schicksal der Welt

    Kleines Update:
    Aufgrund intensivierter Korrekturleseanstrengungen verschiebt sich die Veröffentlichung meiner neuen Geschichte auf unbestimmte Zeit. Davon sind auch die Probekapitel betroffen. Dieses Jahr wird es definitiv nichts mehr.

  16. #15
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    Die Stunde ist nah

    Die Korrekturanstrengungen meiner großen Geschichte mit dem einfachen Titel "Der Weltverbesserer" neigen sich stark ihrem Ende zu. Noch innerhalb dieser Woche werden die ersten 5 Kapitel der Geschichte hier in diesem Thread zu lesen sein. Ich werde eben jene Kapitel auch mal an Verlage schicken und abwarten, ob diese sich vorstellen können, das Buch zu verlegen.
    Man kennt es ja von Büchern, dass es auf der Rückseite immer eine Kurzbeschreibung des Inhaltes zu lesen gibt und eben jene Kurzbeschreibung habe ich gerade ausformuliert. Nun werde ich diese Kurzbeschreibung hier schonmal veröffentlichen und vermutlich morgen, spätestens übermorgen wird die Probeleserversion hier erscheinen.

    Hier die Kurzbeschreibung der Geschichte:

    Rudolf Ehrig ist ehrgeiziger junger Mann, der auf dem mit der Erde vergleichbaren Planet „Renitium“ wohnt und sich nach längerer Tätigkeit im Gastgewerbe für eine besondere Veränderung in seinem Leben entscheidet: Er nimmt sich vor, politisch aktiv zu werden und die Welt, in der er lebt, zu einem besseren Ort für alle Menschen zu gestalten.
    Folgen Sie in diesem spannenden und komplexen Roman Rudolf Ehrig auf seinem Weg an die Spitze von Renitium's Politik, lernen Sie allerlei verschiedene Persönlichkeiten kennen und erfahren Sie von Problemen und Geheimnissen, die in der sonst so unscheinbaren Umwelt von Rudolf verborgen liegen.

  17. #16
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    Die Probeleserversion von "Der Weltverbesserer"

    Es ist vollbracht!
    Die ganze Geschichte besteht aus 41 Kapiteln und das Dokument, in dem sie niedergeschreiben wurde, besteht aus 256 Seiten.
    Hier könnt ihr nun die ersten 5 Kapitel der Geschichte lesen. Alle restlichen Kapitel sind auch schon fertig, aber in welcher Form sie veröffentlicht werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ganz klar. Falls sich das geklärt hat, werde ich in diesem Thread darüber erzählen.

    Falls jemand die Probeleseversion durchliest, wünsche ich viel Spaß!
    Es empfiehlt sich, die Geschichte von Albert zu kennen, um einen besseren Eindruck von Renitium zu haben und den einen oder anderen Inhalt besser zuordnen zu können. Aber es ist auch möglich, die Geschichte "Der Weltberesserer" zu lesen, obwohl man die Geschichte von Albert nicht kennt, und trotzdem ungefähr die Handlung zu verstehen.

  18. #17
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    Der Weltverbesserer - Probeleserversion, Kapitel 1

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    Der Weltverbesserer
    - Probeleserversion für forumla.de -

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    Kapitel 1: Der Alltag eines Kellners

