Ergebnis 1 bis 6 von 6
  1. #1
    HardAndSoft HardAndSoft ist offline
    Avatar von HardAndSoft

    Böse Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

    Takedown-Notices, Leistungsschutzrecht, Digitales Vergessen - Google musste schon viel Rumbastelei an den Suchergebnissen ertragen.
    Einer der eifrigsten Google-Gegner ist die MPAA (Motion Picture Association of America), hinter der die Vereinigung der größten Hollywood-Studios steckt (z.B Paramount, Warner, Sony und Disney). Die haben es geschafft, einen Bezirksstaatsanwalt auf ihre Seite zu ziehen, der dann auch bei Google eine Menge Ärger mit Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw. usf. verursacht hat.

    Google hat dagegen natürlich geklagt. Und dabei hochbrisantes Beweismaterial vorgelegt.

    An das Gericht übergeben wurden mehrere Emails zwischen Bezirksstaatsanwalt und MPAA. Inhalt dieser Mails: Die Abstimmung einer Schmierenkampagne mit falschen Anschuldigungen, um Google in die Knie zu zwingen. Es sollte eine PR-Agentur engagiert werden, die zunächst die öffentliche Meinung gegen Google beeinflusst. Dafür war fest geplant, sowohl einen Leitartikel im Wall Street Journal zu launchen (der Googles Aktienwert beschädigen sollte), und ein Anti-Google-Thema in der Today Show (das renommierteste US-Frühstücksfernsehen) unterzubringen. Dann sollte die PR-Agentur verschiedene Anklagepunkte und Durchsuchungsbeschlüsse für den Bezirksstaatsanwalt verfassen, die dieser dann abzeichnen würde.

    Neben einem Einblick in die skrupellose Bestechung öffentlich Bediensteter erschreckt vor allem, wie selbstverständlich es in den Mails schon geregelt zu sein scheint, dass die Redaktionen der Today Show und des Wall Street Journals mitmachen. Beide Magazine gehören übrigens der MPAA.
    Die journalistische Unabhängigkeit scheint in diesem Falle nicht mehr zu existieren, und somit entpuppt sich der Spruch "unsere Anzeigenabteilung/unsere Eigentümer nehmen keinen Einfluss auf unsere Inhalte" zumindest in den USA als widerlegt.

    Wem kann man heutzutage eigentlich noch glauben?

    Weitere Infos in diesem Artikel: https://www.techdirt.com/articles/20...show-wsj.shtml

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    Böse Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

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  3. #2
    Simbart Simbart ist offline
    Avatar von Simbart

    AW: Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

    Meiner Meinung nach ist die Presse weder in den USA noch in Deutschland wirklich unabhängig - sicher auch nicht in Russland oder in vielen anderen Ländern. Die Anzahl der Eigentümer der Medien ist in den letzten Jahren stark geschrumpft. Da wird sicher nichts gedruckt oder gesendet, was diesen missfällt. Bestimmt wird es den einen oder anderen scheinbar kritischen Bericht geben, aber ich sehe das nur als ein Alibi an.

    Des Weiteren sind Medien, speziell Tageszeitungen, auf die Einnahmen durch Werbung angewiesen. Das schränkt die objektive Berichterstattung ebenfalls ein - wer beißt in die Hand, die einen füttert?

    Ein weiterer wichtiger Punkt scheint mir zu sein, dass die Führungsposten der Medienhäuser und Sendeanstalten, z. B. Chefredakteur, durch Personen besetzt werden, die sich durch Zugehörigkeit zu diversen Vereinen etc. nicht gerade als neutral bezeichnen lassen ("Die Anstalt" hatte im ZDF mal dazu einen Beitrag gebracht). Kritische Berichte, die dem Ziel dieser Organisationen entgegenstehen, werden entweder umformuliert oder erscheinen erst gar nicht. Journalisten riskieren ihren Arbeitsplatz, wenn sie sich zu weit aus dem Fenster lehnen - und Karriere geht natürlich ganz anders. Die Schere etabliert sich im Kopf.

