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  1. #1
    Max @ home Max @ home ist offline
    Avatar von Max @ home

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Ihr habt es sicherlich hier, aber bestimmt auch andernorts mitbekommen: Anonymous hat einige Accounts von Attila Hildmann übernommen und möchte deren Inhalte in den nächsten Tagen zum Zwecke von Auswertungen veröffentlichen. Der Twitter-Account von Anonymous Germany (@AnonNewsDE) wurde daraufhin gesperrt. Was bei der Nutzerschaft der Plattform teils für Aufruhr sorgt. Sinngemäß: Wie kann man Kanäle von rechten Hetzern monatelang laufenlassen, während man die Ritter des Rechts sperrt?


    Wie seht Ihr das?
    Seht Ihr in solchen Dingen eine moralische Rechtfertigung in einer illegalen Handlung, wenn sie womöglich zum Guten führt?





    Quellen:
    ZDF.de - https://www.zdf.de/nachrichten/panor...nline-100.html
    Twitter.com | Anonymous-Kanal - https://twitter.com/AnonNewsDE
    Twitter.com | #anonymous - https://twitter.com/search?q=anonymo...ed_query&f=top

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    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

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  3. #2
    HardAndSoft HardAndSoft ist offline

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Zitat Max @ home Beitrag anzeigen
    Wie seht Ihr das?
    Seht Ihr in solchen Dingen eine moralische Rechtfertigung in einer illegalen Handlung, wenn sie womöglich zum Guten führt?
    In einem funktionierenden Rechtsstaat darf es keine Selbstjustiz geben. Der Staat wurde seitens der Bürger beauftragt, Recht und Gerechtigkeit auszuüben. Der kann das auch besser, denn der Staat hat (theoretisch) keine Rachegedanken und kann daher objektiv bleiben.

    Die Frage, die sich als nächste stellt, wäre: Funktioniert unser Rechtsstaat noch? Wird beispielsweise nur noch einseitig zu Gunsten Rechter Hetzer entschieden? Und damit meine ich keinen Einzelfall wie Hildmann, sondern das Große und Ganze. Um das zu beurteilen, fehlt mir momentan der Überblick. Da müsste man wohl erst Mal Statistiken wälzen.

    Gefühlt mag mancher schon den Rechtsstaat für am Ende halten, wenn beispielsweise Plakate mit "Hängt die GRÜNEN" von der zuständigen Staatsanwaltschaft als unkritisch gesehen werden, aber gleichzeitig bei einem Tweet "Du bis so 1 Pimmel" eine Hausdurchsuchung ansteht. Wieviele solcher Einzelfälle verträgt der Rechtsstaat? Im Fall der Wahlplakate hat immerhin die zuständige Oberstaatsanwaltschaft jetzt verfügt, dass die genannten Plakate staatsanwaltlich geprüft werden sollen. Das deutet auf gewisse Selbstheilungskräfte des Rechtsstaates hin.

    Mein Fazit: Innerlich grinse ich, wenn ich über den Fall Hildmann lese, weil meine Sympathien eindeutig bei Anonymous liegen. Als Staatsbürger bin ich aber gegen so ein Vorgehen, denn ich glaube, unser Rechtsstaat funktioniert zum jetzigen Zeitpunkt.

    Nachtrag: Das Verwaltungsgericht Chemnitz hat entschieden: Die "hängt die GRÜNEN"-Plakate sollen nicht in der Nähe von Plakaten der GRÜNEN hängen, ansonsten ist alles OK. Solche Urteile untergraben das Vertrauen in den Rechtsstaat.

  4. #3
    Cao Cao Cao Cao ist offline
    Avatar von Cao Cao

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Einerseits verdient, andererseits nicht richtig. Richtig wäre jetzt zu versuchen die Leute hinter Anonymos ausfindig zu machen und sie für ihr handeln auch zu bestrafen. Kriminelle Handlungen, unabhängig wie gut sie gemeint sind, bleiben dennoch kriminell.

