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  1. #1
    HardAndSoft HardAndSoft ist gerade online

    Beitrag Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    Gustl Mollath sitzt seit 2006 in der geschlossenen Psychiatrie.

    Wie kam es dazu?

    Der 1956 geborene Bayer Mollath gründete Mitte der 1980er Jahre eine auf Oldtimer spezialisierte Autowerkstatt. In 1991 heiratete er seine Frau, die Vermögensberaterin Petra, die ihn 2001 wegen Körperverletzung anzeigte. Vorangegangen waren Anschuldigungen Mollaths gegen seine Frau und deren Kollegen: Diese hätten für die Hypovereinsbank im großen Stil Schwarzgeld gewaschen. In 2003 hat er dann offiziell seine Frau angezeigt. Die zeigte ihn daraufhin 2005 im Gegenzug wegen Sachbeschädigung (Zerstechen von Autoreifen) an.

    Mollath war im Strafverfahren kein allzu kooperativer Angeklagter. Termine zur Begutachtung seiner Psyche ließ er verstreichen, so dass das Gericht ihn zwangsweise einweisen und begutachten lassen musste.

    In 2006 erging dann im Namen des Volkes das Urteil. Mollath wurde wegen mangelnder Schuldfähigkeit freigesprochen, aber gleichzeitig wegen seiner "Wahnvorstellungen" und als bewiesen geltenden Körperverletzung und Sachbeschädigung als gemeingefährlich eingestuft und in die geschlossene Anstalt verbracht.

    In 2011 griff erstmals die Presse den Fall auf. Zunächst stellte sich heraus, dass Mollath die Wahrheit über die Schwarzgeldwäsche gesagt hatte. Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank belegte das zweifelsfrei. Eine Weile später stellte sich dann heraus, dass eines der Hauptbelastungsgutachten unter zweifelhaften Umständen zustande gekommen war: Das Gutachten über die angeblichen körperlichen Verletzungen der Ehefrau wurde nicht von der unterschreibenden Ärztin, sondern von deren Sohn erstellt und mit möglicherweise falscher Unterschrift dem Gericht übergeben. Darüber hinaus wurde bekannt, dass der damalige vorsitzende Richter eigenhändig die Finanzbehörde gebeten hatte, die Anzeige Mollaths wegen Schwarzgeldwäsche gegen die Hypovereinsbank nicht weiter zu verfolgen und somit ein starker Verdacht der Befangenheit gegeben war.

    Bayerns Justizministerin Merk vertrat von 2011 bis 2013 bei immer dürftigerer Beweislage hartnäckig die Auffassung, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei, und sperrte sich öffentlich gegen eine Neuaufnahme des Verfahrens. Erst der anhaltende Druck von Presse und Öffentlichkeit bewirkte ein Umdenken, so dass schließlich Verteidigung und Staatsanwaltschaft eine Neuaufnahme beantragten.

    Über die Neuaufnahme hatte in dieser Woche dasselbe Gericht zu entscheiden, das den ursprünglichen Prozess geführt hat: Das Landgericht Regensburg.
    Das hat nun - zur Überraschung vieler Juristen - die Wiederaufnahmeanträge als unzulässig abgewiesen. Jetzt bleibt Mollath nur noch der Weg zum Bundesverfassungsgericht.

    Wie steht Ihr zu dem Geschehen? Wird in Deutschland zu schnell eingewiesen? Ist die Psychiatrie mittlerweile ein Vehikel, unliebsame Personen aus dem Weg zu räumen?

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    Beitrag Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

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  3. #2
    Pinzo Pinzo ist offline
    Avatar von Pinzo

    AW: Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    Nun ich hoffe, dass sich das ja eher um einen Einzelfall handelt, denn um eine gängige Maßnahme.
    Fakt ist aber, dass eigentlich relativ leicht ist, jemanden für verrückt zu erklären. Denn wer glaubt schon einem Verrückten, der sagt: "Ich bin nicht verrückt!"?

    Ich bin schockiert. Bin ich das? Ich bin nicht überrascht, wenn jemand fälschlicherweise in die Anstalt kommt, das ist einfach zu bewerkstelligen. Alles was man dazu braucht ist ein bestechlicher Arzt und ein wohlwollender Richter. Oder eine Zwangseinweisung nachts um 3 Uhr. Körperverletzung eignet sich da großartig, vor allem als Frau, der man ja auch glauben mag, dass ihr Mann sie schlägt. Kommt ja oft genug vor.

    Wenn er unschuldig einsitzt, tut es mir leid für ihn. Wenn das raus kommt werden eben wieder einige den Hut nehmen, weil das ja so klasse funktioniert, um den Pöbel zu besänftigen und die nächsten kommen, die da weiter machen, wo aufgehört wurde. Ändern wird sich eh nichts. Das ist in der landes- und in der bundesweiten Politik so.