    Wer sich nicht alternativ informiert - und diesen Quellen ebenso kritisch gegenüber steht - kann sich im Prinzip fast nur eine Meinung bilden (gebildet bekommen).

  4. #3
    Der Schmied von Kochel Der Schmied von Kochel ist offline
    Avatar von Der Schmied von Kochel

    AW: Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

    Zitat Simbart Beitrag anzeigen
    Wer sich nicht alternativ informiert - und diesen Quellen ebenso kritisch gegenüber steht - kann sich im Prinzip fast nur eine Meinung bilden (gebildet bekommen).
    Guter Ansatz der aber meistens auch gleichzeitig das Problem darstellt. Alternative Informationen gehen i.d.R. durch das Web wie stille Post, nach 10 Kopien sind wichtige Dinge bereits entfallen oder reißerische Dinge zugedichtet worden (Erhöht ja die Klicks, so ein Aufmacher). Wenn jetzt auch noch die Blog-Quelle oder was auch immer der Auslöser war nur halbseriös ist, kommt am Ende der blanke Hohn raus.

    Um eine guten Einblick zu bekommen, habe ich früher immer mal wieder auf Vice Berichte gesehen, die normalerweise von unabhängigen Personen gedreht worden sind. Wohlgemerkt handelte es sich dabei aber um Meinungsbildung, nicht wirklich Nachrichten. Da ging es bspw. mal um die Überbleibsel der Apartheit, die Unterdrückung der Aborigines oder auch Geschehnisse während des Balkankrieges. Da haben sich blutjunge Kerle häufig ne' blutige Nase geholt (buchstäblich). Kernpunkt war halt, direkt und ungefiltert mit Betroffenen zu reden, ohne Redaktion dazwischen.
    Und heute? Das letzte nennenswerte Produkt an das ich mich erinnern kann ist der Bericht zum IS (Inside IS) und ansonsten hat Vice in Deutschland einen Platz auf dem TV Sender mit dem wohl lächerlichsten Verhältnis zu seriösem Journalismus: RTL 2. Schade eigentlich.

  5. #4
    Knollo Knollo ist offline
    Avatar von Knollo

    AW: Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

    Zitat HardAndSoft Beitrag anzeigen
    Wem kann man heutzutage eigentlich noch glauben?
    Im Grunde genommen sollte man keinem glauben und versuchen, aus diversen Medien eine wirkliche Wahrheit zu finden.
    Bei vielen Themen höre ich nicht mal hin. Alles was mit Asylanten, Kriegen und c.o. zu tun hat, ist meist nur negative Stimmungsmache. Selbst die Medien, die sich gerne als das weiße Ross sehen, greifen nur diese Themen auf und am Ende ist unterbewusst und subtil eine negative Stimmung verbreitet worden. Egal in welche Richtung.

    Von daher: Wenn mich ein Thema in dem Moment interessiert, dann versuche ich in der Regel ein paar Quellen dazu zu finden und schaue, was die unterschiedlichen Quellen dazu sagen. Es ist interessant, wie oft man feststellt, dass gewisse Medien Dinge hinzu dichten oder aber so wiedergeben, das sie ganz anders wahrgenommen werden als bei alternativen Quellen. Vor allem die Bild kann gut lügen ohne dabei zu lügen.

  6. #5
    Cao Cao

    AW: Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

    Zitat Bieberpelz Beitrag anzeigen
    Im Grunde genommen sollte man keinem glauben und versuchen, aus diversen Medien eine wirkliche Wahrheit zu finden.
    Bei vielen Themen höre ich nicht mal hin. Alles was mit Asylanten, Kriegen und c.o. zu tun hat, ist meist nur negative Stimmungsmache. Selbst die Medien, die sich gerne als das weiße Ross sehen, greifen nur diese Themen auf und am Ende ist unterbewusst und subtil eine negative Stimmung verbreitet worden. Egal in welche Richtung.