    Es war mittlerweile ein ganzes Jahr vergangen, seit der Planet Renitium und alle dort lebenden Menschen von einem weichherzigen Misanthrop vor ihrer endgültigen Vernichtung gerettet wurden. An diesem Tag waren außerirdische Wesen auf Renitium gelandet, die den gesamten Planet zerstören wollten, um seine negative Auswirkung auf ihre eigene Heimat zu beenden. Doch ihr Moralempfinden hatte sie dazu motiviert, nicht selbst über das Schicksal einer ganzen Spezies zu entscheiden, sondern einem von ihnen die folgenschwere Entscheidung über Leben und Tod treffen zu lassen. Nachdem der Planet und seine fünf Städte gerettet wurden, verschwanden die außerirdischen Wesen und wurden seitdem nie wieder auf Renitium gesichtet. Abgesehen von einer leichten Angst vor einem weiteren Besuch der Außerirdischen hatte diese Ereignis keine bestehende Auswirkung auf die Menschheit.
    Die auf Renitium nun lebenden Menschen waren die Nachkommen der letzten Überlebenden vom Planet Erde, den diese vor mehr als 100 Jahren verlassen mussten, denn die dort angebrochene Eiszeit und die nicht enden wollenden Kriege machten die Erde auf lange Sicht zu einer unmöglichen Heimat. Und auch, wenn den ehemaligen Erdbewohnern klar wurde, welches Unheil ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber ihrer Umwelt und gegenüber einander hervorbrachte, hatten sie sich auf Renitium eine Zivilisation aufgebaut, die dem Leben auf der Erde zum Verwechseln ähnlich war. Die Zeit erledigte den Rest, denn nach so vielen Jahren waren bereits alle Menschen tot, die das unerträgliche Leben auf der Erde noch im Gedächtnis hatten. Es gab niemanden mehr, der sich die Fehler aus der Vergangenheit noch ins Gedächtnis rufen konnte, um sie in der neuen Heimat der Menschen zu verhindern. Die jüngeren Generationen interessierten sich weit mehr für Spaß und Reichtum als für die Geschichte der alten Welt. Es gab jede Menge Aufzeichnungen und Lehrbücher, die beim Verlassen der Erde mitgenommen wurden, aber nur sehr wenige Menschen zeigten daran Interesse.
    In Königsberg, der größten Stadt auf Renitium, saß gerade ein achtundzwanzigjähriger Mann namens Rudolf Ehrig bei seinem zweiten Frühstück.
    „Ein Schwein, das sich im Dreck wälzt, wird den Stall niemals säubern.“, las er in der aktuellen Ausgabe der Zeitung „Planet Renitium“, in der er gerade ein wenig stöberte. Anfangen konnte er mit diesem Spruch nicht besonders viel. Tiefsinnige Sprüche hatten ihn noch nie begeistert und es machte ihm keinen Spaß, über ihre Bedeutung nachzudenken. Generell war Rudolf ein Mensch, der versuchte, sich nicht zu tiefgehende Gedanken über alles zu machen. Er konnte leicht mit anderen Menschen ins Gespräch kommen und ihm fiel in nahezu jeder Situation eine passende Frage ein, aber er war kein Mensch, der immer alles hinterfragte und ganz genau wissen wollte, sondern gab sich schnell mit dem zufrieden, was ihm erzählt wurde.
    Seine Frau Henrietta setzte sich zu ihm an den Tisch und fragte: „Na, steht etwas Interessantes in der Zeitung?“
    Rudolf reagierte: „Ein bisschen was. Die Diskussion um das neue Waffengesetz entbrennt wieder. Jeder fragt sich, warum damals nicht einfach dagegen gestimmt wurde. Walther Stark ist der Einzige, der von dieser Idee überzeugt ist.“
    Seine Frau reagierte: „Ja, ich denke auch, dass es keine gute Idee ist, so gefährliche Waffen zu bauen. Aber was machen wir, wenn die Aliens zu uns zurückkehren und Renitium zerstören wollen?“
    Rudolf meinte: „Das weiß ich auch nicht.“
    Ein Blick auf die Uhr mahnte Rudolf dazu, sich auf den Weg zur Arbeit zu machen. „Schon wieder halb elf, ich muss langsam zur Arbeit.“, sagte er zu Henrietta. Er gab ihr einen Abschiedskuss, stieg in sein Auto und fuhr los. Rudolf arbeitete als Kellner in der Gaststätte „Goldene Sonne“. Bereits seit fünf Jahren war er dort angestellt, zuerst als Auszubildender, dann als fester Mitarbeiter. Sein Lohn allein reichte nicht, um davon gut zu leben, doch die vielen Trinkgelder, die ihm seine zufriedenen Gäste gaben, gleichten den mangelhaften Lohn wunderbar aus. Rudolf verstand es gut, einen freundlichen Eindruck bei seinen Gästen zu hinterlassen und sie zu unterhalten. Nicht jeder Gast war Rudolf angenehm, doch er konnte selbst den schrecklichsten Besuchern mit einem Lächeln begegnen. Rudolf fuhr durch die belebten Straßen von Königsberg, bis er schließlich seinen Arbeitsplatz erreichte. Dort wurde er sofort von Birgit Hadlich, seiner Chefin, begrüßt: „Guten Morgen Rudolf! Na, geht's dir gut?“
    Rudolf antwortete: „Aber natürlich. Und dir hoffentlich auch?“
    Birgit sagte: „Klar. Und wie geht's Henrietta? Sie hat schon lange nicht mehr bei uns gegessen.“
    Rudolf reagierte: „Oh, da muss ich dir Recht geben. Sie versucht zurzeit, Geld zu sparen, da wir bald Nachwuchs erwarten. Aber ich kann dir versichern: Das Essen hier schmeckt ihr ausgezeichnet.“
    Begeistert sagte Birgit: „Du wirst Vater? Na herzlichen Glückwunsch! Wisst ihr schon, was es wird?“
    Rudolf erklärte: „Nein, sie ist gerade im ersten Monat. Sie hat es mir am Wochenende gesagt und jetzt freue ich mich schon darauf, bald Vater zu sein.“
    Birgit kommentierte: „Das ist super! Du wirst bestimmt ein toller Vater sein. So, dann sollten wir uns langsam mal an die Arbeit machen, der nächste Gast kommt bestimmt bald.“
    Und als ob es abgesprochen wäre, kam in genau diesem Augenblick ein Gast durch die Tür. Er wurde von Birgit und Rudolf mit einem fröhlichen „Guten Tag!“ begrüßt, während Rudolf's Kollege Rainer auf den Gast zuging, um ihm seine Jacke abzunehmen, ihn zu einem Tisch zu führen und seine Bestellung entgegen zu nehmen. Neben Rudolf und seinen beiden Kollegen, Rainer und Heiko, arbeiteten in der Gaststätte noch die beiden Köche Lenny und Tom. Rudolf kam mit allen gut zurecht. Außerdem spielte Heiko in der gleichen Fußballmannschaft wie Rudolf und die beiden hatten immer etwas zu besprechen. Die Arbeitszeiten von Rudolf waren allerdings nicht gerade motivierend: Er arbeitete von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr und der einzige freie Tag der Woche war ein Mittwoch. Aber trotz der eher unangenehmen Arbeitszeiten ging Rudolf gern zur Arbeit. Er mochte die Atmosphäre der gut besuchten Gaststätte und die Anwesenheit der Gäste. Besonders freute er sich darüber, bekannte Gesichter erneut in der Gaststätte begrüßen zu dürfen. Das bestätigte ihm immer wieder seine Fähigkeit, gut mit Menschen umgehen zu können. Durch seinen Arbeitsplatz und seine besondere Gastfreundlichkeit war Rudolf ein recht beliebter Bürger und kannte viele verschiedene Leute. Es kam häufig vor, dass er von Bekannten auf der Straße gegrüßt wurde, an deren Namen er sich nicht in jedem Fall erinnern konnte.
    Als Rudolf gerade anfangen wollte, Heiko beim Saubermachen zu helfen, kam bereits der nächste Kunde in die Gaststätte, der sich ein gutes Mittagessen gönnen wollte. Rudolf ging auf ihn zu und sagte: „Guten Tag und willkommen in unserer Gaststätte! Sind Sie neu hier? Ich glaube, ich habe Sie hier noch nicht gesehen.“
    Der Gast erklärte: „Ja, ich bin heute das erste Mal hier. Ich hatte gehofft, hier ein ordentliches Mittagessen zu bekommen.“
    Rudolf reagierte: „Da haben Sie sich genau die richtige Gaststätte ausgesucht. Mein Name ist Rudolf Ehrig, ich bin heute Ihr Kellner. Geben Sie mir doch Ihre Jacke!“
    Der Gast kam der Bitte nach. Rudolf hängte die Jacke an den Kleiderständer und führte den Gast zu seinem Tisch. Er sagte: „Suchen Sie sich aus unserer Speisekarte in Ruhe etwas Leckeres aus! Möchten Sie schon etwas trinken?“
    Der Gast antwortete: „Ja, eine kleine Apfelschorle bitte.“
    „Kommt sofort!“, sagte Rudolf auf seine gewohnt freundliche Weise und ging in die Küche, um ein Glas Apfelschorle für seinen Gast zu holen. Als er seinem Gast das Glas brachte, hatte sich dieser bereits für ein Gericht entschieden und sagte: „Danke. Ich hätte gern einmal die Nummer 9.“
    Rudolf reagierte: „Gerne. Ich werde es Ihnen so bald wie möglich bringen.“
    Er gab den Köchen Bescheid und sie begannen damit, das gewünschte Gericht zuzubereiten. Dann ging Rudolf zu seinem Gast zurück und sagte: „Das Essen dauert noch ca. 15 Minuten. Möchten Sie in der Zwischenzeit etwas lesen? Wir hätten die aktuelle Zeitung da.“
    Der Gast erklärte: „Nein danke, ich habe die Zeitung heute Morgen schon gelesen. Unglaublich, dass wir schon die fünfzigtausender Marke geknackt haben. So viele Menschen auf einmal kann ich mir gar nicht vorstellen.“
    Rudolf meinte: „Ja, das glaube ich Ihnen. Stellen Sie sich nur mal vor, wie das damals auf dem alten Planet gewesen sein muss. Ich habe gehört, dort haben vor dem Beginn der Eiszeit über zwanzig Milliarden Menschen gelebt. Das ist absolut unvorstellbar.“
    „Woher wissen Sie das?“, fragte der Gast interessiert.
    Rudolf ging darauf ein: „Letzte Woche hat Harald Schmutzler hier gegessen. Wir kamen ins Gespräch über das Buch, das er veröffentlicht hat und er erzählte mir, dass er ein zweites Buch plant, das von dem alten Planet und den Anfängen der Menschheit auf Renitium handelt. Von ihm weiß ich das.“
    Der Gast meinte: „Da sind Sie ja richtig zu beneiden. So einen bekannten Gast haben Sie bestimmt nicht oft.“
    Rudolf sagte dazu: „Das stimmt, aber für uns ist jeder Gast wichtig. Egal, ob er bekannt oder unbekannt ist. Und ich bin sicher, dass jeder Mensch etwas Interessantes zu erzählen hat. Darf ich fragen, welche Arbeit Sie haben?“
    Der Gast antwortete: „Mir gehört eine Buchhandlung ganz in der Nähe. Vielleicht haben Sie schon mal davon gehört: Es ist die Buchhandlung „Bücherwurm“.“
    Rudolf reagierte: „Ja, das sagt mir was. Ich hatte schon oft vor, mir ein Buch zu kaufen. Aber ich hätte keine Zeit, es dann auch zu lesen. Falls ich mir doch irgendwann eins anschaffen will, schaue ich bestimmt mal in Ihrem Geschäft vorbei.“
    Der Gast meinte: „Das würde mich freuen. Wir bieten eine große Auswahl aus verschiedenen Kategorien. Da ist für jeden etwas dabei.“
    Rudolf kommentierte: „Das glaube ich Ihnen gern. Es gibt auch unheimlich viel, worüber man schreiben kann. Haben Sie schon mal ein eigenes Buch geschrieben?“
    Der Gast erzählte: „Nein, das Schreiben liegt mir nicht so besonders. Ich bin eher jemand, der Spaß daran hat, Bücher zu lesen.“
    Rudolf meinte: „Das verstehe ich. Mir geht es ganz genau so. Haben Sie in der Zeitung schon den Artikel über das neue Waffengesetz gelesen?“
    Der Gast sagte: „Ja und das regt mich auf. Ich weiß nicht, warum Walther Stark so versessen darauf ist, eine militärische Macht aufzustellen. Wäre ich Stadtältester, hätte ich mich ganz klar dagegen entschieden.“
    Rudolf kommentierte: „Genau so denke ich auch. Ich meine, wir haben Walther Stark viel Gutes zu verdanken. Er hat den Bau des Kinderheimes veranlasst und für die bessere Ausrüstung unserer Polizei gesorgt, aber mit diesem neuen Gesetzesvorschlag kann ich mich auch nicht anfreunden.“
    Der Gast argumentierte: „Jeder der drei Stadtältesten hat gute Dinge angeregt und umgesetzt. Aber mit so einer Idee kam bisher kein anderer an. Es wundert mich wirklich, dass Ferdinand Knorr und Troy Blechschmidt sich nicht einfach dagegen entschieden haben.“
    Rudolf meinte: „Vielleicht tun sie das ja dieses Mal. Sie sind beide nicht gut auf das Thema zu sprechen.“
    Der Gast sagte: „Und das aus gutem Grund. Diese neuen Waffen würden nur für Gefahr sorgen.“
    Rudolf kommentierte: „Allerdings. Es ist schon erschreckend genug, dass laut offizieller Schätzung rund dreitausend Schusswaffen im Besitz von gewöhnlichen Bürgern sein sollen. Allein das bringt Gefahren mit sich.“
    Der Gast stimmte zu: „Sie sagen es! Man kann schon nicht mehr über die Straßen gehen, ohne befürchten zu müssen, dass irgendjemand eine Waffe aus seiner Tasche holt.“
    Rudolf sagte: „Dann kann man nur hoffen, dass ein Polizist in der Nähe ist. Ich schaue mal, ob Ihr Essen inzwischen fertig ist.“
    Rudolf ging in die Küche und merkte, dass sein Gefühl richtig war: Das Essen für seinen Gast wurde gerade auf den Teller gelegt. Rudolf nahm den Teller und servierte ihn seinem Gast mit den Worten: „Da kommt auch schon Ihr Essen. Einen Guten Appetit wünsche ich!“
    Der Gast bedankte sich und verspeiste sein Essen, während Rudolf in der Küche beim Abwasch half. Als der Gast aufgegessen hatte, kam Rudolf zu ihm und fragte: „Na, war das ein ordentliches Mittagessen?“
    Der Gast antwortete: „Aber sicher, es hat sehr gut geschmeckt.“
    Rudolf meinte: „Da freuen wir uns. Darf ich Ihnen noch ein Getränk bringen?“
    „Nein danke, ich möchte jetzt gerne zahlen.“, kam von dem Gast als Antwort.
    Rudolf sagte: „Okay. Sie hatten einmal eine kleine Apfelschorle und einmal die Nummer 9. Das macht insgesamt ... fünf Taler und neununddreißig Pfennig.“
    Der Gast nahm seine Geldbörse in die Hand und holte acht Taler heraus. „Der Rest ist für Sie.“, sagte er lächelnd.
    Rudolf reagierte: „Danke schön, sehr nett von Ihnen.“
    Er holte dem Gast seine Jacke und verabschiedete sich: „So, dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag und hoffe, Sie bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen.“
    Der Gast kommentierte: „Danke! Ich war heute bestimmt nicht das letzte Mal hier. Auf Wiedersehen!“
    Nachdem Rudolf einen weiteren zufriedenen Gast verabschiedet hatte, ging er zu Heiko, der noch immer mit der Reinigung der Minibar beschäftigt war. Er half ihm ein wenig dabei und sprach ihn an: „Was war letzten Mittwoch beim Training mit dir los? Du hast die ganze Zeit unkonzentriert gewirkt.“
    Heiko ging darauf ein: „Besser ging's nicht. Ich hatte am Dienstag nach der Arbeit noch mit ein paar Kumpels ordentlich gefeiert. Wahrscheinlich hatte ich am Tag darauf noch Restalkohol im Blut.“
    Rudolf kommentierte: „Dann hättest du es mit dem Alkohol vielleicht nicht so übertreiben sollen.“
    Heiko beklagte sich: „Aber wenn ich das nicht Dienstagabend mache, wann dann? Jeden verdammten Tag arbeiten wir hier von morgens bis abends und an meinem einzigen freien Tag in der Woche muss ich für Fußball fit sein. Wann soll ich mich denn dann volllaufen lassen?“
    Rudolf reagierte: „Da bleibt wirklich nicht viel Zeit. Aber musst du dich denn unbedingt besaufen?“
    Heiko erklärte: „Es geht ja auch darum, Zeit mit Freunden zu verbringen und dabei Spaß zu haben! Wann habe ich das mal? Nie!“
    Rudolf beriet seinen Kollege: „Wenn du mehr Freizeit willst, musst du dir Pflichten vom Hals schaffen. Vielleicht solltest du das Fußballspielen aufgeben.“
    Heiko reagierte: „Blödsinn! Ich kann dir sagen, woran es liegt, dass ich zu wenig Zeit habe: An diesem Schuppen hier. In anderen Gaststätte arbeiten Kellner bis 17:00 Uhr und haben sonntags frei. Das nenne ich mal Leben!“
    Rudolf argumentierte: „Dafür greifen sie auch weniger Trinkgelder ab. Du weißt doch genau, dass unsere Gaststätte abends am vollsten ist und wir sonntags gut besucht sind. Ich glaube kaum, dass Birgit sich dazu überreden lässt, früher zu schließen.“
    Heiko meinte: „Muss sie auch nicht. Sie muss nur mehr Leute einstellen und Schichtarbeit einführen, aber dazu ist sie zu geizig! Du musst doch auch merken, dass du kaum Freizeit hast. Oder bist du damit etwa zufrieden?“
    Rudolf ging darauf ein: „Naja, was heißt zufrieden? Ich sehe meine Frau durch die Arbeit eher selten, aber ich glaube, sie ist damit einverstanden. Manchmal gehe ich nach der Arbeit mit ihr eine Stunde in unsere Stammkneipe und am Mittwoch machen wir nach dem Training auch immer etwas zusammen. Das wird schon reichen.“
    Heiko kommentierte: „Das soll reichen? Hast du dich schon mal gefragt, was deine Frau die ganze Zeit so treibt, wenn du nicht zu Hause bist?“
    Rudolf reagierte: „Nein, aber das muss ich auch nicht. Ich vertraue ihr.“
    Heiko fragte: „Und wann nimmst du dir mal Zeit für dich?“
    Rudolf antwortete: „Jeden Mittwoch.“
    Heiko kommentierte: „Ist das etwa genug für dich? Ich jedenfalls habe mehr und mehr die Schnauze voll davon, nur einen Tag pro Woche frei zu sein!“
    Rudolf sagte: „Dann kannst du dir ja etwas Besseres suchen und hier aufhören.“
    Heiko ging drauf ein: „Ja, ich werde mich auch nach was Besserem umschauen. “
    Beide reinigten daraufhin schweigend die Theken der Bar. Bald kam ein weiterer Gast in die Gaststätte und Heiko sagte: „Ich habe genug von diesen elenden Reinigungsarbeiten. Den übernehme ich!“