  5. #4
    vieraeugigerZyklop vieraeugigerZyklop ist offline
    Avatar von vieraeugigerZyklop

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Objektiv betrachtet ist es natürlich falsch. Hildmann oder Andere, egal ob rechts oder links, müssen vom Rechtsstaat verurteilt werden. Zur Rechenschafft gezogen.

    Subjektiv gebe ich zu, dass meine Sympathien bei Anonymous hier liegen da Karma nun mal eine Bitch ist.

  6. #5
    Max @ home Max @ home ist offline
    Avatar von Max @ home

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Ich möchte kurz anmerken, dass das Thema sehr gerne auch allgemeiner diskutiert werden darf. Der Fall Hildmann/Anonymous war nur ein aktueller Anlass, der timingmäßig gut für die Erstellung einer entsprechenden Diskussionsmöglichkeit gepasst hat.

  7. #6
    Jonny Knox Jonny Knox ist offline
    Avatar von Jonny Knox

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Würde es sich bei Hildmann um VW und bei Anonymous/dem IT-Admin um einen Mitarbeiter handeln, der Absprachen bezüglich Betrug bei Abgasmeasungen weitergegeben hat, würde man von "Whistleblowing" sprechen. Hier wurde ein erkennbar durch einen selbsternannten "Ultra-Rechten" betriebene Kanäle, in denen vermutlich haufenweise strafbare Handlungen durch Hildmann und/oder seine Fans begangen wurden, aufgedeckt und lahmgelegt. So etwas kann nur im Interesse der Allgemeinheit sein, wenn sich dort nicht krude Fantasien hochsteigen , bis wieder irgendj Mand die ihnen anderen Politiker abknallt. Wohlgemerkt hat Hildmann selbst von tötlichen Bestrafungen von Politikern fantasiert. Ich weiß gar nicht, warum man erst abwarten muss, wie viele Idioten und. Spinner der Kerl noch radikalisiert.

    Es ist ja auch keine Selbstjustiz, was bisher passiert ist. Der offenbar rechtmäßige Eigentümer hat seine Zugangsdaten einer dritten Partei zur Verfügung gestellt, welche dann mit seiner Zustimmung Kanäle und Domains abgeschaltet bzw. umgeleitet hat. Keine Ahnung, ob das echt schon Cyberkriminalität ist.

    Zu unterschieden ist das allerdings definitiv von "echten" Hacks, bei denen sich Dritte Zugang ohne Einverständnis des Inhabers beschaffen.

  8. #7
    vieraeugigerZyklop vieraeugigerZyklop ist offline
    Avatar von vieraeugigerZyklop

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Da kommt mir spontan der Gedanke: Würde man in dem Zusammenhang Snowden als Straftäter sehen? Also wir? Das er per se wohl einer ist, dass ist was anderes. Im Prinzip nimmt Anonymous hier die Rolle Snowdens ein. Nur nicht innder Größenordnung mit der Konsequenz ins Ausland zu fliehen. Aber vllt wird es mit dem Vergleich etwas klarer.

  9. #8
    Der Schmied von Kochel Der Schmied von Kochel ist offline
    Avatar von Der Schmied von Kochel

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Cyberkriminalität ist doch nur die konsequente Fortsetzung von Guerilla Aktivitäten in der Moderne, da denke ich bspw. an Greenpeace gegen die Brentspar von Shell oder die Besetzung von Häusern oder der zivile Ungehorsam beim Castor Transport. Auch hier heiligte der Zweck die Mittel.

    Genauer gesagt würde ich mir sogar noch mehr solcher Aktionen wünschen. Bspw. die Offenlegung von Nutzern in KiPo Foren im Darknet, hier gab es ja schon ein paar Fälle, in denen Namen veröffentlicht worden sind oder sie an die Behörden weitergeleitet wurden. Prinzipiell würde ich es immer begrüßen, wenn es zur Verhinderung einer kapitalen Straftat dient. Quasi eine kleine Sünde um die Große zu verhindern. Klar macht das Anonymous auf irgendeine Art zum Laien Richter, jedoch ist der Aktionismus durch die Absichten positiv geprägt. Wenn ich mir anschaue, dass offizielle Behörden Wohnungen stürmen weil man jemand online als Pimmel bezeichent, kann ich schon verstehen das Organisationen mit den entsprechenden Mitteln davon enttäuscht sind und selber handeln. Anonymous ist als solches ja auch keine Einzelperson sondern ein Kollektiv. Zu guter Letzt begeben sich die Aktivisten durch solche Dinge auch selbst in Gefahr, so wie man das durch Zivilcourage eben tut.

  10. #9
    HardAndSoft HardAndSoft ist offline

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Zitat Der Schmied von Kochel Beitrag anzeigen
    Genauer gesagt würde ich mir sogar noch mehr solcher Aktionen wünschen. Bspw. die Offenlegung von Nutzern in KiPo Foren im Darknet, hier gab es ja schon ein paar Fälle, in denen Namen veröffentlicht worden sind oder sie an die Behörden weitergeleitet wurden. Prinzipiell würde ich es immer begrüßen, wenn es zur Verhinderung einer kapitalen Straftat dient. Quasi eine kleine Sünde um die Große zu verhindern.
    Das wäre dann aber Selbstjustiz durch einen selbsternannten "Aufklärer", der das ganze dann ans Licht bringt damit andere noch mehr Selbstjustiz veranstalten. Und es gibt immer irgendwo einen Mob, der bei vermeintlich schuldigen Personen Gewalt anwendet.

    Mich gruselt es vor so einer Gesellschaft, in der Leute ohne jedes Verfahren und ohne gerichtsfeste Beweise, nur aufgrund eines ersten Anscheins, an den Pranger gestellt werden. Zumal sich Leute bei geplanten Vergehen nicht unbedingt mit echtem Namen und Adresse irgendwo anmelden. Das ist Justiz wie im Wilden Westen: "Da, ein Pferdedieb! Knüpft ihn auf!"

  11. #10
    Der Schmied von Kochel Der Schmied von Kochel ist offline
    Avatar von Der Schmied von Kochel

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Zitat HardAndSoft Beitrag anzeigen
    Das wäre dann aber Selbstjustiz durch einen selbsternannten "Aufklärer", der das ganze dann ans Licht bringt damit andere noch mehr Selbstjustiz veranstalten. Und es gibt immer irgendwo einen Mob, der bei vermeintlich schuldigen Personen Gewalt anwendet.
    Wir reden von zwei verschiedenen Sachen. Eine Weitergabe von vertraulichen Daten an Behörden zur Prüfung ist etwas anderes als ein Lynchmob in die Spur zu setzen.

  12. #11
    HardAndSoft HardAndSoft ist offline

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Zitat Der Schmied von Kochel Beitrag anzeigen
    Wir reden von zwei verschiedenen Sachen. Eine Weitergabe von vertraulichen Daten an Behörden zur Prüfung ist etwas anderes als ein Lynchmob in die Spur zu setzen.
    Danke für die Klarstellung. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen; das nennt man auch "Anzeige erstatten" .
    Du sprachst im vorigen Beitrag aber von "veröffentlichen oder den Behörden übergeben". Eine ungeprüfte Veröffentlichung halte ich für gefährlich.

  13. #12
    Der Schmied von Kochel Der Schmied von Kochel ist offline
    Avatar von Der Schmied von Kochel

    Cyberkriminalität: Kann der Zweck die Mittel heiligen?

    Zitat HardAndSoft Beitrag anzeigen
    Du sprachst im vorigen Beitrag aber von "veröffentlichen oder den Behörden übergeben". Eine ungeprüfte Veröffentlichung halte ich für gefährlich.
    Well, kommt auf den Sachverhalt an, wenn du mich fragst. Sollten die Verhältnisse klar sein und bspw. ein eindeutiges Interesse seitens der Regierung bestehen, die Vorgänge geheim zu halten, dann spricht mehr für eine Veröffentlichung durch Guerilla Kollektive als dagegen; siehe Panama Papers.

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