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  1. #21
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Mein zweites Gedicht für dieses Jahr

    Es folgt ein zweites Gedicht, das heute bzw. gestern endlich fertig geworden ist. War gar nicht einfach, es zu schreiben, da ich wie so oft wusste, was ich ausdrücken will, aber mir am Anfang nicht die passenden Worte einfielen. Zum Glück hatte ich genug Ehrgeiz, um das Werk zuende zu schreiben - nach vielen Stunden des Überlegens.
    Leider habe ich keine Ideen mehr für ordentliche Gedichte. Zumindest im Moment nicht. Mal schauen, wie es in ein paar Monaten aussieht. Deshalb werde ich in nächster Zeit meinen Thread mit Gedankentexten überfluten. Ich werde mir bei den zukünftigen Gedankentexten mal etwas mehr Mühe beim Ausdruck geben, denn bei "Schwarze Augen sehen Leben" und auch seinem Vorgänger habe ich den Ausdruck ein bisschen zu sehr vernachlässigt.
    Hier erstmal mein zweites Gedicht. Wann die Gedankentexte folgen, ist ungewiss.



    Die Zuflucht des Stillen

    Wenn das Licht zur Neige geht,
    auf seine längst gewohnte Weise,
    und die Dunkelheit im Raume steht,
    beginnt des Stillen schönste Reise.
    Nur den Ruhelosen bleibt verwehrt
    der Übergang zur neuen Welt,
    in die das Dunkel jeden fährt,
    den nichts am alten Dasein hält.
    Dem Zeitenlärm erneut entkommen,
    der die Sinne häufig strapaziert,
    wird er behutsam mitgenommen,
    in die ungewisse Reise integriert.

    Ungesteuert, jeglicher Kontrolle fern,
    mit dem Umfeld keineswegs vertraut,
    treibt der Stille trotzdem gern
    aus seiner altgewohnten Haut.
    Ohne klares Ziel am Wegesende,
    ahnungslos nach vorne gleitend,
    hofft er auf noch eine Spende,
    dem Gemüt Genuss bereitend.
    Hoffnungsvoll verharrt das Denken,
    betäubt von sanften Schatten,
    die dem Geiste Bilder schenken,
    ihn mit frischer Emotion ausstatten.

    Losgelöst vom täglichen Befinden,
    an einem schönen Ort gelandet,
    wo die Sorgen schnell verschwinden,
    und ein warmer Hauch das Herz umrandet,
    genießt der Stille unbeschwert,
    in unverwundeter Gestalt,
    während er nicht mehr begehrt,
    den lang ersehnten Aufenthalt.
    Doch isoliert vom eigentlichen Wille,
    verschwimmt der herrliche Moment.
    Schwermütig entfliegt der Stille,
    wird von dem schönen Ort getrennt.

    Schwächlich, schutzlos und beschämt,
    alleingelassen in kaltem Grauen,
    von der puren Angst gelähmt,
    mit totgehetztem Selbstvertrauen,
    verharrt der Stille ohne Regung,
    erkennt, befürchtet und erleidet
    eine schmerzende Begegnung,
    die keine Macht für ihn vermeidet.
    Erst wenn die Reise weitergeht,
    und das Schockszenario verschwimmt,
    weil noch ein neues Bild entsteht,
    wird das Befinden neu bestimmt.

    Tageslicht, das zu stark blendet,
    zerreißt die Bilder gleich am Stück.
    Des Stillen Reise, nun beendet,
    lässt ihn in die alte Welt zurück.
    Die bekannte Existenz befiehlt,
    die Zuflucht zu verdrängen,
    und platziert ihn ganz gezielt
    in öden, alt vertrauten Zwängen.
    Das Sehnen motiviert alsbald,
    dem Zustand zu entrinnen,
    und, befreit vom grauen Halt,
    die nächste Reise zu beginnen.

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    Mein zweites Gedicht für dieses Jahr

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  3. #22
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Die Schreie der verlorenen Seelen - Einführung

    In den nächsten Tagen folgen insgesamt sieben Gedankentexte. Heute die ersten zwei. Die Sache mit dem besseren Ausdruck ist mir nur mittelmäßig gelungen, aber ich selbst bin mit den Texten zufrieden, also präsentiere ich sie.^^
    Es sind keine positiven Werke.



    Seelenblutwert

    Wer weiß, was es bedeutet,
    Verantwortung für neues Leben zu übernehmen,
    immer für jemanden da zu sein
    und das eigene Vergnügen
    an zweiter Stelle zu positionieren?
    Das Leben begann...
    Die Fürsorge war mal groß.
    Das Befinden des Kindes hatte oberste Priorität.
    Für eine bestimmte Zeit.
    Die Jahre vergingen.
    Das Kind wurde älter
    und lernte die Welt kennen.
    Irgendwann hörten die Menschen auf, zu lächeln.
    Das Weinen wurde verhöhnt.
    Die Unzufriedenheit des Kindes
    hatte aufgehört, von großer Bedeutung zu sein.
    Niemand lachte mehr,
    wenn das Kind sagte, was es wirklich dachte.
    Aber das Schimpfen häufte sich.
    Auch die Forderungen,
    während die Rücksicht verloren ging.
    Klagen des Kindes wurden mit Ablehnung vergolten.
    Weder gerecht, noch verständnisvoll,
    dominierten Erwartungen und Befehle das junge Leben.
    Sein Befinden war kein Gutes,
    aber keiner störte sich allzu sehr daran.
    Das Kind sollte sich zusammenreißen
    und den Anweisungen Folge leisten.
    Das Gefühl, wichtig zu sein
    und einen Wert zu haben,
    verflog mit den Tagen,
    deren Fülle aus Ignoranz und Bevormundung bestand.
    Die Eltern drängten auf Autorität.
    Ihre Anorndungen,
    nicht von Rücksicht und Sinnigkeit zeugend,
    verfolgten das Ziel der Bestätigung.
    Die kleine, empfindliche Kinderseele,
    von verlangter Machtbestätigung missachtet,
    erlitt stetig Risse an ihrem Rumpf.
    Es begann zu bluten,
    in den Momenten,
    als das Kind einsam weinte,
    überwältigt von dem Gefühl,
    nicht geliebt zu werden.
    Doch Seelenblut
    hat keinen Wert.
    Es bleibt meist unerkannt
    und immer unverstanden.
    Mit jedem Tag, der verstrich,
    schien die Existenz des Kindes
    weniger Freude bei den Eltern auszulösen.
    Im selben Takt
    schwand das Wertgefühl des Kindes.
    Und der Glaube daran,
    bei den eigenen Eltern gut aufgehoben zu sein
    oder Wohlbefinden zu erleben.
    Die Klagen des Kindes erreichten nur taube Ohren.
    Manchmal wurden sie belächelt.
    Die Seele verlor weiterhin Blut.
    Winzig kleine Narben bildeten sich.
    Doch sie zählen nicht.
    Denn Seelenblut
    hat keinen Wert.
    Immer häufiger spielte das Kind mit dem Gedanke,
    zu verschwinden.
    Aus der Abhängigkeit von seinen Eltern
    auszuberechen.
    Ihnen zu entkommen.
    Und ihren Gesinnungen,
    denn sie sind nicht gut.
    Gesetzt war das Ziel,
    befreit von Rücksichtslosigkeit zu leben.
    Irgendwo weit weg von dem Heim,
    in dem das Dasein trostlos schien.
    Weg von den Menschen, denen das Kind doch sowieso
    nichts bedeutete.
    Befanden sie sich in der Nähe,
    war ein Entrinnen unmöglich.
    Manchmal versucht,
    immer verwehrt.
    Erst als das Kind allein nach draußen durfte,
    ergab sich die ersehnte Möglichkeit.
    Doch es fehlte ein Unterschlupf.
    Das kalte Pflaster rauher Straßen
    erchütterte bald das Gemüt
    und zwang das geflohene Kind
    zurück in die kalten vier Wände,
    in denen wenigstens das Bett Wärme spendete.
    Der unbeholfene Fluchtversuch
    wurde mit hartherziger Meckerei gesühnt.
    Desinteresse am Befinden des Kindes
    und rücksichtsloses Machtgerangel
    verleiteten das Kind zu Tränen.
    Neue Risse fraßen sich in die Seele.
    Mit kritischem Blick erkannte man
    das Unwohlsein des Kindes,
    doch niemand achtete je darauf.
    Keinen Mensch interessierte seine Verlorenheit,
    seine tief vergrabene Traurigkeit
    und das Bluten seiner Seele.
    Denn Seelenblut
    hat keinen Wert.
    Manche Menschen hörten zu,
    wenn das Kind von seinen Sorgen klagte.
    Diese Heuchler...
    sie taten so, als wären sie interessiert,
    aber sie verstanden nichts
    und halfen ihm nicht weiter.
    Ihre Worte linderten keinen Schmerz.
    Nichteinmal Aufheiterung bescherten sie.
    Manchmal forderten sie jedoch.
    Bis irgendwann das Kind erkannte,
    dass es keinen Sinn machte,
    von den eigenen Sorgen zu erzählen.
    Niemanden kümmerte es wirklich.
    Alle verfolgten sie nur eigene Ziele,
    keinem ging es allzu nahe,
    wie dem Kind zumute war.
    Einige verharmlosten das Gehörte.
    Zurück blieb das Kind,
    alleingelassen,
    mit Erkenntnissen,
    die schmerzend seine Seele erschüttern.
    Niemand nahm es ernst.
    Ehrlichkeit war Mangelware.
    In empfundener Missachtung,
    kämpfte sich das Kind trotz bestehender Familie,
    die meiste Zeit allein durch das Leben.
    Unregelmäßig kamen neue Tage,
    an denen Enttäuschungen und Hohn
    die Seele des Kindes weiter zernagten.
    Nur gering, aber verbleibend.
    Es konnte nicht fliehen,
    obwohl es wollte,
    denn es fühlte sich wertlos.
    Es konnte sich nicht wehren,
    obwohl es wollte,
    denn es wurde verletzt,
    wenn meist auch nur von Worten und Entscheidungen.
    Immer wieder fließt neues Seelenblut,
    kontinuierlich ignoriert.
    Jeder Mensch ist
    für sich selbst veranwortlich,
    mit sich selbst beschäftigt
    und mit eigenen Seelenwunden versehen.
    Es gab nie einen Schutz,
    es gibt nie eine Heilung
    und keine Vermeidung.
    Meistens nichteinmal
    das Bewusstwerden.
    Denn Seelenblut
    hat keinen Wert.



    Der unendliche Wunschtraum

    Von unsterblicher Hoffnung erschaffen
    und chronischer Sehnsucht bestärkt,
    klammert sich der Mensch fest an einen Traum,
    dessen Bild kaum eine klare Form erkennen lässt.
    Nur tief vergrabene Wünsche inszenieren,
    zumeist inspiriert vom eigenen Seelenblut,
    die Gestalt eines liebenswerten Wesens,
    dessen Existenz der Verstand verleugnet,
    nachdem er sah, was zur Verfügung steht.
    Und doch steigt gefühlt unendlich oft,
    aus verträumten, sehnsüchtigen Gedanken,
    ein hübsch verzierter Wunsch empor,
    dessen Bewahrheitung für das eigene Leben
    eine traumhafte Bereicherung wäre.
    Diese eine Person...
    Ein Mensch, der errettet,
    aus dem empfundenen Elend befreit
    und, in ein bessere Zukunft geleitend,
    ein neues Lebensgefühl vermitteln kann.
    Dieser besondere Mensch,
    der sich durch nichts unterkriegen lässt,
    stets gerecht entscheidet,
    immer zu seinem Wort steht,
    der zuhört, wenn er etwas erzählt bekommt
    und selbst viele schöne Dinge zu erzählen weiß.
    Fürsorglich und verständnisvoll,
    eine Person, die es einem gewährt,
    so zu sein, wie man ist
    und trotzdem ein gutes Vorbild bietet.
    Ein liebevolles Wesen,
    weder hartherzig, noch zudringlich.
    Nicht böswillig oder verwahrlost,
    sondern bewundernswert,
    vielleicht prinzipientreu,
    und gleichzeitig interessiert an
    dem Träumenden.
    So sucht der Mensch
    und findet nur seine eigene Hoffnung,
    die, blind auf einige wenige projiziert,
    im Angesicht der Wirklichkeit zerfällt.
    Jedes Mal.
    Den Blick vernebelt vom eigenen Sehnen,
    erkennt der Mensch nur einen Hoffnungsträger,
    fantasiert und spekuliert,
    probiert und kombiniert,
    nur um zu erkennen,
    dass jenes Wesen hinter dem Nebel
    dem Wunschtraum nicht gerecht wird.
    Wie alle anderen vor ihm.
    Die Sehnsucht verharrt bedrückend,
    die Seele blutet weiter,
    Leere verdrängt langsam die Hoffnung
    und der unendliche Wunschtraum
    bleibt meist unendlich lange
    unerfüllt.

  4. #23
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Die Schreie der verlorenen Seelen - Hauptteil

    Das Werk ist sehr groß.



