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  1. #1
    frable frable ist offline
    Avatar von frable

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Mit purer Absicht habe ich diesen provokanten Titel gewählt. Ich möchte euch im folgenden mal meine Einstellung zum gesamten Fußballgeschäft schildern. Ich möchte gar nicht hören oder wissen, ob ich recht habe oder nicht. Denn der nachfolgende Text ist meine persönliche Empfindung, an der ich nichts ändern kann. Ich erhebe auch keinen Anspruch auf Richtigkeit, es ist einfach eine allgemeine Einstellung die mich mehr und mehr beschleicht. Mich interessiert vielmehr wie ihr die Lage im Fußball so einschätzt und wie es euch mit den aktuellen Entwicklungen so geht.

    Um ganz ehrlich zu sein empfinde ich die aktuelle Entwicklung im Profifußball als Katastrophe. Mir macht es immer weniger Spaß am Wochenende Fußball zu schauen, weil mir die gesamte Kommerzialisierung gegen den Strich geht und vor allem, dass der sportliche Erfolg längst nicht mehr der Maßstab ist.
    Mit Kommerzialisierung meine ich vor allem das viele Geld im Fußballgeschäft, dass eine immer größere Kluft zwischen Spieler und Fans schafft. Dabei geht es mir nicht darum, dass ein einzelner Spieler viel Geld verdient. Sondern vielmehr um die negativen Effekte der daraus resultiert. Wir sehen an den Beispielen Aubameyang, Coutinho, Dembele und Co., dass die Spieler aufgrund des hohen verdienst nicht mehr auf ihren Club angewiesen sind. Dadurch können sie sich derlei Fehltritte überhaupt leisten und kommen häufig ungestraft davon. Die Spieler haben immer mehr Macht und durch ominöse Berater wird das gesamte Geschäft immer undurchsichtiger und kommerzieller. Besonders problematisch ist meiner Ansicht nach, dass die Spieler ungestraft davon kommen, weil die Vereine viel zu abhängig von ihnen sind. Weder die Vereine verhalten sich untereinander solidarisch noch die Fifa schreitet bei so einem Verhalten ein. Toll wäre, wenn diese Spieler einfach keinen Arbeitnehmer mehr im Fußball finden würde, weil die Vereine zusammenhalten und so ein Verhalten kategorisch ablehnen. Dadurch, dass sie für diese Verhalten aber noch belohnt werden kann man vermuten, dass dieses Verhalten in Zukunft zunehmen könnte. Auf der anderen Seite müsste die Fifa solch ein Verhalten mit richtig harten Strafe belegen, sodass sich ein Spieler dreimal überlegt, ob der diesen Weg einschlägt. Hinzu kommen die Fanunfreundlichen Unternehmungen, dass die Spieltage immer weiter zersplittert werden oder die TV Rechte auf keine Ahnung wie viele Dienste aufgeteilt werden. Man verlegt die Anstoßzeiten solange, bis wir jedes Spiel einzeln schauen können. Neben sei noch eins Bemerkt: Der DFB wundert sich, dass niemand die Spiele unserer DFB-Elf schaut. Kein Wunder! Wer hat denn die Zeit in der Woche bis halb Elf im Stadion zu sitzen? Kinder auf gar keinen Fall. Und die Preise sind auch eine Frechheit. Hauptsache das Geld stimmt, alles andere wird immer unwichtiger...
    Warum meine ich, dass das Sportliche nicht mehr im Vordergrund steht? Relativ einfach - und der erste Absatz spielt da auch eine wesentliche Rolle. Früher musste ein Verein gut arbeiten, Erfolge einfahren und sportlich solide Arbeiten um dann auch wirtschaftlich zu wachsen. Gewisse Ausnahmen gab es schon immer - siehe Real Madrid etc.. Doch zunehmen kann man beobachten, dass der sportliche Erfolg nicht mehr der maßgebliche Faktor ist. Mittlerweile sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die finanzielle Grundlage bedeutender ist. Das wird vor allem durch irgendwelche Scheiche beflügelt die unseren Sport zu ihren Spielball machen, weil sie nicht wissen wohin mit ihren Geld. Wenn man sieht, dass ein Verein wie PSG dreistellige Millionenbeträge investieren kann ohne international nennenswerte Erfolge vorzuweisen, dann ist das meiner Ansicht nach alles mehr als fragwürdig. Denn dadurch rückt der Sport selber immer weiter in den Hintergrund. Selbiges kann man bei Vereinen wie Leipzig oder Hoffenheim beobachten; die rein durch den finanziellen Motor in der Bundesliga spielen und nicht, weil man (nur) gute Arbeit geleistet hat. Ich finde es einfach schade und das nimmt mir den Spaß am Fußball. Wenn ich hören, dass ein Verein 230 Millionen für einen Spieler zahlt ohne auch nur Ansatzweise einen solchen Umsatz zu erzielen, dann frage ich mich wirklich wo da der sportliche Aspekt bleibt und wo das noch hinführen soll.

