Ergebnis 1 bis 1 von 1
  1. #1
    Pánthéos

    Songs - Interpretationen & Analysen

    Liebes Forumla,

    ich denke jeder von uns kennt spezielle Lieder die einen lange packen, die man oft hört, über die man sich Gedanken macht, oder sie wie ich gedanklich als Film vor sich laufen hat. Es gibt auch Lieder die man nach dem 30 mal hören auf einmal ganz anders interpretiert als man es anfangs getan hat. Manchmal sind sie unglaublich emotional, manchmal sollen sie auch nur schocken, oder zum nachdenken anregen. Und um solche Lieder, bzw. deren Erklärung und Interpretation soll es in diesem Thread gehen.

    Und um das Prinzip besser zu erklären mache ich einfach den Anfang. Und zwar mit einem Titel der mich vor 1 1/2 Jahren doch tief berührt hat und noch immer beschäftigt wenn ich ihn heute höre, was ich oft tue. Ich denke der Titel wird einigen hier auch nicht ganz unbekannt sein. Als ich ihn das erste mal hörte und verstand, hatte ich Tränen in den Augen.

    Es geht um den Titel "Hero of War" von "Rise Against".

    (ich habe mich bewusst für das Video ohne wirkliches Video entschieden, weil ich mich gerade bei dem Lied mehr den Gedankenbildern widme)

    Text:
    Spoiler öffnen




    Analyse und Interpretation der einzelnen Parts:

    Part 1.
    He said "Son, have you seen the world?
    Well, what would you say if I said that you could?
    Just carry this gun and you'll even get paid."
    I said "That sounds pretty good."
    Der Song beginnt mit einer Art Intro. Man kann sich einen jungen Mann vorstellen wie er mit seinem Vater, oder einer anderen autoritären Person in einem Raum sitzt. Die ältere Mann fragt seinen "Son" ob er denn bereits die Welt gesehen hätte, quasi Abenteuer erlebt und Welten erobert hat. Direkt im Anschluss die Frage was er sagen würde das er das könnte, also die Welt sehen, er müsse nur eine Waffe tragen und würde dafür sogar bezahlt werden. Recht freudig angestachelt antwortet der junge Mann das das doch sehr gut klingt. Abenteuer erleben, mit einer "Waffe spielen", die Welt sehen und dafür auch noch bezahlt werden? Ist das nicht der Traum eines jeden jungen Mannes? Spätestens nach Spielen wie Tomb Rainer oder Uncharted.


    Part 2.
    Black leather boots
    Spit-shined so bright
    They cut off my hair but it looked alright
    We marched and we sang
    We all became friends
    As we learned how to fight
    Im zweiten Part springen wir zu dem Zeitpunkt in dem er bereits ein Berufssoldat ist oder zumindest in der Ausbildung. Er bekam schwarze Lederschuhe, sie haben ihm die Haare abgeschnitten, doch für ihn sah das garnicht so schlecht aus. Er lernte neue Menschen kennen und sie wurden Freunde beim marschieren und singen, beim lernen wie man kämpft. Es wird also eine für ihn recht angenehme Situation geschildert. Nicht alles ist toll (die geschnittenen Haare), aber sie sind durchaus in Ordnung. Zu dem bekommt er neue Freunde, scheinbar bewahrheitet sich was der ältere Mann ihm erzählt. Es ist also eine grundsätzlich angenehme Situation.

    Part 3.
    A hero of war
    Yeah that's what I'll be
    And when I come home
    They'll be damn proud of me
    I'll carry this flag
    To the grave if I must
    Because it's a flag that I love
    And a flag that I trust
    Part 3. ist der erste Refrain, welcher im Song jeweils in leicht veränderter Form auftritt. Im ersten Refrain hier hatte ich einen Mann vor Augen der gerade das Kämpfen gelernt, Freunde gefunden und sich mit seiner neuen Position angefreundet hat. Er ist jetzt ein "Hero of war", die Menschen sind stolz auf ihn wenn er nach Hause kommt. Er ist jemand besonderes geworden, denn er beschützt die Flagge in seinen Händen, bis ins Grab wenn es sein muss. Er ist schließlich ein Hero of War. Und das alles weil er diese Flagge liebt, eine Flagge der er vertraut. Eine Lobeshymne auf sich selbst quasi.