    Die Vielseitigkeit der Verzweiflung

    Rauhe Handgreiflichkeiten in ihrer Vielfalt,
    böswillige Beleidigungen,
    zahlreiche Momente
    der Vernachlässigung,
    der Ungerechtigkeit,
    der Geringschätzung,
    und der Demütigung
    verletzen.
    Für jede Aktion folgt eine Wunde,
    ungelinderter Schmerz,
    Blut, das still entrinnt,
    und kleine Narben am Seelenleib zurücklässt.
    Das Wünschen bleibt gänzlich ignoriert,
    ausweglos scheint die Lage,
    bedeutungslos das eigene Befinden
    dem Rest der Welt.
    Begünstigt von den Spuren der Verletzungen
    ereignet sich die Geburt der Verzweiflung.
    Ungehalten schleicht sie durch die Seele,
    verzehrt die Reinheit der Unschuld
    und verpestet das Denken ihres Wirtes
    mit ihrem verzerrenden Gift.
    Das Denken verwest in zerbrochenen Teilen,
    deren Zusammenhalt zerschlagen wurde.
    Und von Seele zu Seele äußert sie sich anders,
    die Wirkung des Giftes,
    das sich im Wirt der Verzweiflung ausbreitet.
    Amüsiert vom Anblick der Verpestung,
    dominiert die Verzweilfung ihren Wirt,
    lauscht den tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Manchmal weiß ich gar nicht genau,
    warum ich diese schlimmen Dinge tue.
    Ich tue sie einfach.
    Es geht nur um Respekt und Stärke.
    Jeder muss mich respektieren.
    Und denken, dass ich stark bin.
    Die Schwachen sind die Verlierer.
    Die Opfer.
    Ich suche mir die Schwachen heraus.
    Sie können sich nicht wehren.
    Und das ist gut so.
    Ich will nicht verletzt werden,
    sondern verletzen.
    Ich packe mir den Schwächling
    und mache mit ihm, was mir gerade einfällt.
    Ich lasse ihn leiden.
    So wie ich leiden muss.
    Jetzt weiß der Schwächling, wie man sich dabei fühlt.
    Wie es sich anfühlt, verletzt zu werden.
    Aber es ist mir egal.
    Ich will einfach nur Schmerz zufügen.
    Ich will meine Wut loswerden.
    Es interessiert mich nicht, wie er sich fühlt.
    Ich will wehtun.
    So wie mir wehgetan wurde
    und wird.
    Niemanden interessiert das.
    Es hat nie jemanden interessiert.
    Und jetzt interressiert mich auch nichts mehr.
    Ich tue, was ich will.
    Ich verletze andere, wann ich will.
    Ich schlage immer zurück.
    Meistens schlage ich zuerst.
    Ich behandle die Schwachen wie Dreck.
    Ist doch ihre Schuld, wenn sie schwach sind.
    Ich befehle ihnen widerliche Dinge
    und sie tun es, weil sie Angst haben.
    Angst vor mir.
    Ich genieße das.
    Ich liebe es, Macht über sie zu haben,
    zu sehen, wie sich selbst demütigen,
    weil ich es gesagt habe.
    Ihre Hilflosigkeit amüsiert mich.
    Sie wissen sich nicht anders zu helfen,
    als zu tun, was ich verlange.
    Manchmal verletze ich sie trotzdem.
    Weil ich Lust dazu habe.
    Ich kann mit ihnen machen, was ich will.
    Keiner traut sich, ihnen zu helfen.
    Ich kann immer weitermachen.
    Das mache ich auch.
    Ich nehme auf nichts Rücksicht,
    denn nie hat jemand Rücksicht auf mich genommen.
    Niemand schert sich einen Dreck um mich.
    Ich lasse andere leiden,
    so wie ich selbst gelitten habe...“
    Das Seelenblut fließt weiter,
    während fremde Seelen
    durch das Bluten dieser Seele,
    ebenfalls gepeinigt werden.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Es ist eigentlich nur mein Ziel,
    nicht selbst zum Opfer zu werden.
    Nicht der zu sein, auf dem alle rumhacken.
    Ablenkung ist wichtig.
    So lange sie gegen andere hetzen,
    hetzen sie nicht gegen mich.
    Man muss sehen, wo man bleibt.
    Ich weiß, es ist nicht richtig,
    Ich weiß, es fühlt sich schlimm an.
    Aber ich mache mit.
    Es gibt immer ein Opfer.
    Das will ich nicht sein.
    Pech für den Schwachen.
    Damit muss er leben.
    Ich habe Angst vor dem,
    der aggressiv ist.
    Ich muss mich auf seine Seite stellen.
    Ich kann mich nicht gegen ihn stellen.
    Ich will kein Opfer sein.
    Wie schlimm das ist, sehe ich.
    Das könnte ich nicht aushalten.
    Niemand greift ein.
    Was bleibt mir übrig, um mich zu schützen?
    Es zählt nur Stärke und Respekt.
    Ich habe nicht viel,
    aber ich muss alle denken lassen,
    ich hätte es.
    Ich muss akzeptiert werden.
    Mitmachen, was sie machen,
    zu ihnen dazugehören.
    Dann lassen sie mich in Ruhe.
    Ich traue mich nicht,
    zu widersprechen.
    Egal, was sie tun.
    Ich mache es auch.
    Es gibt nirgendwo Gerechtigkeit.
    Ich habe sie noch nie gesehen.
    Und wie ich bin, mag mich keiner.
    Wen habe ich denn außer ihnen?
    Ich kann nicht alleine sein.
    Auch wenn sie noch so kranke Sachen tun,
    mache ich mit.
    Es geht nicht anders.
    Außenseiter werden zu Opfern.
    Ich kann nicht als Opfer leben.
    Ich muss mich an sie halten.
    Egal, was kommt.
    Es gibt sonst niemanden,
    der mich schätzt.
    Ich weiß nicht, ob sie das tun,
    aber ich hoffe es.
    Hauptsache, ich bin bei ihnen.
    Auch wenn sie manchmal fies zu mir sind,
    ich muss weiter dazugehören.
    Auch wenn ich Dinge tue,
    die ich eigentlich nicht will.
    Ich muss dabei sein.
    Ich habe keine Wahl.
    Es geht nicht besser,
    auch wenn ich es mir eigentlich wünsche,
    denn es macht nicht immer Spaß.
    Wirklich nicht.
    Aber niemanden würde es interessieren, was ich will.
    Ich bin egal.
    Es muss so bleiben, wie es ist...“
    Das Seelenblut fließt weiter.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Tag für Tag werde ich fetiggemacht.
    Ich werde entwürdigt und bloßgestellt
    und doch
    lache ich mit.
    Versuche, ihre Gunst zu erwerben,
    indem ich mit ihnen Spaß habe.
    Spaß auf meine Kosten.
    Eigentlich möchte ich jedes Mal weinen,
    wenn sie mich wieder erniedrigen,
    trotzdem gebe ich mich amüsiert.
    Sie machen sowieso, was sie wollen.
    Keiner hält sie auf.
    Ich kann nur so tun, als sei es für mich spaßig.
    Spaß ist gut.
    Ich muss es lustig finden
    und alles lustig machen,
    nur um abzulenken.
    Ich ziehe alles ins Lächerliche
    und reiße einen Witz nach dem anderen,
    um sie davon abzuhalten,
    dass sich ihre Späße gegen mich richten.
    Und doch genügt es nicht.
    Sie demütigen mich auf jede erdenkliche Weise
    und doch forme ich ein Lächeln.
    Was soll ich tun?
    Ich wünschte, sie würden aufhören.
    Aber sie machen weiter.
    Niemand hilft mir.
    Meine Hilflosigkeit wird ohnehin nicht gesehen,
    aber ich traue mich auch nicht,
    sie zuzugeben.
    Es wäre auf Dauer sowieso egal,
    denn es würde sich nicht verbessern.
    Wenn ich nicht mitlache,
    dann werden sie extremer.
    Ich weiß nicht, was ich tun soll.
    Was ich will, ist egal.
    Ich bin gezwungen, mitzulachen,
    wenn ich den Tag irgendwie durchstehen will.
    Ihre Sprüche sind nicht lustig,
    ihre Aktionen unmenschlich,
    und doch heuchle ich Begeisterung,
    um sie nicht noch mehr gegen mich zu haben.
    Es macht ihnen wirklich Spaß.
    Sie werden es nie bleiben lassen.
    Und mich muss es aushalten
    und weiter lachen,
    obwohl ich weinen wollte.
    Mir bleibt nichts Anderes übrig...“
    Das Seelenblut fließt weiter.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Ich will mit allem nichts mehr zu tun haben,
    was mich verletzt hat.
    Nie haben sie mich verstanden,
    nie werden sie mich verstehen,
    nie wollen sie mich verstehen.
    Es geht ihnen nicht um mich.
    Ich zähle nicht.
    Ich bin ihnen egal
    und doch muss ich mich herumkommandieren lassen.
    Ich will irgendwo hin, wo ich geschätzt werde.
    Wo man sich über meine Anwesenheit freut.
    Wo ich das Gefühl habe, etwas wert zu sein.
    Ich halte mich an eine Gruppe,
    die von meinen Eltern abgelehnt wird.
    Gut so!
    Es interessiert mich schon lange nicht mehr,
    was sie denken.
    Und wenn sie die Gruppe nicht mögen,
    dann ist das ein Grund mehr, dazu zu gehören.
    Hier beachtet man mich.
    Hier scheine ich erwünscht zu sein.
    Jedenfalls mehr, als zu Hause.
    Hier gibt es jemanden, der sich mit mir beschäftigt.
    Ein schönes Gefühl, Aufmerksamkeit zu bekommen.
    Für sie will ich mich viel lieber anstrengen,
    denn ihnen bedeute ich etwas.
    Das lassen sie mich denken.
    Eigentlich ist ja nicht alles so toll,
    was sie machen.
    Aber es ist immernoch besser als zu Hause.
    Hier bin ich jemand.
    Jemand, auf den beachtet wird.
    Und was immer sie tun, ich bin dabei.
    Sie sind meine neue Familie.
    Besser als meine alte...“
    Das Seelenblut fließt weiter.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Immer wieder werden meine Gefühle verletzt.
    Niemand nimmt Rücksicht darauf.
    Ich werde immer nur angegriffen,
    weil ich Gefühle zeige.
    Alles, was ich sage, wird ins Lächerliche gezogen.
    Ich muss die Gefühle loswerden.
    Man kann nichts lächerlich machen,
    was nicht da ist.
    Eigentlich würde ich mich viel wohler fühlen,
    könnte ich meine Gefühle zum Ausdruck bringen,
    ohne verletzt zu werden.
    Aber das ist unmöglich.
    Ich darf nicht mehr fühlen
    und keine Meinung mehr haben.
    Dann verspottet mich niemand mehr.
    Es ist schwer...
    jedes Mal, wenn ich eine Gefühlsregung gezeigt habe,
    bin ich wütend auf mich.
    Manchmal bin ich sogar wütend darauf,
    wütend gewesen zu sein.
    Ich darf keine Gefühle mehr zeigen.
    Ich darf sie nicht mehr haben.
    Ohne sie wird alles leichter.
    Wenn ich traurig bin,
    bleibe ich stumm.
    Wenn ich verärgert bin,
    bleibe ich stumm.
    Wen ich begeistert bin,
    bleibe ich stumm.
    Wenn ich mich hintergangen fühle,
    bleibe ich stumm.
    Auch das Lachen habe ich mir abgewöhnt.
    Ich wurde komisch angeschaut,
    als sie merkten, worüber ich lache.
    Gefühle sind falsch.
    Ich darf sie niemals zulassen!
    Mein Leben ist so schrecklich leer
    und kalt,
    aber ich lasse es nicht zu,
    deswegen zu weinen.
    Ich habe keine Gefühle.
    Und wenn doch,
    dann lösche ich sie aus.
    Und ich sage nie wieder, was ich denke.
    Am besten ist es, zu nichts eine Meinung zu haben.
    Dann liege ich nie falsch.
    Denn was ich denke oder fühle
    hat keinen Wert...“
    Das Seelenblut fließt weiter.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Alles ist so viel besser, wenn ich nichts mehr mitbekomme.
    Ich fühle mich nicht wirklich wohl.
    Das Leben ist langweilig,
    gleichzeitig belastet es mich.
    Alles wirkt wie ein schlechter Witz.
    Es gibt nur leere Worte.
    Jeden Tag der selbe Mist!
    Nichts zählt.
    Auch nicht ich.
    Was kümmert mich meine Gesundheit?
    Es ist mein Leben.
    Wenn ich meinen Körper verseuchen will,
    ist das mein gutes Recht.
    Ich kann mit ihm machen, was ich will.
    Es geht mir nicht um den Geschmack der Getränke.
    Hauptsache, ich bin danach breit.
    Ich will völlig hinüber sein.
    Ich will nichts mehr wahrnehmen,
    außer den Rausch.
    Das Gefühl, total benebelt zu sein.
    Der Zustand, indem alles egal ist.
    Der meine Erinnerung verdrängt.
    Ich trinke oft und viel
    und es geht mir nur darum,
    dieser beschissenen Wirklichkeit zu entkommen.
    Manchmal will ich mich nur mal richtig auszuleben,
    was sont nie funktionieren würde.
    Ich kenne nichts, was schöner ist,
    als endlich wieder berauscht zu sein.
    Nicht mehr mitzukriegen, was schonwieder passiert.
    Alles vergessen, nichts mehr bedenken.
    Ich will Abstand davon.
    Und wenn die Getränke nicht mehr reichen,
    dann probiere ich was Neues.
    Man lebt nur einmal
    und sollte alles ausprobieren.
    Es stört niemanden wirklich,
    wenn ich mir Rauschgifte gebe.
    Noch nie hat es irgendwen interessiert
    was ich tue
    oder wie es mir geht.
    Alles ist egal.
    So soll es sein...“
    Das Seelenblut fließt weiter.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Ich fühle mich immer wieder schlecht,
    durch die negativen Dinge, die andere zu mir sagen.
    Ich werde ausgelacht.
    Und alle haben sie den gleichen Grund.
    Sie sagen, ich bin fett.
    Ich muss das Gegenteil erreichen!
    Alle hänseln mich, weil ich fett bin,
    aber sie können mich nicht mehr hänseln,
    wenn ich schlank bin.
    Ich werde nichts mehr essen.
    Für mich ist essen ab jetzt eine Sünde.
    Nur Wasser kann ich trinken.
    Manchmal.
    Die Waage zeigt immer geringere Zahlen.
    Es lohnt sich, nichts mehr zu essen.
    Ich verliere Gewicht.
    Aber immernoch
    finde ich mich zu fett.
    Die anderen könnten mich wieder hänseln.
    Ich habe angeblich ein bedrohliches Untergwicht
    und doch muss ich weiter abnehmen!
    Ich muss dünn sein.
    Um jeden Preis.
    Nie wieder soll mich jemand fett nennen.
    Essen wird immer verboten bleiben.
    Der Hunger ist unerträglich
    aber ich wage es nicht, Nahrung zu mir zu nehmen.
    Denn ich muss Gewicht verlieren.
    Ich will nicht mehr fett sein,
    sondern schlank.
    Immer noch ein bisschen schlanker...“
    Das Seelenblut fließt weiter.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Immer wieder kommt es vor, dass ich mich ärgere.
    Ich bin extrem frustriert.
    Aber ich kann mit niemandem darüber reden.
    Niemand würde es verstehen.
    Der Stress nagt an meinen Nerven.
    Und die Last, die mir mein Umfeld beschert.
    Ich fühle mich, als würde ich ertrinken,
    in einem Meer aus Stress und Ärger.
    Manchmal fühle ich nicht mehr, ob ich noch lebe.
    Erst, wenn ich etwas Scharfes in der Hand habe,
    kann ich dafür sorgen, mich selbst zu spüren.
    Spüren, dass ich da bin.
    Etwas Anderes fühlen als sonst.
    Schmerz beruhigt meine Nerven.
    Er wirkt erleichternd.
    Frisches Blut fließt an meiner Haut herab,
    während ich Schnitt für Schnitt
    ihre Wunden vermehre.
    Es tut weh
    und trotzdem will ich mehr.
    Größeren Schmerz empfinden.
    Ich habe es verdient...“
    Nicht nur Seelenblut fließt weiter,
    jedoch verliert die Seele mehr,
    als dem Körper je entrinnen könnte.
    Und in einer neuen blutenden Seele
    wird neue Verzweiflung geboren.
    Auch sie lauscht tief verwurzelten Gedanken
    und hört:
    „Ungeliebt und unbeachtet,
    schlendere ich orientierungslos umher
    und muss mit der Schande leben, ein Versager zu sein.
    Ein unfähiges Wesen,
    das nie irgendwas erreichen wird.
    Ich vegetiere eigentlich nur vor mich hin.
    Kann nichts bewältigen,
    nie bis zum Ende durchhalten
    und nichtmal mit anderen zurechtkommen.
    Mir wird immer von allen gesagt,
    ich bin zu nichts gut.
    Und ich weiß, sie haben recht.
    Ich hatte immer nur Pech.
    Als würde es mich verfolgen.
    Ein Mensch ohne Zukunft,
    das bin ich.
    Ich habe keine Lust mehr, das mitzumachen.
    Welchen Sinn soll das alles haben?
    Mich mit Menshcen abgeben,
    denen man nicht über den Weg trauen kann,
    immer wieder scheitern,
    egal, was ich auch versuche.
    Und mich will auch keiner haben.
    Welchen Grund habe ich, zu leben?
    Weiterzuleben...
    Am Ende muss doch jeder sterben.
    Jeder Tag ist nur eine Verzögerung.
    Ist es nicht egal, wann ich sterbe?
    Ob morgen oder in zehn Jahren?
    Ich werde auch dann noch ein Versager sein.
    Ein wertloser Mensch,
    mit dem niemaden etwas zu tun haben will
    und auf dem immer irgendjemand rumhackt.
    Die Welt dreht sich auch ohne mich.
    Das Leben bringt mir nichts.
    Es ist alles völlig egal
    und mich kann nichts glücklich machen.
    Das war nie so.
    Und es wird nie so sein.
    Ich will eigentich gar nicht mehr leben.
    Lieber gleich sterben.
    Ich denke darüber nach,
    ob ich mich selbst töten sollte.
    Ich bin sowieso überflüssig.
    Vielleicht wäre es besser so...“
    Die Seele blutet weiter.
    Niemand weiß, wie lange noch.
    Nur die Verzweiflung bleibt solide,
    wann immer eine Seele blutet.
    Mit ihren vielen Gesichtern
    ruiniert sie das Ursprungsgebilde
    einer ehemals gesunden Seele.
    Gefesselt an unsichtbare Ketten,
    wird das Opfer zur Marionette,
    denkt und handelt,
    entscheidet sich für weiteres Vorgehen,
    ohne sich selbst darin wiederzuerkennen.
    Allgegenwärtig sind die Schmerzen,
    ertragen von der Seele,
    die hilflos zu entkommen versucht,
    in eben jene Sümpfe flüchtend,
    die von der Verzweiflung lange vorgesehen waren.
    Denn sie generiert, was sie fraß.
    Sie kennt keine Gnade
    keine Freude,
    keine Menschlichkeit.
    Doch sie kennt das Leid der Seele.
    Sich an ihm ergötzend,
    vefolgt sie nur das Ziel der Verstärkung
    und wer sie nicht bekämpft,
    den wird sie erbarmungslos
    irgendwann
    verschlingen.