    Von Seite der Fifa oder Uefa wird ja nicht einmal versucht dem ganzen einen Riegel vorzuschieben. Financial Fairplay ist nichts weiter als ein Witz mit dem man zeigt, dass man diese Entwicklung eigentlich nicht gutheißt, aber auch keine Lust hat es ernsthaft zu unterbinden. Denn Geld kann man ja immer gebrauchen . Gehaltsetatobergrenzen o.ä. wären mit Sicherheit ein möglicher Ansatz um den Sport wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und das finanzielle das finanzielle sein zu lassen. Mir ist es prinzipiell egal, ob ein Spieler zwei, vier oder sechs Millionen verdient. Ich finde es einfach schade, dass der sportliche Erfolg ist nicht mehr das maßgebliche Kriterium. Es geht zunehmend ums Geld und der Sport rückt mehr und mehr in den Hintergrund.

    Ich hoffe es ist einigermaßen deutlich geworden was ich meine. Ich finde es wirklich schade, weil mir Fußball generell sehr wichtig ist und ich die Samstage wirklich genieße.

    Geht es da nur mir so?

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    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

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  3. #2
    Max @ home Max @ home ist gerade online
    Avatar von Max @ home

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Mir geht's ähnlich. Ich wollte vor wenigen Tagen fast schon einen verwandten Thread erstellen - der sich allerdings eher auf die aktuelle Situation um Martin Kind und Hannover 96 bezogen und damit in Richtung 50+1, dessen Zukunft, machthungrige Investoren und mögliche Klagen gegen besagte Regel bewegt hätte.

    Der TSV 1860 hatte im Sommer 2017 ein ähnlich schwierige Situation, als Ismaik den Verein in die Regionalliga Bayern absteigen ließ - in der Gewissheit, mangels 50+1 im Amateurbereich den Verein dann übernehmen zu können. Glücklicherweise schob BFV-Präsident Dr. Rainer Koch dem Ganzen einen Riegel vor, indem er einen (!) Tag vor Ablauffrist besagten Passus auch hier einführte [BFV Aufnahmebestimmungen §8]. Daraufhin drohte Ismaik mit Klage gegen 50+1, das Kartellamt sah allerdings bisher von einer Prüfung ab [Abendzeitung].

    Die Angst vor dem Fall von 50+1 hat bei mir eine ähnlichen Effekt bei mir wie die zu große Macht der Spieler seit dem Bosman-Urteil. Das Problem haben ja hierzulande grundsätzlich alle Vereine unterhalb des FC Bayern - beim BVB ist es allerdings besonders krass. Da hoffe ich auch, dass man künftig die Machtverhältnisse irgendwie ausgeglichener gestalten kann. Dass ein Verein es sich nicht leisten kann, einen xx Mio. schweren Spieler versauern zu lassen, ist irgendwie auch nachvollziehbar.

    Diese mit unheimlich viel Geld zusammenhängenden Machtspielchen lassen mich als Fan den Sport inzwischen auch unemotionaler empfinden. Hinzu kommt dann noch ein Videobeweis, der das Treiben im Gesamten nach meinem Empfinden auch nicht wirklich gerechter macht. Aber das ist wieder ein anderes Thema…

  4. #3
    frable frable ist offline
    Avatar von frable

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Danke. Ich habe mich zwar sehr über die 'Danksagungen' gefreut, hab allerdings schon geglaubt das dieses Thema verschwinden wird. Ich habe die Problematik bei 1860 auch ein wenig mitverfolgt, da ein bekannter von mir auch Fan ist und wir einige Male gemeinsam im Stadion waren. Ich finde das sehr sehr ärgerlich und verstehe einfach nicht wieso man es zulässt, dass der Fußball zum Spielball einiger reicher Menschen wird. Mit gewissen Reglementierungen könnte man dem zumindest einhält gebieten. Dies ist aber ganz offensichtlich nicht im Interesse der obersten Machthaber. Auch wenn dieser Satz immer wieder fällt, weiß nicht wie lange das alles noch funktioniert. Wenn man nicht reagiert und alles so weiterlaufen lässt kann es wirklich passieren, dass es irgendwann zu einem großen Knall kommt. Es bleibt abzuwarten was uns in Zukunft erwartet. Mit so einer Entwicklung habe ich offen gesagt vor fünf oder sechs Jahren nicht gerechnet.