    Von daher: Wenn mich ein Thema in dem Moment interessiert, dann versuche ich in der Regel ein paar Quellen dazu zu finden und schaue, was die unterschiedlichen Quellen dazu sagen. Es ist interessant, wie oft man feststellt, dass gewisse Medien Dinge hinzu dichten oder aber wiedergeben, das sie ganz anders wahrgenommen werden als bei alternativen Quellen. Vor allem die Bild kann gut lügen ohne dabei zu lügen.
    So in etwa filtere ich mir auch eine Meinung heraus als mich blind Medien, Statistiken oder Theorien anzuvertrauen.

    Unabhängig sein ist nicht leicht, aber durchaus machbar.

    Ein Bericht besagt das die Asylbewerber alle nur negativ auffallen. Ein anderer Bericht sagt das Gegenteil.
    Ich selbst habe ja Augen und Ohren, also kann ich zumindest aus eigener Erfahrung und von meinen Umfeld ausgehen. Ich schließe daraus das einige Heime tatsächlich Verhaltensauffälligkeiten haben, während andere so ruhig und friedlich sind, vergleichbar mit einen buddhistischen Kloster.
    Die eigene Erfahrung kann viel neu interpretieren, und ein genaueres Bild von der jeweiligen Situation geben, WENN man nicht politisch ohnehin voreingenommen ist.

    Bei Statistiken verhält es sich da nicht anders.
    Anstatt zu glauben, sollte man sich selbst ein Bild machen, aber nicht durch die BILD eine Meinung bilden

    Man sieht, und man kann glauben, nur sollte man es nicht verallgemeinern, oder wenn man "sieht" auf einen Auge blind sein.
    Sich leiten zu lassen von Informationen macht es einfacher, aber eine absolute Gewissheit hat man durch Medien und Quellen nicht.
    Soange etwas "möglich" ist, kann man dieser Annahme auch bis zu einen gewissen Grad Glauben schenken.
    Leider ist die Presse heute Gift für uns, eben weil sie selbst zuviel hinein interpretiert und das als Tatsache abstempelt.
    Würde man nun 10 weitere Menschen darin beauftragen würden noch 10 weitere , unterschiedliche Interpretationen vorliegen.

    Eine gute Presse hält sich folglich nur an das was an Informationen vorliegt und stellt nichts als Tatsache dar, sondern als wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. Die Presse darf keinen Einfluss auf das Thema nehmen, sondern müsste die Information gerade heraus sagen/schreiben.
    Man ist auf der sicheren Seite wenn man nichts ausschließt, außer Dinge die wirklich weit bis nahezu unmöglich sind

  7. #6
    Topas Topas ist offline

    AW: Das Märchen von der Unabhängigkeit der Presse

    Zitat Bieberpelz Beitrag anzeigen
    Bei vielen Themen höre ich nicht mal hin. Alles was mit Asylanten, Kriegen und c.o. zu tun hat, ist meist nur negative Stimmungsmache. Selbst die Medien, die sich gerne als das weiße Ross sehen, greifen nur diese Themen auf und am Ende ist unterbewusst und subtil eine negative Stimmung verbreitet worden. Egal in welche Richtung.
    hier wird gezeigt, wie man durch weglassen die Meinung manipuliert.
    Verschweigen als Methode zur Meinungsmache (2)

    Wenn es nicht mittlerweile die "täglichen Einzelfälle" in Massen geben würde, gäbe es nämlich nichts darüber zu berichten oder angeblich zu "hetzen"

    ansonsten verweise ich immer wieder gern auf den guten John Swinton

    1880 war John Swinton Ehrengast bei einem Bankett, das ihm die Führer der Zeitungszunft ausrichteten. Jemand sprach ehrende Worte über die unabhängige Presse.
    Swinton antwortete (Übersetzung):
    „So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ [5]
    https://de.wikipedia.org/wiki/John_Swinton

    Der Begriff "Lügenpresse" hat schon seine Berechtigung und sie erzeugt eine subtile negative Stimmung. Dem wäre doch "eigentlich" recht simpel abzuhelfen: Für jede negative Nachricht z. Bsp. bei den Flüchtlingen, mindestens 5 gute Nachrichten auf der Titelseite. Warum wird das nicht einfach gemacht? Sollte doch wirklich nicht schwer sein.