  5. #24
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Die Schreie der verlorenen Seelen - Schluss

    Hier die letzten zwei Gedankentexte aus dem Set "Schreie der verlorenen Seelen".



    Maskenzwang

    Irgendwann kam der Tag
    an dem es trotz allem nur noch darum ging,
    sich anzupassen.
    Erwartungen zu erfüllen.
    Der Wert der Individualität,
    die Spuren der Vergangenheit,
    endgültig war es in einem Sumpf der Ignoranz erstickt.
    Nicht nur der Ignoranz der Menschen,
    sondern auch,
    der Ignoranz des Menschen gegenüber
    sich selbst.
    Gegenwärtig, jedoch unerhört,
    verliert sich die Seele selbst,
    im Leben derer, die versuchen,
    in der achtlosen Herde einen Platz zu ergattern,
    lohnend zu existieren.
    Immer folgen neue Forderungen.
    Ein Mangel an Freiheit lässt sich verzeichnen,
    seit dem Tag,
    dessen Datum längst vergessen wurde.
    Abgewichen vom wahren Ich,
    scheint es das Ziel zu sein,
    im Befolgen des Verlangten
    das eigene Glück zu finden.
    Oder es zu
    vergessen.
    Viele ergeben sich.
    Machen mit.
    Lassen ihr Leben
    diktieren.
    Wie gerne würden sie weinen,
    doch nie verlässt eine Träne ihr Auge.
    Wie gerne würden sie schreien,
    doch nie verlässt ein unerwünschter Laut ihren Mund.
    Wie gerne würden sie anders leben,
    doch nie passiert ein Versuch.
    Wie gerne würden sie kritisieren
    und doch dominiert ein Lächeln ihr Gesicht.
    Eine lächelnde Maske, die sie sich formten.
    Nicht freiwillig,
    anfangs auch nicht einverstanden
    und doch überzeugt.
    Die Maske sitzt fest.
    Der Chef ist frech und unverschämt.
    Die Reaktion ist ein Lächeln.
    Man muss miteinander auskommen.
    Rücksichtslos behandelt fühlt man sich.
    Kein Wort offenbart das Empfinden.
    Man darf sich nicht zu viel erlauben.
    Der Zwang besteht in Freundlichkeit.
    Die eigentliche Emotion verstummt
    hinter der Maske der Freundlichkeit.
    Aufgesetzt, um die Anforderungen zu erfüllen.
    Sie lastet schwer auf dem Gesicht,
    erdrückt die Nerven jedes Mal
    und unterdrückt
    die Persönlichkeit.
    Die Maske macht sie unkenntlich,
    mindestens teilweise.
    Bedacht auf Schutz vor den Reaktionen,
    aus falschem Verhalten sicher resultierend,
    wird sie täglich wieder aufgesetzt.
    Die Maske.
    Versteckt wird, was nicht gezeigt werden darf,
    auch wenn es noch so befreiend wäre.
    Die Kollegen sind beleidigend.
    Sie lästern.
    Nur keine Schwäche zeigen...
    Gefühle werden verspottet.
    Sie dürfen nicht gezeigt werden,
    um vor dem Spott geschützt zu sein.
    Lockeres Auftreten
    und erzwungene Gelassenheit
    formen eine zweite Maske,
    bestimmt für täglichen Gebrauch.
    Begründet wird sie mit Notwendigkeit.
    Aufgezwängt dem eigenen Gesicht,
    um Gefühle zu verbergen.
    Vor denen, die sie verspotten.
    Die Maske erfüllt ihren Zweck.
    Auch gegenüber Personen,
    die man nicht lieben darf.
    Sie sehen nur eine Maske,
    die Gefühle tief unter sich begräbt.
    Träume werden zerquetscht.
    Motiviert von der Gefahr, abgelehnt zu werden.
    Und die Familie,
    mit ihrer meist geheuchelten Fürsorge,
    wird von einer Makse des Wohlbefindens
    vom eigentlichen Zustand ihres Trägers abgelenkt.
    Die Wahrheit bleibt verschwiegen,
    dank der Wahrscheinlichkeit,
    nicht auf wahres Interesse oder Verständnis zu stoßen.
    Niemand soll entdecken,
    was hinter der Maske verborgen liegt.
    Das menschliche Miteinander ist ein Maskenball,
    in dessen trügerischen Tänzen,
    die Wahrheit ungesehen zertreten wird.
    Am Gesicht längst festgefressen,
    vollführen die Masken ein ewiges Täuschungsmanöver,
    dessen Zweck zu sein scheint,
    einem selbstentfremdeten Ziel zu entsprechen.
    Die Masken lasten weiter.
    Fernab aller Wunden,
    deren Narben noch immer nicht verschwunden sind.
    Fernab einen Wunschtraumes,
    dessen Gestalt schon längst vergessen wurde.
    Fernab dem heimlichen Gift der Verzweiflung,
    einen Selbstwert klar verdrängt,
    verkümmert hinter diesen Masken
    der letzte Überrest einer blutenden Seele,
    die zum Tragen der selben gezwungen war,
    um in diesem Leben zurecht zu kommen.
    Und am Tag der persönlichen Demaskierung
    stellt der Träger mit Ensetzen fest,
    dass hinter seinen vielen Masken
    kein Gesicht mehr existiert.



    Natürliche Selbtsauslese

    Nur die Stärksten überleben.
    Die Natur weiß zu vollstrecken.
    Kalt, kompromislos, rational.
    Gesundheit und Kraft des Körpers
    bemessen den Wert.
    Ignoriert wird die Kraft der Gedanken.
    Geplagt von Fragen nach dem Sinn,
    dem Sein
    und der Rechtfertigung,
    beschleichen Impulse den Intellekt,
    die fernab des Standards
    in gefährliche Richtungen ziehen.
    Antriebslos verharrend,
    im Angesicht der Schmerzen,
    die waren, sind und sein könnten,
    wird nur das Ende noch herbei gesehnt.
    Das Ende des Blutens,
    des Weinens,
    der Vernarbung
    und der finsteren Erinnerungen.
    Konfrontiert mit Gedankengut,
    den natürlich Starken unbekannt,
    wartet der zerfallende Intellekt
    auf eine Entscheidung
    und deren Umsetzung.
    Die Aussonderung aus dem Gefüge,
    dominiert von Stärke,
    die sich auf Muskeln und Vitalität beruft.
    Eine Auslese aus dem Konstrukt der Natur,
    dessen Sinnigkeit wohl nie bestanden hat.
    Die eigene Hand das Verhängnis,
    der eigene Wille ein tödlicher Feind,
    angetrieben von dem Streben nach Erlösung.
    Zu stark leidet die Seele,
    hinter einfältigen Masken,
    die den Fraß der Verzweiflung geheimhalten.
    Nicht länger besteht der Drang,
    hinter ihnen versteckt,
    den fraglichen Vorgaben zu folgen.
    Der Zwang soll nicht triumphieren,
    denn die Makse schützt nicht davor,
    den Schmerz der Seele zu spüren
    und erneut von ihm unterworfen zu werden.
    Schwäche hemmt, zu kämpfen.
    Der Mensch ist schwach.
    Und ungesund.
    Seit jeher hat sich nichts geändert.
    Schwach bleibt schwach.
    Ungeschützt, ungehalten, ungeschätzt.
    Nur das Denken funktioniert
    und fantasiert in schauderhaften Szenen
    die Bewältigung des Ausweges
    nach dem Sieg über die eigene Angst.
    Nicht zu schmerzhaft
    und nicht zu langwierig
    soll es sein.
    Die Möglichkeiten sind erschlossen.
    Die lang erwartete Entscheidung...
    sie fällt.
    Die Umsetzung der Selbstauslese
    wurde praktiziert.
    Das Ende ist gekommen.

  6. #25
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Widerliche Wahrheitsverse

    Hier nun die letzten beiden Gedankentexte, wie angekündigt. Sie stellen ein eigenes Set dar, auch wenn es nur aus 2 Werken besteht. Sie beschäftigen sich mit den tiefsten Abgründen menschlicher Verachtenswürdigkeit und deren Spuren. Wenn man aus der extremen Tiefe auftaucht, gibt es noch mehr zu verarbeiten. Das ist nicht so entsetzlich wie alles, was in diesen beiden Werken angesprochen wird, aber dennoch ziemlich zum Kotzen. Naja ... wir werden sehen, ob ich zukünftig noch andere Werke erschaffe. Dass ich Misanthrop bin, ist ja hoffentlich nichts Neues für jeden, der sich hin und wieder meine Werke anschaut.

    Achtung:
    Auch wenn ich ihn veröffentlicht habe, rate ich besonders zart beseideten Menschen dringend davon ab, den Text "Traumaseelen" zu lesen. Der Text hat es in sich. Ich kenne mich mit dem ganzen Altersfreigabezeugs nicht aus, aber ich würde schätzen, die Altersfreigabe liegt hier bei 18+.
    Um es kurz zu machen: Ihr müsst diesen Text nicht unbedingt lesen. Er ist ohnehin sehr lang (mal wieder ).