    Amen

  4. #3
    Topas Topas ist offline

    AW: Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    der Gustl soll froh sein, dass er gut behütet wird. Bei den USAmern erleiden solche "gefährlichen" Leute gewöhnlich tödliche Unfälle oder sie werden von eine "Sidewinder" zerfetzt

  5. #4
    Jacky89 Jacky89 ist offline
    Avatar von Jacky89

    AW: Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    Zitat HardAndSoft Beitrag anzeigen
    Ist die Psychiatrie mittlerweile ein Vehikel, unliebsame Personen aus dem Weg zu räumen?
    Naja, was heißt denn "mittlerweile"? Ich glaube, diese Taktik wurde auch zu früheren Zeiten schon angewendet. Natürlich nur in Einzelfällen. Besonders, da sich seine Aussagen als wahr heraus stellten, ist es (wenn man deinen Beitrag liest) völlig unlogisch, dass ihm immernoch Wahnvorstellungen zugesprochen werden. Aber ich kenne den Typ ja nicht persönlich.

    Eigentlich beweist ein Fall wie dieser nur, dass man über dem Gesetz steht, wenn man entsprechende Kontakte hat. Das ist aber nichts Neues. Und ebenso ist es nicht neu, dass die Menschen in entsprechenden Positionen das natürlich skrupellos für sich ausnutzen. Sowas kommt in jedem System vor...

  6. #5
    HardAndSoft HardAndSoft ist gerade online

    AW: Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    Manchmal geht es schneller, als man denkt.

    Nachdem das Landgericht Regensburg noch vor einer Woche die Wiederaufnahme des Verfahrens rüde abgewiesen hat, hat das Oberlandesgericht Nürnberg heute die Wiederaufnahme und sofortige Freilassung (!) Mollaths angeordnet.

    Gustl Mollath ist (vorerst) ein freier Mann.

    Das Landgericht Regensburg ist nun gezwungen worden, das Verfahren neu aufzurollen - und zwar ein anderer Senat; sprich ein eigentlich unzuständiger Richter. Deutlicher konnte das OLG kaum zeigen, was es vom Landgericht haelt. Unterm Strich verbleibt ein kleines Plus an Vertrauen in den Rechtsstaat - aber nur ein winzig kleines.

    P.S.: Wie ebenfalls diese Woche berichtet wurde, steht die Doktorarbeit des damaligen Hauptgutachters im Mollath-Prozess auf der Probe. Die Plagiatsjaeger haben wohl schon viele interessante Stellen gefunden.

  7. #6
    PsychoGamer PsychoGamer ist offline
    Avatar von PsychoGamer

    AW: Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    Zitat Topas Beitrag anzeigen
    von eine "Sidewinder" zerfetzt
    AIM-9 Sidewinder – Wikipedia

    ist eine wärmesuchende Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffe

  8. #7
    OmegaPirat OmegaPirat ist offline

    AW: Der Fall Mollath oder: Wer ist denn hier der Verrückte?

    Ja man kann in diesem Land zu schnell in die Psychiatrie eingewiesen werden.
    Ich halte auch Teile der diagnostischen und therapeutischen Psychologie sowie der medizinischen Neurologie für Pseudowissenschaft. Es gibt keine objektiv überprüfbare Kriterien für psychische Erkrankungen.
    Immer wieder gibt es Modediagnosen, so bekommen immer mehr unbequeme Kinder ADHS diagnostiziert und werden mit Ritalin ruhig gestellt, auch wenn es eigentlich gar nicht angebracht ist. Die Verschreibung von Psychopharmaka ist ein reiner Versuch und Irrtum, da man die Mechanismen der Erkrankungen eigentlich nicht verstanden hat und deshalb blind rumstochert. Wieso bei dem einen Patienten Bupropion wirkt und bei dem anderen Patienten nicht, sondern nur (RS)-1-(3-Dimethylaminopropyl)- 1-(4-fluorphenyl)- 3H-2-benzofuran-5-carbonitril weiß niemand. Da ist die Methodik nicht weiterentwickelt als in der Schamanenmedizin in der durch Zufall in Naturzustoffen heilende Wirkungen entdeckt wurden.
    Autismustests lesen sich wie Persönlichkeitstests aus der Brigitte und sind teilweise ziemlich albern und leicht durchschaubar.


    Ne also von der Psychologie und der Psychiatrie halte ich immer weniger und ich finde es erschreckend, dass man so einfach für verrückt erklärt werden kann und man dann natürlich mit einem "Ich bin nicht verrückt" nicht mehr ernst genommen wird.

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