    Er legte seinen Lappen weg und begrüßte den Gast. Rudolf säuberte die Theke allein weiter und musste darüber nachdenken, was seine Frau eigentlich den ganzen Tag so machte. Sie war arbeitslos. Dienstags und freitags besuchte sie am Nachmittag immer einen Sportkurs. Die restliche Zeit verbrachte sie wahrscheinlich zu Hause mit dem Reinigen der Wohnung oder mit Fernsehen. So dachte Rudolf es sich jedenfalls. Er bekam langsam Hunger und nutzte den Vorzug, der den Mitarbeitern der Gaststätte vorbehalten blieb: Täglich ein kostenloses Mittagessen der eigenen Wahl. Er sagte den Köchen, was er gerne essen würde und säuberte danach weiter die Theke, bis sie so gut wie neu aussah. Als er es endlich geschafft hatte, war sein Mittagessen auch schon fertig und er ließ es sich schmecken. Nachdem er aufgegessen hatte, ging er nach draußen, um etwas frische Luft zu schnappen. Sein Kollege Rainer stand mit einer Zigarette im Mund neben der Tür und machte ebenfalls Pause. Rudolf war der einzige Nichtraucher der Gaststätte, aber es beschwerte sich nicht darüber, wenn die anderen rauchten. Er stellte sich zu Rainer und begann ein Gespräch: „Ziemlich wenig los heute, was?“
    Rainer reagierte: „Ach was, mittags ist es doch immer so. Die meisten Gäste kommen abends. Das weißt du doch.“
    Rudolf meinte: „Ja schon, aber es gab auch schon Tage, an denen mittags viel mehr los war.“
    Rainer kommentierte: „Stimmt. Es gibt eben gute und schlechte Tage. An guten Tagen verdienen wir mehr Trinkgeld, an schlechten Tagen können wir alles ruhiger angehen.“
    Rudolf ging darauf ein: „Ja, das stimmt allerdings. Bist du eigentlich auch der Meinung, dass wir zu lange Arbeitszeiten haben?“
    Rainer meinte: „Manchmal schon. Aber es ist eben unser Job. Wenn die Gaststätte gut läuft, haben wir auch was davon. Nämlich viel mehr Trinkgeld. Und genau das zählt: Geld!“
    Rudolf gab zu bedenken: „Wirklich? Sollte man nicht auch Zeit mit Freunden und Familie verbringen?“
    Rainer argumentierte: „Kann sein. Aber meine Freundin ist glücklich, wenn ich ihr Schmuck und Schuhe kaufe. Das geht nur, weil ich viel Geld verdiene.“
    Rudolf musste lachen und sagte nur: „Gutes Argument!“
    Rudolf und Rainer standen noch eine Weile herum und ließen ihren Blick schweigend umherschweifen. Nachdem Rudolf genug frischen Zigarettenrauch eingeatmet hatte, ging er in die Küche und half den beiden Köchen ein wenig. Schon bald kamen zwei Gäste. Es war eine Frau mit ihrem Freund. Als sie Rudolf sah, erkannte sie ihn sofort wieder und rief: „Rudolf!“
    Rudolf ging auf sie zu und sagte: „Ah, ihr seid es! Ich freue mich, euch wieder hier begrüßen zu dürfen.“ Er nahm die Jacken der beiden und führte sie zu einem freien Tisch. Wie es üblich war, zeigte er ihnen die Bestellkarte und fragte sie, ob sie bereits ein Getränk bestellen möchten. Beide bestellten einen Kaffee und eine Torte, die im Nebensortiment der Gaststätte angeboten wurde. Rudolf holte zwei Stückchen Torte und Kaffee für die beiden und setzte sich zu ihnen an den Tisch.
    „Na, wie geht's, Jana?“, fragte er.
    Sie antwortete: „Ziemlich gut. Wir sind vor Kurzem zusammen gezogen.“
    Rudolf kommentierte: „Ach so ist das. Dann seid ihr ja fast schon sowas wie eine kleine Familie.“
    Beide lachten leise und Jana sagte: „Ja. Wie läuft denn die Gaststätte?“
    Rudolf reagierte: „Ziemlich gut. Das verdanken wir den vielen Neukunden und auch Gästen wie euch, die sich immer wieder gern von uns bedienen lassen. Was macht das Berufsleben?“
    Jana ging darauf ein: „Es ist noch alles beim Alten. Macht die Arbeit als Kellner eigentlich Spaß?“
    Rudolf sagte: „Aber klar. Sicher, die Arbeitszeiten hier sind nicht die allerbesten, aber ich lerne immer wieder interessante Leute kennen und das gefällt mir.“
    Jana meinte zu ihm: „Ja, das merkt man. Aber ich war immer der Meinung, dass Kellner nicht zu dir passt. Ich dachte früher, du wirst mal Politiker. Damals in der Schule bist du ja auch jedes Jahr Klassensprecher gewesen.“
    Rudolf rechtfertigte sich: „Aber doch nur, weil es niemand anders machen wollte. Ich weiß nicht, ob ich ein guter Politiker wäre.“
    Jana's Freund kommentierte: „Gibt es denn überhaupt gute Politiker?“ und alle lachten.
    Dann sagte Rudolf: „Ich kann es nicht sagen. Ich weiß nicht, was einen guten Politiker ausmacht.“
    Jana's Freund ging darauf ein: „Am besten sollte sich ein guter Politiker für das Volk einsetzen und Steuergelder sinnvoll ausgeben.“
    Rudolf meinte: „Ja, das sind wichtige Merkmale. So müsste ein guter Politiker auf jeden Fall handeln. Aber dazu muss er auch richtige Entscheidungen treffen. Was würdet ihr zum Beispiel zu dem neuen Waffengesetz sagen? Würdet ihr den Bau von militärischen Waffen erlauben oder verhindern?“
    Jana antwortete zuerst: „Puh, schwierige Frage. Ich glaube, es wäre besser, das lieber nicht zuzulassen.“
    Dann antwortete Jana's Freund auf die Frage: „Ich bin dafür. Walther Stark hat Recht! Wir brauchen die Möglichkeit, uns gegen Alieninvasionen zu verteidigen. Was machen wir denn, wenn sie wieder kommen und wir stehen immer noch mit leeren Händen da? Vielleicht lassen sie beim zweiten Mal nicht einen von uns entscheiden, sondern zerstören Renitium einfach selbst.“
    Rudolf entgegnete: „Ich verstehe, was du meinst. Aber man sollte meiner Meinung nach nicht vergessen, dass Waffen auch gefährlich sein können.“
    Jana's Freund argumentierte weiter: „Also ich kann Walther Stark wirklich nur zustimmen. Und überlegt doch mal: Dieser Mann ist viermal von den Bürgern zum Stadtältesten gewählt worden. Und in dieser ganzen Zeit hat er Gutes für die Bevölkerung bewirkt. Warum sollte so jemand etwas Gefährliches im Sinn haben? Er macht sich einfach nur Sorgen um die Sicherheit der Bevölkerung. Das sagt er auch jedes Mal, wenn er über das neue Waffengesetz redet.“
    Rudolf reagierte: „Das sagt er in der Tat. Vielleicht sind wir zu misstrauisch. Aber was ist, wenn diese gefährlichen Waffen in den Händen von Verbrechern landen?“
    Jana's Freund meinte: „Wenn das Ganze streng genug überwacht wird, kann das sicher nicht passieren.“
    Rudolf sagte: „Ja, das glaube ich auch.“
    Mittlerweile hatten die beiden ihre Torte gegessen und Rudolf fragte sie: „Na, wollt ihr noch einen Nachschlag?“
    Beide verneinten und Jana's Freund zog seine Geldbörse, während er fragte: „Wie viel schulden wir dir?“
    Rudolf antwortete: „Vier Taler und vierzig Pfennig.“
    Jana's Freund gab ihm sechs Taler und die beiden verabschiedeten sich. Rudolf holte ihnen ihre Jacken und die beiden verließen nach einem freundlichen „Tschüss, bis bald!“ die Gaststätte.
    Die nächste Stunde verbrachte Rudolf wieder damit, sich mit seinen Kollegen zu unterhalten. Scheinbar war heute kein besonders guter Tag für die Gaststätte. Die nächsten beiden Gäste wurden von Rudolf's Kollegen bedient und er fing allmählich an, sich ein wenig zu langweilen. Solche Tage gab es nur selten. In der Regel wurde die Gaststätte jeden Tag gut besucht, auch nachmittags. Als sich der Tag dem Abend zuneigte, änderte sich die Situation jedoch schnell. Mehrere Gäste betraten die Gaststätte und für die drei Kellner ging der stressige Teil des Tages los. Jeder begrüßte eine der angekommenen Gruppen. Rudolf bediente eine fünfköpfige Familie und sagte: „Guten Tag! Ich bin Rudolf. Ich werde Sie heute bedienen. Bitte geben Sie mir Ihre Jacken und folgen Sie mir an Tisch zwölf.“
    „Aber gerne. Wir sind die Familie Reinken“, sagte die Mutter.
    Der älteste Sohn kommentierte: „Was geht den das an, wie wir heißen?“
    Die Mutter ging darauf ein: „Sei nicht schon wieder so mürrisch, Albert! Kannst du nicht einmal ein bisschen freundlich sein?“
    Rudolf ergriff das Wort: „Das macht nichts. Kommen Sie bitte mit! Ich bringe Sie zu Ihrem Tisch.“
    Er führte die Familie zu ihrem Tisch und sagte: „Ich hole noch ein paar Speisekarten. Bin gleich wieder da.“
    Er schnappte sich ein paar Speisekarten und brachte sie zu dem Tisch. Dann fragte er: „Wollen Sie schon etwas trinken?“
    Die Frau reagierte: „Ja, eine Flasche Wein wäre nett.“
    Der älteste Sohn meckerte: „Eine Flasche Wein? Ihr seid nicht zum Saufen hergekommen!“
    Der Vater motzte ihn voll: „Verdammt Albert, halt einfach mal die Klappe! Du trinkst keinen Wein, aber wir schon! Gewöhn' dich endlich daran!“
    Rudolf stand sichtlich verwirrt neben seinen Gästen und wusste nicht so recht, wie er ihr Verhalten deuten sollte. Vielleicht sollte er den jungen Mann fragen, warum er so schlecht gelaunt ist. Vielleicht sollte er sich aber auch einfach um andere Gäste kümmern und sich nicht in die Angelegenheiten der Familie einmischen. Er hörte den jungen Sohn sagen: „Mama, mir ist langweilig!“
    Sie reagierte: „Hast du dir denn schon dein Essen ausgesucht?“
    Der junge Sohn bejahte und Rudolf nutzte die Gunst des Moments: „Oh gut. Was darf es denn sein?“
    „Backfisch mit Kartoffelbrei.“, las der Junge aus der Karte vor. Seine kleine Schwester ergänzte: „Das will ich auch haben.“
    Der älteste Sohn gab ebenfalls eine Bestellung auf: „Ich hätte gern einmal die Nummer 11.“
    „Und die Eltern?“, fragte Rudolf.
    Die Frau meinte: „Wir suchen noch.“
    „Okay.“, sagte Rudolf kurz und holte eine Flasche Wein für die Eltern. Er brachte sie zurück und bemerkte, dass die drei jüngsten Mitglieder der Familie gelangweilt da saßen. Er merkte an: „Hier wäre dann der Wein. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen die aktuelle Zeitung zum Lesen bringen. Vielleicht macht das die Wartezeit erträglicher.“
    „Naja ... besser als nichts.“, kommentierte der älteste Sohn.
    Rudolf holte eine Ausgabe von „Planet Renitium“ und gab sie dem jungen Mann. Seine beiden kleinen Geschwister rückten näher zu ihm, um auch in die Zeitung zu schauen.
    Rudolf bemerkte eine weitere Familie, die darauf wartete, empfangen zu werden. Er ging zu ihnen, begrüßte sie und erfüllte all seine gewöhnlichen Pflichten gegenüber seinen Gästen. Die beiden Eltern bestellten nach einem kurzen Plausch mit Rudolf ein Bier und ihre junge Tochter einen Apfelsaft. Rudolf ging los, um die Getränke zu besorgen und sah, dass die Köche mit dem Backfisch fast fertig waren. Er brachte die Getränke an den entsprechenden Tisch. Erneut fielen ihm weitere Gäste auf, die auf eine Bedienung warteten, doch diese wurden schnell von seinen Kollegen übernommen. Rudolf holte das Essen für die kleinen Kinder der Familie Reinken und brachte es an den Tisch. Als er ankam, war offensichtlich schon wieder eine Diskussion entstanden:
    „Wenn solche Weicheier wie du hier das Sagen hätten, würden wir uns nur mit Steinen und Stöcken wehren dürfen.“, sagte der Vater.
    Der älteste Sohn reagierte: „Und wenn schon! Was findest du an militärischen Waffen so viel besser? Stell dir mal vor, irgendein Irrer kriegt so ein Ding in die Hand und läuft Amok in unserer Nachbarschaft. Gefällt dir der Gedanke?“
    Sein Vater entgegnete: „Typisch! Jetzt übertriebst du wieder. Als ob es in unserer Nachbarschaft Leute gäbe, die Amok laufen wollen.“
    Der älteste Sohn sprach weiter: „Typisch für dich ist, dass du alles verharmlost und die Augen vor der Gefahr verschließt. Sonst würdest du dich vermutlich auch nicht jeden Abend nach der Arbeit besaufen. Das neue Waffengesetz ergibt allgemein keinen Sinn. Dieser Walther Stark führt irgendwas im Schilde.“
    Interessiert mischte sich Rudolf in die Diskussion ein, während er das Essen für die Kinder servierte: „Wie können Sie da so sicher sein?“
    Der junge Mann erklärte: „Ich erinnere mich noch genau an den Tag vor einem Jahr, als Aliens hier landeten. Sie hatten vor, Renitium zu zerstören und haben dafür ein besonderes Artefakt gebraucht, das hier versteckt war. Sie hatten es lange Zeit nicht gefunden und wollten schon die Suche aufgeben, aber dann haben sie entdeckt, dass unsere Stadtältesten den Gegenstand ebenfalls jagen, um mit seiner Energie Kriegsmaschinen zu bauen! Und genau diese Leute regieren jetzt immer noch! Warum wurden sie nicht darauf angesprochen?!“
    Rudolf meinte: „Haben die Aliens das wirklich gesagt? Ich kann mich gar nicht daran erinnern.“
    Der junge Mann reagierte: „Natürlich haben Sie das! Und deshalb wollten sie die Menschheit dann doch vernichten und das notwendige Artefakt unbedingt finden.“
    Rudolf kommentierte: „Ja, aber dann musste ja einer von uns über das Schicksal der Menschen entscheiden und hat uns alle gerettet.“
    Der junge Mann sagte: „Stimmt ... das muss wirklich ein Idiot gewesen sein. Der glaubte doch ernsthaft, die Menschen würden rücksichtsvoller und verantwortungsbewusster miteinander umgehen, wenn er ihnen das Leben rettet.“
    Der Vater mischte sich ein: „Wow! Ich habe noch nie gehört, wie du dich selbst beleidigst, Albert!“
    Der junge Mann meinte: „Das war keine Beleidigung. Es war eher Bedauern.“
    Rudolf merkte, dass bereits weitere Gäste eingetroffen waren, die auf ihre Bedienung warteten und sagte: „Also wenn Walther Stark wirklich vorhatte, Kriegsmaschinen zu bauen, dann sollten wir uns lieber vor ihm in Acht nehmen. Entschuldigt mich, ich muss mich schnell um die anderen Gäste kümmern.“
    Er begrüßte die neuen Gäste, nahm ihnen die Jacken ab, führte sie zu einem freien Tisch, fragte nach dem Getränkewunsch und holte die bestellten Getränke. Nachdem er sie an den Tisch gebracht hatte, ging er zu der kleinen Familie und fragte sie, ob sie sich bereits etwas ausgesucht haben. Er gab ihre Bestellungen an die Küche weiter und nahm bei der Gelegenheit gleich das Gericht mit, das der älteste Sohn der Familie Reinken bestellt hatte. An dem Tisch dieser Familie angekommen, servierte er das Essen und nahm die Bestellung der Eltern entgegen, die sich nun endlich entschieden hatten. Weitere Gäste warteten an der Tür und die Chefin kam nach unten, um zu überprüfen, ob auch alles in Ordnung ist und um selbst ein bisschen mit anzupacken. Es war ein guter Abend für die Gaststätte. Bis zur letzten Minute hatten Rudolf und seine Kollegen alle Hände voll zu tun. Sie liefen praktisch von einem Tisch zum nächsten, um Bestellungen entgegen zu nehmen, Essen zu servieren oder abzurechnen. Die aufgekommene Hektik machte Rudolf nichts aus, doch als er sich dann auf den Heimweg machte, war er ziemlich erschöpft. Er setzte sich in sein Auto und fuhr nach Hause zu seiner Frau. Sie schaute gerade fern, als er das Haus betrat. Er begrüßte sie: „Hallo Schatz! Na, wie war dein Tag?“
    Sie stand auf und griff nach seinen Händen, als sie sagte: „Nicht sehr aufregend. Ich habe dich vermisst.“
    Rudolf reagierte: „Wirklich? Findest du, dass wir zu wenig Zeit miteinander verbringen?“
    Sie ging darauf ein: „Ja, manchmal denke ich das schon. Du kommst immer so spät nach Hause und gehst meistens nach dem Essen sofort ins Bett.“
    Rudolf sagte: „Ja, stimmt, aber so ist das nun mal bei meinem Job. Heute war ein hektischer Tag, zumindest abends. Ist das Essen fertig?“
    „Natürlich.“, antwortete Henrietta.
    „Schön, dann lass uns essen. Und danach gehe ich lieber ins Bett, ich bin sehr erschöpft.“, sagte Rudolf und die beiden gingen in die Küche, um zu essen.
    „Ach übrigens, Birgit hat heute nach dir gefragt und wann du mal wieder zu Besuch in die Gaststätte kommst.“, merkte Rudolf während dem Essen an.
    Seine Frau sagte gereizt: „Birgit? Die kann mir gestohlen bleiben, die blöde Kuh! Du weißt doch genau, dass ich sie nicht ausstehen kann.“
    „Ja...“, murmelte Rudolf vor sich hin und fügte hinzu, als er seine Frau begutachtete: „Sag mal, ist das ein neues Kleid?“
    Seine Frau reagierte: „Ja, ganz recht! Ich dachte schon, es würde dir gar nicht auffallen. Ich habe es letzte Woche gekauft. Das ist ein edles Stück. Es hat 120 Taler gekostet.“
    „120 Taler?!“, sagte Rudolf geschockt. Dann fragte er: „Sollten wir nicht lieber ein bisschen Geld auf die Seite legen, falls wir es für das Baby brauchen?“
    Seine Frau meinte: „Ach was, das kriegen wir schon alles irgendwie hin, wenn es dann soweit ist. Ich muss doch auch mal an mich denken.“
    Rudolf sagte: „Na gut. Aber übertreibe es bitte nicht!“
    Mehr gab es während dem Essen nicht zu besprechen. Nachdem Rudolf aufgegessen hatte, machte er sich für das Bett fertig und ging schlafen.