    Verachtenswert

    Verblendet von der Illusion, besonders toll zu sein,
    tut er stets, wonach ihm der Sinn steht.
    Für humorvoll hält er sich.
    Lustig findet er es, zu provozieren.
    Provokation ist seine Leidenschaft.
    Mit Beleidigungen,
    dummen Sprüchen,
    Hetze gegen einzelne Personen,
    Verspottung fremder Persönlichkeiten
    und Belästigung.
    Im Glauben, niemand kann ihm böse sein,
    verletzt er nur zum Spaß.
    Eine Lüge nach der anderen verlässt seine Lippen.
    Wird er erwischt,
    bei entwürdigenden Aktionen
    oder dreisten Lügen,
    verharmlost er alles.
    Versucht, es schönzureden
    und vom Thema abzulenken.
    Gibt sich plötzlich gesittet und anständig.
    Weil er weiß,
    dass sie ihm sein Schauspiel glauben.
    In Gedanken lacht er sie aus.
    Und dann macht er weiter wie vorher,
    nachdem er vor allen meinte,
    er wolle sich ändern.
    Was er sagte, weil man stur von ihm verlangte,
    es zu äußern.
    Und er spielt sich auf, als sie er der Größte,
    hoffend, dass es niemand auf die Probe stellt.
    Zeigt seine Herrlichkeit,
    indem er Unbeliebtheit anderer ausnutzt,
    um die Betroffenen zu demütigen.
    Er kann sich alles leisten, denkt er sich.
    Jeder würdelose Gedanke, der durch seinen Kopf jagt,
    wird in die Tat umgesetzt.
    Um sich zu amüsieren.
    Stundenlang könnte er über andere lästern
    und tut das auch,
    sobald sich die Gelegenheit bietet.
    Er verbreitet lächerliche Gerüchte,
    angepriesen als die Wahrheit
    und zieht Menschen verbal in den Dreck.
    Das findet er erbaulich,
    es gibt ihm einen Kick.
    Für ein wahres Prachtexemplar hält er sich.
    Zumindest redet er sich das ein.
    Und er bestätigt es sich immer wieder
    durch neue Entwürdigungen seiner Mitmenschen.
    Er benimmt sich selbst wie ein Idiot,
    sofern er nicht gerade so tut, als sei er niveauvoll,
    und lacht sich gleichzeitig über jene kaputt,
    die er für Idioten hält.
    Ernsthaftigkeit und Verständnis
    sind bei ihm geschauspielert.
    Manchmal sehr überzeugend.
    Dem Zweck dienlich, sein Gegenüber auszuhorchen.
    Um Neues herauszufinden,
    worüber er sich das Maul zerreißen kann.
    Freundschaft ist für ihn nur ein Witz.
    Er macht sie dazu.
    Treue existiert für ihn in Grautönen.
    Weiß ist klare Treue, schwarz die Untreue
    und sein Handeln zeugt von dunklem Grau.
    Verlässlichkeit ist ihm ein Fremdwort
    und Toleranz ein für ihn erbärmlicher Traum.
    So lebt er immer nur nach seinem Schema.
    Spottend,
    lästernd,
    lügend,
    hintergehend,
    blendend
    und rücksichtslos.
    Stets bestärkt von seiner Illusion.
    Dieser Mensch ist
    verachtenswert.



    Traumaseelen

    Abgelenkt von Verpflichtungen des Alltags,
    zwischen Artgenossen funktionierend,
    verschwindet auf Zeit die verhasste Stille,
    deren Schergen das Gefüge der Gegenwart,
    in einem Anflug aufdringlicher Schatten,
    regelmäßig zerbrechen lassen.
    Nur die Beeinflussung der Sinne
    vermag zu verzögern,
    aber nicht zu verstecken,
    vor dem folgenschweren Eintritt
    ungestörter, reizloser Momente.
    Vergessengehoffte Erinnerungen
    verdrängen den Moment in seiner Präsenz
    und etablieren im freigekratzten Volumen der Sinne,
    unbeeindruckt von versuchtem Widerstehen,
    Emotionen und Empfindungen der Tage,
    deren unfreiwilliges Durchleben
    bis auf Knochen und Mark erschüttern lässt.
    Eine Endlosschleife des Vergangenen.
    Der Großvater...
    sein Handwerk war das Töten für sein Land.
    Cholerische Schreie
    befahlen, bedrängten und schikanierten,
    um auf den Ernstfall vorzubereiten.
    Geübt im Übertreten der körperlichen Kraft
    und des eigenen Gewissens,
    wurde er bereit gehalten,
    den Ernstfall simulierend,
    bis zum Tag der Abreise.
    Zusammen mit den Kameraden,
    mit denen er Freundschaft geschlossen hatte,
    erreichte er den Einsatzort.
    Überrascht von feindlicher List,
    missbraucht als lebendiges Kanonenfutter,
    versuchten die Marionetten der Korruption,
    ihrem antrainierten Handwerk nachzugehen.
    Unverkennbar begann die bittere Wahrheit,
    dem tapferen Kämpfer
    ihr blutiges Gesicht zu offenbaren.
    Elendige Schreie
    schockierten, verstörten und erschütterten,
    um das Leid der Kameraden zu verdeutlichen.
    Rot färbte sich der Sand,
    auf welchem ein todesfürchtiger Mann
    seine eigenen Freunde beim Sterben beobachtete.
    Die Starre der Angst in ihrem Augen,
    das unaufhörliche Geschrei vor lauter Schmerzen
    und die bleiche Haut der leblosen Überreste
    brannten sich in das geistige Leben
    ihres von Schock gelähmten Betrachters.
    Nach Stunden des gegenseitigen Blutvergießens
    war der Feind beseitigt,
    von noch drei übrig gebliebenen Marionetten,
    denen die feindlichen Kugeln scheinbar ausgewichen waren.
    Belohnt mit schimmerndem Metall,
    welches dem Tod fremder Menschen zu verdanken war,
    kehrte der Held eines siegerlosen Kampfes
    zu seinen eigentlichen Wurzeln zurück.
    Viele Jahre ist es her.
    Der Krieg ist vorbei, der Kampf bestanden,
    doch die Stille wirft in ihrer Dreistigkeit
    den Großvater zurück zur Schlacht.
    Geschlossene Augen erleichtern den Geist,
    bevor die Zeit um Jahre zurückfällt
    und die Schreie der Kameraden
    deutlich hörbar werden.
    Erneut im Kampf befindlich,
    blickt der Großvater auf roten Sand
    und jammernde Opfer des tödlichen Spieles,
    die um Hilfe fehlend,
    mit ihren letzten Regungen bettelnd,
    zu ihm heraufblicken.
    Der Großvater ist ein Gefangener der Zeit,
    die für alle außer ihm,
    schon längst aus dem Gedächtnis entglitt.
    Festgekettet an vergangenen Tagen,
    als er den Wert des Lebens vergaß,
    erleidet er in stillen Phasen
    stets auf's Neue
    das grausame Alte.
    Und niemand versteht seinen Schmerz.
    Die Mutter...
    früher ging sie häufig feiern.
    Vom anderen Geschlecht stets begehrt,
    genoss sie die vielen Momente
    voller Aufmerksamkeit,
    Großzügigkeit
    und Komplimente.
    Der Weg zur Disco war nicht weit
    und sie war immer zu Fuß unterwegs.
    Am Abend gespannt und optimistisch,
    nachts meist erheitert und begleitet.
    Dann kam der Abend ohne Begleitung.
    Die vielen uninterssanten Bewerber
    wurden von ihr zurückgewiesen.
    Sie wusste, was sie wollte.
    An diesem Abend fand sie nichts.
    Der Heimweg war nicht lang, doch dunkel.
    Schlecht beleuchtet, stark verwachsen
    und zu diesen Zeiten menschenleer.
    Ein Bewerber akzeptierte nicht,
    was ihm klar vermittelt wurde.
    Er folgte der jungen Frau.
    Seine Schritte waren schnell,
    sein Ziel feststehend.
    Ein Blick rückwärts verriet der Frau,
    welche Gefahr im Dunkel lauterte.
    Vom Adrenalin der Angst erfüllt,
    beschleunigte sie ihren Schritt.
    Und doch wurde sie eingeholt.
    Vom Triebtäter rauh ergriffen,
    in nahe gelegenes Gebüsch gezerrt,
    überkam die schreiende Frau,
    deren Mund verschlossen gehalten wurde,
    ein Gefühl der völligen Betäubung.
    Unterworfen von der Machtlosigkeit,
    in einem Augenblick des Schreckens empfunden,
    wurde ihr die Kleidung vom Leib entfernt.
    Sich ekelnd und verzweifelt jammernd,
    spürte sie ein fremdes Eindringen.
    Sie war die Geisel eines Scheusals,
    das sich auf ihrer Haut austobte,
    um die ungehaltenen Triebe zu befriedigen.
    Kein Retter kam, um sie zu befreien.
    Keine Energie floss durch ihren Körper,
    um sich aus den triebigen Fängen zu befreien.
    Nur die Aktivität war spürbar,
    die geifernd und zügellos
    an ihrem Körper praktiziert wurde.
    Ausweglos war der Moment.
    Kalt die Finsternis der Nacht,
    in deren Kern die junge Frau
    die Abgründe menschlichen Begehrens erfuhr.
    Als Triebojekt benutzt,
    unbeirrt geschändet,
    während ihre Emotionen ohne Wert waren,
    sehnte sie nur noch ein Ende herbei.
    Als dann der Täter ergötzt genug war,
    zog er unerkannt von dannen.
    Zurück blieb die junge Frau,
    noch immer gefesselt vom Schock,
    den das Grauen in ihr bewirkt hatte.
    Sie traute dem Frieden der Stille nicht.
    Wie ein Sack Zement,
    lag ihr Bewusstsein in ihrem Körper
    und verhinderte für eine ganze Stunde
    das Aufstehen.
    Dann überwand sie sich dazu,
    sich zu erheben
    und taumelte verstört nach Hause,
    zusammen mit dem Erlebnis,
    das sich tief in ihr Innerstes gebrannt hatte.
    Die Zeit schritt voran,
    die Erinnerungen blieben.
    Sie weiß es noch genau.
    Sie traut sich nicht,
    zu schlafen.
    Sie traut sich nicht,
    alleine vor die Tür zu gehen.
    Sie erträgt es nicht,
    berührt zu werden.
    In stillen Momenten
    fällt ihr Bewusstsein zurück.
    Sie spürt die Angst,
    die Betäubung
    und das fremde Eindringen.
    Es passiert erneut,
    nur in ihren Gedanken,
    aber totzdem merkt sie
    keinen Unterschied.
    Und niemand versteht ihren Schmerz.
    Die Schwester der Mutter...
    Ihr Kind kam nicht von der Schule nach Hause.
    Nur zwei Menschen in Uniformen.
    Von Beunruhigung beschlichen,
    öffente sie die Tür nach einem Klingeln
    und erblickte die beiden Hüter des Gesetzes.
    Sie sollte ihnen folgen.
    Um eine Leiche zu identifizieren.
    Ein Auto war zu schnell gefahren
    und das Kind hatte nicht geschaut,
    als es erschöpft vom täglichen Lernen
    die Straße überqueren wollte.
    Nur ein herzzerreißender Gefühlsausbruch
    bestätigte den Menschen in Uniform
    die Richtigkeit ihrer Vermutung.
    Schockiert und in tiefste Trauer gestürzt,
    erblickte eine liebende Mutter
    das blutverschmierte Gesicht ihres eigenen Kindes.
    Nur weinen und schreien konnte sie noch,
    als der junge Körper,
    den das Leben schon lange verlassen hatte,
    vor ihr offenbart wurde.
    Die Lücke in ihrem Leben war riesig.
    Gestohlen wurde ihr der wertvollste Inhalt,
    der trifftigste Grund, um weiterzumachen.
    Die Schuld sah sie bei sich selbst.
    Fragen überfluteten ihre Gedanken
    und an jedem Tag bemerkte sie erneut,
    dass etwas fehlte.
    Etwas Wichtiges.
    Das Weinen ist ihr ungeliebtes Hobby,
    das Trauern ihre Sucht,
    der Selbsthass ihr Begleiter
    und die Verzweiflung ihr Gebieter.
    Wenn sie die Augen schließt,
    hört sie die Stimme ihres Kindes
    und nur die Rückkehr in die Gegenwart,
    wirft sie zurück in die Leere,
    die zum freudelosen Alltag gehört.
    Ihre Träume führen sie erneut in den Raum,
    in dem sie ihr Kind das letzte Mal sah.
    Wieder sieht sie das Blut,
    wieder erkennt sie das entglittene Leben,
    wieder schreit sie sich die Seele aus dem Leib.
    Nie wird sie wissen, was geworden wäre.
    Nie wird sie wissen, was gewesen wäre, wenn.
    Nie wieder sieht sie das Lebewesen,
    welches ihr wichtiger als alles andere war.
    Und niemand versteht ihren Schmerz.
    Der Vater...
    blaue Flecken zeichneten seine Kindheit.
    Ausgeliefert dem grenzenlosen Zorn
    eines gewalttätigen Tyrannen,
    der im Grunde nur weitergab,
    was ihm selbst zuteil geworden war
    und der nicht anders mit allem umzugehen wusste,
    was er selbst ertragen hatte.
    Ein verwerfliches Getränk
    begünstige die Skrupellosigkeit des Tyrannen.
    Wuchtige Schläge
    trafen auf junge Haut
    und färbten nicht selten
    den verletzlichen Körper des Kindes.
    Spuren der Abartigkeit,
    beruhend auf aggressiver Zügellosigkeit,
    verunstalteten ein wehrloses Wesen,
    dessen bloße Anwesenheit bereits ein Anlass war.
    Ein jeder Tag war geprägt von der Befürchtung,
    ohne eigenes Verschulden
    der Tobsucht des Tyrannen zum Opfer zu fallen.
    Ständig wiederholte Schmerzen
    drangen tief durch das gequälte Fleisch
    und verhinderten,
    den Geist zerbrechend und bedrückend,
    die Entstehung eines Wertempfindens für
    die eigene Existenz.
    Nur selten traute er sich nach Hause,
    wohl wissend,
    was der Tyrann mit ihm anstellen würde.
    Er war ein Prügelknabe,
    ein würdeloses Wesen,
    das zum Ertragen der Gewalt verdammt war.
    Die vielen Momente in engen Räumen,
    in denen ein Schlag nach dem anderen
    seinen unterlegenen Körper verletzte,
    pflanzten sich in sein Gedächtnis.
    Schwächlich, angsterfüllt und flehend,
    stand er gegenüber einem Mensch,
    dessen einziges Ziel es war,
    Schmerzen auszuteilen.
    Und wenn er in seine Träume fällt,
    so ist er wieder der Junge,
    der schwächlich, angsterfüllt und flehend,
    von seinem grausamen Vater misshandelt wird.
    Die Erinnerungen drängeln sich auf,
    beherrschen sein Denken
    und manipulieren sein Befinden.
    Die Schläge tun noch weh,
    obwohl die Flecken längst verschwunden sind.
    Und niemand versteht seinen Schmerz.
    Die Tochter...
    sie hat die Schulzeit überstanden.
    Nicht nur das Schulwissen bleibt
    aus dieser Zeit
    in ihrem Kopf.
    Niemand mochte sie besonders.
    Dabei war sie höflich und zuvorkommend.
    Tag für Tag spielten sich Dinge ab,
    die ihre sensible Seele
    mit neuen kleinen Wunden versahen.
    Abgelehnt, verspottet und verhöhnt,
    von Schülerinnen des gleichen Alters,
    wurde sie in die Rolle der Witzfigur gestellt.
    Demütigende Worte,
    nur darauf bedacht, zu hetzen und zu entwerten,
    drangen stets an ihre Ohren
    und glitten tief in ihre Seele,
    wie spitzgeschliffene Nägel,
    die sich erbarmungslos in das Selbstbild bohren.
    Sie liebten es, sich über sie lustig zu machen.
    Immer wieder fanden sie Kleinigkeiten,
    von der Bedeutung klar belanglos,
    die in verbalen Ergüssen,
    vor der eigenen Gruppe,
    bis zur totalen Verblödung ausgeschlachtet wurden.
    Ein niemals definiertes Idealbild,
    das empfundene Stärke heuchelte
    und im Grunde nur von Dummheit zeugte,
    vermittlte den Hetzenden Bestätigung
    und gefühlte Zusammengehörigkeit,
    während das jugendliche Mädchen,
    ausgeliefert und alleingelassen,
    durch alles innerlich zerbrach,
    was niemand aufzuhalten wagte.
    Niemand verteidigte sie.
    Nichteinmal, wenn sie herumgeschubst wurde,
    man sie mit Papier bewarf
    oder jemand ihre Sachen kaputt machte.
    Fern jeglicher Toleranz
    oder gar einem Sinn für Friedfertigkeit,
    genossen die Betreiber und Betreiberinnen
    des gewissenlosen Demütigens
    das aufmunternde Gefühl, Schwächere verletzen zu können,
    ohne negative Konsequenzen zu erleiden.
    Und sie,
    als Opfer des Betreibens,
    unfähig, sich zu wehren,
    zerbrach an allem, was geschah.
    Sie betrachtete sich schon selbst
    als das wertlose Stück Dreck,
    das die anderen stets in ihr sahen.
    Die Schule ist vorbei.
    Noch immer hängen fest verankert
    in aufkommenden Erinnerungen
    die Situationen ihres Opferdaseins.
    Sie hört die Worte,
    sie sieht die Peiniger,
    sie spürt ihre eigene Hilflosigkeit
    und ihre innerliches Zerbrechen.
    Jeder rät ihr, zu vergessen,
    zu vergeben,
    mit dem, was war, zu leben.
    Sie leidet weiter.
    An den Erinnerungen alter Zeiten.
    Und niemand versteht ihren Schmerz.
    Der Sohn...
    ein Junge, in ständiger Panik lebend,
    wegen dem, was vor einem Jahr geschah.
    Am Anfang war der Mann sehr nett.
    Er wohnte im Nachbarhaus.
    Die Menschen erlebten ihn ruhig
    und freundlich.
    Ein anständiger Kerl.
    Er war besonders nett zu Jungs
    und machte ihnen Geschenke.
    Er hatte die gleichen Hobbies.
    Der Sohn bekam von diesem Mann die meisten Geschenke
    und traf ihn oft beim Sammelkartenturnier.
    Der Junge mochte dieses Kartenspiel.
    Und er folgte dem Mann,
    als dieser sagte,
    er wolle ihm die seltensten aller Karten zeigen,
    die bei ihm zu Hause lagen.
    Unbeirrt und vertrauensselig
    stieg der Junge in das Auto des Mannes.
    Das Haus war abgelegen von der Stadt.
    Es war nicht die Wohnung des Mannes.
    Aber der Mann forderte den Junge auf,
    ihm hinein zu folgen.
    Verschlossene Türen und Fenster verhinderten eine Flucht,
    als der Mann begann, den Junge lüsternd anzufassen.
    Triebgesteuert streiften seine Hände über den jungen Körper,
    an Stellen landend, wo keine fremden Hände hingehörten.
    Ein gescheiterter Versuch, sich loszureißen,
    versetzte den Junge zunehmend in Angst,
    welcher nichteinmal verstand, was eigentlich gerade geschah.
    Gefangen von kräftigen Armen,
    spürte er einen Atemhauch in seinem Nacken,
    stammend von dem nun nicht mehr freundlichen Mann,
    der mit dem Junge tat, wonach ihm der Sinn stand.
    Kein Schrei drang aus dem Haus,
    keine Träne wurde von fremden Augen gesehen,
    während der hilflose Junge
    im Fokus der Machtlosigkeit
    unter unbeschreiblichen Schmerzen
    als Objekt der kranken Gelüste missbraucht wurde.
    Nachdem die Lust des Schänders befriedigt war,
    drohte er dem Junge eindringlich mit dem Tod,
    sollte je ein Mensch von diesem Ereignis erfahren.
    Wortlos zerrte er ihn daraufhin in sein Auto,
    setzte ihn in der Nähe seiner Wohnung ab
    und verschwand.
    Seit diesem Tag
    sagt der Junge kaum noch ein Wort.
    Nie werden sich die Ketten der Angst von ihm lösen.
    Nie würde jemand den anständigen Mann verdächtigen.
    Nie würde irgendwer ahnen, was dem Junge passiert ist.
    Der Junge kann Freude mehr spüren
    und kein Vertrauen mehr fassen
    seit diesem Tag.
    Sein Leben ist ein Mischton
    aus Panik, Traurigkeit und Angst.
    Denn der Mann könnte wiederkommen.
    Sicherheit ist ein Fremdwort,
    Geborgenheit ein toter Traum
    und Offenheit eine Qual
    im Leben dieses Jungen.
    Und niemand versteht seinen Schmerz.
    Die Familie lebt weiter.
    Alle fügen sich dem verlogenen Rollenspiel der Normalität.
    Der Großvater,
    die Mutter,
    die Schwester der Mutter,
    der Vater,
    die Tochter
    und der Sohn.
    Ist der Alltag dieser Welt vorüber,
    beginnt der Alltag ihrer Seelen.
    Ein Ablauf,
    der den unheilbaren Schmerz hervorbringt.
    Das lebenslange Leiden
    der Traumaseelen.
    Und niemand versteht ihren Schmerz.

  7. #26
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    2013: Das dritte Gedicht für dieses Jahr

    Wie allseits bekannt sein dürfte, folgt nach jeder Flut eine Ebbe. Sie dauert in meinem Fall sehr lange, aber vor einigen Tagen ist im zerbröckelten Wattenmeer meiner Gedankenwelt ein Gedicht aufgetaucht, das ich jetzt veröffentliche. Es steht auch noch eine zweite Gedankentextflut bevor, die wieder ziemlich groß sein wird. Aber wann sich diese ereignet, ist noch sehr ungewiss. Es wird vermutlich noch mehrere Wochen dauern. Ich hoffe, dass jeder Leser, der sich das Gedicht anschaut, dem Ganzen etwas abgewinnen kann - auch wenn es wieder finster angehaucht ist.



    Das Leben ist schön...

    Selbst abseits von wahrem Grauen,
    als Einzelfälle degradiert,
    nicht ständig zu beschauen
    und den Gedanken ausradiert,
    wandeln leise Leidenszeugen,
    die insgeheim nach Hilfe trachten,
    und sich doch der Stille beugen,
    denn sie will kein Mensch beachten.

    Das Leben ist schön.
    Sonnenschein trifft das Gesicht.
    Das Empfinden wird verwöhnt,
    keiner weint im Sonnenlicht.
    Wie leicht ist es, zu lachen,
    sieht man doch nur das Helle,
    ohne jemals aufzuwachen,
    verklemmt in einer Freudenzelle.

    Der Optimist, der fröhlich ist,
    beleuchtet nicht, was Schweigen spricht.
    Dem Augenmerk entflieht so trist
    die Verletzung der Fürsorgepflicht,
    denn unerkannt bleibt garantiert
    an des Babys Kopf die Narbe,
    die des Bösen Werk markiert,
    in mahnend dunkelroter Farbe.

    Der Optimist, der fröhlich ist,
    beleuchtet nicht, was Schweigen spricht.
    Unbeachtet läuft ein rauer Egoist
    offensichtlich nicht ganz dicht,
    hoffnungslos von Frust zerfressen,
    den Nachwuchs an den Händen ziehend,
    gelenkt von falschen Interessen,
    eifrig in die Ferne fliehend.

    Der Optimist, der fröhlich ist,
    beleuchtet nicht, was Schweigen spricht.
    Auch ein ungepflegter Zivilist
    entgeht der eng begrenzten Sicht.
    Selbst der Gestank bleibt unbemerkt,
    der schlechtes Vorbild wohl bekundet
    und die Familie nicht bestärkt,
    nur die Gedankenwelt verwundet.

    Der Optimist, der fröhlich ist,
    beleuchtet nicht, was Schweigen spricht.
    Der Ablauf einer letzten Frist,
    bis dann ein Gebilde bricht,
    bleibt unentdeckt für frohe Blicke.
    Einsam ist die alternde Person,
    auf dass ihr letzter Wunsch ersticke.
    Der dunkle Schleier wartet schon.

    Von Menschenaugen ungesehen,
    besteht viel Elend auf den Straßen.
    Man lässt es einfach so geschehen
    und freut sich über alle Maßen.
    In bunten Farben vegetiert das Denken,
    wenn nötig durch Erblinden,
    um verfälschtes Glück zu schenken
    und das Leben schön zu finden.

  8. #27
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    Widerliche Wahrheitsverse - Teil 2

    Bisher waren nur die beiden Werke "Verachtenswert" und "Traumaseelen" aus dem Gedankentextset "Widerliche Wahrheitsverse" veröffentlicht. Aber heute wird dieses Set um zwei weitere Texte bereichert, die gleich folgen.
    Morgen folgt ein weiteres Gedankentextset, in dem alle Werke unter dem Titel "Hohlraumimpressionen" zusammgefasst sind.
    Es ist auch noch ein drittes Gedankentextset geplant, aber wann dieses veröffentlicht wird, ist fraglich. Danach werde ich mich wieder mehr auf das Schreiben von Gedichten konzentrieren. Zumindest eine Zeit lang.



    Marionettennutzungsrecht

    Es ist nur ein Spiel.
    Es macht Spaß, ohne eigene Gefühle
    Gefühle vermeintlich zu erwidern,
    unehrlich falsche Hoffnungen zu wecken.
    Sich zu bereichern an dem, der liebt,
    Hingabe und Anbetung vergönnt,
    von der Liebe zur Marionette verwandelt.
    Das Fädenziehen der Marionette amüsiert.
    Die Fäden fraßen sich tief in ihr Herz.
    In der Hand der geliebten Person
    liegt das andere Ende jener Elemente,
    die eine Steuerung erlauben.
    Das Recht, zu befehlen, zu verlangen
    und bei der Durchführung zu beobachten.
    Auf die Gunst der Liebe hoffend,
    lässt sich die Marionette willig leiten.
    Die spielende Person realisiert ihre Macht.
    Nur ein Kuss entfacht gigantische Motivation,
    zerstört den Verstand der Marionette
    und macht es möglich, alles anzufordern.
    Wie einfach es doch ist,
    sie nach dem eigenen Wille tanzen zu lassen,
    diese Marionette,
    die auf Zuneigung und Nähe hofft.
    Jene bleiben verwehrt,
    doch allein der Glaube an Belohnung reicht,
    spornt an,
    verleitet zu Freigiebigkeit,
    bis über alle Maßen.
    Aus den Gefühlen der Marionette,
    hingegeben der geliebten Person,
    bestehen jene Fäden,
    die fast völlige Kontrolle gewähren.
    Das Feuer der Liebe brennt im Inneren.
    Die spielende Person jedoch ist kalt.
    Trotzdem spielt sie mit.
    Testet aus, wie weit sie gehen kann,
    experimentiert mit der Wirkung ihrer Reize.
    Bis ihr das Spiel zu langweilig wird.
    Herzlos und gleichgültig
    wird das nie geliebte Spielzeug
    barsch in die Ecke geworfen.
    Distanz soll nun die Regel sein,
    vielleicht auch Spott,
    abzielend auf das Verhalten der Marionette,
    die stets fremdgesteuert agierte.
    Ihre Fäden lösen sich nicht.
    Endlos wird gejammert,
    fließen Tränen,
    schreit die Hoffnung,
    schmerzt die Ferne,
    brennt das Feuer, das plötzlich quält,
    statt lieblich zu wärmen.
    Mit der Zeit erwacht die Marionette.
    Ihre Fäden zerfallen nur langsam.
    Bewusst wird schleichend das Elend,
    die Dummheit vergangener Tage.
    Doch so sehr die Fäden auch zerfallen...
    verschwinden werden sie nie.
    Das Nutzungsrecht jener Fäden
    bleibt der geliebten Person erhalten.
    Nur ein paar Worte werden reichen,
    um erneut zu steuern.
    Gefesselt durch falsche Versprechen
    und verführerisches Lächeln.
    Interessant ist es, geliebt zu werden,
    doch nicht selbst zu lieben,
    nur auszunutzen, was obliegt.
    Blind bleibt die Marionette,
    jedes Mal hoffend, erträumend,
    ohne je erfüllt zu werden.
    Die geliebte Person,
    in egoistischen Gedanken ausharrend,
    empathielos und ohne Rücksicht,
    trügerisch aufreizend und verwirrend,
    will lediglich profitieren und schmarotzen,
    aus fremden Gefühlen ihren Vorteil ziehen.
    Denn...
    es ist nur ein Spiel.