    Part 4.
    I kicked in the door
    I yelled my commands
    The children, they cried
    But I got my man
    We took him away
    A bag over his face
    From his family and his friends
    In Part 4. springen wir wieder ein gutes Stück voran. Wir finden uns plötzlich (in meinem Kopf so als Bild manifestiert) im mittleren Osten wieder, mitten im Kriegsgebiet. Mit seiner Truppe tritt der Erzähler, der junge Mann, die Tür ein und gibt seine Kommandos ans Team. Er siehts schreiende Kinder, das erste mal das er eine Art Zweifel verspürt. Wie ich finde hört man das auch direkt in der Stimmlage des Sängers. Doch sofort reißt er sich zusammen, er "got his man". Zum einen steht das "got my man" hier für das "ich riss mich zusammen", zum anderen aber auch dafür das sie ihre Zielperson bekommen haben, die Entscheidung bleibt beim Hörer. Es folgt die Erklärung darüber das sie "ihn" mitnehmen, mit einem Beutel über den Kopf. Sie nehmen ihn weg von seiner Familie und seinen Freunden. Ein weiterer Moment in dem kleine Zweifel aufkommen, ansonsten hätte er diesen Fakt nicht erwähnen müssen. Er wird sich also ein wenig unsicherer bei dem was er dort tut.

    Part 5.
    They took off his clothes
    They pissed in his hands
    I told them to stop
    But then I joined in
    We beat him with guns
    And batons not just once
    But again and again
    Einen kurzen Sprung später sind wir wohl in einer Art Verhörraum. Sie nahmen dem Gefangenen die Klamotten ab (anzumerken ist hier das es They sind, also die anderen, nicht der Protagonist!) und sie pissten ihm in die Hände (die abwertende Formulierung ist wichtig), was den Protagonisten stört und deshalb sagt er ihnen sie sollen aufhören. Wieder kommt der Selbstzweifel, was tut er hier? Warum tut er das? Man hört diese nicht ausgesprochenen Worte förmlich in der Stimme des Sängers. Doch dann macht er mit, er tritt der Gruppe bei. Daraufhin schlugen sie den Mann mit Waffen und Schlagstöcken, nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder.

    Part 6.
    A hero of war
    Yeah that's what I'll be
    And when I come home
    They'll be damn proud of me
    I'll carry this flag
    To the grave if I must
    Because it's a flag that I love
    And a flag that I trust
    Es folgt daraufhin Part 6., welcher den zweiten Refrain darstellt. Der Text ist nahezu gleichgeblieben, die Betonung hat sich aber doch verändert. Eher unterschwellig wird diesmal eine andere Message getragen. Hier ist nicht mehr im Vordergrund das alle so stolz auf ihn sind oder das er sich selbst als großen Helden wahr nimmt. Viel mehr wirkt es so als müsste sich der junge Soldat all dies in diesem Moment einreden. Er muss sich selbst bestätigen das er ein Held ist und das das was er tut dort richtig und wichtig ist. Das er dies tun müsse für sein Land, für seine Flagge und das er dies tun müsse, notfalls bis ins Grab. Schließlich ist er ein "Hero of war".

    Part 7.
    She walked through bullets and haze
    I asked her to stop
    I begged her to stay
    But she pressed on
    So I lifted my gun
    And I fired away
    Noch immer im Kriegsgebiet ist der junge Soldat wieder im Einsatz. Im Sandwind läuft "Sie" durch Kugeln und Staub, scheinbar auf die Soldaten zu. Der Protagonist bittet sie zunächst zu stoppen, kurz darauf fleht er sie an sie solle stehen bleiben. Ich finde man hört bereits ein wenig Verzweiflung in seiner Stimme. Sie solle doch bitte stehen bleiben, schließlich muss er sonst von einer Gefahr ausgehen. Aber sie ging voran, sie stoppte nicht und so erhob der junge Soldat seine Waffe, er musste schließlich und er begann zu schießen. Er musste seine Befehle befolgen.