  19. #18
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    Der Weltverbesserer - Probeleserversion, Kapitel 2

    Kapitel 2: Eine neue Alternative

    Am nächsten Morgen stand Rudolf wie gewohnt gegen 8:00 Uhr auf und ging unter die Dusche, während seine Frau ein kleines Frühstück vorbereitete. Als etwas später beide beim Frühstück saßen, machte Henrietta den Vorschlag, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Rudolf stimmte dem Vorschlag zu. Die zweieinhalb Stunden am Morgen waren neben den Stunden nach Feierabend der einzige Teil eines Arbeitstages, an dem Rudolf die Möglichkeit hatte, Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Und so begaben sich die beiden nach dem kleinen Frühstück auf einen Spaziergang durch die Nachbarschaft.
    Auf dem Weg begann Henrietta ein Gespräch: „Du Rudolf ... glaubst du, dass es immer so weiter gehen wird?“
    Rudolf fragte: „Was meinst du mit „so“?“
    Henrietta erklärte: „Na so, wie die Tage alle ablaufen. Wir stehen morgens auf, haben ein paar Stunden Zeit für uns, dann arbeitest du bis spät abends und ich sitze vor dem Fernseher oder kümmere mich um den Haushalt und bin unterwegs, um Einkäufe zu erledigen.“
    Rudolf meinte: „Ich schätze schon, dass es noch lange so weiter geht. Warum fragst du?“
    Henrietta sagte: „Überleg' mal! Wenn unser Kind auf die Welt kommt, dann hat es praktisch gar keinen Vater.“
    Rudolf fragte etwas geschockt: „Was soll das denn heißen?“
    Henrietta erläuterte ihre Gedanken: „Wenn unser Kind da ist, wirst du immer noch fast den ganzen Tag auf der Arbeit sein und dein Kind nur morgens und spät abends mal sehen. Und wenn es in die Schule geht, dann sieht es dich überhaupt nicht mehr, weil es zur Schule muss, bevor du aufstehst und einschläft, bevor du nach Hause kommst.“
    Rudolf argumentierte: „Aber immerhin habe ich mittwochs frei und könnte nachmittags etwas mit dem Kind unternehmen. Welche Alternative habe ich denn? Woher sollte das Geld für unseren Lebensunterhalt kommen, wenn ich meine Arbeit aufgeben würde?“
    Henrietta sagte leicht gereizt: „Vergiss doch mal das verdammte Geld! Geld allein ist nicht alles. Ich habe immer von einer glücklichen Familie geträumt. Aber wenn ein Kind seinen Vater nur einmal in der Woche sieht, dann macht es das bestimmt nicht glücklich.“
    Rudolf äußerte eine ausnahmsweise mal scharfsinnige Bemerkung: „Geld allein ist nicht alles? Wovon hast du dir wohl gestern dein 120-Taler-Kleid gekauft? Ich weiß zwar, was du meinst, aber ich weiß nicht, wie es anders laufen soll.“
    Henrietta meinte: „Dann suche ich eben einen besseren Job für dich. Aber du musst ihn dann auch annehmen.“
    „Mal sehen.“, murmelte Rudolf.
    „Ich meine es ernst!“, versicherte ihm seine Frau. Rudolf schwieg daraufhin und die beiden schlenderten locker durch die Gegend. Plötzlich kam ein Mann auf sie zu und sprach sie an: „Guten Tag. Darf ich Sie kurz etwas fragen?“
    Henrietta reagierte: „Was denn?“
    Der Mann stellte seine Frage: „Haben Sie sich schon mal gefragt, was wohl nach dem Tod kommt?“
    Die beiden schauten sich fragend an und Henrietta antwortete: „Nein. Sie etwa?“
    Der Mann ging darauf ein: „Ja, das habe ich. Aber ich habe einfach keine Antwort gefunden. So lange, bis ich auf ein Buch aufmerksam wurde, das Antworten auf alle wichtigen Fragen des Lebens liefert.“
    Henrietta sagte entgeistert: „Oh nein! Sind Sie etwa einer dieser Anielisten?“
    Der Mann antwortete: „Ganz richtig. Ich war in einer sehr dunklen Phase meines Lebens und hatte schon alle Hoffnungen aufgegeben, als eines Tages ein netter Mann auf mich zukam und mir etwas vorstellte, was mein Leben verändert hat: Aniel's Testament.“
    Henrietta sagte mit abweisender Stimme: „Ja ja, das hat mir letzte Woche schon jemand anders andrehen wollen.“ Sie wandte sich zu Rudolf und meinte zu ihm: „Komm Schatz, wir gehen!“
    Dann nahm sie ihn an die Hand und die beiden gingen weiter. Sie bekamen hinterher gerufen: „Falls Sie Ihre Meinung ändern, steht das Königsberger Gotteshaus jederzeit für Sie offen.“
    Während die beiden weiter liefen, meckerte Henrietta: „Diese dämlichen Anielisten werden immer mehr. Warum können die uns nicht einfach in Ruhe lassen?“
    Rudolf schlug vor: „Frag' sie doch beim nächsten Mal.“
    Seine Frau meinte: „Das mache ich auch!“
    Während Rudolf und Henrietta weiter spazierten, fiel kein einziges Wort mehr zwischen ihnen. Dann wurde Rudolf von einem früheren Gast aus der Gaststätte angesprochen. Die junge Frau sagte: „Hey, hallo Rudolf! Das ist ja eine Überraschung. Erinnerst du dich noch an mich? Ich war letzten Monat dein Gast.“
    Rudolf hatte keine Ahnung, wer da vor ihm stand. Aber er sagte: „Ja, natürlich kenne ich dich noch. Das hier ist meine Frau Henrietta.“
    Henrietta stand schweigend da, während die junge Frau zu ihr sagte: „Ich bin Julia. Angenehm, dich kennenzulernen!“
    Rudolf sagte zu ihr: „Wann dürfen wir dich denn wieder als Gast bei uns begrüßen?“
    Die junge Frau meinte: „Ach, mal schauen. Ich komme bestimmt mal wieder vorbei. Müsstest du nicht eigentlich schon bei der Arbeit sein?“
    Rudolf erklärte: „Nein, wir öffnen erst 11:00 Uhr.“
    Julia reagierte: „Ach so. Und wie geht's dir?“
    Rudolf antwortete: „Mir geht es gut und dir?“
    „Auch gut. Hm ... ich muss dann auch mal weiter. Tschüss!“, sagte Julia und ging ihres Weges.
    „Na, die war dir aber ganz schön zugetan.“, meckerte Henrietta eifersüchtig.
    Rudolf meinte: „Ja, aber das hat nichts zu bedeuten. Du weißt, wie wichtig es ist, einen guten Eindruck bei Gästen zu hinterlassen. Sonst kommen sie nicht wieder.“
    Henrietta fragte andeutend: „Und was hast du alles getan, um bei ihr einen guten Eindruck zu hinterlassen?“
    Rudolf antwortete: „Ihr das Essen gebracht und mich mit ihr unterhalten, um ihr die Wartezeit zu erleichtern. Wie immer. Sei doch nicht so eifersüchtig!“
    „Die schien aber an mehr als einer Unterhaltung mit dir interessiert zu sein.“, schimpfte Henrietta.
    Rudolf versuchte, sie zu beruhigen: „Ach was, das bildest du dir nur ein. Es ist doch schön, wenn Gäste mich wieder erkennen und freundlich auf mich reagieren. Das zeigt mir, dass ich ein guter Kellner bin.“
    „Na wenn du meinst...“, murmelte Henrietta.
    Rudolf schwieg daraufhin und die beiden spazierten in Richtung Zuhause. Dort angekommen, verriet Rudolf ein kurzer Blick auf die Uhr, dass er in einer halben Stunde zur Arbeit aufbrechen musste. Er kochte sich einen Kaffee und verbrachte die dreißig Minuten in Ruhe, bis er schließlich zur Arbeit fuhr.
    Nachdem Rudolf bei der Arbeit angekommen war, betrat zwei Minuten später der erste Gast die Räumlichkeiten und sagte in die Runde: „Guten Tag. Ich suche nach einem gewissen Rudolf Ehrig. Ist er hier?“
    Rudolf ging auf ihn zu und sagte: „Ja, der bin ich. Wie kann ich Ihnen helfen?“
    „Ich würde mich gerne mit Ihnen unterhalten und bestelle natürlich auch ein Mittagessen, wenn ich schon mal da bin.“, sagte der Gast.
    Rudolf reagierte: „Gut. Bitte folgen Sie mir zu Tisch drei.“
    Als der Gast Platz genommen hatte, sprach Rudolf weiter: „Wissen Sie auch schon, was Sie essen wollen?“
    Der Gast antwortete: „Nein, noch nicht.“ und nahm die Bestellkarte in die Hand.
    Rudolf fragte: „Möchten Sie schon etwas trinken?“
    „Gern. Eine große Cola bitte.“, sagte der Gast.
    Rudolf ging los, um die Cola zu holen, brachte sie an den Tisch seines Gastes und setzte sich zu ihm. Er fragte seinen Gast: „Hat es einen bestimmten Grund, warum Sie von mir bedient werden wollen?“
    Der Gast antwortete: „Ja. Mein Name ist Hendrik Reinhold. Ich bin Mitglied im Stadtrat.“
    Rudolf unterbrach ihn: „Ah, ein Mitglied aus dem Stadtrat! So jemanden hatten wir bisher nur einmal hier.“
    Hendrik ging darauf ein: „Ja und genau dieser Gast hat mir von Ihnen erzählt. Er sagte, Sie seien ein sehr netter und sympathischer Mann.“
    Rudolf sagte lächelnd: „Tja, sowas hört man immer gern.“
    Hendrik sprach weiter: „Und er sagte mir auch, dass Sie mit ihm über Politik diskutierten und eine interessante Meinung haben.“
    Rudolf äußerte eine Vermutung: „Sind Sie auch hier, um mit mir über Politik zu diskutieren?“
    Hendrik meinte: „In der Tat. Ich habe eine besondere Frage an Sie: Wie würden Sie die Zukunft der Stadt gestalten, wenn sie könnten?“
    Rudolf sagte nachdenklich: „Hm ... darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich habe nicht vor, Politiker zu werden.“
    Hendrik motivierte ihn: „Ach kommen Sie! Nur mal rein theoretisch.“
    Rudolf begann, zu erzählen: „Ich schätze, ich würde ein Gesetz verabschieden, das die Öffnungszeiten von Gaststätten und Läden bestimmt. Im Moment kann jeder öffnen, wann er will und das ist zum Teil nicht gerade familienfreundlich. Außerdem würde ich das Kindergeld erhöhen, um die regelmäßigen Preiserhöhungen in der Wirtschaft zu berücksichtigen. Und vielleicht würde ich auch die Polizei neu organisieren. Ich fühle mich nicht immer sicher, wenn ich über die Straßen laufe und nach Süd-Königsberg traue ich mich gar nicht.“
    Hendrik kommentierte: „Da sind Sie nicht der Einzige. Man muss aber auch bedenken, dass in diesem Stadtteil die ärmsten Menschen Königsbergs wohnen.“
    Rudolf ergänzte: „Ich höre nur immer wieder aus Erzählungen von Raubüberfallen und Schlägereien, die dort passieren. Sowas sollte es nicht geben. Auch nicht bei armen Menschen!“
    Hendrik reagierte darauf: „Rudolf, deine Meinung gefällt mir. Hättest du nicht Lust, Stadtratsmitglied zu werden? Eins der Mitglieder wurde letzte Woche wegen dem Besitz von Koks verhaftet und damit ist eine Stelle frei geworden. Nächste Woche Donnerstag findet die Wahl des neuen Stadtratsmitgliedes statt. Warum stellst du dich nicht zur Wahl?“
    Rudolf sagte abgeneigt: „Ich habe doch schon gesagt, dass ich lieber kein Politiker sein will. Warum sollte ich Stadtratsmitglied werden wollen?“
    Hendrik argumentierte: „Weil nur Stadtratsmitglieder zum Stadtältesten gewählt werden dürfen und in zwei Monaten findet die reguläre Wahl der Stadtältesten für die kommende Amtsperiode statt. Ich habe gehört, dass sich nur Walther Stark wieder zur Wahl stellt und die anderen beiden aus Altersgründen ihr Amt niederlegen wollen. Vielleicht könntest du ihre Stelle einnehmen. Dann könntest du dich um die Probleme kümmern, die du vorhin beschrieben hast. Unserer Stadt würde ein Mann mit einer Vision, so wie du einer bist, sicher gut tun.“
    Rudolf zweifelte: „Also ich weiß nicht...“
    Hendrik leistete weitere Überzeugungsarbeit: „Es wäre doch nichts Schwieriges. Als Stadtratsmitglied ist es nur deine Aufgabe, zusammen mit den anderen an Sitzungen teilzunehmen, bei denen über aktuelle Gesetzesvorschläge diskutiert wird. Diese Sitzungen finden immer mittwochs statt.“
    Rudolf entgegnete: „Aber das ist mein einziger freier Tag in der Woche. Dann könnte ich ja gar nicht mehr in meinem Fußballverein spielen.“
    Hendrik meinte: „Na, überlege es dir einfach. Ich hätte übrigens gern die Nummer 14.“
    „Okay.“, sagte Rudolf kurz und gab die Bestellung an die Küche weiter. Dann ging er zurück an Hendrik's Tisch und fragte zögerlich: „Was müsste ich denn machen, um mich zur Wahl zu stellen?“
    Hendrik erklärte: „Du musst einfach zum Rathaus gehen und dich anmelden. Aber die Zahl der Kandidaten ist auf zehn Leute beschränkt. Du solltest dich also schnell entscheiden.“
    Rudolf sagte: „Mal schauen. Kann ich als Stadtratsmitglied auch verhindern, dass das neue Waffengesetz in Kraft tritt?“
    Hendrik reagierte: „Ach, du bist auch dagegen? Da haben wir ja was gemeinsam. Als Stadtratsmitglied kannst du wenig dagegen tun. Deine Stimme zählt erst dann, wenn die Stadtältesten nicht einer Meinung sind. Aber selbst dann ist deine Stimme nur eine von dreißig. Du müsstest schon Stadtältester sein, um beim Beschluss eines Gesetzes das letzte Wort zu haben.“
    „Ich verstehe ...“, murmelte Rudolf vor sich hin.
    Hendrik sagte nach einem kurzen Moment des Schweigens: „Der Stadtrat ist dein Startposten, wenn du an die Spitze willst. Ich bin schon Mitglied und kann es dir wirklich nur empfehlen. Wir bekommen pro Sitzung zweihundert Taler gezahlt und die Verpflegung ist umsonst. Eigentlich müsste ich meinen Beruf als Versicherungsvertreter gar nicht ausüben. Aber ich bin nicht besonders sparsam. Da fällt mir ein: Könnte ich dich vielleicht für eine Lebensversicherung begeistern?“
    Rudolf reagierte: „Nein, danke. Ich schaue mal, wie weit dein Essen ist.“
    Leider war das Essen noch nicht fertig. Rudolf ging zurück zu seinem Gast und sagte ihm Bescheid. Er versuchte, ein etwas weniger ernstes Gespräch zu beginnen: „Und Hendrik ... arbeitest du schon lange als Versicherungsvertreter?“
    Hendrik antwortete: „Seit fast zehn Jahren. Versicherungen sind wirklich nützlich. Sicher, man muss monatlich etwas von seinem Geld abgegeben, aber im Schadensfall darf man auf Hilfe hoffen.“
    Ohne darauf einzugehen, fragte Rudolf weiter: „Verdienst du denn viel Geld bei dieser Arbeit?“
    Hendrik erklärte: „Das hängt davon ab, wie viele Menschen ich von der Wichtigkeit einer Versicherung überzeugen kann. Aber ich würde schon behaupten, dass es gutes Geld ist. Warum? Willst du vielleicht meiner Versicherungsgesellschaft beitreten? Ich könnte gleich morgen einen Vorstellungstermin für dich vereinbaren.“
    Rudolf reagierte: „Nein, mein Kellnerposten reicht mir.“
    Hendrik sagte etwas enttäuscht: „Na wie du meinst...“ und fügte hinzu: „Aber ich würde mich freuen, jemanden wie dich im Stadtrat zu sehen. Das solltest du dir gut durch den Kopf gehen lassen. Denk' daran: Wenn du etwas verändern willst, gibt es keinen besseren Weg.“
    Rudolf meinte: „Ich werde darüber nachdenken. Vielleicht stelle ich mich zur Wahl.“
    Hendrik bekräftigte das bei Rudolf entstandene Interesse weiter: „Das wäre klasse. Dann würden wir uns ja in zwei Wochen im Rathaus wiedersehen.“
    Rudolf versuchte, das Thema zu wechseln: „Hast du schon die aktuelle Zeitung gelesen?“
    „Nur mal kurz reingeschaut. Ich habe nur die ersten beiden Seiten gelesen.“, reagierte Hendrik.
    Rudolf packte die Gelegenheit beim Schopf, den etwas aufdringlichen Gast zu beschäftigen: „Na, dann hole ich dir am besten mal die aktuelle Ausgabe. Dein Essen dauert sicher noch ein paar Minuten.“
    Er lief los und holte die aktuelle Ausgabe von „Planet Renitium“ für Hendrik. Dieser blätterte zu Seite drei und äußerte einen Kommentar: „Ein Mord in Silberstadt? Wie schrecklich!“
    „Ja, das ist auch so etwas, was ich gerne verhindern würde. Menschen sollen sich nicht gegenseitig ermorden! Aber ich kann nicht versprechen, dass ich wirklich versuche, ein Stadtratsmitglied zu werden. ... Möchtest du noch etwas trinken?“
    „Noch eine kleine Cola.“, sagte Hendrik, während er die Zeitung las.
    Sofort ging Rudolf los, um seinem Gast eine kleine Cola einzuschenken und zu servieren. Als er merkte, dass Hendrik in die Zeitung vertieft war, sah er sich nach einer neuen Beschäftigung um, bis das Essen fertig war. Rudolf's Kollegen hatten mittlerweile selbst Gäste zu bedienen, die gerade angekommen waren. Obwohl er gern ein bisschen Smalltalk mit ihnen gehalten hätte, nahm er sich einen Lappen und reinigte das Treppengeländer, das nach oben in das Büro der Chefin führte. Als er fertig war, war das Essen für Hendrik ebenfalls fertig und er servierte es ihm. Als Rudolf das Essen brachte, verwickelte Hendrik ihn erneut in ein Gespräch: „Das klingt ja gruselig. Die Polizei hat keinen Hinweis auf den Mörder aus Silberstadt und er läuft immer noch frei herum.“
    Rudolf kommentierte: „Ja, aber immerhin sind wir hier in Königsberg. Ich glaube nicht, dass wir uns Sorgen machen müssen. Guten Appetit wünsch' ich dir.“
    Hendrik bedankte sich und verzehrte sein Mittagessen genüsslich. Rudolf bemerkte ein Paar, das darauf wartete, bedient zu werden. Er ging zu ihnen und erledigte seine gewohnten Gastgeberpflichten. Nachdem er die bestellten Getränke zu ihnen gebracht hatte, bemerkte er, dass Hendrik bereits aufgegessen hatte und fragte ihn, ob er noch einen Wunsch hat. Hendrik sagte: „Nein, ich bin satt. Vielen Dank! Ich würde jetzt gerne zahlen.“
    Rudolf rechnete die Getränke und das Essen zusammen. Dann sagte er: „Das machte dann bitte elf Taler und siebzig Pfennig.“
    Hendrik zog einen zwanzig Taler Schein aus seiner Geldbörse und ergänzte: „Der Rest ist für dich, Rudolf. Vergiss nicht, dich für die Wahl zum Stadtratsmitglied aufstellen zu lassen.“
    Rudolf reagierte: „Ich überlege es mir. Hoffentlich bist du bald mal wieder unser Gast. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag!“
    Hendrik verabschiedete sich: „Bestimmt. Dir auch noch einen schönen Tag! Auf Wiedersehen!“
    Den Rest des Tages arbeitete Rudolf so fleißig wie gewohnt. In jeder freien Minute dachte er darüber nach, ob er wirklich politisch aktiv werden sollte. Und je mehr er sich mit dem Gedanke auseinander setzte, dass er vielleicht in ein paar Monaten Stadtältester sein könnte, desto besser gefiel es ihm. Als er abends zu seiner Frau nach Hause kam, erzählte er ihr von seinem Vorhaben. Sie war zunächst dagegen, doch als er ihr versicherte, dass er versuchen würde, die Gesetze der Stadt familienfreundlicher zu gestalten, hielt sie es ebenfalls für einen guten Vorschlag. Also nahm sich Rudolf schließlich fest vor, eine politische Laufbahn einzuschlagen. Und nicht nur das: Er nahm sich vor, der beste Politiker zu sein, den Königsberg je gesehen hatte. Wenn er schon politisch aktiv werden würde, so wollte er der gesamten Bevölkerung ein besseres Leben ermöglichen und alle Probleme lösen, die in der Stadt vorhanden waren. Das war der Ehrgeiz, der in ihm entstand. Am Tag darauf, dem einzigen freien Tag in Rudolf's Arbeitswoche, ging er in das Rathaus von Königsberg und meldete sich als Kandidat für die Wahl an. Er hatte Glück, denn er war die zehnte Person, die sich aufstellen ließ. Hätte er länger gewartet, wäre seine Karriere vorbei gewesen, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte. Als nächstes stand Fußball auf dem Plan. All seine Mannschaftskollegen waren die ersten, die von dem Beginn seiner politischen Karriere erfuhren und versprachen ihm, ihn zu wählen. Nach dem Training ging Rudolf mit seiner Frau zusammen in die Stammkneipe der beiden und verbrachte den Rest des Tages dort. Alle seine Bekannten, die an diesem Tag in der Kneipe vorbei schauten, vernahmen bei einem kühlen Glas Bier die Neuigkeit von Rudolf und versicherten ihm ebenfalls, dass sie ihm ihre Stimme geben würden. Am Tag darauf spazierte Rudolf zur Arbeit, in der Hoffnung, unterwegs Bekannte zu treffen, die noch nicht von seinem politischen Vorhaben gehört hatten. Tatsächlich traf er jemanden und konnte sich so eine weitere Stimme sichern. Bei der Arbeit angekommen, verbreitete er sofort die Botschaft über seine Kandidatur für einen Platz im Stadtrat. Zuerst waren seine Kollegen ein wenig skeptisch, da sie sich Rudolf im Stadtrat schlecht vorstellen konnten, doch nach einigen überzeugenden Worten darüber, was Rudolf alles anders machen würde, wenn er nur könnte, erhielt er auch ihre Zustimmung. Rudolf kümmerte sich wie gewohnt um jeden Gast, der die Gaststätte besuchte, aber er versuchte dabei auch jedes Mal, das Gespräch auf die Wahl des neuen Stadtratsmitgliedes zu lenken. Nicht jeder Gast versprach, ihm seine Stimme zu geben, doch manche Gäste ließen sich ohne große Probleme dazu überreden. Wo immer es ihm gelang, versuchte Rudolf, Wählerstimmen durch einfache Unterhaltungen zu gewinnen. Er nutzte jeden Tag, der noch verblieb, bis der Tag der Wahl gekommen war. Dabei handelte es sich um eine ganze Woche, in der Rudolf durch möglichst üppigen Kontakt zu einfachen Leuten Stimmen sammelte, um die Wahrscheinlichkeit auf seine Mitgliedschaft im Stadtrat zu erhöhen.

  20. #19
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    Der Weltverbesserer - Probeleserversion, Kapitel 3

    Kapitel 3: Das neue Stadtratsmitglied

    Schließlich war der besagte Donnerstag gekommen, an dem die Wahl stattfinden sollte. Für Rudolf war es ein ganz normaler Arbeitstag wie jeder andere, doch in Gedanken war er bei der Wahl. Jeder Bürger, der an der Wahl teilnehmen wollte, konnte im Verlauf des Tages seinen Stimmzettel im Rathaus abgeben. Am darauf folgenden Tag würden die Mitarbeiter des Rathauses die Stimmen zählen, das Wahlergebnis im Internet auf der Homepage der Stadt Königsberg bekannt geben und den Sieger auch persönlich anschreiben. Es war nicht allzu leicht für Rudolf, in dieser Nacht von Donnerstag auf Freitag einzuschlafen, denn am morgigen Tag würde sich zeigen, ob sich seine private Wählersuche ausgezahlt hatte oder nicht.
    Als der Morgen schließlich gekommen war, saß Rudolf gerade bei seinem ersten Frühstück und trank Kaffee, als die ruhige Atmosphäre durch das Geräusch von Polizeisirenen gebrochen wurde. Rudolf und Henrietta zogen sich eine Jacke über und gingen neugierig auf den Ort zu, an dem die Polizeiwagen und ein Krankenwagen angehalten hatten. Sie standen vor einem Haus in der Nachbarschaft. Es war auf der gegenüber liegenden Straßenseite von Rudolf's Haus, drei Häuser links. Ein Polizist kam auf die beiden zu und sagte: „Bitte bleiben Sie zurück und lassen Sie die Polizei ihre Arbeit machen!“
    „Was ist denn passiert?“, fragte Henrietta neugierig.
    Der Polizist ließ sich dazu hinreißen, die Frage zu beantworten: „Offenbar gab es hier gestern Nacht einen Mord. Jemand ist in das Haus eingebrochen und hat den Eigentümer erschossen. Und jetzt gehen Sie bitte in Ihr Haus zurück! Zivilisten haben am Tatort nichts zu suchen!“
    Die beiden befolgten die Anweisung des Polizisten und gingen zurück in ihr Haus. Henrietta sagte zu Rudolf: „Wie schrecklich! Ein Mord direkt in unserer Nachbarschaft! Das macht mir Angst.“
    Rudolf reagierte: „Eins sage ich dir: Wenn ich je Stadtältester werde, dann sorge ich dafür, dass soetwas nie wieder passiert!“
    „Na hoffentlich hast du Erfolg.“, sagte seine Frau. Rudolf erklärte: „Wenn ich die Wahl gewonnen habe und in den Stadtrat komme, ist schon mal die Hälfte geschafft. Die Stimmen müssten bald ausgezählt sein. Ich kann's kaum erwarten, endlich das Ergebnis zu hören!“
    Während Henrietta aus dem Fenster auf den Tatort schaute, wärmte sich Rudolf seinen inzwischen kalt gewordenen Kaffee in der Mikrowelle auf und trank ihn in Ruhe weiter. Henrietta setzte sich zu ihm an den Tisch und fragte: „Sag mal, falls du Stadtratsmitglied bist, verdienst du dann genug, um nicht mehr in der Gaststätte arbeiten zu müssen?“
    Rudolf fragte überrascht: „Was soll das denn nun wieder heißen?“
    Henrietta baute ihre Aussage aus: „Naja, wenn du genug verdienst, dann könntest du ja in der Gaststätte kündigen oder nur noch an manchen Tagen arbeiten. So hätten wir mehr Zeit für uns. Das wäre doch gut oder nicht?“
    „Keine Ahnung...“, murmelte Rudolf nachdenklich.
    „Rudolf!“, sagte seine Frau mit aufforderndem Ton.
    Rudolf sprach weiter: „Ich meine ... natürlich wäre das gut, aber ich habe doch gar keine Ahnung, ob das Geld dann reichen würde.“
    „Was verdient man denn als Stadtratsmitglied?“, fragte Henrietta prüfend.
    Rudolf antwortete: „Wahrscheinlich zweihundert Taler pro Sitzung.“
    „Das wird bestimmt ausreichen!“, sagte Henrietta überzeugt.
    Rudolf meinte: „Noch bin ich nicht Stadtratsmitglied. Wir können nur hoffen, dass ich's werde.“
    Ein Klingeln an der Tür unterbrach das Gespräch der beiden und Rudolf stand auf, um an die Tür zu gehen. In Gedanken malte er sich aus, wie jetzt jemand aus dem Rathaus vor der Tür stehen könnte, der ihm lächelnd zu seinem Wahlsieg gratuliert. Er öffnete die Tür und erblickte zwei Polizeikommissare, die ihn ernst anschauten. Einer von beiden sagte: „Herr Ehrig? Ich bin Kommissar Windig und das ist mein Partner, Kommissar Busch. Wir hätten ein paar Fragen. Dürfen wir reinkommen?“
    „Sicher.“, sagte Rudolf und führte die beiden ins Wohnzimmer, wo sie auf dem Sofa Platz nahmen. Rudolf setzte sich auf seinen Sessel und Henrietta stellte sich etwas verwirrt zu ihm an die Sessellehne. Kommissar Windig sagte: „Wir kommen gerade vom Haus des Herrn Greif. Offensichtlich wurde er gestern Nacht ermordet. Können Sie uns sagen, wo Sie gestern Nacht waren?“
    Rudolf reagierte: „Denken Sie etwa, ich wäre dazu in der Lage, irgendwen umzubringen?“
    „Beantworte die verdammte Frage!“, motzte ihn Kommissar Busch voll.
    Rudolf reagierte: „Wir waren beide hier und haben versucht, zu schlafen. Ich konnte nur schwer einschlafen, da ich mich zur Wahl des neuen Stadtratsmitglieds aufstellen lassen habe. Und heute wird das Ergebnis bekannt gegeben.“
    Kommissar Windig ging darauf ein: „Dann waren Sie also nachts wach. Haben Sie irgendwas gehört oder jemanden gesehen?“
    Rudolf erklärte: „Nein, ich war die ganze Zeit im Bett.“
    Kommissar Windig fragte Henrietta: „Und Sie, Frau Ehrig? Haben Sie irgendwas gehört oder beobachtet?“
    Henrietta ging darauf ein: „Nein, ich habe leider auch nichts gesehen oder gehört. Ich war die ganze Zeit im Bett und bin recht schnell eingeschlafen.“
    Kommissar Windig fragte weiter: „Verstehe. Waren Sie eigentlich mit dem Opfer bekannt?“
    Henrietta antwortete darauf: „Nicht besonders gut. Ich habe mich manchmal mit der Frau unterhalten, wenn ich sie auf der Straße getroffen habe. Eine von Leid geplagte Seele. Ihr Mann hat sie ständig geschlagen und sie traute sich nicht, sich von ihm zu trennen. Sie war sicher, ihr Mann würde sie umbringen, wenn sie ihn verlässt. Sie meinte mal: Wenn sie das Wort „Trennung“ auch nur aussprach, hat er sie windelweich geprügelt. Und die gemeinsame Tochter der beiden ... sie ist bestimmt schon zehnmal von zu Hause weg gelaufen.“
    Rudolf war geschockt, als er das hörte. Er kannte die Familie kaum, aber er hätte auch nicht erwartet, dass sich dort solche Dinge hinter verschlossener Tür ereignen.
    Kommissar Windig stellte eine weitere Frage: „Haben Sie eine Idee, wer Herrn Greif umgebracht haben könnte? Gibt es irgendwelche Leute, die ein Motiv dazu gehabt hätten?“
    Henrietta sagte: „Nein, mir fällt niemand ein. Aber ich kenne die Familie auch nicht besonders gut. Seine Frau und seine Tochter hatten jedenfalls riesige Angst vor ihm. Die haben sich nie getraut, ihm zu widersprechen.“
    Kommissar Windig fragte weiter: „Eine letzte Frage habe ich noch. Haben Sie diese Zeichnung schon mal irgendwo gesehen?“
    Er holte ein Foto aus der Tasche, auf dem ein kleines Kärtchen mit einer Zeichnung zu sehen war: Eine Gestalt, die einem Mensch ähnlich sah, aber seltsame Merkmale hatte. Der Gestalt wuchsen weiße Flügel aus dem Rücken und eine Art goldgelber Ring schwebte über ihrem Kopf. Außerdem glühten ihre Augen rot und ihr wuchsen schwarze Hörner aus der Stirn.
    Rudolf und Henrietta schauten sich das Bild an. Henrietta reagierte zuerst: „Sowas habe ich ja noch nie gesehen!“
    Dann reagierte Rudolf: „Das könnte die gleiche Zeichnung sein, von der ich vorige Woche Montag in der Zeitung gelesen habe.“
    Kommissar Windig kommentierte: „Ja. Und es ist auch die gleiche, die bei Herbert Schumann gefunden wurde.“
    „Herbert Schumann?“, fragte Rudolf.
    Kommissar Windig erklärte: „Haben Sie heute noch keine Zeitung gelesen? Herbert Schumann wurde diese Woche in der Nacht von Montag auf Dienstag auf dem Heimweg von der Bar ermordet. Auf seiner Leiche war diese Zeichnung platziert und auf der von Herrn Greif ebenfalls. Haben Sie sie schon einmal gesehen?“
    Rudolf versicherte: „Nein, ich habe nur davon gelesen.“
    Kommissar Windig sagte: „Nun gut. Wenn Ihnen noch irgendwas einfallen sollte: Rufen Sie mich bitte an!“
    Er übergab eine Visitenkarte an Rudolf. Daraufhin verließen die beiden Kommissare die Wohnung und gingen zu den Nachbarn, um diese zu befragen.
    Inzwischen war Rudolf's Kaffee schon wieder kalt geworden, doch er hatte sowieso keinen Appetit mehr darauf und schüttete ihn weg.
    „Ich muss gleich los.“, sagte er zu seiner Frau, die nachdenklich auf dem Sofa saß.
    Er fragte sie: „Sag mal, warum hast du eigentlich nicht die Polizei verständigt, obwohl du davon wusstest, dass Herr Greif seine Familie schlägt?“
    „Habe ich doch!“, sagte Henrietta spontan und ergänzte: „Sie haben mir am Telefon gesagt, dass sie nichts machen können, so lange die Frau nicht selbst Anzeige gegen ihren Mann erstattet.“
    „Warum das?“, fragte Rudolf entsetzt. Henrietta erklärte: „Sie brauchen klare Beweise für Körperverletzung, die gegen ihn sprechen, haben sie gemeint.“
    „Verstehe.“, murmelte Rudolf.
    Langsam wurde die Zeit knapp und Rudolf sagte:
    „Ich muss jetzt zur Arbeit. Ich lasse die Visitenkarte des Kommissars hier liegen. Bis heute Abend!“
    „Bis heute Abend!“, sagte ihm Henrietta hinterher, als er das Haus verließ.
    Rudolf fuhr zur Arbeit und kümmerte sich um alle ankommenden Gäste. In seiner Pause ging er in das nächstgelegene Internetcafé und schaute auf der Internetseite der Stadt Königsberg nach, wer in den Stadtrat gewählt wurde. Als Rudolf das Ergebnis las, schrie vor Glück auf. Er hatte es geschafft. Er war das neuste Mitglied des Stadtrates. So stand es unmissverständlich auf der Internetseite. Rudolf war zufrieden. Und dass er durch seinen Ausbruch von Freude die fragenden Blicke der stumpfsinnigen Gäste des Cafés auf sich gezogen hatte, störte ihn kein bisschen. Mit erhobenem Haupt und voller Stolz auf seine neue Beschäftigung, lief er zurück zur Gaststätte „Goldene Sonne“ und verkündete die erfreuliche Nachricht unter seinen Kollegen. Sie alle gratulierten ihm und einer sagte: „Dann wird jetzt bestimmt alles besser!“
    Den Rest des Tages arbeitete Rudolf wie gewohnt. Einige der Gäste waren gleichzeitig seine Wähler und Rudolf dankte ihnen und auch seinen Kollegen für die tolle Unterstützung. Nach der Arbeit verbreitete er die Neuigkeit in seiner Stammkneipe und ließ sich feiern. Am nächsten Tag nach der Arbeit fand er in seinem Briefkasten den Brief vor, der ihm seinen bereits bekannten Wahlsieg verkündete und eine Einladung zur nächsten Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch beinhaltete. Rudolf ging zwar weiterhin seinen Alltagspflichten nach, aber in Gedanken war er die meiste Zeit bei der Stadtratssitzung, die ihn bald erwartete.
    Als es endlich Mittwoch war, erschien Rudolf pünktlich im Rathaus und traf dort auf einen Bekannten: Hendrik Reinhold. Er begrüßte Rudolf, als er ihn sah: „Rudolf! Da bist du ja. Du hast es also geschafft. Willkommen im Stadtrat von Königsberg! Bist du aufgeregt?“
    Rudolf reagierte: „Hallo Hendrik! Ja, ein bisschen aufgeregt bin ich schon.“
    Hendrik meinte: „Aber das musst du nicht sein. Komm, wir gehen in den Konferenzsaal. Ich erkläre dir alles Wichtige auf dem Weg.“
    Die beiden gingen also los und Hendrik erklärte Rudolf: „Als Stadtratsmitglieder haben wir die Aufgabe, Gesetzesvorschläge zu diskutieren, die von den Einwohnern Königsbergs eingereicht wurden. Dafür veranstalten wir einmal pro Woche eine Besprechung, die maximal vier Stunden dauert. Aber wir machen natürlich stündlich eine Pause. Nach den vier Stunden wird einer von uns den Stadtältesten die Ergebnisse unserer Diskussion vortragen. Sie entscheiden dann darüber, ob die diskutierten Gesetze in Kraft treten sollen oder nicht. Sobald alle drei Stadtältesten ihre Zustimmung gegeben haben, ist das Gesetz rechtskräftig.“
    Rudolf fragte: „Und was passiert, wenn sie sich nicht einig werden?“
    Hendrik erklärte weiter: „Wenn das Gesetz nicht einstimmig abgelehnt wurde, wird es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal diskutiert. In Ausnahmefällen lassen sich die Stadtältesten auch von einer Abstimmung unter den Stadtratsmitgliedern inspirieren. So war es mit dem neuen Waffengesetz, das Walther Stark einführen will. Er ist der festen Ansicht, dieses Gesetz wäre unumgänglich, aber seine beiden Kollegen sind höchst unentschlossen. Der Stadtrat hat sich nach einer Probeabstimmung insgesamt dagegen ausgesprochen, aber das hat Walther Stark auch nicht überzeugt.“
    Mittlerweile hatten die beiden den Konferenzsaal erreicht und gingen hinein. Es war ein sehr großer Raum, in dem ein großer, ovaler Tisch stand. Insgesamt dreißig Stühle standen daran. An der Wand war ein großer Bildschirm installiert, der im Augenblick ausgeschaltet war. Ein paar Stadtratsmitglieder waren schon anwesend, andere Plätze waren noch frei. Hendrik redete weiter: „Wir sitzen dort drüben. Dein Platz ist direkt neben meinem. Manfred Lichtenstein ist unser Sitzungsleiter. Er wurde von allen Kollegen gewählt und macht seine Sache ganz gut. Und er wird auch den Stadtältesten die Ergebnisse unserer Besprechung mitteilen, sobald sie hier aufgetaucht sind. Dafür sind maximal zwei Stunden am Nachmittag eingeplant. Wir anderen müssen diese zwei zusätzlichen Stunden nicht hier bleiben, aber wir dürfen, wenn wir wollen.“
    Allmählich betraten die restlichen Stadtratsmitglieder den Saal. Als alle anwesend waren, begann der Sitzungsleiter seine Eröffnungsrede: „So! Einen guten Tag wünsche ich euch allen! Auch heute werden wir wieder über einige Gesetzesvorschläge unserer Mitbürger diskutieren. Bevor wir anfangen: Ich habe gehört, wir haben einen Mann gefunden, der den Platz unseres ehemaligen Junkies einnimmt: Rudolf Ehrig. Ich hoffe, er wird sich konstruktiv an unseren Diskussionen beteiligen. Also fangen wir an! Wir müssen uns endlich über den Vorschlag des neuen Waffengesetzes einig werden. Walther Stark ist letzte Woche laut geworden, als ich ihm sagte, dass wir es schon wieder aufgeschoben haben.“
    So saß Rudolf also zusammen mit Hendrik und 28 anderen Leuten an einem riesigen Tisch, auf dem am Platz jedes Mitgliedes ein Namensschild stand und auf dem sich in der Mitte ein großes Tablett mit Obst, belegten Brötchen, Tee und Kaffee befand. Zuerst sagte niemand ein Wort zum dem angesprochenen Thema, aber dann kommentierte Herr Schröter: „Wir haben das elende Thema doch schon das letzte Mal bis zum Erbrechen durchgekaut: Ja, es wäre vielleicht sinnvoll, wenn wir in der Lage sein wollen, uns zu verteidigen. Aber andererseits wären diese Waffen in den falschen Händen eine große Gefahr für die gesamte Bevölkerung. Was sollen wir denn noch dazu sagen?“
    „Vielleicht etwas, das uns bei einer Entscheidung hilft!“, sagte der Sitzungsleiter mit leicht gereiztem Ton und fügte hinzu: „Was wir brauchen, ist eine frische Meinung! Herr Ehrig, welche Meinung haben Sie denn zu diesem Thema?“
    Rudolf erklärte: „Ganz ehrlich? Ich würde das Gesetz auf jeden Fall ablehnen.“
    „Und warum?“, fragte ein Stadtratsmitglied namens Herr Fritzsch und alle schauten Rudolf erwartungsvoll an. Rudolf untermauerte seine Meinung: „Also ich habe mir neulich folgendes überlegt: Wenn die Aliens wirklich den Plan hätten, uns zu vernichten, dann hätten sie es bestimmt schon längst getan. Aber seit ihrem Besuch vor über einem Jahr haben wir sie nie wieder gesehen. Die Produktion solch gefährlicher Waffen ist in meinen Augen überflüssig. Wenn die Waffen in den Händen von Verbrechern landen, dann wird das Leben aller Bürger gefährdet. Und dabei ist es auch heutzutage schon ziemlich gefährlich in unserer Welt. Sicher haben viele von Ihnen die Nachrichten mitverfolgt und dabei die Berichte über diesen Serienmörder bemerkt, der Zeichnungen auf seinen Opfern hinterlässt. Stellen Sie sich nur mal vor, eine automatische Waffe würde in den Händen dieses Menschen landen! Und eine Frage fällt mir gerade auch noch ein: Was wäre, wenn diese Waffen gegen Aliens nichts nützen? Dann wären sie eine Gefahr für die Menschen, aber könnten uns nicht schützen.“
    Der Sitzungsleiter sagte zur Rudolf: „Ihre Argumentation gefällt mir. Wären Sie auch bereit, das vor den Stadtältesten so vorzutragen?“
    „Ich denke schon.“, vermutete Rudolf. Der Sitzungsleiter kommentierte: „Gut. Vielleicht können wir uns diese Diskussion danach endlich sparen. Dann widmen wir uns nun mal dem nächsten Gesetzesvorschlag. Er trägt den Titel „Gesetz zur Förderung der Altenpflege“. Ein Bürger wünscht, dass Altersheime und private Pflegedienste finanziell von der Stadt unterstützt werden sollen. Irgendwelche Meinungen dazu?“
    Herr Hofmann äußerte sich zuerst: „Blödsinn! Heutzutage wollen die Bürger für alles Mögliche finanzielle Unterstützung von der Stadt bekommen. Wo kommen wir denn da hin?“
    Herr Koch ergänzte: „Genau! Der Bedarf an neuen Altersheimen ist auch gar nicht gegeben. Wir haben zwei Altersheime und mehrere Pflegedienste in Königsberg. Die kommen alle gut zurecht und haben das Geld gar nicht nötig.“
    Frau Körnig äußerte sich: „So schlecht ist die Idee doch gar nicht. Der Aufbau eines Altersheimes ist sicher keine leichte Sache. Vielleicht könnte die Stadt zumindest am Anfang ein paar Fördermittel zahlen, um die Integration eines neuen Altersheimes in den Markt zu gewährleisten.“
    Herr Hofmann argumentierte dagegen: „Verzeihung, Frau Körnig, aber kennen Sie unser System? Es nennt sich „soziale Marktwirtschaft“ und ist ein Modell, das sich von selbst reguliert. Ohne Nachfrage gibt es kein Angebot und falls doch, dann nicht lange. Mit anderen Worten: Wenn kein Altersheim gebraucht wird, dann geht es sowieso unter und wenn es gebraucht wird, dann bleibt es bestehen und beherbergt Patienten. Wenn wir die Stadt dazu verpflichten, jedes neu entstehende Altersheim finanziell zu fördern, ist das am Ende verschwendetes Geld. Denn wenn ein gefördertes Altersheim schließen muss, weil es keine potenziellen Bewohner gibt, geht unser Geld mit ihm verloren und hat nichts bewirkt.“
    Frau Körnig gab zu bedenken: „Wenn ein Altersheim gebaut wird, dann wird es auch irgendwann benutzt. Also ist das Geld nicht verschwendet.“
    Herr Hofmann entgegnete: „Irgendwann? Wenn es baufällig geworden ist vielleicht? Das würde ich schon als Verschwendung bezeichnen. Oder soll die Stadt die Sanierung des Gebäudes auch noch bezahlen?“
    Daraufhin fiel Frau Körnig kein weiteres Argument ein. Der Sitzungsleiter fragte in die Runde: „Okay, gibt es noch andere Meinungen?“
    Frau Pfeiffer meldete sich zu Wort: „Ich halte es auch für unnötig, ein solches Gesetz zu verabschieden. Die Anzahl der Senioren in unserer Stadt erfordert den Bau neuer Altersheime nicht und somit werden auch keine Fördermittel benötigt. Wenn ein Altersheim aus besonderen Gründen Unterstützung braucht, kann es uns ja eine gesonderte Anfrage zukommen lassen. Aber ein Gesetz zu verabschieden, das die Stadt zur Unterstützung verpflichtet, wäre übertrieben.“
    „Können dem alle zustimmen?“, fragte der Sitzungsleiter in die Runde und alle bestätigten mit einem kurzen Nicken. Dann sagte der Sitzungsleiter: „Sehr schön. Wenden wir uns also dem nächsten Gesetzesvorschlag zu. Er nennt sich „Gesetz 18J“. Laut diesem Vorschlag soll am achtzehnten Geburtstag eines jeden Bürgers eine Geburtstagsfeier veranstaltet werden, deren Kosten die Stadt komplett übernimmt. ... Das kann doch nicht ernst gemeint sein!“
    Alle mussten lachen. Herr Schröter äußerte: „Das ist gar keine so schlechte Idee. Der achtzehnte Geburtstag ist schließlich ein besonderes Ereignis im Leben jedes Menschen.“
    Der Sitzungsleiter fragte leicht genervt: „Dann wäre es Ihrer Meinung nach also in Ordnung, wenn jeder beliebige Bürger Luxusfeten veranstaltet, die schlimmstenfalls Millionen von Talern kosten und somit die Stadt ruiniert werden würde?“
    „Nein, das war nur ein Witz!“, sagte Herr Schröter mit ernster Stimme. Der Sitzungsleiter fragte in die Runde: „Ist jeder damit einverstanden, dass wir diesen Vorschlag ablehnen?“
    Jeder stimmte zu und der Sitzungsleiter sprach weiter: „Gut, dann schauen wir nun, welcher Vorschlag uns als nächstes erwartet. Er nennt sich „Stadtentwicklungsgesetz 7B“ und fordert von der Stadt innerhalb der nächsten zwei Jahre das unbedingte Vorhandensein eines ... Unterwäschemuseums?!“
    Ein lautes Lachen erfüllte den Konferenzsaal. „Ablehnen!“, rief Herr Schröter dazwischen und der Vorschlag wurde beiseite gelegt. Der Sitzungsleiter nahm den nächsten Vorschlag her und sagte: „Hoffentlich gibt es hier auch noch ein paar ernste Vorschläge. Mal sehen ... hier haben wir einen Vorschlag mit dem Titel „Ergänzung zum Umweltschutzgesetz“. Es sollen verschiedene Verschmutzungsgrade für Autos festgelegt werden, angeregt werden hier die Grade „gering“, „mittel“ und „hoch“. Dann soll die Stadt in Bezirke eingeteilt werden, durch welche Autos mit dem Verschmutzungsgrad „hoch“ nicht fahren dürfen. Das klingt doch mal vernünftig. Was sagen die anderen dazu?“
    Frau Bräuer äußerte ihre Meinung: „Ich halte das für eine gute Idee. Wir sollten die öffentlichen Plätze und Wohngegenden in Bezirke einteilen, die nur Fahrzeuge mit geringem Verschmutzungsgrad erlauben. Die Bewohner werden es uns sicher danken.“
    Herr Hofmann fragte: „Aber wer soll die Einteilung vornehmen?“
    Frau Bräuer schlug vor: „Damit könnte man doch das Verkehrsamt beauftragen.“
    Herr Obstbauer mischte sich ein: „Ich halte das für keine so gute Idee. Es würde den gesamten Stadtverkehr durcheinander bringen. Außerdem ist mir nicht bekannt, dass heutzutage Autos mit besonders umweltschädlichen Emissionen durch Wohngegenden fahren. Es wäre zu prüfen, inwiefern sich wirklich eine Besserung aus diesem Gesetz ergibt.“
    „Na, da würden Sie sich aber wundern!“, kommentierte Frau Bräuer.
    „Andere Meinungen?“, fragte der Sitzungsleiter.
    Herr Petzold äußerte sich: „Mit Umweltschutz hat es ja nicht besonders viel zu tun, wenn die Autos woanders lang fahren, als zurzeit. Aber für die Einwohner wäre es eine gute Sache und könnte die Lebensqualität erhöhen. Ich bin dafür.“
    Im Anschluss an diese Aussage verkündete der Sitzungsleiter den Beginn der ersten Pause. Rudolf ging mit Hendrik nach draußen, um ein wenig frische Luft zu schnappen.
    „Wie lange bist du eigentlich schon Stadtratsmitglied?“, fragte Rudolf. Hendrik zündete sich eine Zigarette an und antwortete: „Seit über drei Jahren. Kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Es kommt mir vor, als sei es erst gestern gewesen, dass ich an meiner ersten Sitzung teilgenommen habe.“
    Rudolf fragte weiter: „Warum wolltest du damals eigentlich Mitglied im Stadtrat werden?“
    Hendrik reagierte: „Ganz ehrlich? Am Anfang hauptsächlich des Geldes wegen. Immerhin bekommen wir eine hübsche Summe dafür bezahlt, dass wir uns einfach ein paar Stunden zusammen setzen und hin und wieder unsere Meinung sagen. Aber mittlerweile habe ich auch den Wunsch, etwas zu verändern und die Welt etwas angenehmer zu gestalten.“
    Rudolf schlussfolgerte: „Dann hast du wohl auch vor, ein Stadtältester zu werden?“
    Hendrik meinte: „Ja, das könnte man schon so sagen. Warum fragst du? Hast wohl Angst, ich könnte dir Konkurrenz machen?“
    Rudolf sagte: „Nein, natürlich nicht.“
    Hendrik fragte: „Also hast du nicht vor, Stadtältester zu werden?“
    Rudolf ging darauf ein: „Nicht ganz sicher, aber ich denke schon manchmal darüber nach. Erst dann kann ich ja wirklich etwas verbessern. Die Arbeit des Stadtrates scheint eher unwichtig zu sein.“
    „Wie kommst du denn darauf?“, wollte Hendrik wissen.
    Rudolf erklärte: „Alles, was wir tun, ist: Die Vorschläge der Bürger nach Sinn oder Unsinn zu sortieren. Aber die endgültige Entscheidung darüber treffen ja die Stadtältesten und der Stadtrat gibt nur seine Meinung ab.“
    Hendrik meinte: „Da ist zwar etwas dran, aber ich würde unsere Arbeit nicht als unwichtig bezeichnen. Die Stadtältesten haben zu viel zu tun, um alle Gesetzesvorschläge selbst zu überprüfen und wir tragen somit einen wichtigen Teil dazu bei, dass die Anliegen unserer Bürger möglichst schnell bearbeitet werden können.“
    „Was haben die Stadtältesten denn Wichtiges zu tun?“, fragte Rudolf interessiert.
    Hendrik erläuterte: „Tja, sie müssen ein gutes Verhältnis zu den Führungskräften der anderen Städte bewahren, die Arbeit der Ämter überwachen und haben häufig Besprechungen, in denen es darum geht, wie die Zukunft der Stadt aussehen soll. Die Einführung neuer Gesetze ist dabei nur ein Teil der Themen. Es wird auch darüber gesprochen, was zukünftig gebaut oder abgerissen wird, was mit den Steuereinnahmen der Stadt gemacht wird und gegen welche Probleme wie vorgegangen werden muss.“
    Rudolf kommentierte: „Das hört sich nach wirklich wichtiger Arbeit an.“
    Hendrik meinte: „Ja, aber die Meinung des Stadtrates ist den Stadtältesten trotzdem wichtig. Das merkt man bei jeder Sitzung, in der ihnen unsere Diskussionsergebnisse vorgetragen werden. Unsere Arbeit ist nicht überflüssig, Rudolf. Das kannst du mir glauben.“
    Die Pause war mittlerweile vorbei und die beiden gingen zurück in den Konferenzsaal, um weiterhin über die Vorschläge der Bürger zu diskutieren. Der Vorschlag über die Ergänzung zum Umweltschutzgesetz wurde von der Mehrheit befürwortet. Auch in den folgenden drei Stunden hatten die Mitglieder des Stadtrates eine Menge Vorschläge zu besprechen, die nicht immer ernstzunehmen waren.
    Als die offizielle Arbeitszeit des Stadtrates vorbei war, gingen die meisten Mitglieder ihres Weges. Der Sitzungsleiter sowie Rudolf und Hendrik blieben sitzen. Die Aufgabe des Sitzungsleiters war es, alle Ergebnisse aus der heutigen Besprechung den bald ankommenden Stadtältesten vorzutragen. Rudolf wie auch Hendrik wollten diesem Ereignis beiwohnen, nicht zuletzt, weil Rudolf gebeten wurde, seine Ansicht über das Waffengesetz und die Gründe für eine Ablehnung vor den Stadtältesten zu äußern. Mit zehn Minuten Verspätung kamen die drei Stadtältesten in den Konferenzsaal: Walther Stark, Ferdinand Knorr und Troy Blechschmidt. Sie wirkten amüsiert, als kämen sie gerade von einer Vergnügungsreise wieder und nahmen nebeneinander Platz. Herr Stark eröffnete das Gespräch: „Guten Tag Herr Lichtenstein! Geht's Ihnen gut? Ich hoffe, Sie hatten heute eine konstruktive Besprechung. Ach und was sehe ich denn da? Ein neues Gesicht in unseren Reihen!“
    Herr Lichtenstein reagierte: „Guten Tag, die Herren! Ja, das ist Rudolf Ehrig, unser neuestes Mitglied seit dem Ausscheiden eines gewissen Kollegen.“
    Die drei Stadtältesten lachten. Walther Stark begrüßte Rudolf: „Na dann, willkommen im Stadtrat, Herr Ehrig! Haben Sie sich gut eingelebt?“
    „Ja, ich schätze schon.“ murmelte Rudolf, erfüllt von Ehrfurcht.
    Herr Lichtenstein erklärte: „Herr Ehrig will sich nicht nur anschauen, wie unsere Besprechung abläuft, sondern hat auch eine interessante Meinung über ein Thema, das Ihnen ganz besonders wichtig ist, Herr Stark. Und damit würde ich heute gerne beginnen. Herr Ehrig, Sie haben nun das Wort.“
    Alle drei Stadtältesten schauten Rudolf gespannt an und er begann, zu erzählen: „Ich vermute, Herr Lichtenstein meint das neue Waffengesetz, das Sie einführen wollen. Ich persönlich halte das für keine gute Idee. Das Risiko, das diese Waffen mit sich bringen, ist einfach zu hoch. Sollten diese Waffen in den falschen Händen landen, wie es ja offensichtlich schon mit einigen Pistolen passiert ist, dann könnte damit das organisierte Verbrechen gestärkt werden und das wäre bedauerlich. Außerdem könnte es sein, dass diese Waffen gegen die Technologie der Aliens gar nichts nützen.“
    Herr Blechschmidt und Herr Knorr schauten Rudolf interessiert an, doch Walther Stark argumentierte dagegen: „Wie ich sehe, haben Sie sich schon einige Gedanken über dieses Thema gemacht und das begrüße ich sehr. Aber ich kann Ihrer Argumentation nur bedingt beipflichten, Herr Ehrig. Eben gerade weil die außerirdische Technologie sehr fortschrittlich ist, müssen wir alle Trümpfe ausspielen, die wir in der Hand haben und uns zusätzliche Lösungen suchen. Wir wissen nicht, was die Aliens mit ihrer Technologie alles bewirken können, aber stellen Sie sich mal vor, sie kommen wieder mit böser Absicht zu uns: Wird es dann reichen, wenn wir auf fortschrittlichste außerirdische Waffen mit einfachen Pistolen reagieren? Beim letzten Mal waren wir ihnen deswegen wehrlos ausgeliefert.“
    Rudolf meinte nachdenklich: „So habe ich das noch nie betrachtet. Aber wie kommen Sie darauf, dass die Außerirdischen bald wieder hier auftauchen könnten?“
    Walther Stark erklärte seine These: „Das ist ganz einfach. An dem Tag der Invasion äußerten sie, dass die Existenz unseres Planeten für ihren Heimatplanet Überschwemmungen zur Folge hat. Sie meinten, Renitium habe Einfluss auf den steigenden Wasserpegel. Das war der Grund, warum sie Renitium einst zerstören wollten. Bei ihrem ersten Versuch haben sie es nicht geschafft, aber wie lange wird es dauern, bis sie es erneut versuchen? Einen Grund haben sie.“
    „Ich verstehe.“, murmelte Rudolf nachdenklich. Herr Stark sprach weiter: „Wir müssen uns um solche Themen Gedanken machen und auch darum, wie wir Renitium und die gesamte Menschheit, die hier lebt, beschützen können. Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass die Aliens friedlich bleiben und uns trotz der Probleme auf ihrem Heimatplanet verschonen werden. Wir müssen uns für einen Krieg rüsten, um uns verteidigen zu können, sobald er ausbricht.“
    Rudolf gab zu bedenken: „Naja ... aber ... denken Sie nicht auch, die Aliens hätten Renitium schon längst zerstört, wenn das ihr Ziel wäre?“
    Herr Stark ging darauf ein: „Die Aliens verfügen zwar über eine Art Bombe, mit der sie den gesamten Planet zerstören können, doch diese benötigt eine riesige Menge an Energie. Die Aliens hatten zwar eine Energiequelle für ihr Gerät, aber sie wurde zerstört. Deshalb ist es für sie im Moment wahrscheinlich unmöglich, Renitium zu zerstören. Aber es wäre doch naiv, zu glauben, dass sie nicht nach einer neuen Energiequelle suchen! Und sobald sie eine gefunden haben, werden sie wieder kommen, um Renitium doch noch zu vernichten. Und dann müssen wir bereit sein, uns gegen sie zu verteidigen.“
    Rudolf fragte: „Woher wissen Sie denn, dass die Aliens das vorhaben?“
    Herr Stark meinte: „Wir haben noch keine Beweise. Aber wir vermuten stark, dass es sich so verhält, denn es macht Sinn. Und wenn wir am entscheidenden Tag ohne Verteidigung dastehen, dann ist das der falsche Zeitpunkt, um unsere Fehler einzusehen und mit der Entwicklung von Verteidigungsmitteln zu beginnen.“
    Rudolf meinte: „Hm .... dann scheint dieses neue Waffengesetz ja doch eine gute Sache zu sein. Aber was machen Sie, wenn die Waffen zu anderen Zwecken missbraucht werden?“
    Herr Stark reagierte: „Manchmal muss man bereit sein, ein Risiko einzugehen, um die zu schützen, die einem wichtig sind. Und wir als Stadtälteste meinen damit jeden einzelnen Mensch auf Renitium. Es lässt sich nie ausschließen, dass Menschen etwas zu Zwecken missbrauchen, zu denen es nicht gedacht ist. Natürlich würden wir tun, was in unserer Macht steht, um einen Missbrauch dieser Waffen zu verhindern. Die Produktion und Verwendung der Waffen würden strengstens überwacht werden, sodass es beinahe unmöglich wäre, dass sie in den falschen Händen landen. Komplett ausschließen lässt sich ein möglicher Missbrauch aber niemals.“
    Rudolf sagte: „Da muss ich Ihnen Recht geben. Hm ... jetzt traue ich mir gar keine Entscheidung mehr zu.“
    Herr Stark reagierte: „Und genau da liegt meiner Ansicht nach das Problem. Es kommt mir vor, als würde niemand eine Entscheidung treffen wollen, sobald es mal ein wenig komplexer wird. Natürlich sind militärische Waffen furchterregend, aber sie erfüllen doch einen guten Zweck. Und wenn wir eine Militäreinheit aufstellen, werden wir immer die Möglichkeit haben, uns gegen außerirdische Invasoren zu verteidigen und somit unsere Heimat zu beschützen.“
    Rudolf meinte: „Ja schon, aber niemand kann den Blick davon abwenden, was wäre, wenn derartige Waffen in die falschen Hände gelangen.“
    Herr Stark ging darauf ein: „Ich verstehe, was Sie meinen, Herr Ehrig. Aber ich halte nicht viel davon, sich in so pessimistischen Denkweisen festzufahren. Wenn man zu viel Angst davor hat, dass irgendwas schieflaufen könnte, dann braucht man sich nicht wundern, dass man nie etwas erreicht. Das ist so, wie wenn man sich weigert, ein Haus zu bauen, weil dabei mögliche Gefahren auftauchen. Die Wände könnten einstürzen, das Dach könnte brechen, Rohrleitungen könnten kaputt gehen und alles unter Wasser setzen. Wenn man einen Kamin baut, könnte man sich dabei verbrennen. Oder wenn Kinder am Kamin rumspielen, könnte ein Feuer ausbrechen. Es könnte auch zu einem Unwetter kommen, bei dem das Haus komplett zerstört wird. Und das alles wäre nicht passiert, hätte man das Haus nicht gebaut. Warum werden aber trotzdem Häuser gebaut, Herr Ehrig?“
    Rudolf meinte: „Weil sie einen wichtigen Zweck erfüllen. Man kann darin wohnen.“
    Walther sprach weiter: „Sehen Sie! Und genau so wäre es mit den Waffen. Es könnte viel damit passieren, aber am Ende ist doch nur eins wichtig: Der Zweck, zu dem sie gebaut wurden.“
    Rudolf murmelte: „Ich weiß nicht so recht...“
    Herr Stark fragte: „Also sind Sie immer noch der Meinung, dass dieses Gesetz abgelehnt werden sollte?“
    Rudolf antwortete: „Nicht so richtig. Ich sehe ja ein, dass sie einen guten Zweck erfüllen würden. Aber ich kann mich auch nicht ohne Weiteres dafür aussprechen.“
    Herr Stark kommentierte: „Das ist schade. Welche Entwicklung hat die Diskussion um das Waffengesetz unter den restlichen Mitgliedern des Stadtrates genommen, Herr Lichtenstein?“
    Herr Lichtenstein reagierte: „Naja ... im Grunde ... gar keine. Niemand will mehr darüber diskutieren. Wir dachten, Herr Ehrig könnte Sie vielleicht überzeugen.“
    Walther Stark sagte leicht wütend: „Das hat offensichtlich nicht geklappt! Sie wussten aber, dass ich am heutigen Tag eine klare Stellungnahme erwarte, welche die Meinung des Stadtrates widerspiegelt.“
    Herr Lichtenstein erklärte: „Eigentlich sind ja auch alle der gleichen Meinung, wie Herr Ehrig. Wir haben dann mit der Diskussion über weitere Vorschläge begonnen.“
    „Dann will also immer noch niemand zu diesem Thema eine klare Entscheidung treffen?“, fragte Herr Stark mit genervter Stimme. Herr Lichtenstein antwortete: „Nein und falls doch, würden sie sich wahrscheinlich für eine Ablehnung entscheiden.“
    „Das gibt's doch nicht!“, sagte Herr Stark und hielt seine Hand frustriert an seine Stirn. Dann fragte er: „Und welche anderen Gesetzesvorschläge der Bürger haben Sie heute noch diskutiert?“
    Herr Lichtenstein begann, zu erzählen: „Da wäre zuerst der Vorschlag, dass die Stadt sich verpflichtet, Altersheime finanziell zu unterstützen. Wir sind überein gekommen, dass dieser Vorschlag abgelehnt werden sollte.“
    Herr Stark meinte: „Ein Gesetz, das uns zwingt, Altersheime zu sponsern? Was denken sich diese Leute dabei? Dann fängt wohlmöglich jeder dritte Bürger an, ein Altersheim zu betreiben, um sich das Geld von der Stadt zu sichern. So ein Quatsch. Ferdinand und Troy, was meint ihr?“
    Herr Blechschmidt reagierte: „Die Dringlichkeit für ein solches Gesetz besteht in keiner Weise.“
    Dann ergänzte Herr Knorr: „Sehe ich auch so. Wir brauchen keine weiteren Altersheime und die bereits bestehenden kommen sehr wohl alleine zurecht.“
    Herr Stark sagte: „Der Vorschlag wird einstimmig abgelehnt. Was noch?“
    Herr Lichtenstein erzählte weiter: „Der nächste Vorschlag fordert, dass jeder Einwohner Königsbergs seine 18. Geburtstagsfeier der Stadt in Rechnung stellen darf. Wir haben uns schnell dazu entschieden, dass auf keinen Fall ein entsprechendes Gesetz eingeführt werden sollte.“
    Herr Stark reagierte: „Was geht nur in den Köpfen unserer Mitbürger vor?“
    Rudolf kommentierte: „Vielleicht sollten sie auf jedes Formular den Hinweis „Bitte nur ernst gemeinte Vorschläge abgegeben!“ drucken lassen.“
    „Der steht schon in der Kopfzeile!“, sagte Herr Stark gereizt.
    Rudolf sagte beschämt: „Oh ... das wusste ich nicht. Ich hatte noch nie einen in der Hand.“
    Herr Stark fragte seine Kollegen: „Was haltet ihr von dem Vorschlag?“
    „Gar nichts“, sagten beide gleichzeitig.
    „Dann sind wir ja alle einer Meinung. Was ist der nächste Vorschlag?“, kam von Herrn Stark als Reaktion.
    Herr Lichtenstein sagte mit leicht spöttischem Unterton: „Der nächste Vorschlag verpflichtet die Stadt innerhalb der nächsten zwei Jahre zum Bau eines Unterwäschemuseums.“
    „Eines was?“, fragte Herr Knorr ungläubig.
    Herr Lichtenstein wiederholte: „Eines Unterwäschemuseums. Wir haben diesen Vorschlag natürlich sofort abgelehnt.“
    „Und das tun wir auch, oder?“, fragte Herr Knorr und schaute seine beiden Kollegen an. Diese bejahten und der Vorschlag landete ebenfalls auf dem Stoß für abgelehnte Gesetzesvorschläge. Herr Lichtenstein beschrieb den nächsten Vorschlag: „Als nächstes haben wir einen Vorschlag zum Umweltschutz, wie es hier beschrieben wird. Autos sollten entsprechend der Schadstoffe, die sie ausstoßen, in Klassen eingeteilt werden. Fahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß soll es zukünftig verboten werden, durch Orte wie Wohngebiete und öffentliche Plätze zu fahren. Wir halten diesen Vorschlag alles in allem für sinnvoll und empfehlen seine Umsetzung.“
    In Gedanken versunken, saßen die drei Stadtältesten da und überlegten. Dann fragte Herr Blechschmidt: „Wie soll er denn umgesetzt werden?“
    Herr Lichtenstein antwortete: „Frau Bräuer regte an, dass wir das Verkehrsamt damit beauftragen könnten.“
    Herr Stark stellte eine Zwischenfrage: „Aber was hat es mit Umweltschutz zu tun, wenn die Autos einfach an anderen Orten ihre Schadstoffe auf die Natur loslassen?“
    Herr Lichtenstein meinte: „Ich denke, in erster Linie geht es hierbei darum, die Bürger vor den Schadstoffen zu schützen. Das kommt ihrer Gesundheit und allgemeinen Lebensqualität zugute.“
    Die drei Stadtältesten überlegten weiter. Herr Blechschmidt meinte: „Ein solches Gesetz würde sehr viele Arbeiter betreffen. Transportunternehmen müssten neue Routen planen und wer zur Arbeit fährt, muss möglicherweise Umwege fahren.“
    „Das könnte Frust in der Bevölkerung auslösen.“, kommentierte Herr Stark.
    Herr Knorr meinte: „Aber wir sollten andererseits auch an die Leute denken, die in stark befahrenen Gegenden wohnen.“
    Herr Stark äußerte: „Na gut, wir werden es in einer Besprechung nochmal überdenken. Und dann wird entschieden, ob ein solches Gesetz erlassen wird und wenn ja, wann.“
    Herr Lichtenstein erzählte von dem nächsten Vorschlag: „Als nächstes verlangt ein Bürger, dass Bier als Arzneimittel gegen Depressionen anerkannt werden soll.“
    „Bier gegen Depressionen?“, fragte Herr Stark.
    „Ja...“, kommentierte Herr Lichtenstein trocken.
    Die drei Stadtältesten schauten einander an und wussten nicht so recht, ob sie diesen Vorschlag ernst nehmen sollten. Herr Stark stellte eine weitere Frage: „Zu welcher Meinung ist denn der Stadtrat gekommen?“
    Herr Lichtenstein erklärte: „Naja ... wir haben ernsthaft darüber diskutiert und es ging zuerst darum, dass man mit großen Mengen Bier wirklich erstmal nicht mehr traurig ist. Aber es ist ja bekannt, dass daraus schnell eine Abhängigkeit entsteht.“
    Herr Stark merkte an: „Viele Medikamente können abhängig machen.“
    Herr Lichtenstein sprach weiter: „Es gab ein paar Kollegen, die betonten, dass sie das für gar keine so schlechte Idee halten, aber die Mehrheit hat es abgelehnt.“
    Herr Stark sagte nachdenklich: „Es hilft ja wirklich gegen die Symptome einer Depression.“
    Dann äußerte Herr Blechschmidt einen wichtigen Gedanke: „Aber denkt doch nur mal daran, wie sehr es die Krankenkasse belasten würde, wenn sich alle Einwohner, die Depressionen haben, ihr Bier bezahlen lassen!“
    „Da hast du Recht!“, bestätigte Herr Stark überzeugt und fügte hinzu: „Das können wir den Krankenkassen nicht antun! Der Vorschlag wird abgelehnt, seid ihr beide einverstanden?“
    Die beiden anderen Stadtältesten waren einverstanden und somit war auch hier die Ablehnung rechtskräftig.
    Auch die restlichen, zuvor vom Stadtrat diskutierten, Gesetzesvorschläge der Bürger aus Königsberg wurden den Stadtältesten vorgetragen. Jedoch war es keiner von ihnen wert, ernst genommen oder gar umgesetzt zu werden. So verlief fast jeder Mittwochnachmittag in dem Konferenzsaal, denn nur wenige Vorschläge aus der breiten Bevölkerung hätten wirklich eine Verbesserung der Lebensumstände bedeutet.
    Als die Sitzung endete und sich alle von einander verabschiedeten, ging Rudolf gemeinsam mit Hendrik nach draußen. Hendrik zündete sich mal wieder eine Zigarette an und fragte: „Na, was hast du für einen Eindruck von dem heutigen Tag?“
    Rudolf meinte: „Hm ... Entscheidungen treffen ist manchmal schwieriger, als ich gedacht hätte. Aber der Tag war auf jeden Fall interessant. Ich wusste gar nicht, dass so viele verrückte Gesetzesvorschläge im Rathaus eingereicht werden.“
    Hendrik kommentierte: „Ja, das ist immer wieder faszinierend. Die meisten unserer heute geltenden Gesetze stammen noch aus der alten Welt und bestehen schon seit dem ersten Tag auf Renitium.“
    Rudolf fragte: „Wäre es dann nicht sinnvoller, das Entwerfen von Gesetzen komplett dem Stadtrat und den Stadtältesten zu überlassen? Wir haben heute ungefähr drei Stunden damit verbracht, über sinnlose Gesetzesvorschläge zu diskutieren.“
    Hendrik erklärte: „Schon, aber dann wäre der Grundsatz der Volksherrschaft nicht mehr erfüllt. Wenn das Volk herrscht, dann muss auch jeder die Möglichkeit haben, etwas an der Regierung zu ändern. Deshalb kann jeder Gesetzesvorschläge einreichen, die Stadtältesten müssen einmal pro Woche eine öffentliche Pressekonferenz über ihre Arbeit abhalten und außerdem kann die derzeitige Regierung sofort abgewählt und ausgetauscht werden, wenn das Volk es so will.“
    Rudolf entgegnete: „Aber man merkt doch an den eingehenden Gesetzesvorschlägen, dass nicht jeder Bürger in der Lage ist, sinnvolle Vorschläge zu erbringen und an das Wohl der Bevölkerung zu denken. Regieren sollte meiner Meinung nach denen überlassen werden, die eine entsprechende Vernunft aufweisen.“
    Hendrik reagierte: „Die Volksherrschaft hat auch etwas Gutes. Dadurch kann es nicht passieren, dass zu viel Macht in der Hand eines einzelnen Menschen oder einer Gruppe liegt. Wenn du das Regierungssystem ändern willst, müsstest du schon die gesamte Bevölkerung davon überzeugen, dass es so am besten wäre. Ich muss jetzt los. Ich habe noch einige Kundengespräche heute. Wir sehen uns nächste Woche.“
    „Okay, bis nächste Woche.“, sagte Rudolf zu Hendrik, als dieser ging. Rudolf hatte nun einen Eindruck davon, was ihn jeden Mittwoch erwartete und ihm wurde klar, dass er sein Fußballtraining, welches schon seit einer Stunde vorbei war, nicht mehr ausüben konnte. Er ging zum Sportplatz und suchte seinen Trainer auf, um sich offiziell aus der Mannschaftsliste austragen zu lassen. Sein Trainer fand diese Entscheidung nicht sehr erfreulich, tolerierte sie jedoch und wünschte Rudolf für seine politische Laufbahn alles Gute. Rudolf ging nach Hause, wo er bereits sehnsüchtig von seiner Frau erwartet wurde. Sie merkte an, dass er noch später nach Hause kam, als er vom Fußballtraining gekommen wäre. Doch als Rudolf ihr erzählte, was er alles erlebt hatte, entwickelte sie Verständnis für ihn und sie ließen den Rest des Tages gemeinsam ausklingen.

  21. #20
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    Der Weltverbesserer - Probeleserversion, Kapitel 4

    Kapitel 4: Rudolf's berufliche Veränderung

    Am nächsten Tag ging Rudolf wie gewohnt zu seinem eigentlichen Arbeitsplatz und berichtete seinen Kollegen davon, was er in der Stadtratssitzung so erlebt hatte. Das bescherte ihm eine Verwarnung von seiner Chefin, die offensichtlich der Meinung war, er würde sich zu viel mit seinen Kollegen unterhalten und zu wenig dabei helfen, die Gaststätte sauber und gepflegt zu halten. Rudolf sah seinen Fehler ein und bemühte sich fortan, sich ein bisschen mehr zurück zu halten, was das Äußern seiner Eindrücke betraf. Der Rest des Tages verlief unspektakulär und planmäßig. Die Gaststätte war auch an diesem Tag gut besucht und jede Arbeitskraft trug ihren Teil dazu bei, dass die Gäste ein gutes Essen bekamen und sich wohl fühlten.
    Einen Tag später, noch vor dem Beginn seiner Arbeit als Kellner, saß Rudolf morgens am Frühstückstisch und hatte sich gerade einen Kaffee gekocht. Seine Frau war noch im Bett und er nahm die aktuelle Zeitung her, um ein wenig darin zu lesen. Direkt auf dem Titelblatt war ein schwer zu übersehender Artikel mit dem Titel „Der Dämonenengel mordet in Hartlingen“. Rudolf dachte sich: „Dämonenengel? Hat die Presse jetzt etwa ein Pseudonym für den Serienmörder festgelegt?“ Er las den Artikel durch:
    „Fassungslosigkeit und Entsetzen herrschten unter den Polizeibeamten, als sie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in das Einfamilienhaus der Familie Lingert in Hartlingen eintraten: Angekommen waren sie wegen einer Meldung über einen gewaltsamen Einbruch, gefunden haben sie zunächst eine bewusstlose Mutter und einen erschossenen Vater, der allen Anzeichen nach dem Dämonenengel zum Opfer fiel. Nach einer kompletten Durchsuchung des Hauses stießen sie jedoch auf das wahre Grauen: Im Keller des Hauses fanden die Beamten zwei Kinder vor, die mit Metallketten an die Wand gefesselt waren. Die Mutter wurde auf die Krankenstation der Königsberger Polizeiwache gebracht und wird seit gestern Nachmittag intensiv verhört. Offenbar hat der Familienvater seinen dreizehnjährigen Sohn sowie seine zehnjährige Tochter in seinem Keller jahrelang festgehalten und mehrfach sexuell missbraucht. Das Amt für Kinder- und Jugendschutz wies die Kinder dem Kinderheim Königsberg zu. Sie sollen außerdem von psychologischem Fachpersonal betreut werden.
    Auf der Leiche des Familienvaters befand sich erneut die Zeichnung eines dämonischen Engels, welche bereits in vier anderen Mordfällen auftauchte. Der Pressesprecher der Polizei äußerte sich dazu öffentlich: „Wir gehen mittlerweile davon aus, dass wir es mit einem sehr berechnenden Serienmörder zu tun haben. Wir halten die Erklärung für plausibel, dass er sich selbst als eine Art Held wahrnimmt, der mit den schrecklichen Morden, die er begeht, für Gerechtigkeit sorgen will. Die ständig wieder auftauchende Zeichnung, mit der er seine Opfer scheinbar markieren will, unterstützt unsere These ebenso, wie die Tatsache, dass alle bisherigen Opfer zu Lebzeiten durch grausame Gewalt gegenüber ihren Familienmitgliedern aufgefallen waren.“
    Trotz mehrerer Hinweise aus der Bevölkerung und intensiven Ermittlungen der Königsberger Kommissare Windig und Busch konnte der Dämonenengel bisher nicht identifiziert werden. Die Polizei fahndet nach einem großen, schlanken Mann, hat aber bisher keine weiteren Anhaltspunkte.
    Während die Polizei an der Identifizierung des Dämonenengels arbeitet, gerät der Bürgermeister von Hartlingen verstärkt in Kritik. Er muss sich den Fragen stellen, wie es in seinem Dorf zu solch schrecklichen Zuständen kommen konnte und warum niemand etwas unternommen hat. Am kommenden Montag ist eine Pressekonferenz geplant, in der Bürgermeister Richard Löwe Stellung dazu beziehen wird. Planet Renitium hält seine Leser auf dem Laufenden.“