    Egomut

    Belächelnd die Beschwerden ignorierend,
    wird das Umfeld stetig provoziert.
    Störend,
    unverschämt,
    aufdringlich,
    ignorant.
    Nur das eigene Befinden zählt.
    Rücksichtslos belastend
    und zügellos keifend
    wird sich geistlos ausgelassen.
    Eine Plage,
    unerträglich,
    die Nerven zermürbend
    und ganz sicher
    nicht kompromisbereit.
    Verächtlich gegenüber fremdem Recht.
    Linear wandelnd,
    ohne Linksblick, ohne Rechtsblick,
    stumpfsinnig trollend
    und darin die Erfüllung suchend.
    Auch linear denkend,
    falls überhaupt.
    Der Horizont beschränkt den Blick.
    Nur die Sicht auf das Ego zulassend,
    verleitet er weiter zum dreisten Getummel.
    Von Leere geplagt,
    aber versteckt,
    zielt das Begehren einfältig auf Bereicherung.
    Eigenbereicherung.
    Wohlgefällig nur dem verrottenden Geist,
    der in trister Leere leise stirbt
    und keinerlei Empathie zulässt.
    So widerlich,
    doch nur selten bestraft,
    dieses Wesen.
    Verfallen dem Egomut,
    krankem Eifern nach Selbstherrlichkeit,
    die Mitmenschen bewusst verärgernd,
    verdient ein solches Wesen
    nur noch Hass.

  9. #28
    Jacky89 Jacky89 ist offline
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    Hohlraumimpressionen

    Hier nun das Gedankentextset "Hohlraumimpressionen".
    Es besteht aus 6 Texten.



    Vom stummen Vater

    Vom stummen Vater kommt kein Zeichen.
    Die Fantasie muss reichen.
    Auf der Suche nach Trost und Sinn,
    laufen sie in seine Häuser,
    die Menschen, die ihn brauchen.
    Sie alle gehören zur Familie,
    egal wie alt sie sind.
    In seine Arme wollen sie fallen,
    doch nie hat diese jemand je gesehen.
    Seine Worte wollen sie empfangen,
    doch nie hat diese jemand je gehört.
    Nur erfunden.
    Auf Papier.
    So beugen sich die Menschen diesen Worten,
    in dem Bestreben,
    dem stummen Vater nah zu sein.
    Mit der Bereitschaft, alles zu glauben.
    Irgendeine Antwort
    wird keiner Antwort vorgezogen.
    Und da ist auch noch die Welt des Vaters.
    Ein schöner Gedanke.
    Seine Welt, in welcher er wartet,
    stumm verharrt
    und vielleicht beobachtet.
    Sie soll schöner sein.
    Sie soll ausgleichen.
    Man wird sie betreten.
    Das ist der Traum.
    Der Traum,
    versprochen vom stummen Vater,
    welcher noch nie ein Wort sagte.
    Nur Menschen sprechen.
    Sie sagen, was sie denken
    und verkaufen ihre Gedanken als jene Worte,
    die der stumme Vater äußerte.
    Unterstellte Worte, jenem zugeordnet,
    der nie seinen Mund aufmacht.
    Abgezielt auf Ängste und Hoffnungen.
    Der stumme Vater kennt die Antworten.
    Doch antwortet er nie.
    Nur die Menschen.
    Der stumme Vater gibt keine Befehle.
    Nur die Menschen.
    Der stumme Vater verlangt kein Geld.
    Nur die Menschen.
    Der stumme Vater fordert keinen Krieg.
    Nur die Menschen.
    Sie maßen sich an, ihn zu vertreten.
    Ihre Überzeugungskraft half,
    das selbst auferlegte Amt
    als allgemein gültig zu verbreiten.
    Die Menschen, die sich nach dem Vater sehnen,
    fügen sich den Vorgaben der Stellvertreter.
    Antworten werden unbedacht verschluckt,
    Befehle werden befolgt,
    Geld wird gespendet
    und vielleicht wird auch bald
    der Feind bekämpft.
    Denn die Stellvertreter lehren Gehorsam.
    An ihre Worte hält man sich,
    in dem Glauben,
    dadurch dem stummen Vater zu gefallen,
    welcher noch nie verlauten ließ,
    wie er darüber denkt.
    Und die Stellvertreter erkannten bald
    ihre Macht.
    Nur sie.
    Nie erkennt jener die Macht,
    der befolgt.
    Die Stellvertreter nutzen aus,
    was ihnen obliegt.
    Sie können Handeln beeinflussen.
    Sie können Furcht erregen.
    Sie können Momente gestalten,
    in denen sie in Zweisamkeit agieren.
    Nur sie und das Kind...
    Sie tun, was sie wollen,
    nutzen die Gelegenheit aus.
    Sie bringen Grauen über alle,
    die ihnen folgen, um dem stummen Vater zu gefallen,
    welcher von jenem Grauen befreien soll.
    So verpflichten sich die Gefolgen ihrer Gruppe,
    lassen sich Verhalten aufdiktieren
    und leben mit dem Glaube, richtig zu handeln,
    indem sie Worte von Stellvertretern befolgen.
    Um somit
    behaupteten Regeln des stummen Vaters zu entsprechen.
    Die Dinge nehmen ihren Lauf.
    Träume werden zu Alpträumen,
    aber verdrängt.
    Verantwortung wird zu Korruption,
    aber abgestritten.
    Im Namen des stummen Vaters.
    Das Gegenteil des Ziels ist eingetreten.
    Aufdringliche Fragen
    werden nicht gestellt
    oder zurückgewiesen,
    an Optimismus und Glaube apellierend.
    Der Verstand wird verzerrt.
    Es funktioniert.
    Die Stellvertreter triumphieren.
    Vom stummen Vater kommt kein Zeichen.



    Opferehre

    Es war der bedrückende Gedanke,
    dem Umstand unterworfen zu sein,
    der das Denken verpestete.
    Abgetrennt von jeglichem Selbstwert,
    ob nur gewünscht oder doch besessen,
    formte die Opferrolle eine neue Art
    der Selbstwahrnehmung.
    Sogar den abwegigen Glaube,
    der Rolle entsprechen zu müssen,
    es nicht wert zu sein, Hilfe zu bekommen.
    Wie eine Forderung aus der eigenen Tiefe,
    ein braves Opfer zu sein.
    Nicht aktiv zu werden,
    keine Stütze anzunehmen,
    nur einem fantasierten Zwang zu gehorchen,
    der darin bestand, das Leid weiter zu ertragen
    oder gar
    selbst daran schuld zu sein
    und es nicht anders zu verdienen.
    Schon lange verloren war
    der Glaube an Gerechtigkeit,
    an Frieden
    und an Toleranz.
    Auch der Wunsch schien verstorben.
    Erstickt an allzu vielen Tränen,
    deren Vergießen den Spott nur weiter schürte.
    Das häufige Drangaslieren
    war zur Gewohnheit geworden.
    Nicht mehr anders vorstellbar.
    Stets verharmlost und abgestritten,
    als es zur Sprache kam.
    Nicht nur vom Peiniger,
    auch vom Opfer selbst.
    Ohne die eigene Dummheit zu realisieren,
    bestärkte das Opfer jene Worte,
    die, von seinem Schänder ausgehend,
    jede Hilfe abwehrten.
    Als sei es Pflicht.
    Die Intensität des eigenen Elends
    wurde selbstlos aufrecht erhalten
    und verteidigt.
    Das Opfer hoffte insgeheim auf Sympathie.
    Die Sympathie des Tyrannen,
    der so viel Spaß daran hatte,
    zu verletzen.
    Als Reaktion auf die Verteidigung
    seiner Abartigkeit
    vor den drohenden Konsequenzen,
    die er klar verdient hätte.
    Und doch häuften sich die Verletzungen.
    Niemals stand das Opfer zu seiner Hilflosigkeit
    und seinem Leid.
    Nie bestärkte es jene,
    die vergelten wollten.
    Es erduldete die schmerzende Prozedur,
    ging nicht dagegen vor
    und unterstütze kein Vorgehen dagegen,
    um seine Opferehre nicht zu verlieren.



    Lohnlos

    Wie schön ist doch der Traum,
    für gute Gesinnung gewürdigt zu werden.
    Bestaunt und zum Vorbild genommen,
    weil richtige Entscheidungen fielen.
    Ehrlich, rücksichtsvoll, gerecht.
    Aber...
    es verfliegt.
    Noch vor dem Erwachen
    verschwindet das Licht.
    Leere herrscht dort,
    wo die Erkenntnis entstehen sollte.
    Der Nährboden ist unfruchtbar.
    Gute Taten verschwimmen
    unerkannt,
    dreist missachtet
    oder ausgenutzt.
    Lohnlos dank dem Gegenüber,
    das nicht sieht
    und nicht versteht.
    Die edlen Gedanken,
    die still auf ihre Entdeckung warten,
    verlieren sich im grauen Schleier der Masse.
    Desinteressiert stieß er sie ab.
    In fremden Gedankewelten
    fehlt die Fähigkeit der Würdigung.
    Ausgeblieben ist das Denken,
    zur Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht,
    dem Realisieren des Empfangenen,
    das fern von eigentlich gewohntem Egoismus
    ein fast unverdientes Geschenk gewesen ist.
    Stumm und ignorant
    verharrt der Intellekt des Begünstigten.
    Undankbar, im schlimmsten Fall noch unverschämt.
    Lohnlos waren die Handlungen, so weit gefächert,
    so bewundernswert und doch belächelt.
    Es geschah ein selbstloser Verzicht,
    trotz hohen Begehrens
    zugunsten des Anderen.
    Lohnlos.
    Es geschah Unterstützung,
    trotz begrenzter Zeit
    zugunsten des Anderen.
    Lohnlos.
    Es geschah eine Schlichtung
    trotz fehlender Beteiligung
    zugunsten der Anderen.
    Lohnlos.
    Es geschahen Zeichen der Rücksicht,
    trotz eigener Hektik
    zugunsten der Anderen.
    Lohnlos.
    Es geschah ein Eingriff ins Böse
    trotz drohender Gefahr
    zugunsten der Anderen.
    Lohnlos.
    Es geschah Ermutigung
    trotz mangelndem Bezug
    zugunsten des Anderen.
    Lohnlos.
    Es geschah Erlass
    trotz drängender Forderung
    zugunsten des Anderen.
    Lohnlos.
    Niemals bedacht,
    nichtmal erwähnt,
    verfliegen die Gedanken an jene Taten,
    meist noch vor der Entstehung.
    Ein Hohlraum verdrängt die Erkenntnis.
    Nur das Selbstbild des Selbstlosen kann sich nähren,
    von der Gewissheit,
    die jene Taten mit sich bringen,
    welche unerkannt und ungeschätzt versinken,
    sobald sie auf fremde Schwellen treffen.
    Die Anerkennung bleibt verwehrt,
    vergraben in jenem schönen Traum,
    der im Angesicht der Realität verfault.
    Dort, wo die Gewalt regiert
    und die Dummheit wild gefeiert wird,
    bleibt das Gute
    lohnlos.



    Gedankentot

    Wenn sich alles ungehalten ändert,
    sich die Menschen distanzieren,
    nur Frust und Ärger alle Tage füllen,
    eine Neuerung die nächste jagt,
    die Gefühle ohne Grund aufflammen,
    verloren wird, was wichtig schien,
    nichts verstanden wird, was oft passiert,
    jeder neue Tag eine Überraschung birgt,
    die Zeit, in sich zu gehen, verworfen wird,
    der Alltag zur einfältigen Hetzjagd mutiert,
    kein Erfolg die eigenen Anstrengungen krönt,
    wie aus dem Nichts ein neuer Schock erscheint...
    Selten regt sich der Impuls, der schützen kann.
    Die innere Stille wird von äußerem Lärm übertönt.
    Absichtlich zugelassen.
    Es fehlt das Denken.
    Worte fallen unbedacht.
    Keine Überlegung analysiert die Reaktionen.
    Keine Vermutungen inszenieren die Zukunft.
    Jeder Schritt führt in eine Falle,
    die nur mit Gedankengängen vermieden werden kann.
    Doch das agierende Wesen unterlässt die Suche,
    tief im Inneren leicht durchführbar,
    und schreitet stetig unbedacht voran.
    Ein gedankentotes Wesen auf Abenteuersuche.
    Nur die Gefahren zeichnen seinen Weg.
    Der süße Lohn bleibt oft verwehrt.
    Zu kompliziert war der Weg zum Erfolg.
    Der Wille des Wesens ruiniert seine Wünsche,
    die in Ansätzen den Versuch unternahmen,
    in Erfüllung zu gehen.
    Aufgehalten von nicht berechneten Verläufen
    und unangenehmen Konsequenzen,
    die ausgeblendet waren.
    Bittersüße Fürchte bleiben übrig.
    Die einzige Möglichkeit für das gedankentote Wesen,
    zu genießen.
    Eingenommen von der Gier nach dem Genuss,
    begeht das Wesen den selben Fehler wie zuvor.
    Es handelt nur.
    Es denkt nicht.
    Die einst süße Frucht
    offenbart erst im Nachhinein ihre Bitterkeit.
    Wieder folgt das Zuschnappen einer Falle,
    die auf ihre Entdeckung wartete.
    Empathie und Verzicht wären die Schlüssel gewesen.
    Schlüssel, die sichere Räume geöffnet hätten.
    Das Wesen auf Abenteuersuche erkannte sie nicht.
    Es nahm sich nicht die Zeit,
    zu denken,
    um die Gefahren zu finden
    und den sicheren Weg zu entdecken,
    der süßere Früchte versprach.
    Grau und still ist der Ort,
    an dem die rettenden Gedanken rasten sollten.
    Stumpfsinnige Triebe besetzen ihre Plätze.
    Sie gebären den Drang zu sprechen und zu handeln,
    der verletzend und abstoßend das Umfeld verstört,
    von welchem sich das Wesen eine Besserung erhofft.
    So sterben die Gedanken ab,
    bei jedem Versuch, zu rasten.
    Gedankentot bleibt ihr Wirt zurück
    und versinkt erneut im Strudel seiner Probleme.