    Part 8.
    And the shells jumped through the smoke
    And into the sand
    That the blood now had soaked
    She collapsed with a flag in her hand
    A flag white as snow
    Part 8. ist die direkt Fortführung von Part 7.
    Nach seinen Schüssen springen die Patronenhülsen durch die Luft, durch den entstandenen Rauch. Sie fallen in den Sand, den Sand der nun durchtränkt ist von Blut. Denn Frau brach zusammen im Sand, mit einer Flagge in der Hand, einer Flagge weiß wie Schnee. Er brachte eine Frau um, welche das Symbol des Friedens trug. Sie wollte nicht kämpfen, sie wollte niemandem Schaden und dennoch musste er sie erschießen. Es ist sehr gut zu hören wie verzweifelt er in dem Moment ist. Und in meinem Kopf hat er bereits Tränen als er davon erzählt. Und so geht es direkt in den inneren Konflikt...

    Part 9.
    A hero of war
    Is that what they see
    Just medals and scars
    So damn proud of me
    And I brought home that flag
    Now it gathers dust
    But it's a flag that I love
    It's the only flag I trust
    ... welcher in Part 9. thematisiert wird. Es ist der dritte Refrain, wieder leicht verändert. Diesmal ist es aber keine Lobpreisung oder Selbstbestätigung. Es ist ein Konflikt. Er ist ein "Hero of War", ist es das was die anderen sehen? Nur die Medaillen und Narben, so unglaublich stolz auf ihn? Ist das alles was er ist, alles was für die Menschen zählt? Nicht die Menschen die er gequält und getötet hat? Hat das keinen Einfluss auf ihn, oder auf den den sie vor sich sehen? Ich finde man hört die Verzweiflung und die Tränen heraus. Er schreit diese Fragen förmlich heraus und findet keine Antworten.
    Und so brachte er die Flagge nach Hause, die Flagge die voller Sand ist. Aber es ist die Flagge die er liebt, die einzige Flagge der er traut.
    Es wird nicht ausformuliert, aber ich bin mir sicher das es die weiße Flagge der Frau ist. Er traut nurnoch dieser Flagge, denn er kann kein Hero of War sein, kann keine unschuldigen töten für einen Staat. Natürlich ist dies ein Punkt der auch anders interpretiert werden kann.

    Part 10
    He said, "Son, have you seen the world?
    Well what would you say, if I said that you could?"
    Part 10. ist nun lediglich eine Wiederholung der ersten beiden Zeilen, hat nun aber komplett seine Bedeutung geändert. Es ist lediglich die Frage ob er die Welt bereits gesehen hat und was der junge Mann, der ehemalige junge Soldat, dazu sagen würde wenn er die Welt nun gesehen haben könnte.
    Es geht also nicht mehr darum das er die Welt sehen kann, sondern das er die Welt wie sie existiert nun gesehen hat. "Was würdest du sagen wenn du die Welt sehen konntest?", so würde ich es übersetzen. Es ist keine Welt aus Abenteuern, aus Spaß und Erkunden. Die Welt ist grausam, Krieg ist grausam und diese Waffe die er trug, sie war kein Spielzeug.



    Ich finde gerade durch den letzten Part hat dieses Lied an unglaublicher Tiefe gewonnen. "if i said that you could"?, hat mich damals einfach umgehauen. Wie seht ihr das?

    Ich hoffe euch hat das ganze hier gefallen, wenn ja, dann sagt mir das, oder diskutiert mit mir über diesen Song, oder macht gar das selbe hier mit weiteren Songs! Dann werde ich das auch gerne mit weiteren Songs die mir wichtig sind fortführen.

    Danke für die Aufmerksamkeit,
    euer Panthers

  2. Anzeige

    Songs - Interpretationen & Analysen

    Schau dir mal diesen Bereich an. Dort ist für jeden was dabei!
    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren