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    Konzentrationslager Dokument F 321

    Konzentrationslager Dokument F 321



    Bei dem Buch „Konzentrationslager Dokument F 321 für den internationalen Militärgerichtshof Nürnberg“ handelt es sich um eine Sammlung von Zeugenaussagen von Überlebenden der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager. Erschienen ist dieses Buch erstmals in seiner Originalsprache französisch im Jahr 1945, die deutsche Erstausgabe folgte 1947.

    Das Buch umfasst 11 große Hauptabschnitte die von der Deportation, über verschiedene Aspekte der Lager bis hin zur Befreiung reichen. Zudem enthält es eine Karte mit den Standorten der KL und VL im Deutschen Reich. Das Buch beginnt dann mit der Auflistung der Zeugen deren Aussagen im Buch enthalten sind und im welchen Lager sie inhaftiert waren. Dabei ist das Spektrum der Zeugen breit gefächert, es kommen Leute jüdischen Glaubens zur Sprache, ebenso christliche Pfarrer die ins Visier des NS-Regimes geraten sind, Widerstandskämpfer und Kommunisten. Das 1. Kapitel beschreibt dabei die Deportation in die Lager und wie bereits bei dieser die Entmenschlichung der zukünftigen Häftlinge weiter ging. Die Häftlinge wurden in Waggons gesperrt bis diese sich kaum noch bewegen konnten und wie aufgrund von Entkräftung und Durst schon bei der Fahrt in die Lager tausende starben. Weitere Zeugenaussagen berichten dass dann direkt nach der Ankunft weitere Häftlinge, zumeist Kinder und Babys, getötet wurden. Es werden die Prozeduren des Kahlscherens beschrieben, ebenso die Tätowierung einer Nummer in den Oberarm. Das Kapitel 3 schließt dann mit der nicht vorhandenen Hygiene der Häftling ab die sehr oft dazu führte dass Seuchen in den Reihen der Häftlinge ausbrachen, in der Regel Typhus und Ruhr(Dysenterie). In Kapitel 4 folgen dann Aussagen über die Rangordnung der Gefangenen, da nicht Gefangener gleich Gefangener war. So wird berichtet, dass Deutsche Insassen über denen der anderen Nationalitäten standen, dabei waren diese selber noch einmal in mehrere Kategorien unterteilt. Auch die Rolle der Kapo und Blockältesten wird beschrieben und wie diese ihre Machtposition die ihnen von der SS innerhalb der Lager gegeben wurde zu ihrem eigenen Vorteil nutzen auf Kosten der anderen Häftlinge. Kapitel 5 beinhaltet Berichte der Überlebenden über das Lagerleben an sich, Schläge und Misshandlungen waren an der Tagesordnung und selbst die Toten hatten an den Lagerappellen teilzunehmen, zu diesem Zweck mussten sie von den Lebenden gehalten werden. Es folgt im nächsten Kapitel die Arbeit von Männern und Frauen und Berichte darüber dass viele Häftlinge die schwere Arbeit nicht überlebten, dies aber auch bewusst so war. Es wird berichtet dass Kapos eine Todesquote zu erfüllen hatten, es mussten immer eine bestimmte Anzahl an Häftlingen sterben und für die Kapos war die Arbeit dabei der effektivste Weg. In Kapitel 7 folgen die Berichte über die sanitären Verhältnisse im Lager und wie es um Krankheiten und die Kranken bestellt war. Es wird von den Überlebenden Zeugen berichtet, dass eine Krankmeldung bei den Lagerärzten einem Todesurteil gleichkam, da die Kranken direkt entsorgt wurden um die Sterbequote zu erfüllen. Die Zeugenaussagen berichten zudem davon dass der Zustand der Gesundheit in der Regel immer schlecht war und nur die Kapos aufgrund ihrer Bevorzugung ein verhältnismäßig besseres Leben führen konnten. Ebenso wird von Abtreibungen und dem kastrieren und sterilisieren berichtet, was ebenfalls oft mit dem Tode der entsprechenden Personen endete. In Kapitel 8 folgen dann die Zeugenaussagen über die medizinischen Experimente die man mit den Häftlingen durchgeführt hat, diese reichten von Impfstoffsuche für Tuberkulose und andere Krankheiten, über Suche nach Heilmitteln bei Brandwunden bis hin zu Kälte- und Druckversuchen. Kapitel 9 befasst sich mit dem Verhalten der Häftlinge, die Aussagen der Zeugen sind dabei Lager übergreifend im Kern dieselben. Es gab Fluchtversuche von einzelnen Personen oder kleinen Gruppen, manche Häftlinge begingen auch angesichts ihrer verzweifelten und aussichtslosen Lage Selbstmord, der seltenste Fall waren laut Zeugenaussagen Revolten und diese wurden auch nur von kleinen Gruppen geführt und nicht von großen Teilen der Lagerinsassen. Kapitel 10 befasst sich mit der Vernichtung der Häftlinge, es wird von Selektionen berichtet die nach den verschiedensten Vorgaben durchgeführt wurden, so wird von manchen Überlebenden berichtet, dass Kranke oder Arbeitsunfähige für die Tötung selektiert worden, ein anderes Mal wurden Frauen ausgewählt und wieder andere Insassen wurden auf Grund von persönlichen Abneigungen ausgewählt. Von den Überlebenden Zeugen wird berichtet, dass die Vernichtung in den meisten Fällen durch Vergasung erfolgte, andere Aussagen berichten dass manche Häftlinge, einfach lebend in die Öfen geworfen wurden. Ebenso berichten die Überlebenden Zeugen davon, dass die Häftlinge die an den Öfen arbeiteten nach 90 Tagen ausgewechselt wurden, was nichts anderes bedeutete als dass sie getötet wurden. Kapitel 11 befasst sich schließlich mit der Befreiung und den Ereignissen der Lagerinsassen, dabei wird berichtet wie die Gaskammern und Öfen gesprengt wurden und die Insassen zu langen Märschen gezwungen wurden, auf denen die meisten von ihnen starben. Zum Ende dieses Buches finden sich noch zahlreiche Seiten mit Bildern aus den verschiedenen Lagern und den Massengräbern und getöteten Häftlinge.

    Mein Fazit

    Wer sich für die Zeit des Nationalsozialismus und die deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager interessiert der hat mit diesem Buch eine zum Teil sehr ausführlich und detaillierte Sammlung an Zeugenaussagen von Überlebenden der Lager. Allerdings sollten diejenigen die das Buch lesen auch wissen worauf sie sich einlassen, die Zeugen berichten schonungslos von dem Erlebten und dies ist stellenweise noch erschreckender als dass, was man erwartet. Man sieht oder vielmehr liest in diesem Buch eindrucksvoll wozu die Entmenschlichung von anderen Menschen unweigerlich führt. Anhand der Zeugenaussagen erkennt man aber auch zum Teil wieso es den SS-Totenkopfverbänden gelang mit eher kleinen Garnisonsverbänden die riesigen Menschenmengen der Lager unter Kontrolle zu halten. Denn es gab kein Vertrauen unter den verschiedenen Gruppen, die Einführung der verschiedenen Häftlingsgruppen und der Einsatz von Kapos und Oberkapos machte es den Häftlingen unmöglich einander zu vertrauen was es schließlich unmöglich machte eine geschlossene Lagerevolte durchzuführen. Wer sich für das Thema interessiert der kann sich meiner Meinung nach auch dieses Buch kaufen.

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    Konzentrationslager Dokument F 321

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