    Rudolf's Frau kam an den Tisch und goss sich einen Kaffee ein, während er mit entsetztem Gesichtsausdruck die Zeitung las. Sie fragte ihn: „Steht was Schlimmes in der Zeitung?“
    Rudolf übergab ihr die Zeitung und sagte: „Lies es selbst!“
    Sie nahm die Zeitung und las den selben Artikel, während Rudolf sagte: „Manche Menschen sind einfach nur krank! Wie kann man sowas seinen eigenen Kindern antun?“
    Nachdem Henrietta den Artikel gelesen hatte, legte sie die Zeitung beiseite und sagte: „Wie schrecklich! Ich kann gar nicht glauben, dass es sowas überhaupt gibt!“
    Rudolf meinte: „Es ist grauenvoll. Und dann kommt noch hinzu, dass da ein Mensch durch die Gegend läuft und umbringt, wen er will. Was ist nur aus unserer Welt geworden? Warum tut keiner etwas dagegen?“
    Henrietta gab zu bedenken: „Was soll man denn schon groß dagegen tun?“
    Rudolf sagte nachdenklich: „Ich weiß es auch nicht ... aber man kann doch nicht einfach zulassen, dass sich solche Dinge ereignen. Häuser, in denen Kinder misshandelt werden. Mörder, die frei herum laufen ... wer fühlt sich da noch sicher auf den Straßen?“
    Henrietta meinte: „Warum verfluchst du den Dämonenengel? Sieh es doch mal so: Ohne ihn würden die Kinder jetzt immer noch im Keller festgehalten und missbraucht werden.“
    Rudolf fragte leicht entsetzt: „Willst du damit jetzt etwa den Mord an diesem Familienvater rechtfertigen?“
    Henrietta reagierte: „Nein, Mord ist immer falsch, aber ich meine ja nur.“
    Rudolf versuchte, ihr ihre Meinung auszureden: „Was wäre denn, wenn dieser Mörder heute Nacht bei uns einbricht und dich oder mich tötet? Wäre das dann auch in Ordnung?“
    Henrietta meinte: „Nein, natürlich nicht! Aber wir sind doch auch keine Verbrecher.“
    Rudolf fragte: „Was hat das damit zu tun?“
    Henrietta erklärte: „Na so steht es doch in der Zeitung. Er hat bisher nur Menschen umgebracht, die gewalttätig waren. Und das sind in meinen Augen Verbrecher. Aber lass uns bitte nicht wegen so einem Thema streiten!“
    Rudolf sagte einsichtig: „Ja, du hast Recht. Über soetwas müssen wir nicht streiten. Ich mache mir einfach nur Gedanken darüber, was mit unserer Welt passiert.“
    Henrietta ermutigte ihn: „Vielleicht bist du ja eines Tages Stadtältester. Dann kannst du selbst etwas unternehmen, um gegen solche Sachen vorzugehen.“
    „Hoffentlich!“, kommentierte Rudolf.
    Henrietta sprach weiter: „Ich war gestern auf der Bank, um Geld von unserem Konto abzuheben. Uns wurden ganze 200 Taler von der Stadt gutgeschrieben.“
    Rudolf erklärte: „Ja, ich weiß. Das ist der Lohn für die Besprechung, an der ich diese Woche teilgenommen habe.“
    Henrietta fragte: „Jetzt, wo jede Woche zusätzliches Geld verdienst, könntest du da nicht deine Arbeit in der Gaststätte einschränken?“
    Rudolf reagierte: „Wie stellst du dir das vor?“
    Henrietta erklärte: „Na dass du nicht mehr so viel dort arbeitest. Dann haben wir mehr Zeit für uns und können etwas mehr unternehmen, als uns morgens ein wenig zu unterhalten und nachts eine Stunde in die Kneipe zu gehen. Du könntest doch von jetzt an nur noch halbtags arbeiten, vielleicht von um fünf bis um zehn. Oder du bleibst an mehreren Tagen einfach zu Hause.“
    Rudolf kommentierte: „Also ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee ist...“
    Henrietta bearbeitete ihn weiter: „Natürlich ist das eine gute Idee! Wir könnten mal ins Kino gehen oder irgendwo gemütlich etwas essen. Woanders, als in deiner Gaststätte. Es gibt so viel, was wir tun könnten. Das wäre mein schönstes Geburtstagsgeschenk.“
    Rudolf unterbrach sie: „Du hast bald Geburtstag?“
    Henrietta schaute ihn verärgert an und er meinte: „Ähm ... ach ja, stimmt ... du äh ... du hast ja nächste Woche Geburtstag, genau!“
    „Ganz recht!“, sagte sie mit eindringlicher Betonung.
    Rudolf war erleichtert, dass er richtig geraten hatte und sagte: „Na gut, wenn es das ist, was du dir so sehr wünschst, dann rede ich mal mit meiner Chefin.“
    Als Henrietta das hörte, konnte sie nicht anders, als Rudolf zu umarmen und ihm einen Kuss zu geben. Langsam wurde es aber auch schon wieder Zeit, um zur Arbeit zu fahren. Und so verabschiedete sich Rudolf von seiner Frau und machte sich auf den Weg. Als er in der Gaststätte angekommen war, kam ihm seine Chefin entgegen und begrüßte ihn freundlich. Rudolf sagte zu ihr: „Hallo Birgit, gut dass du da bist! Ich muss mit dir über etwas sprechen.“
    Seine Chefin reagierte gelassen: „Aber natürlich. Worum geht's denn?“
    Rudolf meinte: „Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht meine Arbeitszeit ein bisschen verkürzt bekommen könnte. Am besten wäre halbtags.“
    Die sonst so freundliche Miene seiner Chefin verwandelte sich nach dieser Frage in einen sehr zornigen Blick. Sie sagte mit aggressiver Stimme: „Und vielleicht auch noch bei voller Bezahlung?! Das kann doch nicht dein Ernst sein!“
    Rudolf erklärte: „Nein, natürlich für angepasste Bezahlung. Weißt du, ich bin der Meinung, dass deine Arbeitszeiten sehr ungünstig für uns Kellner sind, da wir nach der Arbeit gar keine Freizeit mehr haben. Meine Frau beklagt sich immer häufiger, dass ich keine Zeit mit ihr verbringe und irgendwo hat sie damit ja auch Recht.“
    Rudolf's Chefin sagte wütend: „Seit du zum Stadtrat gehörst, bildest du dir wohl ein, du könntest dir alles leisten!? Du arbeitest hier genau so lange, wie alle anderen auch! Und wenn dir das nicht passt, dann kannst du verschwinden!“
    Die Art und Weise, wie seine sonst so nette Chefin mit ihm sprach, gefiel Rudolf überhaupt nicht. Und so ließ er sich von der emotionalen Intensität des Momentes dazu hinreißen, eine Kündigung auszusprechen: „Bitte! Dann werde ich auch verschwinden. Ich habe diesen miesen Job gar nicht nötig! Mal sehen, wie ihr hier ohne mich zurecht kommt! Ich kündige!“
    Nach diesen Worten verließ Rudolf augenblicklich die Gaststätte und setzte sich in sein Auto, um nach Hause zu fahren. Seine Frau saß gerade vor dem Fernseher und fragte ihn überrascht, als er ins Haus kam: „Rudolf? Was machst du denn schon hier? Ist irgendwas passiert?“
    Rudolf reagierte: „Ja. Ich habe gerade meine Arbeit gekündigt.“
    Henrietta sagte gelassen: „Hm ... so habe ich mir das mit der Einschränkung eigentlich nicht vorgestellt. Aber vielleicht ist es auch besser so. Jetzt haben wir viel mehr Zeit für uns.“
    Rudolf meinte: „Das schon, aber wir müssen mit weniger Geld im Monat auskommen.“
    Henrietta versicherte ihm: „Das kriegen wir schon hin. Setz' dich doch zu mir!“
    Rudolf setzte sich zu seiner Frau auf das Sofa und die beiden ließen sich von dem nicht ganz niveauvollen Mittagsprogramm des Fernsehers berieseln. Zum Mittagessen gingen sie in ein nahe gelegenes Restaurant. Und für die Folgetage hatte Henrietta nun einen Anreiz, mittags Essen zu kochen, was sie auch gerne tat. Rudolf und Henrietta verbrachten nun fast jeden Tag miteinander. Nur mittwochs musste Rudolf noch ins Rathaus, um an den Diskussionen über neue Gesetzesvorschläge teilzunehmen. Dort unterhielt er sich häufig mit Hendrik. Die beiden waren mittlerweile schon gute Freunde und Hendrik schaffte es schließlich auch, Rudolf eine Lebensversicherung anzudrehen. Henrietta machte den Vorschlag, dass Rudolf's guter Freund doch mal zum Essen kommen könnte und sie etwas Besonderes zu diesem Anlass kochen würde. So geschah es auch und nachdem sich Hendrik und Henrietta einmal kennengelernt hatten, konnte Hendrik auch ihr erfolgreich eine Lebensversicherung aufschwatzen. Das interessanteste Ereignis wartete aber noch auf Rudolf und Hendrik, denn in etwas mehr als einem Monat stand die Wahl der neuen Stadtältesten an. Ferdinand Knorr und Troy Blechschmidt gaben bei einer Sitzung bekannt, dass sie ihr Amt niederlegen würden. So wurden zwei Stellen frei, die Rudolf und Hendrik besetzen wollten, um gemeinsam mit Walther Stark die Stadt Königsberg zu regieren, sollte dieser erneut gewählt werden. Jedes Mitglied des Stadtrates konnte von den Bürgern Königsbergs zum Stadtältesten gewählt werden. Die Konkurrenz war also recht üppig. Rudolf und Hendrik mussten einen Weg finden, aus der Menge hervorzustechen und einen besseren Eindruck als ihre 28 Konkurrenten bei der Bevölkerung von Königsberg zu hinterlassen. Walther Stark organisierte mit seinem Privatvermögen eine Wahlkampagne. Er drehte Videos und veröffentlichte Plakate, die ihre Betrachter dazu verleiten sollten, ihm ihre Stimme zu geben. Leider fehlte sowohl Rudolf als auch Hendrik das Geld, um ebenfalls im großen Stil Aufmerksamkeit vor der Wahl zu erregen. Beide hielten sich häufig im Kreis der Bekannten auf, um unentschlossene Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Rudolf verbrachte trotz des anstehenden Wahlkampfes auch viel Zeit mit seiner Frau Henrietta. Sie feierten nicht nur so manchen Abend ohne Anlass in ihrer Stammkneipe, sondern gingen auch das eine oder andere Mal abends weg, um sich zu amüsieren, meist aber in einem Stil, der nicht allzu viel Geld verschlang. Ein Tag nach dem anderen zog unbeschwert ins Land.
    Langsam wurde die Zeit jedoch knapp. Am kommenden Sonntag sollte die Wahl der neuen Stadtältesten für die nächsten 5*Jahre stattfinden. Bei der Stadtratssitzung am Mittwoch vor der Wahl kam Rudolf eine weitere Idee, wie er, außer durch Mundpropaganda, vielleicht Stimmen gewinnen könnte. Er unterbreitete vor der versammelten Runde im Stadtrat den Vorschlag, dass eine Internetseite angelegt werden sollte, auf der alle Kandidaten und ihre Versprechen für die Zukunft kurz vorgestellt werden. Der Vorschlag fand schnell allgemeine Zustimmung. Jedoch war keiner der Anwesenden in der Lage, eine entsprechende Internetseite zu gestalten. Walther Stark erklärte sich nach kurzer Überlegung bereit, einen Informatiker mit der Entwicklung einer solchen Seite zu beauftragen und sämtliche Kosten für diese Form des gerechten Wettbewerbs zu übernehmen. An diesem Tag blieben alle etwas länger im Rathaus, um zu Papier zu führen, was auf ihrem Profil in der Internetseite zu lesen sein sollte. Bereits am nächsten Tag konnte man die Internetseite, die auf der Homepage von Königsberg in einem Artikel über die bevorstehende Wahl verlinkt war, online betrachten. In der Freitagsausgabe der Zeitung „Planet Renitium“ wurde in einem Artikel ebenfalls auf die Existenz der Seite hingewiesen. Nun hieß es abwarten. Rudolf schaute sich am Freitag persönlich sein Profil und die Profile seiner Mitbewerber an. Natürlich hatte er die Hoffnung, dass sein Profil besonders aus der Menge hervorstechen würde. Jedes Profil bestand aus einem Foto des Kandidaten, das rechts oben zu sehen war. Neben dem Foto waren linksbündig ein paar grundlegende Daten über die Person zu lesen: Der Name, das Alter, die bisherige politische Erfahrung und der Familienstand. Darunter sah man eine Auflistung an Wahlversprechen. Es handelte sich um Dinge, die der entsprechende Kandidat während seiner Amtszeit umsetzen wollte, sofern er Stadtältester wird. Rudolf hatte vier Wahlversprechen in seine Liste aufnehmen lassen: Er versprach die Festnahme des „Dämonenengels“, die Einführung eines Ladenschlussgesetzes, die Verschönerung der Stadt und den Ausbau des Kinder- und Jugendschutzgesetzes. Mit diesen Versprechungen erhoffte er sich eine hohe Zustimmung, denn er hatte sich an dem orientiert, was ihm in letzter Zeit an kritischen Zuständen besonders aufgefallen war und die Bevölkerung betraf. Viele hatten Sorge wegen des Serienmörders, der von den Medien den Titel „Dämonenengel“ verpasst bekommen hatte. Er war auch in den letzten Wochen mehrfach durch weitere Verbrechen aufgefallen: Auf toten Familienvätern und -müttern in verschiedenen Städten, die ihre Kinder in irgendeiner Form misshandelt hatten, fand man die seltsame Zeichnung wieder, die er stets auf seinen Opfern hinterließ. Auch auf der Leiche eines gesuchten Serienvergewaltigers, auf einem erschossenen Kommissar und auf den Leichen einer berüchtigten räuberischen Kleingruppe war diese unverwechselbare Zeichnung platziert. Rudolf war der Ansicht, dass dieser Fall schon viel zu lange ungeklärt war und er war fest entschlossen, alles zu tun, was seiner Macht als Stadtältester entsprechen würde, um den Serienmörder endlich zu finden. Dafür musste er jedoch zunächst zum Stadtältesten gewählt werden. Auch seine anderen Versprechungen hatten ihre Hintergründe. Das Ladenschlussgesetz sollte nicht nur für Supermärkte gelten, sondern auch für Gaststätten und Restaurants. So wollte Rudolf verhindern, dass Menschen gezwungen sind, von morgens bis spät abends zu arbeiten. Schließlich hatte er selbst Erfahrung damit gesammelt, welche unangenehmen Nebenwirkungen ein solches Leben mit sich bringt, besonders, wenn man verheiratet ist. Bei der Stadtverschönerung dachte Rudolf hauptsächlich an den Stadtteil Süd-Königsberg, der von Armut und Kriminalität geprägt war. Die Idee, das Kinder- und Jugendschutzgesetz auszubauen, kam ihm, nachdem er in der Zeitung von den erschreckenden Missbrauchsfällen in Hartlingen gelesen hatte. Der Bürgermeister von Hartlingen wies in einer öffentlichen Pressekonferenz alle Schuld von sich und erklärte, dass Hartlingen kein eigenes Amt für Kinder- und Jugendschutz hatte, da der Ort vom Königsberger Amt betreut wurde und somit von den Mitarbeitern dieses Amtes eine Reaktion gefragt war. Hierbei sah Rudolf ein Problem auftauchen, das einer Lösung bedurfte, denn irgendwer schien dort seine Pflicht zu vernachlässigen. Unter den aufgezählten Wahlversprechen gab es in jedem Profil noch Platz für einen individuellen Text, mit dem die Kandidaten ihre Ziele und Ansichten erläutern konnten. Nicht viele nutzten dieses Feld, doch Rudolf wollte sich diese Möglichkeit der Beeinflussung nicht nehmen lassen und hatte unter großer gedanklicher Anstrengung einen Text geschrieben, der nun auf seinem Profil sichtbar war:
    „Wer mich zum Stadtältesten wählt, der kann sicher sein, dass ich alle Versprechen bestmöglich umsetzen werde, die ich gegeben habe. Es gibt in unserer Stadt und ihrer Umgebung Vorfälle, die wir nicht einfach hinnehmen können. Es ist falsch, wegzuschauen oder davon abzulenken. Durch unsere Welt wandelt ein Mörder, der noch immer nicht gefasst werden konnte. Die Polizei sagt: Es gibt keine Spuren. Ich behaupte: Sie suchen nicht gründlich genug danach. Läden und Gaststätten zwingen ihre Mitarbeiter teilweise, bis in die Nacht hinein zu arbeiten und Überstunden zu leisten. Die Marktleiter sagen: Das gehört zu dieser Arbeit dazu. Ich sage: Das persönliche Wohl der Mitarbeiter darf nicht über das Wohl der Firma gestellt werden. Manche Stadtteile von Königsberg zeugen von Armut und sind gefährlich, wenn man sich zur falschen Zeit dort aufhält. Die meisten behaupten, dagegen könne man nichts tun. Ich sage: Es geht sehr wohl besser, wenn man nur will. Die grausamen Missbrauchsfälle in Hartlingen haben uns gezeigt, welche Horrorszenarien sich hinter manchen verschlossenen Haustüren abspielen, auch wenn es sicher nicht überall passiert. Die Medien sagen: Man sollte das nicht überdramatisieren. Ich sage: Wer auch immer ein Opfer solcher Zustände ist, muss schnellstmöglich Hilfe bekommen. Wir können den Blick nicht mehr von den Dingen abwenden, die in unserer Welt nicht in Ordnung sind. Wählen Sie mich und Sie wählen die Chance auf eine Besserung!“
    Rudolf war von sich selbst schwer beeindruckt, als er diese Zeilen las. Eigentlich konnte er nicht besonders gut schreiben, doch diesen Text hielt er für sehr überzeugend. In Rudolf brannte förmlich der Wunsch danach, Königsberg eine Besserung zu bescheren, seit er sich mit dem Gedanke angefreundet hatte, politisch aktiv zu sein. Er sah Dinge, die falsch liefen und hatte den starken Wunsch entwickelt, etwas daran zu ändern. Nachdem er eine Weile sein eigenes Profil auf der Internetseite über die bevorstehende Wahl bestaunt hatte, wechselte er zu Hendrik's Profil, um zu schauen, wie dieser alles aufgebaut hatte. Hendrik hatte keinen persönlichen Text formuliert, aber immerhin konnte man bei ihm vier Wahlversprechen nachlesen: Die Abschaffung der Alkohol- und Tabaksteuer, die finanzielle Förderung von schulischen Lehrmitteln durch die Stadt, die Herabsetzung des Rentenalters von 58 auf 55 und die Einführung eines Sozialplans für Erntepleiten.
    Rudolf hielt diese Versprechen für eine gute Idee und hoffte, dass auch Hendrik ein Stadtältester werden würde. Als nächstes schaute sich Rudolf das Profil von Walther Stark an, dem Mann, dessen Gesicht derzeit auf jedem dritten Plakat in der Stadt zu sehen war und dessen Wahlwerbespot unzählige Male jeden Tag im Fernsehen lief. Rudolf fragte sich langsam, woher Walther Stark wohl das viele Geld hatte, um mit seinem privaten Vermögen eine solche Kampagne bezahlen zu können. Das Profil von Walther Stark lieferte auf diese Frage keine Antwort, stattdessen zeigte es in aller Ausführlichkeit, was Herr Stark denen versprach, die ihn wählen würden. Seine Wahlversprechen lauteten: Die Aufrüstung der Stadt zur Verteidigung gegen außerirdische Invasionen, die Senkung der Lohnsteuer, die Erhöhung des Kindergeldes, die Einführung eines Sozialplans für Erntepleiten und die weitere Förderung öffentlicher Informationsmittel. Darunter war ein Text verfasst: „Liebe Mitbürger, in den letzten zwanzig Jahren habe ich erfolgreich das Amt eines Stadtältesten ausgeübt und mich mit vollem Einsatz um das Wohl von Königsberg und seinen Einwohnern bemüht. Und selbst nach dieser langen Zeit werde ich des Regierens noch immer nicht müde. Vieles konnte ich für Königsberg verändern. Während meiner gesamten Amtszeit habe ich entschlossen gegen das Verbrechen in unserer Stadt gekämpft und dazu beigetragen, dass gefährliche Verbrechergruppen, wie etwa das Feuerhand-Syndikat, zerschlagen werden. Der Fortschritt unserer Stadt lag mir schon immer genau so sehr am Herzen, wie das Wohl unserer Umwelt. Das beweist sowohl meine Anregung eines Umweltschutzgesetzes vor elf Jahren, als auch die großzügige finanzielle Förderung für den Ausbau der städtischen Infrastruktur und der Automobilindustrie vor neunzehn Jahren. Und auch für die Zukunft habe ich noch große Pläne mit unserer Stadt im Sinn. Familien waren schon immer sehr wichtig für die Zukunft von uns allen und müssen auch weiterhin von der Stadt unterstützt und gefördert werden. Dies würde unter anderem durch eine Erhöhung des Kindergeldanspruchs umgesetzt werden. Arbeit muss sich wieder lohnen und so plane ich trotz der derzeitigen Stadtverschuldung zukünftig eine Senkung der Lohnsteuer. Unsere Bauern haben dieses Jahr mit einer Erntepleite zu kämpfen und bekommen dadurch häufig finanzielle Probleme. Der schon mehrmals angeregte Sozialplan für solche Fälle muss endlich strukturiert und diskutiert werden. Zuguterletzt habe ich schon mehrfach auf eine große Bedrohung für ganz Renitium aufmerksam gemacht, die von vielen Bürgern nicht ernst genommen wird: Die Gefahr einer außerirdischen Invasion. Mehr als zwanzigtausend Menschen aus Königsberg wurden voriges Jahr Zeugen, wie unser geliebter Planet und unsere Existenz kurz vor dem Ende standen. Die außerirdische Technologie ist enorm fortschrittlich, wogegen unsere momentanen Verteidigungsmöglichkeiten nichtig erscheinen. Wir müssen uns und unser Zuhause bestmöglich vor fremden Eroberungen schützen. Und ich werde mich in einer neuen Amtsperiode persönlich dafür einsetzen, dass dieser Schutz in maximalem Maß gewährleistet wird.“
    Rudolf kam die Frage auf, wie viele Kandidaten wohl einen individuellen Text in ihrem Profil veröffentlicht hatten. Und so entschloss er sich dazu, auch mal einen Blick auf alle anderen Profile zu werfen. In vielen von ihnen standen Wahlversprechen wie die Entwicklung eines Sozialplans für Erntepleiten und die Erhöhung des von der Stadt gezahlten Kindergeldes, welche ganz offensichtlich dem Profil von Walther Stark nachempfunden waren. Ansonsten fand man häufiger die Versprechungen, dass die Schulen besser gefördert, die Steuern bald gesenkt und für mehr Gleichberechtigung gesorgt werden sollte. Rudolf machte bald die bemerkenswerte Entdeckung, dass außer ihm und Walther Stark niemand einen ausführlichen Text in seinem Profil veröffentlicht hatte. Diese Demonstration von fehlendem Enthusiasmus verwunderte ihn ein wenig, gab ihm jedoch gleichermaßen die Hoffnung, dass so seine Chancen stiegen, gewählt zu werden. Am stärksten war aber immer noch die Aufregung, die ihn innerlich aufwühlte. Rudolf hatte nicht die geringste Ahnung, ob seine bisherigen Bemühungen ausreichen würden, um wirklich ein Stadtältester zu werden. Er hatte noch intensiver die Nähe zum einfachen Volk gesucht, als er es vor der Wahl des neuen Stadtratsmitgliedes tat. Zumindest war er damit beschäftigt, wann immer er seiner Frau nicht gerade Zeit widmete. Aber würde das reichen? Und würde sein Profil auf der Internetseite über die Wahl der neuen Stadtältesten so viel Aufmerksamkeit erregen, wie er es sich erhoffte? Würde sein Profil überzeugen? Oder waren seine Mühen vergeblich und er musste einen anderen Weg finden, um an den Missständen etwas zu ändern, die ihm in letzter Zeit aufgefallen waren? Rudolf wurde in den letzten paar Tagen vor der Wahl von derartigen Gedanken regelrecht gequält.
    Schließlich war der Tag der Wahl gekommen. Ein Sonntag, an dem jeder Wahlberechtigte zwischen 08:00 Uhr und 20:00 Uhr seine Stimme abgegeben konnte, wenn er wollte. Die strengen Augen der Mitarbeiter des Rathauses überprüften dabei genau, ob jemand mehrere Zettel abgeben wollte oder die selbe Person mehrmals versuchte, eine Stimme zu liefern. Die ganze Nacht durch hatten sich Mitarbeiter bereit erklärt, die Stimmen auszuzählen. Das war auch kein großes Wunder, wenn man bedenkt, dass es für diese wichtige Aufgabe einen Lohn von satten zweitausend Talern für jeden Mitarbeiter gab. Für eine so großzügige Summe fanden sich schnell Menschen, die bereit waren, mal eine halbe Nacht konzentriert durchzuarbeiten. Und so wurde sichergestellt, dass man bereits am Montagmorgen wusste, welche drei Menschen die neuen Stadtältesten sein würden.

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