    Arrangiert konformiert

    Man hat sich damit abgefunden.
    Denken ist schwer.
    Lieber denken lassen, statt zu denken,
    so lautet die Devise.
    Nicht vorgedacht, nicht nachgedacht,
    nur mitgedacht,
    Gedanken aufgesaugt
    und ausgespuckt, falls gefragt.
    Dem Motto folgend,
    das Ziel verinnerlicht,
    die Erfüllung darin suchend,
    ein Teil vom Ganzen zu sein.
    Ein bedeutungsloses Stückchen Gruppe,
    jeden Anflug von Anerkennung gierig verschlingend,
    selbstverbiegend, um die Zielform zu erreichen.
    Man wird schon wissen, warum.
    Irgendjemand muss es wissen.
    So viele machen mit, falsch kann's dann nicht sein.
    Die Masse hat recht, denn irgendwer denkt immer.
    Mehr Handeln und weniger Fragen soll passieren.
    So lässt man sich führen,
    eingelullt vom Versprochenen,
    egal ob aus fremdem Munde
    oder nur aus eigenem Sehnen stammend.
    Fasziniert von Gerüchten und Behauptungen,
    Fassaden und Spinnereien,
    welche die Sehnsucht nach Einfachheit bedienen.
    Alles kann störend sein,
    nur Gewohnheit muss es werden.
    Positiv denken und Schlechtes verdrängen.
    Die Gruppe soll loben,
    bestenfalls bewundern, was man tut.
    Mitgedacht nach der Beobachtung der Gruppe,
    um der Ordnung untertan zu werden
    und nicht mehr zum Nachdenken gezwungen zu sein.
    Fokusiert auf Vorgaben,
    teils gehört, teils vermutet,
    praktiziert zur Erlangung positiver Reaktionen.
    Der Selbstaufgabe nahe,
    im Begriff, ein neues Ich zu bauen,
    aus Bausteinen bestehend,
    die von der Gruppe inspiriert wurden.
    Bis der Wille nur noch lautet,
    den geforderten Wille sein Eigen zu nennen.
    An die Umstände angepasst.
    Den Regeln untergeben.
    Die Positivportraits übernommen.
    Befreit von der Last, selbst denken zu müssen.
    Arrangiert konformiert.



    Tierisches Vergnügen

    Gelenkt von Instinkten und Trieben
    sind die Tiere.
    Reife führt zu Paarverhalten,
    unbehelligt,
    ein Genverbreitungsmeachnismus,
    der ohne jedes Denken auskommt.
    Die unspektakuläre Besonderheit,
    Zyklus der Einfalt.
    Wo ist der Unterschied?
    Witze werden erzählt.
    Sie merken nichts.
    Bilder werden gesucht.
    Sie merken nichts.
    Kreativ wird sich verbal entfaltet.
    Sie merken nichts.
    Filme erscheinen.
    Sie merken nichts.
    Um hohe Sympathie wird geworben.
    Sie merken nichts.
    Es wird geträumt.
    Sie merken nichts.
    Berühmheit wird angestrebt.
    Sie merken nichts.
    Unterhaltung wird wahrgenommen.
    Sie merken nichts.
    Geheimnisse entstehen.
    Sie merken nichts.
    Wünsche werden wach.
    Sie merken nichts.
    Vergleiche werden angestellt.
    Sie merken nichts.
    Vielfalt wird angepriesen.
    Sie merken nichts.
    Aufmerksamkeit wird gezielt erregt.
    Sie merken noch immer nichts.
    Aufgeklärt,
    doch sie merken nichts.
    Tierisches Vergnügen,
    die Wurzel der Gedanken.
    Körperfantasien,
    Geifernde Blicke,
    Lustexpression...
    stets der selbe Ursprung.
    Was wird von vielen Abenden erwartet?
    Was fängt sofort den Blick?
    Was gilt als besonders intensiv?
    Stes das Selbe.
    Tief verwurzelt,
    fest verhangen,
    ungebändigt ausgebrochen.
    Die Sehnsucht nach Vereinigung.
    Vom Drang überkommen,
    gewünscht machtslos,
    stetig gedankentot,
    die Handlung praktizierend.
    Egal ist die Zukunft,
    egal sind die Spuren,
    egal ist die Bindung,
    die außerhalb besteht.
    Was zählt, ist der Kick,
    sind die Reize,
    ist die Entpannung
    und die kurz gestillte Gier.
    Schon vorüber?
    Bald nochmal!
    Kein Schutz möglich?
    Losgelegt...
    Konsequenzen?
    Neuer Partner!
    Ohne Liebe?
    Ganz egal!
    Tierisches Vergnügen...
    Wer
    steht über den Tieren?

  10. #29
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Kleine Information

    Eine kleine Information für jeden, der sich aus welchem Grund auch immer in diesem Thread verirrt, sich obendrein alle meine Werke durchliest und dann auch noch wissen möchte, ob und wann wieder etwas Neues zu lesen sein wird:
    Morgen veröffentliche ich hier ein letztes Gedankentextset, das aus 7 Werken besteht. Danach ist meine Gedankentextflut offiziell vorbei und es wird sehr lange Zeit nichts mehr von mir folgen. Möglicherweise versuche ich mich irgendwann mal noch an dem einen oder anderen Gedicht, aber bis dahin wird es sicher sehr viele Monate dauern.

  11. #30
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

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    ...


    Das Wunder der Totgeburt

    Der Raum des Ursprungs war trüb.
    Erschütternde Schleier umgaben den Akt.
    Zwei empfunden farbige Wesen agierten.
    Buntes Grau traf auf buntes Grau.
    Vermischt entstand eine neue Substanz.
    Sie war zunächst unsichtbar geblieben.
    Nur ein unbewusst gefortmer Tropf.
    Nicht wahrnehmbar mit dem bloßen Auge.
    Trotzdem existent.
    Die erschütternden Schleier
    blieben nur in Teilen verhangen
    und ergänzten den Kontrast des einen Wesens.
    Sein buntes Grau wurde leicht geschwärzt,
    ein Abschnitt der grauen Materie verdunkelte sich.
    An jener Stelle, wo viele andere Flecke waren.
    Dunkle Spuren.
    Das zweite Wesen behielt seinen Farbton.
    Blind vor lauter grauen Flächen,
    noch bevor alles begann
    und bis zum Ende seiner Tage.
    Die Zeit nahm stetig ihren Lauf.
    Der einst so winzige Tropf,
    entstanden aus der grauen Mischung,
    hatte sich großflächig ausgebreitet.
    Seine Form hatte sich verändert.
    Und er war sichtbar geworden.
    Verweigerung beschlich die Atmosphäre.
    Nicht lange blieb sie versteckt.
    In aller Deutlichkeit wurde der Tropf abgelehnt.
    Die Empfehlung war seine Vernichtung.
    Die Gemeinschaft der bunten Grautöne wurde ungewiss.
    Sie sollte sich auflösen,
    sofern der ausgebreitete Tropf nicht verschwand.
    Jene Forderung blieb unerfüllt.
    Buntes Grau verfloss.
    Zusammen mit dem Wesen, das es trug.
    Das andere Wesen erhielt einen neuen Fleck.
    Noch eine dunkle Stelle im bunten Grau.
    Zurückgelassen, um die Konsequenz zu tragen.
    Herausfordernd waren die folgenden Wochen.
    Dann kam der Tag, an dem der einst kleine Tropf
    seine endgültige Form annahm.
    Der Topf war ein neues Wesen geworden.
    Dunkle Schatten schwebten über jenen Gestalten,
    die sich um die erfolgreiche Befreiung bemühten,
    zu welcher dem neuen Wesen verholfen werden musste.
    Doch der heile Erfolg wurde zerquetscht.
    Die dunklen Schatten, die über den Gestalten thronten,
    sanken auf das neue Wesen herab.
    Versuchten, das deformierte Leben aufzufressen.
    Doch der Wert des Lebens war hoch bemessen.
    Und so wurde das neue Wesen,
    das den Schatten zum Fraß dienen sollte,
    von hoffnungsvollen Händen
    aus den finsteren Klauen befreit.
    Es war eine Totgeburt,
    dessen Schicksal nicht akzeptiert werden konnte.
    Selbst als Regungslosigkeit das Ende einläutete,
    wurde weiter um das neue Wesen gekämpft,
    an welchem weitere Schatten nagten,
    um die kaputte Hülle von ihrem Elend zu befreien.
    Die zwei Gestalten aber
    sehnten das Leben des neuen Wesens herbei.
    Von Hoffnung und Angst begleitet agierend,
    erreichten sie die ersehnte Wendung.
    Der gefühlte Wert blieb erhalten.
    Vermeintlicher Erfolg ließ Freude ausbrechen,
    bescherte den zwei Gestalten Erleichterung,
    als sie mit eigenen Augen das Wunder bestaunten:
    Das neue Wesen,
    in finsteren Schatten gefangen
    und vom Hauch des Lebens verlassen,
    begann, zu atmen.



    Bildnis eines Zielobjektes

    Schwaches Fleisch,
    kraftlos lebendig vegetierend,
    gebrechlich und träge,
    kümmerlich geformt,
    untauglich zum Kampf,
    anfällig und verkrampft,
    dürr das Wachstum verpassend,
    Dominanz verweigernd...
    Eigenartiges Sein,
    nonkonform agierend,
    allseits Verwirrung stiftend,
    lächerlich laut Wertvorgabe,
    Zielobjekt des miesen Fingerzeiges,
    unabsichtlich ausreizend,
    das Gegenteil der Absicht erhaltend,
    Schauspielerei verweigernd...
    Unfreiwillig wahrgenommen,
    unbehaglich wahrnehmend,
    angsterfüllt zitternd,
    Signale unbewusst andeutend...
    schwach und eigenartig.
    Ein gefundenes Fressen.
    Knecht widerlicher Gesinungen,
    widerstandslos,
    überfallen von purer Abartigkeit.
    Wehrlos ausgeliefert, ungeschützt.
    Sinnlose Gewalt ertragend
    und durchlöchert von spitzen Zungen
    den Schandmäulern zum Fraß vorgeworfen,
    bis verwesende Organismen,
    versteckt hinter hellgrauen Hüllen
    sich vollends über ihr Opfer hermachen.
    Scheu die Distanz bevorzugend,
    von Sympathie nur träumend,
    geprägt von mittelschwerer Grausamkeit,
    versinkt es allein im persönlichen Elend,
    sucht nach einer schonenden Lösung,
    eine gefahrenfreie Alternative
    und findet nur die einsame Stille,
    die in der Ferne nach ihm ruft.
    Es wird kalt.



    Der zerfetzte Muskel

    Die artgerechte Anfälligkeit
    ließ seltene Ausnahmen passieren.
    Gewählt war der leere Pfad
    und doch erschien eine fremde Präsenz,
    die atemberaubend leuchtete.
    Funken schwebten durch die Luft,
    befielen die Sinne
    und erwärmten einen Muskel.
    Jener erzeugte einen eigenen Funkenregen.
    Vom Glanz der einzelnen Partikel
    wurde ein Trancezustand geschaffen.
    Das liebliche Schimmern der Funken
    lenkte und verblendete die folgenden Intentionen.
    Die Welt war hell geworden.
    Die hinter dem Funkenregen verborgenen Augen
    begannen, zeitweilig zu erblinden.
    Erst später kam das Augenlicht zurück.
    Der Blick wurde klarer.
    Noch immer war die Abbildung hinreißend,
    bis die Funken ein stechendes Feuer entfachten.
    Die Quelle der fremden Funken,
    von denen der Funken sprühende Muskel genährt wurde,
    ließ durch ungeahnte Eigenschaften
    das entstandene Bild zerfallen.
    Das stechende Feuer ließ die Augen tränen.
    Resigniert scheute das einst verblendete Wesen zurück.
    Alles wurde der Distanz verschrieben,
    Abstand von jenen Funken sollte die Schmerzen meiden.
    Doch der Funken sprühende Muskel
    ließ seinen Regen nicht versiegen
    und belastete den Wille mit schädlicher Sehnsucht.
    Die sanfte Wärme des Funkenregens blieb begehrt,
    auch wenn nur stechende Schmerzen am Ende warteten.
    Frustriert erduldete das Wesen den Funkenregen,
    flimmernd und blendend von einem Muskel ausgehend.
    Bald verlor das verwirrende Lichterspiel
    sein widerwillig eingeräumtes Existenzrecht.
    Zornig blickte das Wesen auf die Funken herab,
    verächtlich ihr Erlöschen erwartend,
    ohne die Kooperation des Muskels zu erleben.
    Motiviert von aufgekommener Wut,
    stach das Wesen mit scharfen Messern
    mehrere Male auf den Funken sprühenden Muskel ein.
    Die Anzahl der Funken verringerte sich.
    Der Muskel blutete.
    Die Schmerzen waren stärker denn je.
    Das Ende des Funkenregens war gekommen,
    doch die Anfälligkeit des Muskels blieb unverändert.
    Im Laufe der Zeit entfachte ein neuer Funke,
    stammend aus fremder, scheinbar heller Quelle,
    einen weiteren Funkenregen,
    der trotz tiefer Stichwunden ungehindert sprühte.
    Der Verlauf war frei von Unterschieden.
    Identisch waren Blendungen und späte Schmerzen,
    ein weiteres stechendes Feuer verletzte.
    Das erneut gebrandmarkte Wesen
    zerfetzte mit aller Kraft den Muskel,
    dessen Funkenregen zu jenem Elend geführt hatte.
    In einzelne Teile zerrissen,
    wurde der Muskel ungerührt zurückgelassen.
    Die einzelnen Stückchen wuchsen zusammen,
    doch ihre Einheit wurde nur kurz geduldet.
    Und nach jeder neuen Zerstückelung
    beschlich mehr Kälte die einzelnen Teile,
    welche sich im abgekühlten Zustand
    ein weiteres Mal zum Ganzen vereinigten.
    Ein unvermeidbarer Prozess.
    Zahlreich sind die Risswunden des Muskels.
    Demoliert ist seine Form.
    Verschwunden ist seine Wärme.
    Es wird immer kälter.



    Die Ära der schwarzen Flamme

    Seit Jahren regnete es Tränen.
    In Strömen prasselten sie auf Holz.
    Auf Feuerholz, das nicht brennen sollte
    und von Kälte eingeschlossen blieb.
    Doch durch vernichtende Hitze,
    aus unzähligen Ursprüngen kriechend
    und wild das Gefüge versengend,
    unzählige Male wiederholt,
    verdampften bald all dieTränen.
    Dürre machte sich breit,
    als glühende Hitze das Gebiet kontrollierte.
    Und auf dem einst noch
    von Tränen durchnässten Feuerholz
    wurde eine grausige schwarze Flamme entfacht.
    Der stechende Schmerz der Hitze hatte sie beschworen.
    Fremde Hitze, die von außen eingewirkt hatte.
    Jahrelang.
    Der Hunger der schwarzen Flamme war unersättlich.
    Alles sollte brennen.
    Wer nicht gewappnet war,
    wurde von der schwarzen Flamme überwältigt
    und mit hässlichen Narben im eigenen Fleisch
    unbekümmert zurückgelassen.
    Jene, die dem Feuer überlegen schienen,
    belächelten das schockierende Schauspiel,
    das den Unterlegenen nur Elend brachte.
    Schon ein unbedachter Blick reichte,
    um den Zorn der schwarzen Flamme
    auf das eigene Leib zu ziehen.
    Harmlose Gesten waren Anlass genug,
    vom finsteren Feuer verbrannt zu werden.
    Denn nur Zerstörung war das Ziel.
    Das Ziel der schwarzen Flamme.
    Unverhofft ausgebrochen und hastig wütend,
    fegte sie über alles Brennbare hinweg
    und ruinierte so manches Heil unschuldiger Körper,
    ohne sich ein einziges Mal
    in den wahren Dreck zu verirren
    und den Usprung ihrer Auferstehung zu vergelten.
    Ohne Sinn und Rechtfertigung begannen die zu brennen,
    die es weniger verdient hatten.
    Und die feuerfesten Ursprünge der stechenden Hitze,
    aus denen einst die Flamme geboren wurde,
    nährten noch immer das brennende Holz.
    Schürten die Flamme mit widerlichen Brennstoffen.
    Nur die anfälligen Opfer,
    die der schwarzen Flamme nicht entgehen konnten,
    wurden von ihrer zugelassenen Bösartigkeit
    in Mitleidenschaft gezogen.
    Sie unternahmen den Versuch, untertan zu werden,
    als Anbeter der schwarzen Flamme
    von ihrer grenzenlosen Wut verschont zu bleiben.
    Dank erschlichener Gunst,
    erhofft durch willenlose Untergebung
    und geschenkte Zuneigung
    sollte ihnen der Zorn erspart bleiben.
    Ein bizarres Schauspiel.
    Fremde Augen verharrten beobachtend.
    Das Gesehene wurde unterschwellig gefürchtet,
    als unaufhaltsam definiert.
    Nur jene Augen, aus denen es einst Tränen regnete,
    erkannten die Widersprüchlichkeit der Opferwahl
    und die Sinnlosigkeit der Verbrennungen.
    Bekümmert erkalteten sie
    und begannen, Eiskristalle zu weinen,
    deren Wasser noch vor dem Verdampfen
    der Flamme ihren Sauerstoff stahl.
    Allmälich wurde die Hitze geringer.
    Das kalte Wasser der frischen Tränen
    erlosch schon bald die schwarze Flamme.
    Nur die Brandnarben der Opfer bleiben erhalten.
    Unlöschbar ist das Grauen, an das sie erinnern.
    Und in der Hoffnung,
    nie wieder die schwarze Flamme brennen zu sehen,
    wurde das Feuerholz, auf dem sie erwachte,
    unter kaltem Eis begraben,
    gefroren, um nicht nochmal aufzuflammen.
    So blieb und bleibt es liegen,
    verschollen unter robuster Masse.
    Es wird immer kälter.



    Finsterträume

    Aus verborgenen Winkeln
    kriechen sie unverschämt hervor.
    Finsterträume.
    Gewachsen im finsteren Abgrund des Gehassten,
    das sein Anrecht auf Existenz beklagt.
    Es expandiert in den Geist,
    angetrieben von undefinierbaren Reizen,
    die willkürlich durch die Lüfte gleiten.
    In seiner Ausbreitung unterstützt
    wird es von seinen Knechten,
    die es im Schatten des Willens gebar.
    Aufdringlich und unerschütterlich
    verseuchen sie das Konstrukt,
    dessen Funktionsweise ihnen keinen Platz anbietet.
    Sie fressen die Träger des Wissens,
    um sich in ihrem Wohnraum einzunisten.
    Ihr Fraß alarmiert,
    denn er wird zeitig spürbar.
    Und so verdrängt der starke Intellekt
    die alternden Finsterträume aus ihren Nischen.
    Sie werden zurück in den Abgrund gejagt.
    Übersehen wurde ihre Brut.
    Neue Finsterträume erwachen,
    verkleidet mit hübschen Gewändern,
    dem geistigen Auge wohlgefällig.
    Nur die Skepsis enttarnt sie.
    Ein kritischer Blick durchdringt die Illusion,
    verscheucht die Finsterträume abermals.
    Zurück bleibt die Erinnerung an süße Lügen.
    Rückstände der Finsterträume,
    die schon bald als neue Angriffspunkte dienen.
    Finsterträume sterben nicht.
    Ihr Nährboden heilt all ihre Wunden.
    Finsterträume beschleichen die Sinne,
    schmeicheln und streicheln verführerisch.
    Manipulierende Bilder erniedrigen den Widerstand,
    verstärken ihre Macht.
    Bewusst finster und gefährlich,
    gleichzeitig akzeptiert vom nachgiebigen Wirt,
    umgarnen sie die rege Fantasie,
    bis der nahezu verzweifelte Verstand erscheint,
    um sie ein weiteres Mal zu verjagen.
    Finsterträume beharren,
    verfolgen und bedrängen ohne Unterlass.
    Unersättlich verschlingen sie die Kraft,
    die zum Widerstand gegen ihre Schatten taugte.
    Stück für Stück mehren sie sich weiter,
    schleichen still durch alle Tage.
    Hinreißend schimmert ihr Antlitz,
    entführt in fremde Welten,
    erheitert mit wirklichkeitsfremden Gespinsten.
    Gefangen im trügerisch schönen Moment,
    fasziniert von verhängnisvollem Schein,
    vergisst der Wirt der Finsterträume
    seine Verteidigung.
    Doch irgendwann werden sie erkannt,
    die Finsterträume,
    die manipulieren und verzerren.
    Verzweifelt werden sie erneut zerschlagen.
    Nicht allein der Kampf reicht aus.
    Die Umstände schreien nach neuer Methode.
    Denn Finsterträume hassen Kälte.
    So gleitet durch das von ihnen verseuchte Konstrukt
    ein eiskalter Hauch,
    um zu reinigen
    und zu herrschen über ihre Macht.
    Es wird immer kälter.



    Kalter Überrest

    In finsterer Stille verborgen
    liegen die Überreste des Alten begraben.
    Tiefgefroren,
    bis zur Unkenntlichkeit zersetzt,
    zugeschüttet von glänzenden Eiskristallen,
    die aus bitteren Tränen entstanden.
    Eisig weht ein erbarmungsloser Wind,
    heraufbeschworen vor langer Zeit,
    in welchem jeder noch so warme Funke erstarrt.
    Nur die Kälte hat Bestand.
    Der Temperaturverlust mehrt sich.
    Durch jede Ader fließt nur noch kaltes Blut.
    Die Minusgrade werden stärker.
    Eine dicke Eisschicht begräbt alles Leben,
    das einst durch diese Stille schlich.
    Schmerzend fraßen sich die Eiskristalle hinein.
    Erst, als auch das letzte Zittern der Kälte erlag,
    weil jede Wärme in einen eisigen Hauch verwandelt wurde,
    schien der Schmerz langsam nachzulassen.
    Einige unter der Eisschicht begrabenen Reste
    haben schon längst an Bedeutung verloren.
    Ansehnliche Bilder alternativer Zukunft
    wurden zu spröden Teilchen verformt,
    um im scheinbar ewigen Eis zu ersticken.
    Jeder Versuch, die Kälte zu schmelzen,
    endet in Vereinigung.
    Beißend gefriert der Wind jeden fremden Hauch,
    welcher der Stille neues Leben verleihen soll.
    Bald liegen noch mehr Kristalle auf der Eisschicht.
    Alles wurde von der Kälte betäubt.
    Keine Reize entspringen dem Eis.
    Auch von außen stammende Reize
    prallen unbeachtet an jenen Überresten ab,
    die, unter der dicken Eissicht begraben,
    auf die Vollendung ihrer Erfrierung warten.
    Die Kälte beansprucht das Umfeld gänzlich für sich.
    Die Stille ist gespenstisch.
    Jede Regung wird vom aggressiven Eis befallen
    und von tiefkaltem Wind ihrer Energie beraubt.
    Ein dunkler Schleier umgibt die Szene,
    deren Tiefe von außen nie erkennbar sein wird.
    Aufkommendes Licht wird vom Schwarz verschluckt,
    um davon abgehalten zu werden,
    einen Platz unter der dicken Eisschicht einzunehmen.
    Kein Ton entspringt dem stillen Eis.
    Keine Geste verlässt die starre Ruhe.
    Nur finsterer Schnee schwebt durch die Luft,
    lautlos,
    auf ewigem Wachposten,
    um Fremdlinge zu vertilgen
    und so die eisige Kälte zu schützen.
    Was einst in diese Stille drang,
    als Einzelteil den Ort verändernd,
    ist längst mit allem Eis verschmolzen.
    Eins geworden mit dem leblosen Klotz.
    Das Resultat aus Erlebnis und Notwendigkeit.
    Ein kalter Überrest theoretischen Lebens.



    Die Wartezeit

    Die Zeit vergeht.
    Unansehnliche Spuren beflecken die ertragene Strecke.
    Das Laufen ist ein erzwungener Akt.
    Verirrt in einem Musem,
    in dem die Bilder den Betrachter anstarren
    und entwenden.
    Am Rand der vorgesehenen Durststrecke,
    bestehend aus abgestorbenen Blüten,
    bietet nur schmutziges Wasser eine Erfrischung.
    Verhängnisvoll wäre der Genuss.
    Die versteckten Gifte scheinbar harmloser Teiche
    drohen flüsternd mit Infizierung.
    Nur ein konzentriertes Lauschen offenbart die Gefahr.
    Die gesamte Gegend ist verschmutzt.
    Abstoßend strahlt der Weg in würdeloser Pracht.
    Auch das Museum fördert Unbehagen,
    lässt den Wunsch nach Distanz entstehen.
    Doch ein Ausbruch gleicht starker Überwindung,
    ein zeitlich begrenzt erfolgreicher Kraftakt.
    Stechend fallen leere Blicke auf den Besucher,
    ausgehend von den hässlichen Figuren der Gemälde.
    In trüber Sinnlosigkeit
    scheint die Szene immer weiter zu zerfallen.
    Es ist kalt geworden.
    Kontinuierlich gewinnt die Kälte an Dominanz.
    Die Sonne leuchtet grau.
    Nur selten wird ihre Strahlung wahrnehmbar.
    Die Nächte verlieren ihre Geltung.
    Unersättlich wird ihre Dunkelheit aufgesaugt.
    Finstere Schatten sind der letzte Wunsch,
    den die Nacht in ihrem schwarzen Kleid zu verstecken scheint.
    Die mühsam bestrittene Durstrecke
    hat längst jeden empfundenen Wert verloren.
    Die Zeit des Wartens auf den Augenblick,
    in dem endgültige Befreiung geschieht,
    dauert an.
    Eine sinnlose Phase,
    gefühlte Ewigkeit und trostlose Fluchtroute.
    Zwischen zermürbendem Schall,
    brüchigen Wendekreisen
    und vertrockneten Sprösslingen
    fliegt ein unsichtbarer Vogel umher.
    Er singt stets das selbe Lied.
    Das fragende Klagelied,
    erzählend von der letzten Sehnsucht,
    das den Zeitpunkt hinterfragt
    und das gar endlose Warten bejammert.
    Ein für fremde Ohren inakzeptables Gesangstück.
    Regelmäßig wiederholt sich die Melodie
    und der kalte Überrest theoretischen Lebens
    fleht leise und wehleidig um die mächtigen Schatten,
    die, getrieben von ihrer üblichen Gefräßigkeit,
    diesmal ungehalten alles verzehren sollen.

  12. #31
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    Das letzte Puzzleteil

    Soooo ... nach fast einem Jahr Funkstille ergänze ich meine Sammlung mit einem abschließenden Gedicht. Danach ist hier Feierabend - es werden keine weiteren lyrischen Texte von mir folgen. Ich hatte mir noch überlegt, zwei Gedankentexte zu schreiben, wobei einer den Titel "Erwachsen sein" hätte und das von unerträglicher Doppelmoral zeugende Negativ-Vorbild eines durchschnittlichen erwachsenen Menschen, wie man ihn leicht in unserer Gesellschaft findet, behandeln würde. Der andere hätte den Titel "Kein Außenseiter" und würde sich damit beschäftigen, wie viele Menschen sich fraglichen Kreisen anschließen und sich selbst aufgeben/verleugnen, nur um nicht allein zu sein, was oft schon im Kindesalter losgeht.
    Aber diese Gedanken sind schon in anderen Werken von mir teilweise mit eingearbeitet. Und auch sonst habe ich alles verarbeitet, was in meinem Kopf herumschwirrt, deshalb stellt dieses Gedicht das Ende dar.



    Der Gewinn des Verlorenen

    Wenn das Unausweichliche geschieht,
    der Geist sich seinem Fleisch entzieht,
    wird wohl in kleinen Kreisen
    irgendwer darauf verweisen,
    was nun in der Zukunft fehlt,
    und wie sehr das Wissen quält,
    nicht mehr zu hören seine Worte,
    von einer ganz besonderen Sorte,
    nicht mehr zu sehen seine Gestalt
    und seinen unscheinbaren Aufenthalt.

    Unter Tränen versucht sich zu trennen,
    wer meinte, ihn recht gut zu kennen
    und ihn liebgewann dank Eigenschaften,
    die noch immer in Gedanken haften.
    Zu gern würde ihm alles gönnen,
    was noch hätte kommen können,
    wer als Verschwendung definiert
    was am Ende war passiert.
    Am Ende einer monotonen Reise
    und einer ungewohnten Lebensweise.

    Doch wer betrauert den Verlust,
    hat offensichtlich nicht gewusst,
    was er sah und was er kannte
    und wie er all jenes nannte.
    Wie er erfolglos viel versuchte
    und häufig über alle fluchte.
    Der Austritt war ihm sicher recht,
    er fand zu vieles einfach schlecht.
    Es ist nichts Trauriges dabei,
    denn der verloren ging, ist endlich frei.

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