  5. #4
    Swok Swok ist offline
    Avatar von Swok

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Interessanterweise gibt es streikende Fußballer aber nicht erst seit heute.
    Heiko Herrlich hat z.B. damals angekündigt, dass er nie wieder Fußball spielen möchte, wenn der Wechsel zum BVB scheitern sollte "Bevor ich noch einmal meine Schuhe für Mönchengladbach schnüren muss, höre ich lieber mit dem Fußball auf".
    Aber es stimmt schon, dass es in den letzten Jahren vermehrt dazu gekommen ist. Fußballer nehmen sich zu viel raus, fühlen sich wie Könige (was vielleicht auch mit an den öffentlichen Medien liegt) und scheißen auf Verträge. Dazu kommen noch die geldgeilen "Berater", die im Prinzip natürlich nur das lukrativste Angebot für sich selbst raussuchen und es dem jeweiligen Spieler dann schmackhaft machen.

    Ich denke auch nicht, dass sich das in Zukunft großartig ändern wird.
    Vielleicht wird es nun nicht mehr bei Dortmund passieren, da Watzke jetzt harte Strafen (Tribüne) angedroht hat, wenn noch ein Spieler sowas versuchen sollte. Dass er dieses erst androht, nachdem es drei Spieler aus dem Verein so gemacht haben finde ich ein bisschen lächerlich :P Hätte schon nach Mkhitaryan kommen müssen.

    Ich wünschte mir, das jeder Verein so hart durchgreifen würde und den Spieler eiskalt auf die Tribüne setzen würde, am besten mit gekürztem Gehalt.
    Kann ja nicht sein, das man paar Monate zuvor seinen Vertrag langfristig verlängert und dann versucht seinen Wechsel zu erzwingen, weil ein Verein nach ein paar guten Spielen Interesse an einem zeigt.
    Bin schon gespannt wieviel Einsatzzeit Dembele in Barcelona bekommen wird, jetzt wo Coutinho am Start ist und er selbst mal wieder verletzt ist. Das nennt man wohl Karma.

  6. #5
    Max @ home Max @ home ist gerade online
    Avatar von Max @ home

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Ja, bei "meinen" Löwen waren es u. a. Yannick Stark und Bobby Wood, die mit von einer auf die andere Stunde auftauchenden psychischen Problemen (Stark) und globalem Stunk, auch gegen Fans, (Wood) ihren Wechsel erzwungen haben. Das kann eben leider fast jeden Verein treffen, da wird fast jeder Fan was zu erzählen haben. Und ich denke, solange sich Vereine untereinander nicht solidarisch verhalten oder massive finanzielle Verluste nicht in Kauf nehmen würden, wird sich da so schnell auch nichts ändern.

    Die ganze "Geld/Konkurrenzfähigkeit"-Diskussion, die in "Doppelpass" & Co. veranstaltet wird, nervt mich auch etwas. Klar, ein paar Vereine könnten dann mit guten, aber abgehobenen Starkickern in internationalen Wettbewerben ein wenig besser abschneiden - dass das allerdings auf Kosten der Jugendarbeit gehen könnte, wird hingegen ausgeblendet. Entsprechende Leistungszentren mit eigenen Talenten bewirken hingegen weiterhin eine beruhigende Zukunft für die Nationalmannschaft. Hatten wir ja alles schon vor 15, 20 Jahren.

    Die Medaille hat halt immer zwei Seiten…

  7. #6
    Eisuke261990 Eisuke261990 ist offline

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Kommt immer drauf an, wie man es betrachtet. Für Fußballromantiker ist der aktuelle Sport nichts mehr - das ist definitiv nicht abstreitbar.

    War aber eine Entwicklung die sich ab den 80ern angedeutet hatte, als die Ablösesummen aufeinmal anstiegen. Dies hielt sich dann bis in die 2000er in Waage, ehe wir nun einen neuen Anstieg vermerken durften.

    Aus der sportlichen Sicht muss man aber auch sagen, dass man in einer breiteren Masse guten Fußball beobachten kann. Taktisch ist der Fußball aktuell, gerade durch das Barca-System welches von anderen Teams kopiert wurden, auf einem neuen Höhepunkt angekommen. Ich bin mal gespannt, was und wann die nächste taktische Idee kommt, die den Fußball neu definieren wird.

  8. #7
    Max @ home Max @ home ist gerade online
    Avatar von Max @ home

    Früher war alles besser: Die Entwicklung des Profifußballs.

    Ich kann mich aber auch noch dunkel an meine Jugend in den Neunzigern erinnern, als man sich an den Kopf gefasst hat, dass ein Mensch EINE (!) Million DM (okay, es gab damals schon teurere Spieler ) wert sein soll. Da kam oftmals noch eine moralische Komponente ins Spiel - Stichwort: "Menschenhandel". Dass das alles 20 bis 25 Jahre später in finanzieller Hinsicht so dermaßen in den Himmel schießt, hatte ich in meiner damaligen Naivität nicht absehen können…

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